Bierparadies Kloster Aldersbach

Aldersbacher

Auf dem Weg ins Bierhotel sind wir auf einen der wohl schönsten Brauereihotspots in Niederbayern gestoßen. Auf die Aldersbacher Brauerei und ihr Kloster ca. eine halbe Fahrstunde südlich von Passau gelegen.

Das Kloster und die Brauerei blicken auf eine Jahrhunderte alte Tradition zurück.  Das Kloster wurde 1146, die Klosterbrauerei 1268 das erste Mal schriftlich erwähnt und sie zählt somit zu den ältesten schriftlich dokumentierten Braustätten der Welt. In dieser Zeit wurde allerdings noch in sehr kleinem Maßstab für die Mönche und deren Besucher gebraut, aber bemerkenswerterweise schon Hopfen kultiviert und angebaut. Nach der Säkularisation wurde die Brauerei samt Kloster 1811 an die heutige Inhaberfamilie des Freiherrn von Aretin verkauft. Die Marienkirche zählt zu den schönsten Barockkirchen der Welt.

So jetzetle genug der Kultur und ab in Richtung Brauerei. Empfangen hat uns der Braumeister Lorenz Birnkammer, der lieber Bierkammer heißen würde, mit einer super leckeren in der Flasche vergorenen kleinen Kloster Weiße Spezial 0,5l. Lorenz hat bei der Aldersbacher seine Lehre zum Brauer und Mälzer gemacht und das Brauen nach Abschluss der Lehre zwei Jahre in einer Gasthausbrauerei in Lana/Südtirol praktisch vertiefen können. Nach dem Doemens Braumeister ist er dann für drei Jahre in die Augustiner nach München zum Mälzen und Flaschenabfüllen. Wieder zurück in Aldersbach hat er das Labor geleitet und ist seit 2017 als verantwortlicher Braumeister die Brauerei.

Die Brauerei wurde in den letzten Jahren konsequent modernisiert und zählt mit ihren 70.000 hl zu den must – have Beerhotspots in Niederbayern. Das Malz kommt aus den Mälzereien Ireks, Pappenheim und Donaumalz. Geschrotet wird mit einer Nassschrotmühle, dem Maischomat von Steinecker. Das Nassschroten ist sehr selten in Brauereien anzutreffen. Der Vorteil ist, dass das Malz vor der Schrotung, also dem Mahlen und Zerkleinern des Malzes, mit Wasser befeuchtet wird. Das bringt höhere Sudhausausbeuten.

Das unglaublich schöne Sudhaus Baujahr 1995 mit 170 hl Ausschlagmenge ist ebenfalls aus dem Hause Steinecker und der wahrgewordene Brauertraum. Wunderschön architektonisch in den Gesamtgebäudekontext integriert. Und die Sudpfanne ist auch noch mit einem Stromboli – Innenkocher ausgestattet. Wie geil ist das denn….?? Der Sud rauscht in sechs Stunden durch die Braukathedrale, abgeläutert wird in zwei Stunden. Echt sanatoriumshafte Bedingungen für das spätere Bier.

Lorenz vergärt in den 800 hl Gresser Gärtanks und kräust dann unter Umpumpen in die Lagertanks auf. Das gefällt dem Bierblogger Werner, denn der Zusatzaufwand lohnt sich. So bekommt man durchgängig super reine Biere. Spieglein, Spieglein an der Wand, wer braut die reinsten Biere im ganzen niederbayrischen Land….?

Die Hauptsorte ist regional bedingt das klassische Kloster hell mit smoothen 11,5% Stammwürze. Gefolgt von der im Einmaischverfahren gebrauten Kloster Weisse hell. Alle anderen Biere werden mit dem Infusionsverfahren gebraut. Das Kloster Dunkel (lecker – lecker) gibt es ganzjährig, saisonal den Maibock und den mit Aromamalz von Ireks gebrauten Rubinbock. Lorenz´ Lieblingsbier ist das Pils. Mit 30 Bittereinheiten unter Verwendung der Hopfensorten Perle, Tradition und Saphir super geschmeidig gebraut. Das Pils sowie alle späteren glanzfeinen Biere rauschen zum Klären über den Kombifilter…

Lorenz hat von seinem Inhaber in Sachen Braukunst freie Hand. Als Bierspezialitätenliebhaber bietet er an Samstagen Braukurse auf der 3 hl Johann Albrecht Brauanlage an. Hier können sich bis zu 16 Bierbegeisterte sieben Stunden von Lorenz himself die Braukunst näher bringen lassen. Eine zweite Anlage dieser Art habe ich bei der Mönchshof in Kulmbach gesehen…

Beim Brauen auf der Anlage hat sich Lorenz auf die oak aged Biere mit Eichenholzfassreifung spezialisiert. Von Barleywine bis Imperial Stout. Für den Pfarrer der Marienkirche hat er sogar extra ein IPA gebraut, dass ich natürlich gleich verkosten wollte. Super lecker, richtig saftiger Hopfen, so mag ich das.

Mein Fazit: Mitten im Aldersbacherland, wo ein „Kleines“ 0,5 Liter misst… – so geht Lebensqualität. Danke lieber Lorenz.

