The show must go on – die erste Beerchallenge 2017

Sodelle, ihr lieben Leser, seit gegrüßt im neuen Bierjahr. Nach meiner traditionellen, alljährlichen Bierfastenzeit im Januar, freue ich mich schon mega auf meine erste Bierexkursion ins gute Frankenland. Um Euch schon Appetit auf meine nächsten Blogs zu machen, habe ich mich kurzerhand entschlossen, das Programm vorab zu enthüllen. Los geht´s am 1. Februar. Was folgt ist eine echte Beerchallenge durch 19 Brauereien in 4 Tagen. Freundlicherweise haben mich 6 Bierenthusiasten hierzu eingeladen, spannende und bemerkenswerte Bierhotspots mit ihnen gemeinsam zu erkunden.

The ultimativ Oberfranken Beerchallenge 2017:

Mi 1.2.2017

09:30 Abfahrt Memmelsdorf 09:35 Ankunft Kommunbrauhaus Rossach (Großheirath, Coburger Straße, Tel. 09565-1689), seit 1712 bekannt, 90 hl/Jahresausstoß 11:00 Abfahrt Rossach 11:20 Ankunft Brauerei Grosch, Rödental, Gasthof seit 1425; Brauerei seit 1492, 3.200 hl/Jahresausstoß; (www.braugasthof-grosch.de) 14:20 Abfahrt Rödental 14:40 Ankunft Alte Klosterbrauerei Vierzehnheiligen, Kloster seit 1445, Braurecht seit 1803, Kloster hat 500.000 Jahresbesucher; 10.000 hl/Jahresausstoß 15:40 Auszug aus Klosterbrauerei 15:40 Besuch Klosterkirche Vierzehnheiligen 16:15 Abfahrt Vierzehnheiligen 16:25 Ankunft Metzgerbräu, Uetzing, seit 2004 Errichtung der Brauerei neben bestehender Metzgerei; 250 hl/Jahresausstoß, (www.metzgerbraeu.de) 17:40 Abfahrt Uetzing 18:15 Ankunft Brauerei Hönig, Tiefenellern, frühere Poststation, daher heute auch „Gasthof zur Post“; 6.500 hl/Jahresausstoß, (www.brauerei-hoenig.de) 19:45 Abfahrt Tiefenellern 20:00 Ankunft Drei Kronen Memmelsdorf (Abendessen und Übernachtung)

Do 2.2.2017 (Steigerwald)

09:00 Abfahrt Memmelsdorf 09:15 Ankunft Unterhaid mit Besichtigung Kellerweg (Führung mit Kreisarchivpflegerin), bekannt seit 1796, eine 165 m lange in Franken einmalige Kellergasse mit 29 Einzelkellern und einem Sommerkeller 10:00 Abfahrt Unterhaid 10:05 Ankunft Brauerei Mainlust, Viereth-Trunstadt, seit 1848 Braurechte, 700 hl/Jahresausstoß (www.mainlust.com) 11:30 Abfahrt Viereth-Trunstadt 12:00 Ankunft Brauerei Bayer in Theinheim, 300jährige Braugeschichte, gilt als kleinste Brauerei Frankens (www.bayer-Theinheim.de) inkl. Mittagsvesper 14.30 Abfahrt Theinheim14:45 Ankunft Brauerei Zehender, Mönchsambach, seit 1808 als Brauerei geführt, (www.moenchsambrach.de) 15:45 Abfahrt Mönchsambach 15:50 Ankunft Brauerei Schwanenbräu Burgebrach, Gasthaus seit 1394, seit 1436 Erbschankrecht, Brauerei mit 1000 hl/Jahresausstoß, (www.schwanawirt.de) 16.50 Abfahrt Burgebrach 16:55 Ankunft Brauerei Herrmann, Burgebrach-Ampferbach, Braurecht seit 1718, mit Herrmann-Sommerkeller seit 1825 18:00 Abfahrt Ampferbach18:30 Rückkehr Drei Kronen Memmelsdorf (Abendessen und Übernachtung)


Fr 3.2.2017 (Fränkische Schweiz)

