Bräunlinger Löwenbräu – 40 Tage Kellerruhe

Bräunlinger Löwenbräu

Auf den Spuren meiner Vergangenheit hat es mich zu einer wunderschönen Traditionsbrauerei in den Südschwarzwald verschlagen. Und zwar nach Bräunlingen, nur vier Kilometer neben Donaueschingen mit der zweitgrößten Schwarzwälder Brauerei, Fürstenberg, gelegen. Vor ein paar Jahren habe ich mich nach erfolgreicher Bewältigung des Schwarzwaldmarathon im Zielbereich so arg über den Senior Brauereichef Friedrich Kalb gefreut. Der hat mein Brauereiauto beim Parken gesehen und präventiv mit Halbe und Roter Wurst im Zielbereich auf meinen verspäteten Einlauf gewartet. Das war das leckerste Siegerbier meiner kurzen Laufbahn. In der Brauerei angekommen…

… hat uns gleich die fast komplette Familie Kalb im Sudhaus empfangen. Mit an Bord, die 9. Generation Kalb.

Das Jakob Carl Sudhaus Baujahr 1998 habe ich in der Art auch bei der  Brauerei Schimpf in Remmingsheim und bei der Gaildorfer Brauerei gesehen. Ausgeschlagen werden pro Sud 44 hl. Neben der Hauptsorte Pils mit 28 IBU, aus der dann das Meister Pils und die super süffige, leckere, unfiltrierte Variante Keller Pils wird, brauen die Bräunlinger noch ihr Edel Export und das Hefeweizen Weisser Leo ein. Das Pils wird mit Perle, Tradition und Tettnanger gehopft.

Das Hefeweizen ist echt bemerkenswert lecker. Kein Wunder, denn vergoren wird im Schnabeltank und nach der Abfüllung gärt das gute Gebräu noch in der Flasche nach. Die obergärige Leckerei ist die zweitstärkste Biersorte der Brauerei. Im Jahr brauen die Kalbs 4.500 hl. Die Hauptgärung läuft bei den Untergärigen bei max. 10°C, bei den Obergärigen bei max 22°C. Geschlaucht wird mit Restextrakt und gelagert mindestens 40 Tage bei 0°C Raumtemperatur. Das gibt mega bekömmliche Biere.

Damit die Gärung auch immer gut durchflutscht, wird fein säuberlich im Labor mit dem Mikroskop, Marke Eigenbau, die Hefezellzahl bestimmt. Echt tricky.

Seit 2012 unterstützt Andre Luis Martins Pinto, der Schwiegersohn, die Kalbs beim Brauen. Er hat den Bachelor Chemie in Brasilien gemacht und bei einem Heinekenableger dort geschuftet. Bei der Doemensausbildung in good old Germany hat er seine große Liebe Evelin kennengelernt und nach weiteren fünf Jahren in Brasilien bei der Cerveceria Schincariol ging es dann ab nach Bräunlingen.

Seine zweite Liebe, das Schwarzbier, hat er in seinem Black Lion zum Ausdruck gebracht. Mit acht Malzen gebraut, vom Carared-, Röst- bis zum Rauchmalz, hat das Bier eine wundeschöne Nase bei rabenschwarzer Farbe. Soooo lecker. Filtriert wird mit einem Kieselgurrahmenfilter Baujahr 1983 von Seitz Ensinger Noll. Ohne Trap oder Schichtenfilter im Anschluss. In Bräunlingen nicht notwendig, da blitzt die ganze Brauerei von oben bis unten. Übrigens erfährt diese Art von Filtration bei dem einen oder anderen Braumeister wieder eine Renaissance. Trotz oder gerade wegen der Crossflow und Co. Entwicklung.

Und wenn ihr nach Bräunlingen kommt, bringt noch a bisserl Zeit mit für den Bierpfad…

….und die braufrischen Biere im Bräustüberl gleich neben der Brauerei.

Mein Fazit: Bräunlingen lohnt sich auch ohne Marathon. Danke liebe Familie Kalb.