 

 

Pilsner Urquell – Vom Japaner und dem grolligen Groll

Pilsner Urquell 

Unsere Kumpels haben meiner lieben Frau eine Reise nach Pilsen geschenkt. Das hat mich natürlich besonders gefreut. Denn zu Pilsen fallen mir sofort so viele schöne Bierassoziationen ein. Josef Groll, Pilsner Brauart, helles Malz, weiches Wasser etc.. Doch dazu später mehr. In Pilsen angekommen, bin ich sofort in die Brauerei gestürmt.

Im sogenannten „Visitor Center“ werden über 100.000 bierinteressierte Touristen im Jahr empfangen. Sehr schön ist der Originalnachbau einer vor ca. 100 Jahren tätigen Brauerei mit Kühlschiff, Berieselungskühler und Sudhaus, die den Besucher im Eingangsportal begrüßt. Und das im ehemaligen Kühlschiffhaus der historischen Brauerei.

Vor 1842 haben ganz viele ganz klitzekleine Brauer in Pilsen fürchterlich schlechtes Bier gebraut und in der Not hat der Stadtrat den griesgrämigen Wanderbrauer Josef Groll aus Vilshofen in der Nähe von Passau engagiert, um den Pilsener Qualitätsnotstand zu lindern. Der Josef war nur kanpp 4 Jahre in Pilsen und hat das Problem nachhaltig gelöst. Und wie das? In seinem Reisegepäck hatte er untergärige Bierhefe dabei. In dieser Zeit, also die Zeit vor der Erfindung der Kühlmaschine durch Carl Linde 1876, war die untergärige Brauweise noch nicht en vogue in Pilsen, wie auch im gesamten dunklen Bierdeutschland. Untergärige Biere sind bekannterweise aufgrund der kälteren Gärtemperaturen wesentlich stabiler hinsichtlich mikrobiologischer Kollateralschäden als die obergärigen. Und so hat er das erste Bier Pilsner Brauart gebraut. Untergärig und….

… nicht nur das. Der grimmige Josef hat auch noch etwas mehr Hopfen beim Brauen verwendet, denn auch der Hopfen trägt zur Haltbarmachung des guten Gerstensaftes durch seine antiseptischen Eigenschaften bei. Dann noch helles Malz anstatt dunkles  in Verbindung mit dem natürlich samtweichen Quellwasser. Und fertig war Josefs Zauberbier. Das erste Bier Pilsner Brauart. Eine eiserne Sudpfanne aus dem späten 19. Jahrhundert hat mich in die Grollsche Zeit zurück gebeamt.

Die Pilsner Urquell gehört mittlerweile seit 2 Jahren zu Asahi, einem großen Japanischen Braukonzern, der den renditeorientierten Haien von AB Imbev die Brauerei und mit ihr viele Andere hinsichtlich kartellrechtlicher Vorgaben abgenommen hat. Denn ansonsten hätten die Ami-Belgier fast soviel Weltbiermarktanteil wie das Bier Pilsner Brauart. Nämlich fast 70%! Das ist schon bemerkenswert mit den Japanern, aber wen wundert es. Mittlerweile haben sich die Chinesen sogar schon auf dem württembergischen und bayrischen Biermarkt eingekauft. Und besonders bemerkenswert ist der „Japaner“ wirklich,….

…denn früher vor 100 Jahren hat er in Form eines Grünmalzkarrens (auch „Japaner“ genannt) den Mälzern bei der Verteilung des Grünmalzes auf der Darre geholfen.

So, genug gelästert. Das alte Sudhaus Baujahr 1931 ist echt eine Pracht…..

…und das Neue noch viel mehr. Hier werden 630 hl auf etlichen Sudstraßen im Einmaischverfahren gebraut und von den 2 Mio. hl Urquell wandern knapp 30% in den Export.

Dann ging es in die berühmten Keller der Brauerei. Hier haben sich in den Hochzeiten vor Einführung der Eisen- und späteren Edelstahl- Gär- und Lagertanks auf den 9 km langen Kellergewölben  6000 Holzfässer verteilt. Und das in 5-10m Tiefe.

Heute haben die Jungs und Mädels von Urquell für die Touris wieder einen historischen Holz – Gär- und Lagerkeller „in Betrieb“. Das ist toll gemacht und so ziemlich einzigartig, denn hier…

… können die Besucher dem Bier beim Gären in historischem Ambiente zuschauen.

Und solche Holzfässer sind heute richtig teuer. Ein Fässle kostet handmade schlappe 11.000€.

Verkostet werden darf direkt vom Eichenholzfass. Für viele Besucher der beste Stoff in Pilsen. Ich bin mir da nicht so sicher, denn das bierige Tröpfle hat eine gewisse organoleptische Ähnlichkeit mit dem unfiltrierten Pilsner Urquell aus dem Edelstahl Keg in den tschechischen Schänken….

Mein Fazit: Bierhistorie trifft Walt Disney. Ein Prost auf den Josef.

Humbser – Jugendstil macht Spass

Humbser

Bei meiner Stipvisite in Nürnberg haben wir auch einen kleinen Abstecher ins benachbarte Fürth gemacht. Ziel war das historische Sudhaus der ehemaligen Humbser Brauerei. Seit 1888 wurde hier in der Schwabacher Strasse gebraut. 1911 wurde vom Brauereicheffe Martin Humbser das wunderschöne Jugendstil Gebäude errichtet und ab 1912 wurde in dem Selbigen fleißig eingemaischt.

