Eilmeldung – Stammt der älteste Göttertrunk Europas vom Bodensee?

Heute möchte ich Euch diese Meldung von der archäologischen Denkmalpflege nicht vorenthalten, die über meinen Presseticker geflimmert ist. Habe den Text leicht auf das Wesentliche gekürzt. Viel Spaß beim Lesen.

Einem internationalen Forscherteam unter der Leitung des Archäobotanikers Dr. Andreas Heiss ist es gelungen, gemälzte Gerste in prähistorischen Gefäßen aus Pfahlbausiedlungen am Bodensee nachzuweisen. Die Forschungsergebnisse bestätigen, dass malzhaltige Getränke bereits im 4. Jahrtausend vor Christus in Baden-Württemberg zubereitet wurden.
Bisher galten keltische Fundstellen des 5. bis 4. Jahrhunderts vor Christus, ebenso im heutigen Baden-Württemberg, als älteste Brauereien Mitteleuropas. Weltweit stammen die ältesten Brauereinachweise bisher aus Israel mit Datierungen aus dem 12. Jahrtausend vor Christus.
Bei der nun untersuchten Fundstelle handelt es sich um die Seeufersiedlung Hornstaad-Hörnle IA, die vor der Halbinsel Horn in der Flachwasserzone des Bodensees liegt. Wie Messergebnisse des Labors für Dendrochronologie des Landesamtes für Denkmalpflege gezeigt haben, wurde die etwa fünfzig Häuser umfassende Siedlung innerhalb weniger Jahre zwischen 3917 und 3910 vor Christus errichtet.

Um 3910 vor Christus fiel sie einem verheerenden Brand zum Opfer, wurde danach aber sofort wieder aufgebaut. Durch das Schadfeuer sind ganze Haushalte verbrannt, darunter auch Schmuck, Getreidevorräte, Waffen und Geräte sowie tonnenweise Scherben und Tierknochen. Vor welcher Mammutaufgabe die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler standen, zeigt auch die Zahl der erhaltenen Pfähle: Es wurden über 14.500 Pfähle verprobt und das auf einer Fläche von nur etwa einem Fünftel der gesamten Siedlung. Verbrannte Gefäßinhalte gehörten bisher nicht zu den spektakulärsten Funden, aber neue naturwissenschaftliche Ansätze machen in der Archäologie immer wieder Überraschungen möglich.
Die nun im Fachjournal PLOS ONE veröffentlichte Studie nutzt spezifische Abbauspuren, die beim Keimen (und damit beim Mälzen) an den Zellwänden von Getreidekörnern entstehen, erstmals zum Nachweis von Malz in verkohlten archäologischen Resten. Dem internationalen Forscherteam ist es gelungen, diese Methode erfolgreich auch auf verbrannte amorphe Krusten in Töpfen anzuwenden, in denen keinerlei Körner mehr kenntlich waren.
Besonders interessant ist der Fund aus Hornstaad-Hörnle, weil er belegt, dass fein zerkleinertes Gerstenmalz mit einer Flüssigkeit aufgegossen wurde. Der Nachweis, dass diese Flüssigkeit bereits alkoholhaltig war, ist allerdings kaum zu erbringen. Es könnte sich theoretisch auch um ein noch alkoholfreies Malzgetränk gehandelt haben.

Mein Fazit: Hoffentlich ist das mit dem alkohlfreien Malztrunk nur Spkulation. Cheers.

Biertuelle Reise in die Birra Carru – der Bierweinhybrid

Auf unserer heutigen, coronabedingt biertuellen, Reise geht es ins wunderschöne Piemont. Anfang November 2019 waren wir mal wieder in Alba zu Besuch bei der Trüffelmesse. Bei der Gelegenheit haben wir uns zum Mittagessen mit meinem Brauerkollegen und Freund Lelio von der Brauerei Birra Carru getroffen. Er hat uns zu einem sehr leichten Mittagessen im irgendwo im nirgendwo in den albanesischen Bergen eingeladen…

Nach einigen Fläschchen seiner piemontesischen Bierchen ist uns die geniale  Idee gekommen einen Collab Brew am Tag des Deutschen Bieres 2020 zu brauen. Gedacht getan. Nach Rückkehr nach Böblingen habe ich alles Nötige eingetacktet. Doch leider ist der Corona um die Eck gekommen und hat uns unseren Spass gründlich vermasselt. Geplant war mit unseren Rohstoffen bei Lelio einen Bierweinhybrid unter Verwendung einer Muskatellermaische zu brauen. Naja, so sind wir nun anstatt nach Alba zu düsen vorbildlich zu Hause geblieben. Auf diesen Schreck habe ich mir erstmal ein Bombardino von Lelio eingeschenkt.