Bräugier – Die jüngsten Crafties Berlins

Bräugier

War letztes Wochenende auf einer Kurzvisite in Berlin. Denn da wird es einem Beerfreak nicht langweilig. Gefühlt entsteht an der Spree jeden 30. Tag eine neue Craftbeerlocation. Kleiner Tip am Rande des Bieruniversums: Geht ins Adlon zum Frühstücken. Da kann man von 10 Uhr bis 12 Uhr lecker vespern. Hört sich dekadent an, Preis – Leistung ist unschlagbar. Von Butterbrezel über Kaviar bis zu Dumplings – lecker, lecker Essen vom Feinsten. Und das für 45€ inkl. Schampus satt. Naja, jedenfalls habe ich die Zeit genutzt und die neuesten Caftbeerfreaks mit eigener Brauerei und Taproom im Bezirk Prenzlauer Berg besucht.

Die Gründer Brian Trauth und Johannes Dunkel haben im Februar in der Location angefangen zu brauen und den Brewpub dann im April 2019 eröffnet. Ich habe Johannes beim Craftbeerfestival in Stuttgart kennengelernt. Das  Innendesign echt freaky…..

…coole Bierphilosophie. Die Jungs feiern Deutsche Biervielfalt und die schließt geile IPAs, Sauers and so on null aus.

Johannes ist der Brauer und Brian der Anschieber. Brian, 40 Jahre jung, schaut auf einen nie langweiligen Lebensweg zurück. Geboren in New Orleans mit deutschen Vorfahren aus der Pfalz, ist er ganz im Herzen ein echter BWLer. Studiert in good old Germany, hat es ihn nach London zu den Pleitegeiern Lehmann Brothers Investment Banking verschlagen. Nach dem Finanz Crash 2008 hat er den Blick frei gehabt für den entstehenden Craftbeertrend in England und Amerika und das Potenzial für sich in Deutschland gesehen. Zuerst haben Brian und Johannes als Zigeuner in Hartmannsdorf brauen lassen, bis dann der Traum vom eigenen…..

…wahr wurde. Die 4 hl Brewiks Anlage ist echt witzig. Zwei Behälter – that´s it.  Vorne der Maischbottich und Würzepfanne, hinten der Läuterbottich und Whirlpool. Mega Vorteil ist die einfache Reinigung.

Süß und mega effizient ist der Babywürzekühler. Da kann der Johannes auch im Kleinmaßstab saubere, mikrobiologisch einwandfreie Bierspezialitäten zaubern.

Vergoren und gelagert wird in den tschechischen Svoboda Tanks. Das Westcoast IPA mit sauberen 50 IBUs hat mir super gemundet. Bemerkenswert ist, dass die Jungs viel Wert auf die lückenlose Kühlkette bis hin zum Kunden legen. Heute helfen sich die Bräugierer bei Engpässen im Berlin Craftzentrum aus. Das Ziel, der große Traum, ist eine eigene 30 hl Brauerei. Jungs – gebt Gas.

Mein Fazit: Bräugier kommt von Neugier. Brian, thanks for dein lecker Brut IPA.

1. Bier und Wohlfühlhotel – Gut Riedelsbach

Gut Riedelsbach

Wenn man Bierhotel googelt landet man direkt bei Bernhard Sitters 1. Bier- und Wohlfühlhotel. Also ab mit meiner lieben Frau ins Auto und los geht es Richtung Bierhimmel. Und dieser liegt irgendwo im Nirgendwo  50 km hinter Passau und 50 km vor Linz an der Deutsch-Tschechisch-Österreichischen Grenze im Bayrischen Wald.

Begrüßt wird man mit einem, man höre und staune, Augustiner Pilsaperitif. Dann ging es gleich auf eines der 46 sehr liebevoll und modern eingerichteten Bierzimmer. Alles, wirklich alles, dreht sich hier ums Bier. In diesen Bierwohlfühlzimmern beherbergt der Bernhard und seine Familie pro Jahr 21.600 Gäste.

Die im Hotel beheimatete schnucklige Kleinbrauanlage der Fa. Beraplan Baujahr 1998 mit 5 hl Ausschlagmenge wird vom Schwager betrieben.

Gebraut werden rund 300 hl Sittersche Bierspezialitäten. Von hell bis dunkel. Mein Favorit ist das gestopfte Hopfenfest.