Gebraut wurde in dieser wunderschönen Ambiente bis 2009.  Schaut Euch den historischen Originalfilm an, der lohnt sich. Humbserfilm Nach langen Jahren des Leerstandes wurde diese Schönheit nun wieder wachgeküsst.

Und hier wurde mal richtig gebraut. In diesem stolzen Sudhaus wurden in den besten Zeiten über 1 Mio. Hektoliter Bierwürzen p.a. hergestellt….

… auf den Wandkacheln haben wir historische Artefakte entdeckt. Sudanzahl mal Ausschlagmenge…

Seit Oktober 2018 beherbergt der Jugendstilbau eine bierige Gastro. Nach fast drei Jahren aufwändigsten Umbauarbeiten wurde durch den Gastrobetrieb den wunderschönen Kupferhauben eine neu Aufgabe übertragen. Früher Bier machen, heute Bier ausschenken. Aus zwölf Zapfhähnen fließt das bei Tucher gebraute Humbser und Grüner Bier, Schanzenbräu, Boeheim und mehr.

Schöner geht nicht…

Das ist wohl der größte kupferne Läutergrant, der mir seither begegnet ist.

Mein Fazit: Humbser – Bier mit (Jugend-) Stil. Cheers!

 

Tucher, die 2- Städtebrauerei

www.tucher.de

Im Rahmen unserer Nürnberger Rotbierchallenge haben wir dann auch mit Helmut Ell die heutige Tucher Brauerei mit ihrem 2- Städte- Sudhaus besucht. Die Stadtgrenze Nürnberg – Fürth durchzieht genau das Sudhaus. Und das aus gutem Grunde.

Doch erst einmal tauchen wir in die turbulente Geschichte dieser Traditionsbrauerei ein. 1855 ging es durch den Kauf des Königlichen Bräuhauses in der Altstadt in Nürnberg durch die alte Patrizier Familie Freiherren Tucher von Simmelsdorf los. Dort wurde bis zum Brauereiumzug 1906 gebraut. Von 1890 wurde parallel ebenfalls in der neu gebauten Brauerei im Tucher’sche Gartenanwesen Langen Gasse 20 gebraut. Habe eine historische Fotografie vom Bräuhaus gefunden. Vergleich früher….

….zu heute. Wir haben extra eine kleine Schleife an diesen historische Ort in der Nürnberger Altstadt gemacht.

Zurück im 300 hl Gea Sudhaus im 2- Städte- Sudhaus. Dort werden 26 verschiedene Biersorten eingebraut. Über die 19 verschiedenen Tucher Biere , das Lederer Pils als die älteste Nürnberger Biermarke aus dem Jahre 1468, das von Helmut Ell 2011 wieder wachgeküsste Grüner Bier bis zu den guten Humbser Bieren aus der ehemaligen Brauerei in Fürth. Eingemaischt und gekocht wird auf dem Nürnberger Satdgebiet, abgeläutert und im Whirlpool der Heisstrub ausgeschieden auf dem Fürther. Genial.

Seit 2004 gehört nach vielen Fusionen und Eigentümerwechseln die Tucher Bräu GmbH & Co KG mit ihren Marken zu der Radeberger Gruppe und somit der Familie Oetker. Zum Glück, denn die Spekulanten der Reemtsma-, Schickedanz mit seinem Quelle Konzern-, die März- und Inselkammer Fraktionen haben es durch ihre Gier geschafft, komplett alle Nürnberger (Brauhaus Nürnberg J.G. Reif, Lederer und Tucher) und Fürther (Geismann, Berg Bräu, Humbser und Grüner) Traditionsbraustätten platt zu machen. Die Familie Oetker hat dann durch die Grundsteinlegung 2007 endgültig Fakten geschaffen und mit ihrer 55 Millionen Euro Investition alleine in das Sudhaus der neuen Brauerei den Fortbestand der Marken, der Brautraditionen und der Arbeitsplätze gesichert. Chapeau!

Die Brauerei gehört zu den Modernsten in Europa. Was den Energieverbrauch, Umweltfreundlichkeit und letztendlich Produktivität betriff ist sie ganz weit vorne. Und im Übrigen auch was die Qualität angeht. Das Sebaldus Weizen mit seinen + 6%. Vol. Alk. hat mich echt begeistert. Mega feine Banane, super harmonisch.

Hier hat jeder Tank seine Bestimmung…

Bei den Radebergers stehen die Filtrationsentscheider voll hinter der wohl modernsten Technik der Bierfiltration. Der sogenannten Crossflowfiltration. Diese habe ich neulich auch bei der Einbecker Brauerei entdeckt.

Die Liebe zum Detail hat mich begeistert. Auf dem Weg zur Filtration ging es an einem alten Massefilter vorbei. Diese Technik wurde seit der Erfindung der Bierfiltration und ihrer Patentierung durch die Firma Ensinger im Jahre 1845 bis nach dem 2. Weltkrieg angewandt und dann durch die Schichten- und Kieselgurfiltration abgelöst.