09:00 Abfahrt Memmelsdorf 09:40 Ankunft Bräuwerk, Neudrossenfeld; Brauerei seit 1649, wegen Vereinsgastronomie vor einigen Jahren geschlossen, seit 2014 als AG wiedererrichtet und betrieben, mit Tanzlinde in Nachbarschaft 10:40 Abfahrt Neudrossenfeld 10:50 Ankunft Trebgast Einkehrschwung bei Haberstumpf (www.brauerei-haberstumpf.de) 11:25 Abfahrt Trebgast 12:25 Ankunft Gänsteller Bräu (www.ganstellerbrau.de) 13:55 Abfahrt Hallerndorf 14:35 Ankunft Elch-Bräu Gräfenberg, Brauerei/Mälzerei seit 16.Jahrhundert, neu übernommen 2007 (www.gasthof-seitz.de) 15:50 Abfahrt Gräfenberg 16:30 Ankunft Brauerei Heckel, Waischenfeld, seit 1611 Kommunbrauhaus, 1981 von Familie Heckel übernommen, 3000 hl/Jahresausstoß 18.30 Abfahrt Waischenfeld19:15 Ankunft Löwenbräu Buttenheim, seit 120 Jahren Familienbetrieb(www.loewenbraeu-buttenheim.de); 1000 hl/Jahresausstoß Abendessen und Übernachtung


Sa 4.2.2017

09:00 Abfahrt Löwenbräu Buttenheim 09:02 Ankunft Levi Strauss-Museum Buttenheim mit Sonderführung 10:00 Abfahrt Buttenheim 10:15 Ankunft Brauerei Sauer, Roßdorf am Forst, Brauerei seit 1720 mit Felsenkeller und Sommerkeller-Betrieb (www.brauerei-sauer.de) 12:15 Abfahrt Roßdorf 12:30 Ankunft im Cafe Abseits, Bamberg (www.abseits-bamberg.de) 13:10 Abfahrt vom Cafe Abseits

Mein Fazit: Ich freue mich darauf, Euch auch im Jahr 2017 wieder mit dem einen oder anderen Blog bierig zu begeistern.


Beer meets Whisky – im Getreidehimmel

Beer & Whisky? Das hört sich für mich als Bier-Ultra fast so an wie Fremdgehen. Habe mich auf die neue Romanze trotzdem eingelassen, nachdem mich der ausgewiesene Stuttgarter Whiskykenner und Cheffe vom Jazzclub Bix, Jens Ölkrug, dazu bei unserem gemeinsamen Pretasting in der Imme überredet hatte. Dort haben wir fünf verschiedene Biere mit fünf ausgesuchten Whiskys gepaart und diese gestern live on stage im Bix vor vielen interessierten Bier- und Whiskylovern präsentiert.

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Als erstes Herrengedeck haben wir Schönbuch Jäger Spezial, ein altväterliches Exportbier mit 5,7 Vol.%, mit Glenrothes sherry cask reserve gereicht. Zuerst das lecker Bier auf die Zunge gelegt und dann den edlen Schotten drüber laufen lassen. Ein WOW ging durch den Saal. Malt – the same heart of the thing – war hier ganz deutlich zu schmecken.

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Weiter ging es mit Torpedo IPA und Auchentoshan three Wood. Der Whisky hat sofort die geile Hopfenbittere des IPA wegezaubert. Mega Kombi war die zwischen dem Schönbuch Weizenbock oak aged, will heißen neun Monate im Bourbon Fass gereifter Weizenbock, und dem Knob Creek rye. Die Potenzierung der Potenzierung zwischen Vanille und Bananenaromen. Supergeil!

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Danach haben wir Fullers London Porter mit Ardmore traditional cask vereint und als Hammer Abschluss mein Lieblingsbier Trappistes Rochefort 8 mit Laphroaig quarter cask. In diesem letzten Akt ging das Spiel anders herum. Hier haben wir zuerst den Whisky auf die Zunge gelegt und dann das Rochefort drüber gelassen. Unglaublich. Der Schweigemönch hat den intensiven Torfcharakter des Whiskys weggeblasen bevor nach einem kurzen Glücksgefühl der Torf klammheimlich mit voller Wucht wieder um die Ecke kam.