Vom Biertyp ein „Bionda doppio malta“, ein unfiltrierter, heller, mit Gerstenmal gebrauter obergäriger Doppelbock. Super Ergänzung zu den Butter Braunis meiner Frau. Der 9%-igen Zaubertrank von Lelio ist echt der Hammer. Wer über Lelio und seine Birra Carru mehr erfahren will… Birra Carru

Mein Fazit: Wein nach Bier, das rat ich Dir.

Herzschmerztherapie unter Quarantäne – Bierologie statt Virologie…

Hand auf mein Herz. Ich vermisse so arg den face-to-face Kontakt und das Biertrinken nach den Brauereibesuchen mit meinen lieben Brauerkameraden. Was vor sechs Wochen noch undenkbar schien, hat sich heute nightmarehaft als miese, schlechte Reality Show erwiesen. Menschen mit Masken überall, wie in einem apokalyptischen Trashmovie aus den frühen 1960igern. An Kneipen-, Restaurant- oder Brauereibesuche nicht zu denken. Das bedeutet, mein Lebensinhalt findet fast nur noch in meiner Traumwelt statt. Da für mich das Bierglas aber immer halb voll ist,  lasse ich mir meine Haare als sichtbares Zeichen der Hoffnung und Solidarität zu den Gastwirten und Brauereischaffenden so lange wachsen, bis auch die letzte Kneipe in Böblingen wieder geöffnet ist. Denn ohne Gastro keine Brauerei und ohne Brauerei keine Gastro. Basta!

Vorher: Mit Braumeister Gustel und der Bierkönigin..

Heute nach sechs Wochen…

Meine Haare sprießen wie der Hopfen an Ostern…

So, jetzt aber genug gejammert. Lasst uns das Beste draus machen. Bierkrug aus dem Schrank und Durchlaufkühler auf den Balkon…

… mit Blick auf die wunderschönen Gärtanks.

Zum Glück habe ich zusätzlich zum DLK in meinem privaten Bierkühlschrank auch immer Biere befreundeter Brauereien. Und deswegen möchte ich mich mit Euch auf eine virtuelle Reise zu diesen begeben. In Form einer Genussverkostung sowie meiner Blogs über die Besuche. Los geht es mit der Odelzhausener Schloss Brauerei. Wenn ihr gerade kein Bier aus Odelzhausen im Kühlschrank habt, schenkt Euch alternativ ein anderes kräftigendes Starkbier ein…auch Dobby freut sich schon im Hintergrund 😉

Der dunkle Doppelbock OPERATOR gehört zweifelsfrei zu meinen liebsten Starkbieren. Mit 7,5% Alk. Gehalt verträgt er auch eine längere Reifung in der Flasche. Meinen habe ich seit knapp zwei Jahren im Bierkühlschrank gelagert (MHD 24. Januar 2019). Schöne Trockenfrucht in der Nase wie im Antrunk. Ein fantastisches Gebräu. Mein Geheimtipp: Ein Stückchen Bitterschokolade mit mindestens 72 % Kakaoanteil vor dem ersten Schluck auf der Zunge zergehen lassen…

Viel Spass beim Lesen und Trinken! Odelzhausener Schlossbrauerei

Mein Fazit: Bier lesen und Blog trinken (oder war´s andersrum?) macht Spass. Leute, Kopf hoch, der nächste Sommer kommt bestimmt!

Staropramen – Ab ins Visitorcenter

Staropramen

Habe mich in Prag mit meinen Brauerkollegen zu Bier- und Brauereifachgesprächen getroffen. In der Mitte Dieter Schmid von der Brauerei Waldhaus und links Holger Fichtel von der Arcobräu Moos mit seiner berühmt berüchtigten Mooser Liesl. Ein Programmpunkt war der Besuch der Staropramen Brauerei, ein Betrieb des Molson Coors Konzerns. Dieser ist weltweit der fünftgrößte Brauereikonzern mit 96 Mill. hl p.a. und einem Weltmarktanteil von 5%. Nachdem wir unseren Besuch angekündigt hatten, haben wir von den Kollegen von Molson Coors den gastfreundschaftlichen Hinweis bekommen, dass keine Brauereiführung unter Kollegen möglich sei und wurden auf ihr „Visitorcenter“ verwiesen (Anmerkung Redaktion: einmaliger Vorgang. Unter Brauern ist die Brauereitüre immer offen). Das hat der konzentrierten Stimmung keinen Abbruch getan und so ging es hoch motiviert und neugierig in das Centro Visitör.

