Winkler Amberg – 400 Jahre Brautradition

Brauerei Winkler

Eine weitere Station meiner Amberg Bierchallenge war die Brauerei Winkler. Den Juniorcheffe Max habe ich beim Biersommelierkurs in Doemens kennengelernt. Max hat auch in Weihenstephan den Dipl. Braumeister absolviert und arbeitet seither in der elterlichen Brauerei. Von ihm wollte ich mehr über die spannende Biergeschichte Ambergs, die eng mit der der Brauerei verbunden ist, erfahren. Die Brauerei hat ihr sagenumwobenes vierhundertjähriges (400!) Jubiläum letztes Jahr begangen. Das Sudhausgebäude stammt aus dem Jahre 1617 und hat die in der damaligen Zeit üblichen und heute zum Teil noch bei den Kommunbrauhäusern zu findenden erkennbaren Charakteristiken. Nur die Kirchen, das Kloster und das Rathaus von Amberg sind älter. Wunderschön….

Bei der Gründung verlieh Kurfürst Friedrich V. dem Weißen Brauhaus Amberg das Recht, Weißbiere zu brauen und somit zählt die Brauerei Winkler höchstwahrscheinlich heute zu den ältesten privaten Weißbräustätten Bayerns. 1913 erwarb der Urgroßvater von Max die Brauerei, die vorher als Kommunbrauhaus fungierte. Heute steht im Sudhaus ein Huppmann Sudwerk Baujahr 1961 mit brachialem Hopfengeber (rechts). Mittlerweile vollautomatisiert.

Hier braut Max seine Biere. Die Hauptsorte ist das Helle mit 11,8% Stammwürze und weichen 22 Bittereinheiten. Den hellen Doppelbock und das Weihnachtsbier gibt es saisonal, das bernsteinfarbene Zoigl ganzjährig. Ein Traum von einem Bild, das intimste Innere der Sudpfanne….

1807 wurde übrigens das Kommunbraurecht guillotiniert. Vorher brauten in den Hochzeiten bis zu 35 Amberger Bürger mit eigenem Haus-, Brau- und Ausschankrecht hier ihre Würzen. Diese wurden dann in den Kellern unter den Schänken vergoren und dann feil geboten. Der Läuterbottich, Formvollendung in Kupfer.

Die neuste Bieridee von Max ist ein helles Lagerbier naturtrüb und mit Citra kaltgehopft. Der Name ist Programm, helle Freude. Vergoren wird in den neuen Gärtanks und die Hefe wird hier noch vom Chef persönlich gesiebt. Das bringt saubere, gärfreudige Hefe und mega leckere Bierqualitäten.

Das Amberger Wasser hat nur 2-2,5 °D und zählt somit zu den weichsten natürlichen Wässern in Deutschland. Wasseraufbereitung, Wasserenthärtung: Fehlanzeige, beneidenswert. Wie ihr wisst gibt gutes Wasser gutes Bier. Aus diesem Grund waren die Bamberger Braumeister im Mittelalter auch sehr begehrt. Und das bis heute, denn der Max ist immer fleißig am putzen….

Gelagert wird noch ganz klassisch, kalt und lang. Und das zahlt sich aus. Die Bekömmlichkeit der Winkler Biere sucht ihresgleichen. Der Selbsttest ist mir bei diesen Bieren sehr, sehr leicht gefallen.

 

Mein Fazit: Frei nach Max: „Wer veganes Bier trinken möchte, der soll Fassbier saufen.“ Cheers.

 

Sterk Amberg – dem Holz auf der Spur

Sterk Amberg  

Auf der Suche nach den letzten noch existierenden Holzläuterbottichen bin ich in Amberg in der Oberpfalz auf die Brauerei Sterk gestoßen. Die Holzläuterbottichdichte ist in der Oberpfalz die wohl höchste der Welt. Dies liegt vor allem auch mit an den noch betriebenen Kommunbrauhäusern sowie der einzigartigen Vielfalt an kleinen Brauereien. Von oben gesehen hat mich das hölzerne Kunstwerk mit Messingsenkboden und offenem Getriebe sofort an „Batman forever“ erinnert.

Ein wohl einmaliges Unikat ist der offene Läutergrant, der in den Fußboden versenkt wurde.