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Mein Fazit: Beer & Whisky – Fremdgehen leicht gemacht.

Ale, Ale, Ale – Beerfestivalhopping in London

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Wenn im August an einem Wochenende in London gleich zwei angesagte Beerfestivals anstehen, dann kann ich nicht anders. Hotel buchen und ab Richtung Ales. Das Great British Beerfestival in der ehrwürdigen Olympia – Halle in Kensington war mein first Stop.

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Als erste Anlaufstelle habe ich mir meine liebste Londoner Brauerei in der Kategorie Traditionsbrauereien, die Fuller´s ausgesucht.

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Mit ihrem lecker Black Cap Stout bewaffnet ging´s ab in die Menge und auf Beerscouting Tour.

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Zweiter Stop, Real Ales antesten. Harter Job, denn der Weg durch trinkfreudige Engländer in Volksfeststimmung zum The Swan Stand „wird kein leichter sein“.

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Belohnt wird der beernerd visuell durch den coolen Zapfhahn-Highway und organoleptisch durch das mega leckere Oracle aus der Salopian Brewery, ein fresh sparkling vibrant sunflower gold citrusy Ale. Hammer.

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Genial, die Fassbierorga hinter den Kulissen. Da benötigt der Zapfer echt Draftkompetenz. Die Jungs und Mädels hinter den goldenen Hähnen des Bierolymp waren allesamt recht gut in Sachen Bier geschult.

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Für die Auszeit, for smoking or something else, waren extra Tische im Roulette-Style aufgebaut. Sein eigenes Glas wieder finden – ein Royal Flash.

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Gesehen – gelacht – und weiter ging es zum Real Craftbeer Festival mit der Tube zu der Station Bethnal Green am Ostrand der Millionenmetropole. Bei dieser Industriebrachenkulisse waren wir echt gespannt auf das, was uns innen erwartet.

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Über 30 geniale Craftbeer Brewer, die meisten aus UK, haben uns empfangen. Ein Vertreter aus good old Germany, Tilmans, war ebenfalls mit am Start.  Doch vorher war über die spannende Frage zu meditieren…..

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Innen total cooles Ambiente, der DJ mitten drin und jede Menge super nette hipster craftbeerfreaks .

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Nicht nur die Biere waren durch die Bank bemerkenswert, sondern auch der Style von manchen Craftbeer-Schänken.

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Jedenfalls kann ich Euch dieses Festival wärmstens an Euer Craftbeerheart legen, denn die Besucher wie die Brauer waren super geil drauf….

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…. und so habe ich manches interessante Gespräch führen und dazu lecker Ale trinken können.

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Mein Fazit: Ein Cheers auf das Craftbeer Festival London – I like it!

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Am Anfang war das Korn – Braugerstenernte im Schönbuchland

www.altdorfer-muehle.com

Es ist Erntezeit im Schönbuchland. Da habe ich mich doch gleich aufgemacht, um Euch hierüber zu berichten. Auf meinem Weg nach Altdorf bin ich an einem frisch abgeernteten Braugerstenfeld im Nirgendwo zwischen Hildrizhausen und Steinenbronn vorbeigedüst. In dieser Gegend wird der Bedarf an Braugerste von ca. 20 Landwirten für die Schönbuch Braumanufaktur auf ca. 100 ha (1.000.000 m2) angebaut. Bei einem Ertrag von ca. 6 Tonnen/ha entspricht dies ca. 600 Tonnen.

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Die Altdorfer Mühle wird von den Brüdern Ruthardt geleitet und wurde 1487 (!) erstmalig urkundlich erwähnt. Direkt nach dem Einbringen der Ernte fahren die Landwirte zur Mühle. Dort wird als Erstes eine Probe entnommen….

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… und von den Chefs persönlich genau untersucht. Und zwar auf Wassergehalt, Eiweißgehalt und hl- Gewicht. Das Hektolitergewicht wird zur Festsetzung des Getreidepreises ermittelt und entspricht dem Gewicht von 100l Getreide.