Mein Fazit: Brückenbauen macht Spass. Cheers.

 

Altes Sudhaus – Das Kupfer- und Rotbierparadies

Altes Sudhaus

Als dritte Station auf unserer historischen Nürnberger Rotbier Expedition ging es zur ältesten erhaltenen Nürnberger Braustätte an den Schillerplatz. Und somit zu einem, was die Nürnberger Brauereigeschichte betrifft, einzigartigen Ort. In dem wunderschönen denkmalgeschützten Backsteingebäude aus dem Jahre 1899 brauten zuerst die fusionierten Nürnberger Altstadtbrauereien Bernreuther und Liebel. Umgebaut wurde das Sudhaus dann 1939/40 als die Reifbräu sich dazu gesellte. Die Brauereien waren eigenständige Firmen und teilten sich das Sudhaus. 1960 kam es durch Fusion zur Brauhaus Nürnberg J.G. Reif AG. Die Reif AG brachte den Markennamen Siechen mit. 1966 fusionierte dann die „Reifen-Jungs“ mit der damals Freiherrlich von Tucher’schen Brauerei AG zur Brau AG.  Die „Tucher-Jungs“ hingegen verlegten in diesem Zug ihre Braustätte von der Langen Gasse (heutige Friedrich Alexander Uni) an den Schillerplatz.  Fortan wurden die Biere unter Tucher –  Siechen den durstigen Kehlen feil geboten.

Die Vielzahl der Rechtsform der AG bei Brauereien sind by the way dem enormen Kapitalbedarf der Brauereien in der Zeit der Industrialisierung geschuldet. Damals haben die Brauer einfach viel Kohle für die Anschaffung von Dampf- und Kältemaschinen benötigt, um mit der wirtschaftlichen Entwicklung standzuhalten. Empfangen wurden wir von Helmut Ell, dem ultimativen Bier- und Biergeschichts- wandelnden Kollektivwissen der Tucher Brauerei. Helmut ist verantwortlich für die Führungen im Alten Sudhaus und in der neuen Tucher 2- Städte Brauerei. In Helmuts Fragestunde beantwortete er alle Fragen rund um die Tucher Brauerei in aller Perfektion. Mein Gastgeschenk hat er sofort begeistert empfangen und als ausgebildeter Biersommelier gleich in diesem historischen Kontext verkostet und für gut befunden. Helmut ist eine wohl ziemlich einzigartige Energie- und Wissensquelle in allen Belangen rund um den köstlichen Gerstensaft.

Die Tucher Jungs haben nach aufwändigen Renovierungsarbeiten dieses Bierparadies zum Tag des deutschen Bieres am 23. April letzten Jahres wieder eröffnet, um ihrer Brauerei-DNA den passenden Rahmen zu schenken. Das kathedralenhafte 400 hl Kupfersudwerk aus dem Jahre 1960 ist eine Schönheit die ihresgleichen im bayrischen Bierorbit sucht.

An dieser kupfernen Schönheit sieht sich der Bierlover nicht satt….

…nicht satt….

…und nicht satt. Der Hopfenentlauger der Firma Steinecker ist eine echte Rarität und wohl in dieser Ausführung einmalig. Diese Technik ist längst in Vergessenheit geraten, bei der die durchfließenden Heisswürzen vom Läuterbottich Richtung Pfanne den vorgelegten Hopfen ausgelaugt haben. Oder einfach erklärt, eine Hopgun für die Heisswürzen.

Und genau hier wurde nach fünfjähriger intensiver biergeschichtlicher Recherche und unzähligen Brauversuchen der Tucherschen Rotbiertradition wieder Leben eingehaucht. Und zwar in Form einer Kaspar Schulz 15 hl Bräuhausanlage Baujahr 1996. Und in derselbigen findet das Tucher Rotbier seinen Ursprung.

Für das Rotbier werden zwei Biergattungen gebraut und später nach der Lagerung vor dem Abfüllen vermählt. Zum Einen wird ein Vollbier im Infusionsverfahren mit 12% Stammwürze eingebraut. Verwendet werden Cara Red, wenig Röstmalz und klassisches Pilsner Malz. Gehopft wird mit Spalter Select, Hallertau Tradition und Herkules. Der Doppelbock wird mit 19% und den gleichen Zutaten eingebraut. Vergoren wird ganz nach Nürnberger Art klassisch kalt und somit untergärig….

…gereift jeweils 6 Wochen in den Lagertanks.

Der Doppelbock findet dann nach der Reifung nochmal acht Wochen seine Ruhe in verschiedentlich getosteten Eichenholzfässern. Das ist der Wahnsinn, wieviel Mühe, Leidenschaft und Können die Tucher Braumeister sich für diesen Göttertrunk geben.

Abgefüllt wird mein Nürnberger Rotbierfavorit seit 3 Monaten in Flaschen, der 5 l Dose und für ausgesuchte Gastronomieobjekte in eigens angeschaffte Holzfässer. Zum Doppelbock und vor dem finalen Rotbier haben wir eine leckere Gerstenbrezel als kulinarische Grundlage gefuttert. Super Idee. Food- und Bierpairing mal ganz basic.