Chefbraumeister der ca. 2000 hl großen Brauerei ist Martin Sterk. Er ist auch der Einzige am Ort, der diesen Dino noch so richtig craftmäßig von Hand im Griff hat. Ausgeschlagen werden im Sudhaus 36 hl, gemaischt wird im old-school Einmaischverfahren. Beim Einmaischverfahren wird durch das Kochen der Teilmaische und das Aufbrühen derselbigen zur Gesamtmaische die Temperatur erhöht.

Zum Spindeln der Würze wird dieses kupferne Spindelgefäss mit Wasserkühlung verwendet. Voll schön. Beim Spindeln wird der Zuckergehalt, die Stammwürze, gemessen.

1723 gegründet und seit 1894 im Besitz der Familie Sterk, gehört die Brauerei zu den ältesten in Amberg. Der Meisterbrief von Martins Großvater ist große Klasse…

Gebraut wird bei Sterk, die Biere tragen den Namen Raigeringer. Raigeringen ist ein Teilort von Amberg. Die Biere sind durch die Bank ein Genuss. Super lecker das Raigeringer hell, bemerkenswert das Hausbier des Gasthofes, das Pandurenblut. Wegen der samt rötlich- dunklen Farbe und einer mega Drinkability habe ich mich sofort in die untergärige Köstlichkeit verliebt. Das Logo ziert ein Pandure. Diese Soldaten fungierten meist als Privatmiliz reicher Adeliger vor vielen kalten Wintern und fielen auch in Amberg ein. Sie plünderten nicht nur die Bierbestände der Brauereien, natürlich ohne Gegenleistung.

Vergoren wird bei den Sterks ober- sowie untergärig. Filtriert wird im wunderschönen Kapellengewölbe der Brauerei. Die Ambiente ist so anmutig, dass hier nicht nur mancher Brauer seine Sünden gebeichtet hat….

In der Brauerei ist alles blitzeblank, dank des Einsatzes von Martin und seiner Hilfsgeräte…

Nach der Endvergärung wird noch klassisch aufgekräust. Gelagert werden die Schätze dann noch für sechs Wochen in den Lagerkellern…

Beglückt wurde ich zum Abschied mit diesem schönen Stillleben…

… und einer leckeren Verköstigung im Biergarten und dem Bräustüberl.

Mein Fazit: Saurer Zipfel mit Pandurenblut – I love it.

 

Die Untergärigen – Brauerei Lasser Lörrach

Lasser

Ja, ja, die Brauereisoftware. Da wir uns eine neue EDV anschaffen müssen (nightmare), wurde mir als Referenz die Brauerei Lasser in Lörrach genannt. Unter dem Motto, „tue was Du fürchtest und die Furcht stirbt einen sicheren Tod“, bin ich sogleich ins Auto gesprungen und ab zu meinem Studienkollegen aus Weihenstephaner Zeiten, Andreas Walter, nach Lörrach gedüst.

Dort angekommen wurden wir sehr herzlich von Andreas und seinem Vorfahren Carl Lasser begrüßt.

Andreas leitet seit 2000 die Geschicke der Brauerei, die 1850 gegründet wurde und heute zu den größeren Mittelstandsbrauereien in Südbaden zählt. Nach einer ausführlichen EDV Präsentation ging es dann endlich auf den Brauereirundgang. Los ging es mit dem wunderschönen Kupfersudhaus.

Hier nix Computer, sondern es werden noch mit einer ehrlichen Schützsteuerung und echter Handarbeit leckere Biere gebraut. Andreas braut rein untergärige Würzen, Pils ist regional bedingt die stärkste Sorte.

Vergoren wird im Gärkeller. Bei der Hauptgärung entsteht jede Menge Kohlensäure, die dann….

…praktischerweise im Ballon der CO2 Anlage aufgefangen und aufbereitet wird. Und CO2 wird zur Herstellung von Limonaden dringend benötigt. Denn neben den untergärigen Brauspezialitäten produzieren die Südbadener auch Limonaden in Form von Libella. …

…und jetzt ganz neu wird auch das leckere Brauwasser mit viel Erfolg in Flaschen abgefüllt. Mit dem funny Namen Lawa, Lasserwasser.