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Die Altdorfer Mühle ist ein rein familiengeführter Betrieb und erfasst ca 3.000 Tonnen Getreide p.a. Karl Ruthardt ist übrigens der geistige Vater des regionalen Braugerstenkonzepts der Böblinger Brauerei. Vor ein paar Jahren wurde kräftig investiert und so gilt sie als Musterbetrieb in ihrer Branche. Neueste Steuertechnik, von der Annahme bis zur Verladung, vom Allerfeinsten.

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Wenn die Proben die Qualitätsvorgaben erreichen und keine Auffälligkeiten zeigen, darf abgeladen werden. Natürlich auch hier Handbonitierung, will heißen – das Auge analysiert mit.

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Bevor die Braugerste ins Silo darf, wird sie gereinigt, also von Fremdkörpern befreit.

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Danach ging es auf Klettertour auf das Silodach. Schwindelfreiheit vorausgesetzt.

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Echt beeindruckend der Blick ins Silo….

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… und auf die Mühle hinab. So schöööön. Und von der Mühle fährt die Gerste zur Mälzerei, wo sie verzaubert wird zu Braumalz, der Seele unserer guten Biere. To be continued……

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Mein Fazit: Charly, danke für den Einblick in dein Braugerstenuniversum.

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Auf den Spuren des Zoigl

Habe mich mit dem Fahrrad auf den Weg zu den heiligen Stätten des Zoiglbieres gemacht, um dessen Mythos zu erkunden. Von Bayreuth aus ging es nach Marktkredwitz in der Oberpfalz. Durstig und hungrig angekommen, sind wir sofort eingekehrt und auf den ersten Zoigl gestoßen.

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Diesen, von der Brauerei Nothhaft gebraut,  habe ich genüsslich mit saurem Herz vertilgt. Foodpairing auf oberpfälzisch. Die Zoiglbiere sind untergärig, unfiltriert und meist sehr unterschiedlich gehopft. Der Marktkredwitzer Rawetzer Zoigl hat durch seine etwas stärkere Hopfung eine wunderschöne Hopfenblume.

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Nach der ersten Stärkung ging es gleich weiter nach Mitterteich zum Kommunbrauhaus. Dieses besteht seit 1864 am Ort. Jeder Bürger im Besitz eines eigenen Hauses hat dort seit dem Jahre 1516 das Recht, sein Bier zu brauen. Von diesem machen heute noch drei Familien ganzjährig Gebrauch, um dann ihren Zoigl in deren Schankwirtschaften zum Ausschank zu bringen. 1932 wurde gerichtlich entschieden, dass dieses Recht keiner Verjährung unterliegt.

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Weiter ging es nach Falkenberg in den Wolfadl Zoigl. Zoigl stammt von „Zeichen oder Zeigen“. Eine Zoiglwirtschaft, ähnlich der schwäbischen Besenwirtschaft, erkennt man am Brauerstern oder einem Fichtenbusch, der vor das Haus gehängt wird. Damit wurde und wird signalisiert, dass es dort frisches Zoiglbier gibt.

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Und genauso lecker und unterschiedlich wie die Biere sind die Gerichte, die zu diesen einmalig süffigen Brauspezialitäten gereicht werden. Basic is amazing….

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In Falkenberg haben wir uns dann vom Zoiglbrauer den Schlüssel vom Kommunbrauhaus geben lassen, um dieses zu besichtigen. Das Gebäude wird von der Stadt, die technischen Anlagen von den Brauern in Stand gehalten.

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Wie aus einer anderen Zeit werden hier in traditioneller altväterlicher Art die Biere gebraut. Gebraut wird mit dem in der heutigen Brauindustrie kaum mehr anzutreffenden energieintensiven Ein- oder Zweimaischverfahren. Dieses macht die Biere aus den Kommunbrauhäusern wunderschön kernig. Nicht fehlen darf der Brauerstern…..

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und das Kühlschiff, mit dem auf traditionelle Art noch heute die Würze abgekühlt wird.

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Die nächste Zwischenstation war der Schlosshof Zoigl der Familie Weiss in Windischeschenbach. Einer der Hotspots des Zoiglbieres.

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Die zünftige Zoiglexpedition endete in Eslarn im Zoigl der Familie Streher mit der Empfehlung an jeden Bierfreak:  „Play it again Sam“.

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Mein Fazit: Zoiglbier – back to the future.