Mein Fazit: Tucher Rotbier = Vollbier + eichenholzgereifter Doppelbock = Lecker, lecker! Helmut 1000 Dank.

Schanzenbräu – vom Rotbier auf moderne Art

Schanzenbräu

Station Nr. 2 auf unserer Rotbierchallenge war die Schanzenbräu, in einem neuen Industriegebiet in Sichtnähe zur Stadtgrenze Fürth auf Nürnberger Gemarkung gelegen.

Die ersten Sude braute Brauereigründer und Schanzencheffe Stefan Stretz  schon 2004 ganz klassisch, wie es sich gehört, in einem Waschkessel in der Bärenschanzenstrasse. Daher auch der Name und das Logo. Als die Mengen die Waschzubergrenze überschritten, mietete er sich, gypsy-like, bei der Brauerei Sauer Rossdorf ein. Seit 2016 braut er nun in Eigenregie in der nagelneuen Braustätte am Rande von Nürnberg. Stefan hat seine Brauerlehre bei der Brauerei Tucher gemacht und dann den Dipl. Ing. Braumeister in Berlin draufgesattelt. Seit 2017 wird er unterstützt vom angehenden Ulmer Braumeister Domenic Steger, der seine Lehre bei der Brauerei Rittmayer in Hallendorf absolvierte.

Wunderschön anzusehen ist das kathedralenhafte 20 hl Sudwerk von Schulz,…

…pro Sud werden 355 kg Braumalz eingemaischt. Vom klassischen Pilsner Malz, Cara hell und dunkel bis zum Melanoidinmalz für das leckere Rotbier. Nix da Dekoktionsverfahren, hier wird mit dem Infusionsverfahren gearbeitet. Das Läutermanagement von Schulz jagt die Würzen bei der Abläuterung in fantastischen zwei Stunden durch den Läuterbottich. Das spart richtig Zeit, denn die Abläuterzeiten können sich bis zu 4-4,5 Stunden bei älteren klassischen Systemen ziehen.

Das Rotbier wird mit feinstem Hallertauer Tradition und Spalter Select gehopft. Ganz old-school am Anfang und Ende der Würzekochung. Vorgelegt wird dieser im Hopfengeber…..

Die guten Würzen werden im Eintankverfahren vergoren und gereift.

Die Jungs von der Schanze lieben unfiltrierte Biere, deswegen wird auf die Filtration verzichtet und es wird nur untergärig vergoren. Die Hefe kommt aus Kulmbach.

Dann gab es zum Relaxen erstmal eine leckere Verkostung vom Rotbier direkt aus dem Lagertank…..

Im Gär- und Lagerkellerbereich sieht man, dass in dieser Braustätte Zucht und Ordnung herrscht….

Den größten Absatz erzielen die Jungs mit ihrem Hellen. Mein Favorit ist jedoch das mengenmäßig zweitstärkste Gebräu: Das Rotbier mit seinen smoothen 24 Bittereinheiten. Meine liebe Frau hat das Märzen „Kehlengold“ gefeiert. Mit Cascade, Tradition und Select auf stattliche 36  Bittereinheiten getrimmt.

In der Brauerei werden nur die Fässer gefüllt. Die Flaschenabfüllung ist an die Kaiserbräu in Neuhaus vergeben.

Mein Fazit: Schanzenbräu – Schmeckt immer! Cheers.

Hausbrauerei Altstadthof – Die Wiederentdecker des Rotbieres

Altstadthof Nürnberg

Ich liebe Weihnachten. Denn da habe ich von meiner Frau eine bierige Reise nach Nürnberg geschenkt bekommen. Eine Reise, auch zu einem Teil meiner frühesten Familiengeschichte. Über meine außerordentlich eindrucksvollen Biererfahrungen werde ich in den nächsten vier Blogs berichten. Selten hat mich eine Bierreise so nachhaltig beeindruckt. Mein Ur- Ur- Ur- Uropa und Brauereigründer in Böblingen, Carl Gottfried Dinkelacker, hat in Nürnberg als Oberknecht einige Jahre Rotbier gebraut und diese untergärige Spezialität dann 1823 bei seiner Brauereigründung im Schwobaländla eingeführt (später hierzu mehr). Nun wollte ich intensiv in die Geschichte des Rotbieres eintauchen und habe mich ins bierige Getümmel geschmissen. Los ging es bei der Hausbrauerei Altstadthof, gleich unterhalb der Nürnberger Kaiserburg gelegen.

An diesem geschichtsträchtigen Brauort hat 1983/1984 Dr. Ehrnsperger von der Neumarkter Lammsbräu seine Idee in die Tat umgesetzt, im historischen Kontext die Brauerei wieder wachzuküssen. Denn hier im ehemaligen Roten Brauhaus wurde bis 1905 gebraut.

1995 hat sich dann der ehemalige Technische Leiter der Neumarkter Lammsbräu, Dipl. Braumeister Reinhard Engel, hier selbständig gemacht, und die Hausbrauerei von seinem ehemaligen Cheffe übernommen.  1997 hat er das Nürnberger Rotbier wiederbelebt, indem er nach einem Braurezept aus dem Jahre 1860 die untergärige Leckerei so authentisch  als möglich nachgebraut hat. In dieser Zeit gab es nur „Bio“-Getreide und das Gerstenmalz wurde damals sehr heiß und intensiv gedarrt. In Verbindung mit dem eisenhaltigen Brauwasser der damaligen Zeit entstand so die kupfer- bis rötlich schimmernde Bierfarbe.