Der Bernhard ist ein echtes Bierunikat. Er gehört zu den legendären „glorreichen Sieben“. Eine wilde Biertruppe um Eric Toft, Markus Lohner, Karl Schiffner und Co. Er war schon ganz am Anfang bei den ersten Sommeliers mit dabei und ist der                  1. Biersommelierwirt und Begründer des 1. Bierhotels Deutschlands.

Nach der Verkostung hat er mich gleich ins Bierbad gesteckt. Das ist super mega Bierwellness auf höchstem Niveau. Neben 1 Pitcher Aldersbacher Dunklem, einer Halben Bierhefe und einer Geheimsuspension aus ätherischen Hopfenölen haben mich die Whirlpoolbläschen (kein CO2) ins Biervana gebeamt. Ein absolutes MUSS. Den täglichen Bieraufguss von Bernhard in seinem top modernen 2.000 m2 Wellnessbereich habe ich leider verschlafen. Für diesen benötigt Bernhard 18 hl Sitterbier im Jahr. Sportlich. Im Wellnessbereich sind Bierkühlschränke zur Selbstbedienung aufgestellt. Dort finden sich Leckereien aus ganz Deutschland, um der Dehydrierung vorzubeugen.

Für den Gaumen und zur Stärkung nach den ganzen Wellnessstrapazen gibt es Abends ein rustikales Bierkulinarium in der sehr schönen Sitterschen Gastronomie.

Mein Fazit: BBBBB –  Bernhards Bayerisches Bier Bottich Bad. Ich komme wieder.

Bierparadies Kloster Aldersbach

Aldersbacher

Auf dem Weg ins Bierhotel sind wir auf einen der wohl schönsten Brauereihotspots in Niederbayern gestoßen. Auf die Aldersbacher Brauerei und ihr Kloster ca. eine halbe Fahrstunde südlich von Passau gelegen.

Das Kloster und die Brauerei blicken auf eine Jahrhunderte alte Tradition zurück.  Das Kloster wurde 1146, die Klosterbrauerei 1268 das erste Mal schriftlich erwähnt und sie zählt somit zu den ältesten schriftlich dokumentierten Braustätten der Welt. In dieser Zeit wurde allerdings noch in sehr kleinem Maßstab für die Mönche und deren Besucher gebraut, aber bemerkenswerterweise schon Hopfen kultiviert und angebaut. Nach der Säkularisation wurde die Brauerei samt Kloster 1811 an die heutige Inhaberfamilie des Freiherrn von Aretin verkauft. Die Marienkirche zählt zu den schönsten Barockkirchen der Welt.

So jetzetle genug der Kultur und ab in Richtung Brauerei. Empfangen hat uns der Braumeister Lorenz Birnkammer, der lieber Bierkammer heißen würde, mit einer super leckeren in der Flasche vergorenen kleinen Kloster Weiße Spezial 0,5l. Lorenz hat bei der Aldersbacher seine Lehre zum Brauer und Mälzer gemacht und das Brauen nach Abschluss der Lehre zwei Jahre in einer Gasthausbrauerei in Lana/Südtirol praktisch vertiefen können. Nach dem Doemens Braumeister ist er dann für drei Jahre in die Augustiner nach München zum Mälzen und Flaschenabfüllen. Wieder zurück in Aldersbach hat er das Labor geleitet und ist seit 2017 als verantwortlicher Braumeister die Brauerei.

Die Brauerei wurde in den letzten Jahren konsequent modernisiert und zählt mit ihren 70.000 hl zu den must – have Beerhotspots in Niederbayern. Das Malz kommt aus den Mälzereien Ireks, Pappenheim und Donaumalz. Geschrotet wird mit einer Nassschrotmühle, dem Maischomat von Steinecker. Das Nassschroten ist sehr selten in Brauereien anzutreffen. Der Vorteil ist, dass das Malz vor der Schrotung, also dem Mahlen und Zerkleinern des Malzes, mit Wasser befeuchtet wird. Das bringt höhere Sudhausausbeuten.