Ganz neu ist auch der Drucktankkeller. Nach der Filtration wird das filtrierte Bier in die Drucktanks gepumpt. Von dort gehen dann die lecker Biere ab in die Flasche oder ins Fass.

Ein Highlight und sehr sehenswert ist das liebevoll eingerichtete Brauereimuseum. Hier wird dem Gast eindrucksvoll der Wandel der Zeit aus Sicht der Brauerei aufgezeigt. Dann ging es noch in den brauereieigenen Biergarten und dort haben wir mit dem neuen lecker Lasser hell angestoßen. So macht EDV schauen Spass.

Mein Fazit: Andreas, Prost und danke für deine Gastfreundschaft.

Craftzentrum Berlin – new home for gypsies

Craftzentrum

Die Jungs von BRLO haben mit ein paar Craftbeer Verbündeten mit dem Craftzentrum im Februar 2018 einen neuen Meilenstein in die bunte Welt des Berliner Craftbeerorbits gesetzt. Das kann ich mir nicht entgehen lassen. Und so hat mich meine Neugierde gleich nach meinem BRLO Besuch in Richtung Spandau getrieben.

Dort hat uns Mario Eschenberg, der seit Anfang an das neue Projekt X begleitet, in die Geheimnisse eingeweiht.

Mario hat eine Brauerlehre bei Jever gemacht, ist VLB Braumeister und hat schon jede Menge Craftbeer Erfahrung in Costa Rica gesammelt. Die „Rent a Brewery“ ist top ausgestattet. Vom Sudhaus bis zur Flaschenabfüllung ist hier alles möglich. Sogar eine Zentrifuge zur Einstellung gleichmäßiger Trübung steht zur Verfügung….

… sowie eine KZE (Kurzzeiterhitzung).

Dadurch haben Gypsies und Nichtgypsies alle Möglichkeiten vor Ort, moderne, hochwertige Craftbeers unter perfekten Bedingungen herzustellen und abzufüllen. Da könnte mancher Oldschoolbrauer neidisch werden. Die neue HopGun ist der Hammer – Flying to the moon….

BRLO braut und füllt den gesamten Bedarf an Flaschenbier in Spandau ab. Durch die neue Braustätte haben die Jungs nicht nur ihre Kapa erhöht, sondern ihren Kollegen die Möglichkeit gegeben, Tankkapazitäten zu mieten.

Mein Fazit: Craftzentrum Berlin – WOW, WOW, WOW.

Craft, Craft, Craft – Olly´s archaische Feuerbrauerei

Gestern haben Olly, mein Bierblutsbruder und ich, uns einen lang gehegten Traum verwirklicht. Ein ganz ganz besonderes Bier zu brauen. In vielen Belangen richtig besonders. An einem besonderen Ort, mit besonderem Grünhopfen aus meinem Hopfengarten, besonderer Hefe vom Rolf aus Flötzlingen und Olis besonderer selber gebauter Feuerbrauerei. Der besondere Ort, ein geheimer, verwunschenen Platz mitten im Schwarzwald….

Geschrotet hat der Olly die 5 kg Wiener Malz auf seiner eigenen Schrotmühle mit ganzem Herzblut und voller Konzentration….

Das Holz fürs Feuer haben wir gemeinsam angeschleppt und in Wallung gebracht…

Eingemaischt haben wir im Verhältnis 1 zu 3 mit extrem weichen Schwarzwaldwasser von 1,7 ° dH. Bei 50°C ging es sachte los, entspannt über die Rasten auf 76°C.

Now it´s ready for läutering…

Und dann ging es mit dem Kochen los. Die erste Hopfengabe wollte sich Olly nicht nehmen lassen und hat den guten Hopfen mit der Würze vermählt. Eric Toft, Braumeister von Schönramer, anerkannter Grünhopfenpabst, hat uns hierfür noch paar Tips gegeben….

Geerntet haben wir den Spalter Select am Tag des Geschehens in meinem Hopfengarten und somit quasi pflückfrisch verbraut. Verwendet haben wir hochgerechnet ca. 3 kg pro hl.

Wie´s schön köchelt. Gekocht haben wir die gute Würze eine Stunde…

… und haben sie danach über Olly´s Hopfenseiher liebevoll und heiß in den Gärtank geleitet…..