Die Brauerei wurde 1869 gegründet, das erste Staropramen verließ dieselbe 1911. Gute alte Zeit…

Im alten Sudhaus wird auf die lebhafte Vergangenheit Bezug genommen. Die Übernahmekapriolen nach dem Zusammenbruch des Ostblocks bleiben weitgehend unerwähnt. Von Bass gekauft, wurde Bass später von InBev geschluckt. Dann landete die Brauerei über eine Private-Equity Gesellschaft schlussendlich bei Molson Coors.

Dann ging es an schwebenden Sudpfannenhauben vorbei….

… zu einem ganz interessanten, vollständig erhaltenen Brauereilabor aus den Anfängen des 20. Jahrhunderts.

Das wars dann auch schon mit dem Rundgang durch das Visitor Center  und so landeten wir in der Bar desselben.

Zu verkosten gab es vier Biere….

…die wir rasch leerten, um uns in der Innenstadt im „Original Beer Spa“ von den Strapazen zu erholen.

Mein Fazit: Manchmal ist Spa besser als Bier. Na zdravi.

Meteor trifft Tiger – Auf Brauhaus Tour in Strassbourg

Meteor

Nach unserem Collaboration Brew bei Vivien in Colmar ging es nach Strasbourg zum Brauhaus-hopping. Genächtigt haben wir in einem der ältesten Hotels Europas, dem Cour du Corbeau. Absoluter Geheimtip! Nach unserer Ankunft sind wir gleich ganz zufällig über das Brauhaus der Brasserie Meteor mitten in der Fußgängerzone der Altstadt gestolpert.

Die Jungs und Mädels von Meteor haben ihren Biertempel im Oktober 2019 eröffnet. Ganz schön mutig in einer weingeschwängerten Gegend unterhalb der elsässischen Weinstrasse. Die Brasserie Meteor, oder auf Deutsch Brauerei Meteor, ist mit rund 500.000 hl Jahresproduktion die größte familiengeführte Privatbrauerei in Frankreich. In ihrem Brauhaus wird zwar nicht gebraut, aber die halbierte, an die Wand gedübelte Kupfersudpfanne mit Barfunktion lässt keine Brauerwünsche offen. Gebraut wird übrigens im 25 Autominuten entfernten Hochfelden nördlich von Strasbourg.

Auf gut und gerne 1000 m2 Gastrofläche wurde hier ein Brauerei Flagshipstore der Extraklasse und neuesten Generation verwirklicht. Der echte Hammer. Von der Hauptbar Nr. 1 ….

…bis zur Bar Nr. 2 auf dem historischen Bieromobil. Voll lässig und mitten drin im Gastrohimmel.

Die Biere durch die Bank rein, lecker und mega süffig. Vom selbstgebrauten Abtei Remake, über Baltic Porter, IPA, Blanche bis zum Lager. Mein Lieblingsmeteor  ist das Pils.

Bevor es ins nächste Brauhaus ging, haben wir uns noch mit der leckeren elsässichen Brauhausküche gestärkt und ein wenig über die Örtlichkeiten gefreut…

Fünfzehn Minuten fußseitig vom Meteoriteneinschlag entfernt, liegt gleich hinter dem Altstadtausgang das zweite super moderne im industrial vintage style konzipierte Brauhaus Le Tigre der Brauerei Kronenbourg. Kronenbourg ist mit 30% Marktanteil und ca. 5.000.000 hl Jahresproduktion die größte Brauerei in Frankreich und gehört zum Carlsbergkonzern in Dänemark. Carlsberg ist nach AB InBev, Heineken, China Ressources Breweries die viertgrößte Brauereigruppe der Welt.

Empfangen wird man in der Bar „Le Petite Tigre“ von ein paar süßen Miniaturgärtanks. Hier werden die saisonalen Spezialitäten vergoren. Erwähnenswert ist das IPA, ordentlich durchgehopft und absolut biersortentypisch. Der Hauptgastraum „Le Grand Tigre“ mit einer Kapazität von gefühlten 200 Sitzplätzen ist schon auf den ersten Blick echt beeindruckend…

… zumal er sich mit dem zweiten, IPA-geschwängerten Blick als Auslaufgehege des elsässischen Tigers offenbart.