Das unglaublich schöne Sudhaus Baujahr 1995 mit 170 hl Ausschlagmenge ist ebenfalls aus dem Hause Steinecker und der wahrgewordene Brauertraum. Wunderschön architektonisch in den Gesamtgebäudekontext integriert. Und die Sudpfanne ist auch noch mit einem Stromboli – Innenkocher ausgestattet. Wie geil ist das denn….?? Der Sud rauscht in sechs Stunden durch die Braukathedrale, abgeläutert wird in zwei Stunden. Echt sanatoriumshafte Bedingungen für das spätere Bier.

Lorenz vergärt in den 800 hl Gresser Gärtanks und kräust dann unter Umpumpen in die Lagertanks auf. Das gefällt dem Bierblogger Werner, denn der Zusatzaufwand lohnt sich. So bekommt man durchgängig super reine Biere. Spieglein, Spieglein an der Wand, wer braut die reinsten Biere im ganzen niederbayrischen Land….?

Die Hauptsorte ist regional bedingt das klassische Kloster hell mit smoothen 11,5% Stammwürze. Gefolgt von der im Einmaischverfahren gebrauten Kloster Weisse hell. Alle anderen Biere werden mit dem Infusionsverfahren gebraut. Das Kloster Dunkel (lecker – lecker) gibt es ganzjährig, saisonal den Maibock und den mit Aromamalz von Ireks gebrauten Rubinbock. Lorenz´ Lieblingsbier ist das Pils. Mit 30 Bittereinheiten unter Verwendung der Hopfensorten Perle, Tradition und Saphir super geschmeidig gebraut. Das Pils sowie alle späteren glanzfeinen Biere rauschen zum Klären über den Kombifilter…

Lorenz hat von seinem Inhaber in Sachen Braukunst freie Hand. Als Bierspezialitätenliebhaber bietet er an Samstagen Braukurse auf der 3 hl Johann Albrecht Brauanlage an. Hier können sich bis zu 16 Bierbegeisterte sieben Stunden von Lorenz himself die Braukunst näher bringen lassen. Eine zweite Anlage dieser Art habe ich bei der Mönchshof in Kulmbach gesehen…

Beim Brauen auf der Anlage hat sich Lorenz auf die oak aged Biere mit Eichenholzfassreifung spezialisiert. Von Barleywine bis Imperial Stout. Für den Pfarrer der Marienkirche hat er sogar extra ein IPA gebraut, dass ich natürlich gleich verkosten wollte. Super lecker, richtig saftiger Hopfen, so mag ich das.

Mein Fazit: Mitten im Aldersbacherland, wo ein „Kleines“ 0,5 Liter misst… – so geht Lebensqualität. Danke lieber Lorenz.

 

 

Humbser – Jugendstil macht Spass

Humbser

Bei meiner Stipvisite in Nürnberg haben wir auch einen kleinen Abstecher ins benachbarte Fürth gemacht. Ziel war das historische Sudhaus der ehemaligen Humbser Brauerei. Seit 1888 wurde hier in der Schwabacher Strasse gebraut. 1911 wurde vom Brauereicheffe Martin Humbser das wunderschöne Jugendstil Gebäude errichtet und ab 1912 wurde in dem Selbigen fleißig eingemaischt.

Gebraut wurde in dieser wunderschönen Ambiente bis 2009.  Schaut Euch den historischen Originalfilm an, der lohnt sich. Humbserfilm Nach langen Jahren des Leerstandes wurde diese Schönheit nun wieder wachgeküsst.

Und hier wurde mal richtig gebraut. In diesem stolzen Sudhaus wurden in den besten Zeiten über 1 Mio. Hektoliter Bierwürzen p.a. hergestellt….

… auf den Wandkacheln haben wir historische Artefakte entdeckt. Sudanzahl mal Ausschlagmenge…

Seit Oktober 2018 beherbergt der Jugendstilbau eine bierige Gastro. Nach fast drei Jahren aufwändigsten Umbauarbeiten wurde durch den Gastrobetrieb den wunderschönen Kupferhauben eine neu Aufgabe übertragen. Früher Bier machen, heute Bier ausschenken. Aus zwölf Zapfhähnen fließt das bei Tucher gebraute Humbser und Grüner Bier, Schanzenbräu, Boeheim und mehr.

Schöner geht nicht…

Das ist wohl der größte kupferne Läutergrant, der mir seither begegnet ist.