Fözde Feszt in Budapest

www.fozdefeszt.hu

War im Wonnemonat Mai zur Craftbeerexpedition im wunderschönen Budapest. Unser Reiseziel war das legendäre Craftbeerfest Fözdefeszt, dass dieses Jahr schon zum 11 mal stattgefunden hat.

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Das ungarische Craftbeerhighlight findet in einem alten Park mitten in der City  statt. Mega Ambiente und klasse Leute haben das Fest für mich zu meinem persönlichen Festival – Hotspot gemacht.

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Bei 50 Ausstellern, die meisten von ihnen sind lokale Craftbeer Brauer und Beerbars, haben wir uns quer durch die Szene verkostet. Spannende, handwerklich gut gemachte  und echt kultige Gebräue haben meinen Gaumen beglückt. Ganz unter meinem Festivalmotto:

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Cool, die Brauer von der Zip´s Brewery. Extra angereist mit Ausschanktanks. Hab ich auch noch auf keinem Beerfestival vorher gesehen,…

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… genauso wenig wie die Hopegun direkt vor dem Zapfhahn.

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Passend zu den heavy Beers gab es smoked Beef in vielen Varianten…..

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Mein Favorit sind die Biere von der ersten Craftbeer Brewery in Budapest, der Leganda. Super lecker und hammerstark schmeckt die oak aged Legende „Game over“. Die Einladung zur Brauereibesichtigung haben wir auf das nächste Jahr verschoben, denn…..

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….das Kiwibier möchte ich unbedingt aus dem Lagertank Zwickeln.

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Mein Fazit: Budapest – ich komme wieder. Der Geheimtip für alle Craftbeer Freaks.

What the hell does Craftbeer mean? Part 2 – The solution

Um den Begriff Craftbeer konkreter fassen zu können, habe ich ein Bewertungssystem zur Beurteilung von Bieren entwickelt. Nach dem Durchlaufen der sechs Prüfungspunkte kann der „Pro-Bierende“ für sich entscheiden, inwieweit es sich bei dem geprüften Bier um „real craft“ handelt oder nicht.

Hier nun Werner´s SPCS* (*Six Point Craftbeer Consulting System).

Ich mit Glas

Mit den ersten drei Punkte überprüfen wir die „hard facts“ hinter dem Bier. Diese drei Punkte habe ich an den Aufnahmekriterien für Craftbeer Breweries der Brewers Association in Amerika angelehnt.

  1. Brauereigröße, bei der das Bier hergestellt wurde. In Amerika z.B. werden alle Brauereien mit weniger als 9,5 Mio hl den Craftbeer Breweries zugeordnet. Das würde für Deutschland bedeuten, dass alle deutschen Brauereien aufgrund ihrer Größe darunter fallen würden. Ich sehe dies differenzierter, deswegen ist es für mich wichtig zu wissen, mit welcher Brauerei ich es zu tun habe. Hierbei helfen folgende Fragen: Wie groß ist die Brauerei (hl Ausstoß)? Wo ist die Brauerei? Wie ist diese eingerichtet? Hier hilft ein Blick ins Internet, um ein Gefühl für die Braustätte zu bekommen. Das gilt natürlich ebenfalls für die Gipsy Brewer. Bis 100.000 hl 3 Punkte, bis 1 Mio hl 2 Punkte und ab 1 Mio hl 1 Punkt.
  2. Unabhängige Brauerei, dies bedeutet, dass ein Braukonzern weniger als 25% Anteile an der Brauerei hält. Hierbei lege ich meinen Schwerpunkt auf „unabhängig“ im Sinne, die Möglichkeit zu haben, unabhängige und eigenständige Biere zu brauen und zu vermarkten. Fernab von Konzern- oder Fremdeinflüssen. 0 oder 3 Punkte
  3. Traditionelle Bierstile und deren Herstellung. Handelt es sich um einen traditionellen Bierstil, um eine Weiterentwicklung hieraus oder um ein Fake?? Wie werden die Biere hergestellt? Hierbei ist für mich auch die Braukompetenz des Braumeisters und dessen Fachwissen sowie  die technischen Anlagen der Brauerei mit in die Bewertung einzubeziehen. Traditioneller Bierstil 3 Punkte, Weiterentwicklung hieraus 2 Punkte, Fake 0 Punkte.