Sehr cool sind die zwei riesengroßen Flammkuchenofen, aus denen die Hälfte der auf der Karte befindlichen Spezialitäten geboren werden.

Mein Fazit: Strasbourg, nicht nur brauhausmäßig immer eine Reise wert. Chapeau.

 

Auf Biersafari in Südafrika

Nach unserer Begegnung mit meiner neuen vollmundigen Liebe, dem Rooibosbier aus Stellenbosch, ging es hochmotiviert entlang der Gardenroute auf bierige Südafrika Brauerei Challenge. In Südafrika werden ca. 30. Mio. hl (Hektoliter) Bier hergestellt, in Deutschland 90 Mio. hl und in den USA 210 Mio. hl. Erster Halt war im  landschaftlich unfassbar schönen Nirgendwo in Stanford, 144 km südöstlich von Kapstadt. Dort hat uns der nette Winemaker & Viticulturist David Smith mit einem Bier begrüßt und durch die Brauerei geführt.

Die Birkenhead Brewery wurde 1998 gegründet und zählt somit zu den ältesten Craftbeer Brauereien Südafrikas. Sie gehört zu den Walker Bay Vineyards und ist in dem 22 ha großen Weingut mit integriert. Das Weingut gehört einem Minenbesitzer, der seiner Mannschaft freie Hand lässt und sich 1-2 mal im Jahr bei seinem Besuch in Stanford über seine excellenten Weine und Biere freut.

Gebraut wird auf einem 20 hl Biering Sudhaus von der Fooding GmbH Stuttgart. Bin diesem Sudhaus das erste Mal begegnet und konnte über diese Firma leider keine weiteren Infos finden. However, die bierigen Ergebnisse überzeugen trotzdem.

Die Biere werden alle filtriert und im Kammerpasteur pasteurisiert. Was durchaus Sinn macht, bedenkt man die Vertriebswege aus dem Nirgendwo und die hierzu benötigte mikrobiologische Haltbarkeit.

Mein Favorit ist der Goldgewinner des World Beer Cups 2018 in der Kategorie Lagerbiere Südafrika, das Lazy Leopard. Die Bierkarte durchzuprobieren lohnt sich.

Weiter ging es ins Hop Valley, das Hopfenanbaugebiet Südafrikas. Hier wird auf 400 ha Hopfen angebaut. Der meiste Hopfen wird vor Ort verbraut. Im Vergleich hierzu werden in Deutschland auf 19.000 ha Hopfen angebaut und in den USA auf 21.500 ha.

Weiter ging es zu meiner kleinsten und schnucklichsten Brauerei auf der Reise: Der Franschhoek Brewery.

Das Brauereile wurde fertig montiert in einem Überseecontainer Richtung Afrika geschippert und hat dort seine endgültige Bestimmung gefunden.

Der Craftbeer Markt in Südafrika boomt mittlerweile derart, dass ca. 100 Klein- und Kleinstbrauer ihrem Handwerk nachgehen. Was die Winzer können, können auch die Brauer. Und so lohnt sich ein Besuch in Franschhoek nicht nur wegen der durchweg sauber gebrauten Biere, sondern auch wegen der….

…zum Verweilen einladenden Gastronomie in gechilltem Ambiente. Mein Favorit ist das O.P.A., ein Orange Pale Ale mit einem Hauch von Orangenschalen. Lecker.

Dann ging es Richtung Kapstadt mit seinem Hausberg, dem Table Mountain…

Vor der obligatorischen Hop on Hop off Runde mit dem Doppeldeckerbus ging es zuerst an die von den Touristen beliebten Waterfront ins….

… zum Erfrischen in waschechtem deutschem Wirtshausambiente bei 30°C Außentemperatur.

Die letzte Bierstation war dann auch die größte unserer Südafrika Challenge. Und zwar ging es durch die schnuckelige 5.000.000 hl Zweigstelle der AB InBev Tochter Newlands Brewery. AB InBev hat vier Braustätten in Südafrika, die vor der Fusion zur SAB South African Breweries gehörte. AB InBev ist der weltgrößte Bierproduzent mit einem Weltbiermarktanteil von 30%.