Mein Fazit: Humbser – Bier mit (Jugend-) Stil. Cheers!

 

Hausbrauerei Altstadthof – Die Wiederentdecker des Rotbieres

Altstadthof Nürnberg

Ich liebe Weihnachten. Denn da habe ich von meiner Frau eine bierige Reise nach Nürnberg geschenkt bekommen. Eine Reise, auch zu einem Teil meiner frühesten Familiengeschichte. Über meine außerordentlich eindrucksvollen Biererfahrungen werde ich in den nächsten vier Blogs berichten. Selten hat mich eine Bierreise so nachhaltig beeindruckt. Mein Ur- Ur- Ur- Uropa und Brauereigründer in Böblingen, Carl Gottfried Dinkelacker, hat in Nürnberg als Oberknecht einige Jahre Rotbier gebraut und diese untergärige Spezialität dann 1823 bei seiner Brauereigründung im Schwobaländla eingeführt (später hierzu mehr). Nun wollte ich intensiv in die Geschichte des Rotbieres eintauchen und habe mich ins bierige Getümmel geschmissen. Los ging es bei der Hausbrauerei Altstadthof, gleich unterhalb der Nürnberger Kaiserburg gelegen.

An diesem geschichtsträchtigen Brauort hat 1983/1984 Dr. Ehrnsperger von der Neumarkter Lammsbräu seine Idee in die Tat umgesetzt, im historischen Kontext die Brauerei wieder wachzuküssen. Denn hier im ehemaligen Roten Brauhaus wurde bis 1905 gebraut.

1995 hat sich dann der ehemalige Technische Leiter der Neumarkter Lammsbräu, Dipl. Braumeister Reinhard Engel, hier selbständig gemacht, und die Hausbrauerei von seinem ehemaligen Cheffe übernommen.  1997 hat er das Nürnberger Rotbier wiederbelebt, indem er nach einem Braurezept aus dem Jahre 1860 die untergärige Leckerei so authentisch  als möglich nachgebraut hat. In dieser Zeit gab es nur „Bio“-Getreide und das Gerstenmalz wurde damals sehr heiß und intensiv gedarrt. In Verbindung mit dem eisenhaltigen Brauwasser der damaligen Zeit entstand so die kupfer- bis rötlich schimmernde Bierfarbe.

Zum ersten Mal wurde in Nürnberg um 1310 im ältesten Satzungsbuch der Stadt Bier erwähnt. Seit dieser Zeit wird das untergärige und traditionell etwas hopfenbetontere Rotbier gebraut und schleichend ab 1905-1910 vom bayrischen Braunbier abgelöst, denn 1806 wurde bekannterweise die Stadt vom bayrischen Staat annektiert. By the way  wurde ab 1531 auch obergäriges Weißbier gebraut. Anfangs als reines Gerstenbier, später ab dem 17. Jahrhundert dann auch unter Beimischung von Weízen. Heute werden im Sudhaus übers Jahr 1.500 hl in Form von 10 verschiedenen Biervarianten eingebraut.

Die Biobrauer von der Neumarkter Lammsbräu betreiben bis heute eine eigene Mälzerei. Dort wird das für das Rotbier verwendete Malz extra durch eine intensive Keimung und eine dem Melanoidinmalz angelehnte Darrung hergestellt. Reinhard Engel legt hierauf besonderen Wert, denn so bekommt er die so prägnante Farbe und Geschmack nicht einfach durch Mischung moderner Malze ins Bier. Gelagert wird im „modern-style“…

…seit 2005 wird bei der Altstadthof auch vergorene Bierwürze destilliert…

…. und mindestens 3 Jahre in verschieden getoasteten Eichenholzfässern gelagert und als Ayrer´s Organic Single Malt Whisky abgefüllt. Die Fässer kann man auch personalisieren lassen.

Mein Fazit: Mythos Rotbier – die Legende lebt.

 

 

Liberation Brewery Jersey – Alles Ale oder was?

JerseyBrewery

Es freut mich ganz arg, dass mein Freund Rolf Spiess einen Gastbeitrag zu meinem Blog beisteuert. Rolf war letztes Jahr längere Zeit als Tourguide auf der Kanalinsel Jersey tätig und hat sich fürchterlich in das Ale Mary Ann verliebt, das Bier, das Jersey berühmt gemacht hat.