Zum ersten Mal wurde in Nürnberg um 1310 im ältesten Satzungsbuch der Stadt Bier erwähnt. Seit dieser Zeit wird das untergärige und traditionell etwas hopfenbetontere Rotbier gebraut und schleichend ab 1905-1910 vom bayrischen Braunbier abgelöst, denn 1806 wurde bekannterweise die Stadt vom bayrischen Staat annektiert. By the way  wurde ab 1531 auch obergäriges Weißbier gebraut. Anfangs als reines Gerstenbier, später ab dem 17. Jahrhundert dann auch unter Beimischung von Weízen. Heute werden im Sudhaus übers Jahr 1.500 hl in Form von 10 verschiedenen Biervarianten eingebraut.

Die Biobrauer von der Neumarkter Lammsbräu betreiben bis heute eine eigene Mälzerei. Dort wird das für das Rotbier verwendete Malz extra durch eine intensive Keimung und eine dem Melanoidinmalz angelehnte Darrung hergestellt. Reinhard Engel legt hierauf besonderen Wert, denn so bekommt er die so prägnante Farbe und Geschmack nicht einfach durch Mischung moderner Malze ins Bier. Gelagert wird im „modern-style“…

…seit 2005 wird bei der Altstadthof auch vergorene Bierwürze destilliert…

…. und mindestens 3 Jahre in verschieden getoasteten Eichenholzfässern gelagert und als Ayrer´s Organic Single Malt Whisky abgefüllt. Die Fässer kann man auch personalisieren lassen.

Mein Fazit: Mythos Rotbier – die Legende lebt.

 

 

Steinacher Hausbräu – Mitten im Kristallweizenland

Steinacher Hausbräu

Habe meinem Brauereikollegen Olly von der Kraftbierwerkstatt geholfen, sein neues Sudhaus in Bad Waldsee abzuholen. Das hat er von Armin Sauter bekommen, seines Zeichens Bräu vom Steinacher Hausbräu. Bei dieser Gelegenheit hat uns Armin spontan in seine wunderschöne Brauerei eingeladen.

Armin hat die Brauerei 2004 gegründet und anfangs im Nebenerwerb betrieben. Armin hat echte Bierkompetenz.  Gestartet ist er mit der Brauerlehre 1991 im Bürgerlichen Brauhaus Ravensburg, das Ende 2000 leider die Brauereipforten für immer geschlossen hat. 1997 ging es auf die Ulmer Meisterschule. Von 1998 bis 2012 hat Armin als Braumeister vom Sudhaus bis in den Lagerkeller bei der Schussenrieder Brauerei sein Können gezeigt.

Die Brauerei ist der absolute Hammer. Armin hat 2004 das Sudhaus in das 1890 errichtete ehemalige Waldburgbräu Sudhausgebäude eingebaut. Die Waldburgbräu wurde vom Allgäuer Brauhaus, das zur Radeberger Gruppe gehört, gekauft und hatte bis zur Schließung 1974 einen jährlichen Ausstoß von ca. 40.000 hl Bier. Armins Vater hat in dieser Brauerei schon Brauer gelernt und 10 Jahre gearbeitet. Ein geschichtsträchtigerer Brauereiort ist im Farnyland wohl schwer zu finden. Bitte beachtet die wunderschönen grünen Originalfliesen, die Armin zum Glück erhalten hat.

Die Schulzanlage ist der echte Traum. Das Maischprogramm läuft sauber automatisiert  durch. So kann Armin, während die Enzyme ihre Arbeit verrichten, sich um andere Belange in der Brauerei kümmern. Ausgeschlagen werden 5 hl, gemaischt wird im Infusionsverfahren. Seine verschiedenen Malze bekommt er von der Memminger Mälzerei Bilgram gleich um die Ecke. Hier schätzt er die Qualitäten und den direkten Draht zur Mälzerei. Genial ist das „vollautomatische“ Austrebern mittels Schubkarre gelöst…. 🙂

Sehr bemerkenswert ist die durchgängig hochwertige Anlagen- und Tankausstattung der Kleinstbrauerei mit einem Jahresausstoß von ca. 450 hl p.a.. Alles tipi-topi und so sauber, da kann man echt vom Boden essen.

Neu angeschafft hat sich Armin den Flaschenfüller. Das erspart die Gurkerei zum nächstgelegenen Abfüllungsbetrieb. Außerdem hat er nun alle Herstellungsschritte selber in der Hand. Armin macht die Brauerei alleine, zum Abfüllen von 200 Flaschen in der Stunde holt er sich allerdings Verstärkung dazu.

Die Hauptsorte ist die Steinacher Halbe, bernsteinfarben mit einem Alkoholgehalt von 5,2 Vol.%. Das Dunkle kommt mit 5,6 Vol.% etwas stärker um die Ecke, das Weizen gibt es nur über den Sommer. Eins verbindet die Biere. Alle mega sauber, super süffig und sooo arg lecker. Da können sich einige bekannte und unbekannte Klein-, Craft- und sonstige Brauer und Nichtbrauer eine richtig starke Scheibe abschneiden. Wenn ihr die Biere verkosten wollt, und das solltet ihr unbedingt, dann ab ins Kristallweizenland. Die Biere gibt es nur in ein paar ausgesuchten Gaststätten und auf Festen in Bad Waldsee.