Neben ihrer Hauptmarke Castle haben sich die Brauer aus Kapstadt auch dem Craftbeer Trend geöffnet und eine kleine, süße Brauerei  mit der Kapazität einer kleineren Mittelstandsbrauerei in Deutschland installiert.

Natürlich alles vom Feinsten. Vom Kaspar Schulz Sudhaus bis zu den stehenden Gär- und Lagertanks.

Dann ging es mit den Jungs noch im brauereieigenen Biergarten fleißig verkosten, bevor wir an der Waterfront an einem geheimen Gastrostandort das  unpasteurisierte Castle Draught als Absacker genießen durften.

Mein Fazit: Bier auf Wein, das ist fein. Wir kommen wieder.

Die Entdeckung – Rooibosbier bei Stellenbrau

Stellenbrau

Auf unserer Reise durch Südafrika haben wir neben gefühlten zehn (!) wunderschön gelegenen Weingütern rund um Stellenbosch auch 4 Brauereien besichtigt (Zusammenfassung folgt). Und ausgerechnet im Herzen des Weinanbaus von Südafrika haben wir eine ganz besonders bemerkenswerte Bierentdeckung gemacht. Und zwar bei der Stellenbrau.

Die Stellenbrau wurde 2012 durch Deon Engelbrecht eröffnet. Deon hat sich der simplicity, der Einfachheit, verschrieben. Keep it simple. Einfach geiles Bier brauen. Und wie sie das machen hat mir sein Braumeister Wonderboy eindrücklich vermittelt. Wonderboy ist seit drei Jahren als Oberbrauer bei Stellenbrau und verantwortlich für die excellenten Gerstensäfte.

Gebraut wird mit Malz – von wem wohl? Natürlich mit Malz von Weyermann aus good old Germany. Der Hopfen stammt aus dem hop valley in Südafrika, das wir ebenfalls während unserer Reise besucht haben. Gemaischt wird mit dem absteigenden Infusionsmaischverfahren. Dabei wird bei 80°C eingemaischt, sodass nur die stärkeabbauenden Alpha Amylasen und die eiweissabbauenden Proteasen wirklich wirken. Wonderboy zieht so in optimierten 60-90 Minuten sein Maischprogramm durch. Mit diesem Maischverfahren habe ich auch schon in diversen englischsprachigen Alebrauereien Bekanntschaft gemacht. 

Gebraut werden auf dem 5 hl Sudhaus 1.500 p.a.. Hauptsorte ist das Cravencraft Lager mit 11 % Stammwürze und Alkohol 4,5 % Vol.. Die Biere sind alle sehr rein, mit einem Tick Restsüße und vollen, opulenten Körperrundungen ausgestattet. Der Hammer allerdings ist meine Neuentdeckung 2020. Und das schon im Januar, das kann ja heiter werden. Das Governor´s Red. Benannt nach dem Gründer von Stellenbosch Governor Simon van der Stel. Der absolute Wahnsinn mit unglaublich intensiven Rooibosaromen. Gebraut wie das Cravencraft, wird beim Würzekochen neben dem Hopfen noch 1 kg Honeybusch und 1,5 kg Rooibostee mitgekocht. Und zwar in überdimensionierten Teesieben…

Stellenbrau hat ein eingetragenes Patent für sein Rooibos Lagerbeer. Vertrieben wird das Rooiboswunder hautsächlich in der Region und im  50 km entfernten Kapstadt. Die Brauerei ist sehr gepflegt, der Gär- und Lagerkellerbereich tip top…

Alle Anlagen, vom Sudhaus bis zum Spundapparat sind aus China importiert worden.

Mein Fazit: Zum Frühstück Rooibosbier statt Rooibostee. I like it.

Brewery and Taproomtour in London – The Bermondsey beer mile

Bermondsey Beer Mile

Habe dieses Jahr fleissig in der Jury des World Beer Awards in London mitgearbeitet. Mein Nebensitzer beim Degustieren war der craftbeerverantwortliche Braumeister der San Miguel Gruppe in Spanien. Er hat mir den Tipp gegeben, dass keine 15 Minuten fußseitig von der Tower Bridge entfernt ein super hipster Craftbeer El Dorado zu finden sei. Also nichts wie hin…

Und die Gegend ist wirklich hipster und wenig von normalo Touristen besucht. Die craftbeer locations sind alle unter einer Bahnlinie beheimatet. Im Umkreis von 2 km sind hier knapp 20 Craftbeerhotspots in Form von kleinen Brauereien oder Bottleshops zu finden.