Was viele nicht wissen: Die Kanalinseln waren von 1940 – 1945 von der Deutschen Wehrmacht besetzt. Ein riesiger Propaganda-Erfolg für Hitler-Deutschland: Englisches Territorium in deutscher Hand. Für Jersey eine schwere Zeit, die aber zur Geschichte der Insel gehört. Am 9. Mai 2015 jährte sich der Tag der „Befreiung“ zum 70. Mal.

Die Liberation Brewery schaut auf eine lebhafte Geschichte zurück mit vielen Standort- und Besitzer-wechsel. Man glaubt, dass das erste Bier in der Ann Street in Saint Helier gebraut wurde und die eigentliche Gründung der Brauerei in der Ann Street als ANN STREET BREWERY fand 1905 statt.

 

Das Flaggschiff ist das MARY ANN – Bier, das 1926 erstmals beworben wurde.


Mary Ann Best (3,6% ABV) wurde auf den Kanalinseln geboren und gebraut. Sie ist eine traditionelles BEST BITTER mit einem IBU von 40.

Gebraut mit einer Mischung aus feinsten Maris Otter- und Schokoladenmalzen, hat dieses dunkle Bitterbier einen ausgeprägten Schokoladencharakter.

Die abgerundete Bitterkeit wird durch ein blumiges Aroma, das aus englischen Fuggles und Goldings Hopfen und Getränken gewonnen wird, perfekt ausbalanciert, und schmeckt wesentlich gehaltvoller als es der ABV vermuten lässt.

Blick ins Sudhaus. Das Einbrauen eines Sudes ergibt nicht mehr als 6.000 Pints und so kann man kleinere Mengen von vielen verschiedenen Bieren produzieren:

Die Biere der Brauerei sind Teil der reichen Geschichte und des Erbes von Jersey, und das Bierbrauen blieb auch während des Ersten Weltkriegs und der deutschen Besetzung von Juni 1940 bis Mai 1945 ununterbrochen bestehen. In den 1970er Jahren war Mary Ann als „Das Bier, das Jersey berühmt gemacht hat“, bekannt.

Seit 2011 trägt die Brauerei den Namen Liberation Brewery und hat seit dem viele internationale Preise für ihre Biere erhalten. Seit 2015 hat die Unternehmensgruppe die Butcombe Brewery in der Nähe von Bristol, England übernommen und unterhält über 100 Pubs (in England und Jersey je 40 und 20 auf der Nachbarinsel Guernsey). Der Jahresausstoß ist aber nicht größer als 6 THL.
Der Austausch mit England ist vielfältig. Sei es die Flaschenabfüllung, die bei Fuller’s erledigt wird oder das Einbrauen von Spezialbieren zu besonderen Anlässen.

Der Chefbrauer Patrick Dean an seinem Steuerpult vor der Fassabfüllung.

Liberation E.P.A. – English Pale Ale

Dieses neue gelbbraune Bier, das nur bei dem Wetherspoon Real Ale-Festival (außerhalb der Kanalinseln) erhältlich ist, hat eine leichte Malzigkeit im Geschmack, abgeleitet von Maris Otter und farbigen Malzen, die durch das florale Aroma und den knackigen Geschmack gut ausgewogen sind.

 

 

 

Liberation I.P.A.


Das traditionelle Indian Pale Ale ist ein reichhaltiges goldenes Bitter mit Maris Otter und Crystal Malzen. Ein Zitronen-Hopfen im Koriander-Stil stammt von den feinsten neuseeländischen Hopfen Motueka und Nelson Sauvin und hinterlässt einen knackigen, ausgewogenen Abgang.

Das Blonde Craft Lager von Liberation Brewery (3,8%) ist ein funkelndes, leichtes und erfrischendes Bier, das im Craft-Stil gebraut wird.


Das Lager Malz bietet einen Hauch von Keks mit einem aromatischen Zitronen- Hopfen, der aus der Mischung der Saaz- und Hallertau-Sorten entsteht. Blond ist ein gut ausgeglichenes, leicht trinkbares Bier, das am besten gekühlt serviert wird.