Mein Fazit: Steinacher Hausbräu, sehr sehenswert. Meinen Dank an den Arminator.

Hochdorfer – Die Schöpfer des NaturRadlers

Hochdorfer

Anlässlich des Sektionstreffens der Biersommeliers Baden-Württemberg habe ich meinen geschätzten Brauerkollegen Eberhard Haizmann und seine Kronenbrauerei in Hochdorf wieder einmal besucht. Die Familienbrauerei schaut auf eine außergewöhnlich lange Tradition zurück. Seit 1654 werden mittlerweile in der 12. Generation sehr leckere Bierspezialitäten gebraut. Das ist wohl ziemlich einmalig in Deutschland. Die nächste Generation ist seit 2011 mit Tochter Katharina auch schon am Start.  Hochdorf liegt im Gäu, ca. 50 km entfernt von Stuttgart. Eberhard ist ein echter Bier-Evolutionär. Durch seine vorausschauende Kreativität war er bei einigen bemerkenswerten Entwicklungen Vorreiter. Lasst Euch überraschen…

Nach der sehr netten Begrüßung hat er uns seine beeindruckende mittelständische Brauerei gezeigt. Los ging es standesgemäß im wunderschönen Sudhaus. Hier braut Eberhard 7 Sude pro Tag. Bei einer Schüttung Malz von 2.000 kg werden 120 hl ober- und untergärige Würzen ausgeschlagen.

Das Sudhaus der Firma Nerb wurde im August 2007 in Betrieb genommen. Die Würzen werden mit dem Außenkocher schonend gekocht. Mit den beim Kochen anfallenden Schwaden wird im Pfaduko (Pfannendunstkondensator) Wasser erhitzt und im Brauprozess umweltschonend wiederverwendet. Ja, wer ist der denn….?

Eberhard verarbeitet Hopfen der Sorte Hallertauer Tradition aus seinem eigenen Hopfengarten. Da war er seiner Zeit lange voraus, denn diesen gibt es schon seit 1993, also lange vor dem Zeitalter der Nachhaltigkeit. Mein Lieblingsgarten hat eine Größe von 1 ha. 4000 Hopfenstöcke bringen einen jährlichen Ertrag von ca. 50 Ztr feinstem Hochdorfer Hopfen. Das deckt, je nach Biersorte, ca. 30-40% des jährlichen Hopfenbedarfs. Der Rest wird aus Tettnang bezogen. Verbraut werden ausschließlich Naturhopfen Pellets Typ 90. Das ist auch der Grund für das feine Hopfenaroma meiner Lieblingssorte, der Hochdorfer Pils-Krone.

Der Gär- und Lagerkeller wurde in drei Etappen 1993, 1998 und 2016 auf den heutigen Stand ausgebaut.  2016 wurde auch die Hefepropagation bzw. die Hefereinzuchtanlage in Betrieb genommen. Dadurch verwendet Eberhard immer frische, hochmotivierte Hefen zum Vergären seines Gerstensafts.

Eberhard braut seit 2010 sein Hochdorfer NaturRadler und war damit in Deutschland die erste Brauerei, die NaturRadler hergestellt hat. Diese Innovation hat ihn in dieser Biermischgattung zum Marktführer in Baden-Württemberg katapultiert. Chapeau! Seit 2017 wird auch Cider hergestellt und seit 2018 alkoholfreies naturtrübes Pils. 

Sehr cool ist der Kiesbyetank. In diesem offenen Gärtank werden nicht nur die Weizenbiere vergoren, nein….

….man kann der Hefe auch beim Arbeiten zuschauen.

Seit Dezember 2006 wird die brauereieigene Hackschnitzelanlage betrieben. Es wird ausschließlich mit Holzhackschnitzeln aus der Region geheizt. Hiermit werden damit umgerechnet ca. 350.000 Ltr. Heizöl und ca. 1.000 t CO2 pro Jahr eingespart. Auch hier war Eberhard mal wieder der schnellste Brauer in BW.

Als Abschluss unseres Besuchs gab´s für die Sommeliertruppe natürlich noch das obligatorische Biertasting mit Eigen- und Fremdbieren und passenden Gebäckvariationen. Lecker….

Mein Fazit: Aus der Region für die Region – Lecker Bier, NaturRadler, Cider und Co. Danke lieber Eberhard.

 

Liberation Brewery Jersey – Alles Ale oder was?

JerseyBrewery

Es freut mich ganz arg, dass mein Freund Rolf Spiess einen Gastbeitrag zu meinem Blog beisteuert. Rolf war letztes Jahr längere Zeit als Tourguide auf der Kanalinsel Jersey tätig und hat sich fürchterlich in das Ale Mary Ann verliebt, das Bier, das Jersey berühmt gemacht hat.