Abgekühlt haben wir old school mäßig im alten Holzfass. Gespindelt haben wir die 17 l liebevoll gebraute Würze mit 16%.

Dann ging es zur obergärigen Hefebeschaffung zu Rolf nach Flötzlingen in die Hirschbrauerei. Doch vor der Hefeübergabe gab es erstmal ein schönes Bier von Rolf zur Begrüßung…..

Und jetzt gärt unser gemeinsamer Stolz bei Olly im Keller erstmal in Ruhe vor sich hin…..

Mein Fazit: Brauen macht so arg Spaß. To be continued. Prost.

BRLO Berlin – Das Containerbierparadies

BRLO

War neulich zur Bundesehrenpreisverleihung mit unserem Braumeister Gustl in Berlin. Voll langweilig das Palavern mit Politikern und so, voll schön das Biertrinken mit Brauerkollegen und so. Jedenfalls hat der Gustl nicht bei seinem von mir aufgezwungenen Sommelierkurs den Michael Lembke von BRLO kennengelernt, sondern während seines Studiums zum Dipl. Braumeister in Berlin. Und den Michael haben wir dann auch in seiner Brauerei besucht.

Über die erst vier Jahre alte BRLO wurde in einschlägiger Literatur für Craftbeer schon viel berichtet, denn sie zählt mit Fug und Recht zu den erfolgreichsten Craftbeer Breweries in Berlin. Empfangen wurden Gustl und ich total nett von der brasilianischen Brauerin Veronica Menzel. Sie hat ihren Braumeisterlehrgang und die Biersommeliere Ausbildung gemeistert und hilft Michael Lemke (der übrigens weder verwandt noch verschwägert ist mit der gleichnamigen Berliner Brauerei) beim Brauen.

Gebraut wird auf einer 20 hl Braukon Anlage. Sieben all year long Biere, wie das Pale Ale, Porter, Helles und Co.. Und hier achtet der Michael immer auf die Drinkability. Die Biere sollen Spass machen und zum Weitertrinken anregen. Ein wohl sehr wichtiger Grundpfeiler des Erfolgs von BRLO. BRLO ist übrigens der alte slawische Name von Berlin. Heute wurde ein Hefeweizen eingebraut. Schaut mal wie schön es maischt…

Die Jungs und Mädels von BRLO kommen dieses Jahr auf sage und schreibe 8.000 hl. Respekt. Und das liegt neben der super Bierqualität mit Sicherheit auch am ebenso genialen Marketing. Gelagert wird in nagelneuen Edelstahltanks…..

…. und ab und an wird für Versuchszwecke auch craftig daraus mit der Hand unterm Arm in die Probefässer gefüllt….

In der Containerbrauerei werden übrigens alle Biere ausschließlich in Fässer abgefüllt. Der Pachtvertrag des Grundstücks läuft leider nur noch wenige Jahre. Nach Ablauf muss dann leider umgezogen werden. Deswegen wurde die Brauerei gleich in transportfähige Container eingebaut. Das Flaschenbier wird seit Februar 2018 im nagelneuen Berliner Craftzentrum in Spandau hergestellt (Blog folgt). Eine wichtige Zutat für den Erfolg ist auch die eigene Gastro. Hier kann man richtig easy entspannen. Cool gemacht und richtig lecker.

Mein Fazit: World Craft. Echt cool.

 

 

Stadin Panimo Helsinki – Brauen was die Gulaschkanone hergibt

StadinPanimo

Bin Euch noch meinen zweiten Brauereibesuch in Helsinki schuldig. Außerhalb der wunderschönen Innenstadt liegt im Nirgendwo zwischen ehemaligen Gaskesseln und dem Food District die Stadin Panimo, oder auf Deutsch, die Brauerei Stadin.

1998 hat Timo Konttinen eine der ersten real craft breweries in Finnland gegründet. Ein finnischer Bier-Autodidakt erster Stunde. Ist wie einige seiner Kollegen über das Hobbybrauen zum Fulltime Brewer aufgestiegen und rockt mittlerweile recht erfolgreich seine Bude mit den 3 Mitstreitern seit 2012 am jetzigen Standort. Relativ schnell konnte, als der Kochtopf zu klein wurde, ein neues Sudhaus in Form einer ehemaligen Militärgulaschkanone, man sagt auch Poraschtank dazu,  angeschafft. Weltklasse.