Los ging es mit dem Taproom der MOOR Beer Company. Der Kalifornier Justin Hawk hat seine Brauerei 2007 gegründet. Seit 2014 braut er seine Biere in Bristol in einer nagelneuen Brauerei. Da freut sich der Gustavo, einer meiner treuen Wegbegleiter in Sachen Bier.

Der Taproom ist echt fancy gestylt und ist seit 2018 hier am Start. Justin braut seine Biere ganz nach unserer deutschen handwerklichen Philosophie, selbstredend angelehnt an unser Reinheitsgebot. Bei ihm kommt keine Fischblase zur Klärung der Biere in den Tank. Dies ist in England übrigens durchaus üblich und hat dort eine lange Tradition. Dafür braut er mit der typischen Westcoast dryhopping Methode und zaubert daraus, wie er sagt, sein Modern Real Ale.

Im Hinterzimmer seines Taprooms hat er seine oak aged Fässer gelagert. Ganz wichtig ist ihm, dass die drinkability an oberster Stelle steht. Abgefüllt und ausgeschenkt wird aus kegs, casks, Dosen und Flaschen. Am Besten hat mir sein REVIVAL gemundet. Ein ganz ehrliches, super drinkable Bitter mit 3,8 Vol.%. Für mich eines der besten modernen Bitter. Ganz nach seinem Motto: Drink MOOR Beer.

Zwei Gleise weiter sind wir in die…

gestolpert… Den Bermondsey beer mile crawl gibt es übrigens seit 2014 und er ist total organisch gewachsen. Hier kommen und gehen die Bars und Taprooms wie die Sude einer florierenden Brauerei. Nichts hat wirklich Bestand bis auf die eingesessenen Craftbrewer der ersten Stunden. Die besten Besuchszeiten sind ab Freitag Nachmittag and the whole Saturday long. Da sind die meisten locations geöffnet.

Die meisten von ihnen sind sehr rough bis puristisch gestylt. Oak aged beer findet man nicht nur im Brew by numbers sondern auch….

…. in der…

Ein echter hotspot auf unserer Tour. Hier findet ihr zu den handwerklich sauber gebrauten Köstlichkeiten auch Leckeres auf die Gabel.

Und dann ging es Schlag auf Schlag von einer Craftbeerlocation in die Andere. So lange bis der Elefant kommt…

Und der hat super nette Leute und.…

… juicy IPA im Angebot. Wer es schön fruchtig mag, ist hier genau richtig.

Mein Fazit: Nach dem langen fancy craftbeer walk empfehlen wir einen Scotch Whisky Absacker an der Hotelbar mit James. Cheers.

 

 

Hofstettner – Bock auf Granit

Hofstettner

Habe an meinem Bierwellnesswochenende im Bayrischen Wald einen Abstecher zur Hofstettner Brauerei im Nachbarland Österreich gemacht. Die Brauerei liegt wunderschön ca. 25 km nordwestlich von Linz mitten im Mühlviertel.

Nach herzlicher Begrüßung durch meinen Biersommelier-Kollegen und Braumeister Markus Thaller ging es gleich ins alte 40 hl Sudhaus aus dem Jahre 1929. Das Sudhaus ist immer noch in Betrieb. Auf der historischen Brauanlage werden die besonderen Raritäten Granitbock, Heines altes Lager und das original Hochzeitsbier gebraut. Markus ist ein echtes Eigengewächs der Brauerei. Er hat dort seine Brauerlehre gemacht und ist dann für ein Jahr zum Nachbarn, der 25.000 hl großen Stiftbrauerei Schlägl, gewechselt. Danach hat er den Meister bei Doemens gemacht, bevor es für weitere zwei Jahre in die Forschungs- und Entwicklungsabteilung nach Salzburg zur Brauerei Stiegl ging. Seit 2012 ist er verantwortlicher Braumeister in Hofstetten und hat die Brauerei von 6.000 hl auf 9.600 hl mit entwickeln können. Heute sind in der Brauerei 15 Mitarbeiter beschäftigt. Markus braut mit Unterstützung seiner vier Brauer die leckeren Bierspezialitäten.