Liberation Ale (4% ABV)

Das preisgekrönte Ale ist ein goldenes Bier, das mit dem besten Maris Otter und Lagermalz gebraut wird. Golding-Hopfen wird für Bitterkeit verwendet, während Syrer Goldings und Hallertau Hersbrucker Hopfen für Aroma sorgen. Es ist ein ausgewogenes Bier mit einem Hauch von Zitrusfrüchten in der Nase und ist die perfekte Begleitung zu Meeresfrüchten, Pasta und Salaten, und dies gilt besonders für die Verwendung lokaler Produkte.

Leider ist die Brauerei für ausgiebige Besuchergruppen nicht ausgelegt. Deshalb hat mich es besonders gefreut, dass Pat für mich über zwei Stunden Zeit hatte.
Dass die Liberation Brewery noch viele andere Ale-Varianten braut habe ich bei der abschließenden Verkostung festgestellt. Im Sommer braut man Biere für die Surfer-Szene (Jersey ist ein Hotspot für Standup Paddeling, Kite- und Body-Surfing), zur Fussball-WM (war da was?) oder ein Bier zur Weihnachtszeit.

Mein Fazit: Ale Biere sind nicht jedermanns Sache, aber aus der englischen Welt nicht wegzudenken und für Bier-Aficinados ein Muß.

 

Craft, Craft, Craft – Olly´s archaische Feuerbrauerei

Gestern haben Olly, mein Bierblutsbruder und ich, uns einen lang gehegten Traum verwirklicht. Ein ganz ganz besonderes Bier zu brauen. In vielen Belangen richtig besonders. An einem besonderen Ort, mit besonderem Grünhopfen aus meinem Hopfengarten, besonderer Hefe vom Rolf aus Flötzlingen und Olis besonderer selber gebauter Feuerbrauerei. Der besondere Ort, ein geheimer, verwunschenen Platz mitten im Schwarzwald….

Geschrotet hat der Olly die 5 kg Wiener Malz auf seiner eigenen Schrotmühle mit ganzem Herzblut und voller Konzentration….

Das Holz fürs Feuer haben wir gemeinsam angeschleppt und in Wallung gebracht…

Eingemaischt haben wir im Verhältnis 1 zu 3 mit extrem weichen Schwarzwaldwasser von 1,7 ° dH. Bei 50°C ging es sachte los, entspannt über die Rasten auf 76°C.

Now it´s ready for läutering…

Und dann ging es mit dem Kochen los. Die erste Hopfengabe wollte sich Olly nicht nehmen lassen und hat den guten Hopfen mit der Würze vermählt. Eric Toft, Braumeister von Schönramer, anerkannter Grünhopfenpabst, hat uns hierfür noch paar Tips gegeben….

Geerntet haben wir den Spalter Select am Tag des Geschehens in meinem Hopfengarten und somit quasi pflückfrisch verbraut. Verwendet haben wir hochgerechnet ca. 3 kg pro hl.

Wie´s schön köchelt. Gekocht haben wir die gute Würze eine Stunde…

… und haben sie danach über Olly´s Hopfenseiher liebevoll und heiß in den Gärtank geleitet…..

Abgekühlt haben wir old school mäßig im alten Holzfass. Gespindelt haben wir die 17 l liebevoll gebraute Würze mit 16%.

Dann ging es zur obergärigen Hefebeschaffung zu Rolf nach Flötzlingen in die Hirschbrauerei. Doch vor der Hefeübergabe gab es erstmal ein schönes Bier von Rolf zur Begrüßung…..

Und jetzt gärt unser gemeinsamer Stolz bei Olly im Keller erstmal in Ruhe vor sich hin…..

Mein Fazit: Brauen macht so arg Spaß. To be continued. Prost.

Big in Japan oder Japanverkostung total

Craftbeerjapan

Letzte Woche gab es in unserem Labor eine ganz besondere und in Deutschland wohl einmalige Bierverkostung der anderen Art. Christof, der Angetraute unserer Braumanufaktur GF-Assistentin Tina, hat uns aus dem fernen Japan sage und schreibe 46 Dosen und 2 Flaschen lecker Bierchen im Koffer mitgebracht. Und genau diese haben wir verkostet und bewertet.