Was viele nicht wissen: Die Kanalinseln waren von 1940 – 1945 von der Deutschen Wehrmacht besetzt. Ein riesiger Propaganda-Erfolg für Hitler-Deutschland: Englisches Territorium in deutscher Hand. Für Jersey eine schwere Zeit, die aber zur Geschichte der Insel gehört. Am 9. Mai 2015 jährte sich der Tag der „Befreiung“ zum 70. Mal.

Die Liberation Brewery schaut auf eine lebhafte Geschichte zurück mit vielen Standort- und Besitzer-wechsel. Man glaubt, dass das erste Bier in der Ann Street in Saint Helier gebraut wurde und die eigentliche Gründung der Brauerei in der Ann Street als ANN STREET BREWERY fand 1905 statt.

 

Das Flaggschiff ist das MARY ANN – Bier, das 1926 erstmals beworben wurde.


Mary Ann Best (3,6% ABV) wurde auf den Kanalinseln geboren und gebraut. Sie ist eine traditionelles BEST BITTER mit einem IBU von 40.

Gebraut mit einer Mischung aus feinsten Maris Otter- und Schokoladenmalzen, hat dieses dunkle Bitterbier einen ausgeprägten Schokoladencharakter.

Die abgerundete Bitterkeit wird durch ein blumiges Aroma, das aus englischen Fuggles und Goldings Hopfen und Getränken gewonnen wird, perfekt ausbalanciert, und schmeckt wesentlich gehaltvoller als es der ABV vermuten lässt.

Blick ins Sudhaus. Das Einbrauen eines Sudes ergibt nicht mehr als 6.000 Pints und so kann man kleinere Mengen von vielen verschiedenen Bieren produzieren:

Die Biere der Brauerei sind Teil der reichen Geschichte und des Erbes von Jersey, und das Bierbrauen blieb auch während des Ersten Weltkriegs und der deutschen Besetzung von Juni 1940 bis Mai 1945 ununterbrochen bestehen. In den 1970er Jahren war Mary Ann als „Das Bier, das Jersey berühmt gemacht hat“, bekannt.

Seit 2011 trägt die Brauerei den Namen Liberation Brewery und hat seit dem viele internationale Preise für ihre Biere erhalten. Seit 2015 hat die Unternehmensgruppe die Butcombe Brewery in der Nähe von Bristol, England übernommen und unterhält über 100 Pubs (in England und Jersey je 40 und 20 auf der Nachbarinsel Guernsey). Der Jahresausstoß ist aber nicht größer als 6 THL.
Der Austausch mit England ist vielfältig. Sei es die Flaschenabfüllung, die bei Fuller’s erledigt wird oder das Einbrauen von Spezialbieren zu besonderen Anlässen.

Der Chefbrauer Patrick Dean an seinem Steuerpult vor der Fassabfüllung.

Liberation E.P.A. – English Pale Ale

Dieses neue gelbbraune Bier, das nur bei dem Wetherspoon Real Ale-Festival (außerhalb der Kanalinseln) erhältlich ist, hat eine leichte Malzigkeit im Geschmack, abgeleitet von Maris Otter und farbigen Malzen, die durch das florale Aroma und den knackigen Geschmack gut ausgewogen sind.

 

 

 

Liberation I.P.A.


Das traditionelle Indian Pale Ale ist ein reichhaltiges goldenes Bitter mit Maris Otter und Crystal Malzen. Ein Zitronen-Hopfen im Koriander-Stil stammt von den feinsten neuseeländischen Hopfen Motueka und Nelson Sauvin und hinterlässt einen knackigen, ausgewogenen Abgang.

Das Blonde Craft Lager von Liberation Brewery (3,8%) ist ein funkelndes, leichtes und erfrischendes Bier, das im Craft-Stil gebraut wird.


Das Lager Malz bietet einen Hauch von Keks mit einem aromatischen Zitronen- Hopfen, der aus der Mischung der Saaz- und Hallertau-Sorten entsteht. Blond ist ein gut ausgeglichenes, leicht trinkbares Bier, das am besten gekühlt serviert wird.

Liberation Ale (4% ABV)

Das preisgekrönte Ale ist ein goldenes Bier, das mit dem besten Maris Otter und Lagermalz gebraut wird. Golding-Hopfen wird für Bitterkeit verwendet, während Syrer Goldings und Hallertau Hersbrucker Hopfen für Aroma sorgen. Es ist ein ausgewogenes Bier mit einem Hauch von Zitrusfrüchten in der Nase und ist die perfekte Begleitung zu Meeresfrüchten, Pasta und Salaten, und dies gilt besonders für die Verwendung lokaler Produkte.

Leider ist die Brauerei für ausgiebige Besuchergruppen nicht ausgelegt. Deshalb hat mich es besonders gefreut, dass Pat für mich über zwei Stunden Zeit hatte.
Dass die Liberation Brewery noch viele andere Ale-Varianten braut habe ich bei der abschließenden Verkostung festgestellt. Im Sommer braut man Biere für die Surfer-Szene (Jersey ist ein Hotspot für Standup Paddeling, Kite- und Body-Surfing), zur Fussball-WM (war da was?) oder ein Bier zur Weihnachtszeit.

Mein Fazit: Ale Biere sind nicht jedermanns Sache, aber aus der englischen Welt nicht wegzudenken und für Bier-Aficinados ein Muß.