In Österreich gibt es einen Reinheitsgebots-ähnlichen Lebensmittelcodex für die Bierherstellung. Abweichend sind unter anderem bis zu 25% Rohfrucht an der Schüttung im Sudhaus oder der Einsatz von technischer Milchsäure und Ascorbinsäure (Vitamin C) erlaubt. Für die Hofstettner Kreativbiere dürfen Kürbis und Honig verwendet werden. Dies muss allerdings deutlich auf dem Etikett deklariert werden. Künstliche Aromatisierung ist auch in Österreich ein No Go. Die Vier-Walzen-Schrotmühle der Firma Seeger aus Bad Cannstatt ist immer noch für das Schroten auf dem alten Sudhaus verantwortlich. Und das seit mehr als 100 Jahren.

Die Brauerei wurde 1229 erstmalig urkundlich erwähnt und gilt als die älteste Brauerei Österreichs. Gebraut wurde in der damaligen Zeit in einer alten „Raststätte“ auf dem Salzsträssle Passau – Linz, um die Händler mit gutem Gerstensaft zu stärken. Seit 1849 ist die Brauerei im Besitz der heutigen Eigentümerfamilie Krammer. Heute steht die Herstellung von Spezialbieren im Fokus. Ganz besonders hat mich neben dem Granitbock auch das Heines altes Lager beeindruckt. Hierfür wurde von der Genbank in Linz das Saatgut der ca. einhundert Jahre alte Braugerstensorte Heines Haisa bezogen und von zwei Landwirten in der Nachbarschaft wieder angebaut. Diese sehr kleinen Körner mit einem hohen Spelzenanteil werden extra vermälzt und sind sehr gerbstoffhaltig. Gemaischt wird so wie früher im Dreimaischverfahren. Trotz 90 Minuten Kochzeit hat das Bier eine intensive DMS Note. Einen Geruch, der an Gemüse erinnert und in den heutigen Mainstreambieren eher als verpönt gilt.

Gehopft wird der historische Göttertrank mit der ursprünglich aus England stammenden Hopfensorte Malling. Diese Hopfensorte ist speziell im Mühlviertel dominierend und für Markus in Bio-Reinform angebaut. Das Mühlviertel ist nicht nur das größte österreichische Hopfenanbaugebiet, sondern gehört auch zu den Keimzellen der Biobewegung. Heines altes Lager ist ein echtes Unikat. So könnte Bier vor 100 Jahren geschmeckt haben. Denn originaler, als auf einem fast einhundertjährigen Sudhaus mit original Braugerste aus dieser Zeit zu brauen, geht nicht mehr. Total faszinierend. Die Flaschen werden bei der Stiftbrauerei Schlägl abgefüllt. Das neue Braukon Sudhaus ist seit 2015 in Betrieb. Ausgeschlagen werden hier 20 hl. Für den Einsatz des Naturhopfens hat Markus einen Hopbag in Verwendung. Die neuere Art eines klassischen Hopfenseihers.

Das österreichische Märzen mit 4,7 Vol.% Alkohol ist vom Bierstil her vergleichbar mit dem Bayrisch Hell und hat einen Marktanteil zwischen 70% und 80%. Der österreichische Biermarkt ist wie unsere deutscher extrem preissensibel. 80% der Biere werden im Handel von den Mannen der Spars und Rewes über Aktionen verramscht. Für mich ist genauso schmerzhaft wie unverständlich, dass gerade auch die Jungs von der Brauunion, Stiegl Brauerei und Zipfer das mitmachen. Denn auch ihre Biere sind durchweg qualitativ mehr wert als unterirdische 10€ pro Rahmen. Aus diesem Grund besetzen die Hofstettner mit ihren Bieren die Spezialitätenlücke.  Die neuen Tanks stammen aus dem Hause Rieger und von dem Tankbauer Müller.

Das Brauwasser kommt aus einem eigenen Brunnen und hat 4 ° dH. In Österreich gibt es zwei Mälzereien. Die zur Ireks Malz Gruppe gehörende Stamag und die Plohberger Mälzerei in Grieskirchen. Für das Bio Mühlviertel Bier werden 100% Zutaten aus dem Mühlviertel verwendet. Mein Hofstettner Lieblingsbier ist allerdings der Granitbock mit leckeren 17,8 % Stammwürze, den es auch in der Graniteisbockvariante mit 12 % Alkohol gibt. Die Herstellung der Granitbiere hat mich dann doch bewegt. Die kalte Würze wird in Granitbecken, ehemaligen Sauerkrautbottichen, vergoren….