Das dürfte wohl die bisher größte je durchgeführte Japanbierverkostung in Deutschland  gewesen sein. Teilgenommen haben Götz, Tina und Christof, unser Braumeister Simon, Kessi unsere Biersommeliere, sowie meine Bierigkeit ☺️.

Das einhellige Resümee: WOW! Extrem spannende, vielfältige und  bemerkenswerte Biere 🍻. Gewonnen hat das Yebisu, ein dem Kristallweizen ähnlicher Göttertank.

Der japanische Biermarkt hat einen sehr hohen Dosenanteil, Mehrweg gibt es gar nicht, in Flaschen wird nur sehr wenig abgefüllt. Im Supermarkt kostet die Dose 1,50-2€, in der Gastro zwischen 7-8€. Craftbeer ist in Japan mega hipster und stark am wachsen. Die Auswahl ist fast unendlich und für Nicht-Japaner nur durch kaufen und verkosten zu verstehen.

Tina und Christof, 1000 Dank🍻🍻🍻

T.E.A. Time Brewery Krakau

T.E.A Time

War mit der Family in Krakau und durfte zum Glück wenigstens eine Brauerei anschauen. Den T.E.A Time Brew Pub. Oder ausgeschrieben: Traditional English Ale Time Brewpub.

Dort braut der Michael Cuszczek seit Eröffnung 2014 seine very british Ales. Davor hat er 3 Jahre in der Brauerei Twieg gelernt.

Michael braut auf seinem Dave Porter Sudhaus von der Firma PBC ganz straight. Es wird 80°C heißes Wasser vorgelegt und mit geschrotetem Malz vermischt. Nach dem sogenannten Einmaischen landet er dann punktgenau bei 68°C. Und so bleibt es auch bis zum Abmaischen. Also ohne jegliche Maischerasten. Geheizt wird übrigens elektrisch. Ausgeschlagen werden 6 hl, die Ales haben „Läuterbottich bedingt“ zwischen 10% und max. 16% Stammwürze. Es werden ausschließlich nur reine english Ales gebraut.

Das Malz kommt von Viking, Weyermann und Fawcett & Sons. Seine Lieblingssorten sind Cara hell, Amber- und Oat Malz. Sein Lieblingshopfen ist der amerikanische Cascade.

Vergoren wird natürlich sortentypisch rein obergärig. Und das mit der SO4 Hefe. Gerade ist eine dringend nötige Verdoppelung der Gärkellerkapazitäten umgesetzt worden.

Michaels aktuelle Verehrerinnen bekommen auf dem Gärtank eine entsprechende Würdigung….

Sylvia, die Mitbegründerin von T.E.A. Time ist studierte Chemie- und Prozessingenieurin und mit viel Sachverstand und Leidenschaft für die Ales immer präsent.

Auf die Nachgärung wird verzichtet, da die Ales nur ein Hauch von CO2 haben, und die kommt aus der Hauptgärung im Gärtank. Gelagert wird in der Kühlzelle, von Hand  werden die beers in den Brewpub ein Stockwerk höher gepumpt.

Und wie kommt man nun darauf, ausgerechnet in Krakau traditional english Ales zu brauen? Der Papa von Mitbegründer James hat viele Jahre einen Brewpub mitten in England betrieben. Dieser wurde von der Brauerei an ihn verkauft und somit hatte er dann die Möglichkeit, viele verschiedene Ales zu verkaufen. Nach ein paar Jahren war dann die Liebe zu denselbigen so groß, dass er den Brewpub verkaufte und sich seinen Traum einer eigenen Ale Brauerei verwirklichte. Seine eigenen Ales wurden dann auch recht schnell hoch prämiert. James verschlug es nach Krakau, der Liebe wegen. Auf die Ales wollte er deswegen aber nicht verzichten, und braute dann mit Sylvia fleißig in der Garage, bis sie sich dann gemeinsam 2014, an den Anfängen der polnischen Craftbeer Bewegung, ihren eigenen Traum verwirklichten.

Von Papa sind noch 2 Rezepte im Einsatz: Black Prince, ein English Porter und der Topseller Englands Glory.

Mein Fazit: English Ales are Englands Glory. Cheers.