Bei den letzten drei Punkten geht es mir um die „soft skills“ hinter dem Bier.

  1. Eigenständiges Bier mit Wiedererkennung. Erkennt man das Bier hinsichtlich seines Geschmacks wieder? Entspricht das Aussehen und der Geschmack dem Bierstil? Handelt es sich um eine bemerkenswerte Qualität? 1-3 Punkte.
  2. Zutatenfokus, die Biere müssen in diesem Punkt zwingend ohne jegliche Mithilfe von künstlichen Aromen, Farbstoffen, Enzymen sowie jeglichen Chemikalien gebraut sein (Stichpunkt Reinheitsgebot, Natürlichkeitsgebot). Dies gilt grundsätzlich für alle Biere. Hier hilft der Blick auf die Zutatendeklaration auf dem Etikett oder das Gespräch mit dem Braumeister vor Ort 🙂 0 oder 3 Punkte
  3. Leidenschaft und Spass der Macher hinter den Bieren. Dies bedeutet nicht zwingend Vollbart und T- Shirt, sondern die Frage: Wer steht hinter den Bieren? Craftbeer im Sinne des Lebensgefühls möchte cool sein. Sind die Macher hinter den Bieren authentisch im Sinne der Craftbeerbewegung oder eher wonna be? Wie kommt das Marketing – vom Etikett bis zur Homepage/Facebook – daher?  0-3 Punkte

Und nun ein Beispiel zum Einüben 🙂

Boon Kriek (s. http://www.bierblog.eu/?s=boon&submit=Suchen )

Spontanvergoren (alte Gärungsmethode – historischer Braustil), Mischung aus 1-3  Jahre alten Lambics unter Verwendung von Schaarbeek Sauerkirschen. Keinerlei Aromen und Süßstoffe. Brauerei top eingerichtet, Frank Boon ist eine lebende Bierlegende und der Fachkenner unter den Lambicbrauern. Familienbrauerei.

  1. Brauereigröße? 3 Punkte,  20.000hl
  2. unabhängig? 3 Punkte – Familie
  3. traditionelle Herstellung und Bierstil? 3 Punkte – Kriek
  4. Eigenständiges Bier mit Wiedererkennung? 3 Punkte
  5. Zutatenfocus? 3 Punkte – Schaarbeek Sauerkirsche – keine Aromen
  6. Leidenschaft und Spass? 3 Punkte

Gesamtpunktzahl: 18 Punkte – für mich – Craftbeer

Und nun los geht´s. Viel Spass. Und lasst mich teilhaben an Euren Bewertungen. Bei Fragen, einfach melden.

Regal

What the hell does Craftbeer mean? Ein subjektiver Erklärungsversuch Part 1

Ich habe diesen Beitrag im Dezember 2013 geschrieben, um den Begriff Craftbeer zu erklären. Nach meinen Vorträgen „What the hell does Craftbeer mean?“, werde ich immer wieder gebeten, mein Craftbeer Bewertungsmuster online zu stellen. Diesen Bitten komme ich gerne nach und werde den Part 2 in Bälde veröffentlichen. Der Part 1 Originalbeitrag von 2013 ist als kleine Einstimmung gedacht. Viel Spass.

Auch hier hilft ein Blick zurück. In den USA wurde Ende der 1970 das zuhause – Brauen gesetzlich erlaubt. Dies war der Startschuss für die sogenannte Craftbeer- Bewegung. Über dem Teich bestimmen bis heute  wenige Großkonzerne mit ihren geschmacklich relativ unauffälligen Einheitsbieren den Massenmarkt. Aus dieser Situation heraus entstand der Trend, zuhause wilde Biere zu Brauen, um diesem Einerlei wenigstens daheim Abwechslung zu bieten. Aus dem zuhause-Brauen entstanden bis heute mehr als 3000 Craftbeerbreweries, die als Hausbrauereien für ihre Gaststätte, im Hinterhof für die Umgebung oder auch im richtig großen Stil bis zu über 1 Millionen hl zum Teil echt abgefahrene Biere kreieren. Dieser Biertsunami hat schon zum Teil Europa erreicht, was sich in einer größeren „Variety“ an Bieren wiederspiegelt. In Deutschland wurde das steuerfreie Brauen zu Hause bis zu 200 Liter p.a. übrigens ebenfalls ab Anfang 1980 erlaubt. Interessanterweise orientierten sich die amerikanischen Heimbrauer an den europäischen Bierstilen und entwickelten hieraus außergewöhnliche Biere.