 

…nachdem sie unter Zugabe von glühenden heißen Granitsteinen karamellisiert wurde. Der älteste dieser Steinbottiche ist übrigens aus dem Jahre 1649! Die Hauptgärung findet zwischen Januar und März in den kalten Kellern statt, im Lagerkeller wird bis September gereift.

Mein Fazit: Von unfiltriertem Kübelbier bis Granitbock. Markus du machst einen mega Job. Ein Prost auf deine Inspiration.

 

Bräunlinger Löwenbräu – 40 Tage Kellerruhe

Bräunlinger Löwenbräu

Auf den Spuren meiner Vergangenheit hat es mich zu einer wunderschönen Traditionsbrauerei in den Südschwarzwald verschlagen. Und zwar nach Bräunlingen, nur vier Kilometer neben Donaueschingen mit der zweitgrößten Schwarzwälder Brauerei, Fürstenberg, gelegen. Vor ein paar Jahren habe ich mich nach erfolgreicher Bewältigung des Schwarzwaldmarathon im Zielbereich so arg über den Senior Brauereichef Friedrich Kalb gefreut. Der hat mein Brauereiauto beim Parken gesehen und präventiv mit Halbe und Roter Wurst im Zielbereich auf meinen verspäteten Einlauf gewartet. Das war das leckerste Siegerbier meiner kurzen Laufbahn. In der Brauerei angekommen…

… hat uns gleich die fast komplette Familie Kalb im Sudhaus empfangen. Mit an Bord, die 9. Generation Kalb.

Das Jakob Carl Sudhaus Baujahr 1998 habe ich in der Art auch bei der  Brauerei Schimpf in Remmingsheim und bei der Gaildorfer Brauerei gesehen. Ausgeschlagen werden pro Sud 44 hl. Neben der Hauptsorte Pils mit 28 IBU, aus der dann das Meister Pils und die super süffige, leckere, unfiltrierte Variante Keller Pils wird, brauen die Bräunlinger noch ihr Edel Export und das Hefeweizen Weisser Leo ein. Das Pils wird mit Perle, Tradition und Tettnanger gehopft.

Das Hefeweizen ist echt bemerkenswert lecker. Kein Wunder, denn vergoren wird im Schnabeltank und nach der Abfüllung gärt das gute Gebräu noch in der Flasche nach. Die obergärige Leckerei ist die zweitstärkste Biersorte der Brauerei. Im Jahr brauen die Kalbs 4.500 hl. Die Hauptgärung läuft bei den Untergärigen bei max. 10°C, bei den Obergärigen bei max 22°C. Geschlaucht wird mit Restextrakt und gelagert mindestens 40 Tage bei 0°C Raumtemperatur. Das gibt mega bekömmliche Biere.

Damit die Gärung auch immer gut durchflutscht, wird fein säuberlich im Labor mit dem Mikroskop, Marke Eigenbau, die Hefezellzahl bestimmt. Echt tricky.

Seit 2012 unterstützt Andre Luis Martins Pinto, der Schwiegersohn, die Kalbs beim Brauen. Er hat den Bachelor Chemie in Brasilien gemacht und bei einem Heinekenableger dort geschuftet. Bei der Doemensausbildung in good old Germany hat er seine große Liebe Evelin kennengelernt und nach weiteren fünf Jahren in Brasilien bei der Cerveceria Schincariol ging es dann ab nach Bräunlingen.

Seine zweite Liebe, das Schwarzbier, hat er in seinem Black Lion zum Ausdruck gebracht. Mit acht Malzen gebraut, vom Carared-, Röst- bis zum Rauchmalz, hat das Bier eine wundeschöne Nase bei rabenschwarzer Farbe. Soooo lecker. Filtriert wird mit einem Kieselgurrahmenfilter Baujahr 1983 von Seitz Ensinger Noll. Ohne Trap oder Schichtenfilter im Anschluss. In Bräunlingen nicht notwendig, da blitzt die ganze Brauerei von oben bis unten. Übrigens erfährt diese Art von Filtration bei dem einen oder anderen Braumeister wieder eine Renaissance. Trotz oder gerade wegen der Crossflow und Co. Entwicklung.

Und wenn ihr nach Bräunlingen kommt, bringt noch a bisserl Zeit mit für den Bierpfad…

….und die braufrischen Biere im Bräustüberl gleich neben der Brauerei.

Mein Fazit: Bräunlingen lohnt sich auch ohne Marathon. Danke liebe Familie Kalb.