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Heute schauen manche deutsche Traditionsbrauereien nach USA und springen auf diesen Trend auf – und wollen auch „coole Craftbrewer“ sein. Oft eher den rückläufigen Absätzen geschuldet, denn der inneren Überzeugung. Dies kommentieren manche USA Brauer mit Kopfschütteln, da wir hier in Deutschland aufgrund der Vielzahl an Brauereien, Bierstilen und der relativ kleinen Ausstoßgrößen der Brauereien von je her „Craftbreweries = Handwerksbrauereien“ sind. Und das mit authentischer Tradition. Von Hand schroten, einmaischen, abläutern – auch ob groß, ob kleine Brauerei – hat nichts mit Craftbeer zu tun; die Bierherstellung ist in allen Brauereien weitgehend automatisiert . Entscheidend ist die Liebe und das bewusste Auseinandersetzen des Brauers mit seinem Göttertrank. Von der Auswahl der Zutaten, der excellenten Herstellung, den vielfältigen Geschmackserlebnissen bis zum geselligen Austausch unter Brauern.

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Oder frei nach Dinkelaker: Lasst die Anglizismen und braut Euer Bier ehrlich, mit Liebe und Leidenschaft. Jedenfalls bedeutet Craftbeer nicht gleich automatisch gutes Bier, sondern positiv gesehen die Rückbesinnung auf die Qualität unserer Biere mit all seinen Facetten.

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Craftbeerbrewer dieser Welt habt Dank; ihr habt eine kleine Revolution in den deutschen Sudkesseln bzw in den Brauereien in der Art gestartet, dass sich die Entscheider wieder auf das gute Bier zurückbesinnen.

Mein Fazit: Frei übersetzt nach Dinkelaker;  Craftbeer = Bier mit Seele. Na denn – Prost.

Interessantes rund um´s Bier – Prof. Dr. Ludwig Narziß

http://blogs.faz.net/bierblog/2016/04/14/verfaellt-das-deutsche-bier-die-letzten-50-jahre-bier-288/

Ein toller Blogbeitrag aus der FAZ über und mit meinem sehr geschätzten Professor aus Weihenstephaner Studientagen – lesenswert.

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von links Prof. Dr. Narziß, meine Wenigkeit, Otto Resch Braumeister Kauzen Bräu, Udo Schiedermaier Braumeister Radeberger

Biere blanche – Frau Ribbentrop lässt grüßen

In der Ukraine braut sich was zusammen. Der Biermarkt dort wird mengenmässig  durch die großen Konzerne der Welt beherrscht. Ambev, Miller, Carlsberg, aber auch durch lokale Brauer wie Obolon. Der weltweite Trend hin zum Individualgeschmack, insbesondere beim Bier, zeigt sich auch in der Ukraine durch Gründung zahlreicher Brewpubs. Ein bemerkenswerter Vertreter dieser Art ist in Form einer Bierflasche bei mir aufgeschlagen.
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Das Label hat mich neugierig gemacht. Wer war noch dieser Ullrich Friedrich Willy von Ribbentrop? Ein kurzer Blick in die Geschichtsbücher des World Wide Web – und ? WOW. Das war der Außenminister während des 3. Reichs. Ein Blick aufs Rückenetikett brachte mehr Erklärung…..
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….. ein politisch motivierter Brauer steckt wohl hinter diesem Biere blanche, das  im Pravda Beer Theatre in Lviv eingebraut wurde. Geschmacklich interessant, allerdings etwas gealtert macht mich dieses non Mainstream Beer neugierig auf mehr. Ukraine ich komme.
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Mein Fazit: Non Mainstream Brauer dieser Welt, zeigt Kante und braut Euch was zusammen.