Und hier braut er, was die Kanone her gibt. 500 l feinste finnische Würze pro Sud. Seine Spezialität ist das Experimentieren mit Hopfen, und das nicht zu knapp.

Das neueste Sudhaus ist übrigens gerade erst eingebracht worden und wird gerade eingefahren.

Gebraut werden 1.500 hl im Jahr. 90% wandern ins Fass für die Gastronomie. Seit 1998 hat Timo mehr als 600 verschiedene Biere eingebraut. Das Ginger Ale ist der Topseller. 2014 wurde sein Lager als das beste Finnlands gekrönt. Momentan hat er 20 verschiedene Leckereien am Start. Das Red Ale ist mein Geheimtipp. Ziemlich basic, drinkable, schreit nach mehr. Gelagert wird in kleinen, zylindrokonischen und auch in liegenden Tanks. Die Hopgun darf natürlich auch in Helsinki nicht fehlen. Schaut mal rechts unten, voll süß…

In Finnland galt von 1919 bis 1932 die Prohibition. Bis heute besteht das  staatliche Alkoholmonopol Alko (so heißt das wirklich) für Drinks über 4,7 %Vol.. Wobei seit diesem Jahr dieses speziell für Bier etwas gelockert wurde. Die Biersteuer ist mit 10€/Kiste echt strange, ein kranker Ausfluss und bestes Beispiel staatlicher Bevormundung. Kein Wunder, dass die Finninnen und Finnen umso mehr auf das leckerste Getränk der Menschheit scharf sind. Jedenfalls sehe ich einen klaren Zusammenhang zwischen prohibitionierten Ländern, in deren Folge die Brauereien geschlossen wurden, und Craftbeerverrücktheit im Hier und Jetzt. Monopole lösen den Wunsch nach Vielfalt beim gemein überreklementierten Bürger aus. Und das gilt gerade auch für Bier. Schaut mal mach USA, Norwegen, Island, Russland etc. was da in den letzten Jahren im Biermarkt abgeht. Genug der Politisierung. Zurück zum Spundapparat der PET-Klasse. Echt krass….

Timo hat aufgerüstet und sich eine neue Flaschenabfüllanlage gekauft. Nun wird hart kreativ am Design gebastelt…

Mein Fazit: Bierzwickeln in Finnland macht Spass. Kippes und Prost.

 

 

 

 

 

 

Trachennow – Das obergärige Helle aus Dresden

Trachennower

Bei meinem Visit in Dresden bin ich samt Sohnemann Luki auf ein Bierchen bei Anton, Thomas und Alex vorbei geschneit. Seit 2014 brauen die Jungs auf ihrer homemade Brauerei ihr obergärigen Spezialitäten.

Das Sudhaus ist 100% Eigenbau. Auch die komplette Elektrik und das Wassernetz der Minibrauer alles real craft selfmade. Anton, der Chefbrauer unter den drei sächsischen Beernerds ist gelernter Koch und Informatiker und hat bei dem Dresdner Brauerkollegen Schwingenheuer 2005 ein Brauseminar gemacht. Sein Wissen hat er sich learning by doing voll autodidaktisch angebraut.

Ausgeschlagen werden 165 l. Außer dem legendären Hellen wird noch Weihnachtsbier und ein Dark Whisky Bierchen mit 15% Stammwürze gebraut. Sehr cool, die Direktbefeuerung der Pfanne….

Echt geil ist auch die Eigenfertigung der Maischeteilautomatik. Wie cool ist das denn….

Für ihr legendäres Helles verwenden die 100% Nebenerwerbsbrauer Pilsner Malz und Cara hell. Vergoren wird nur obergärig, den fehlenden Kühlmöglichkeiten geschuldet. In die Lagertanks wird mit 3,5% Restextrakt geschlaucht. Das schnucklige Einraumbrauereile hat echt Charme.

Mein Fazit: Obergäriges Helles, ein Prost auf die sächsische Braukunst.

Olarin Panimo Helsinki – Craftbeer, Trash und Underground

olarinpanimo

Die erste Station auf meiner Weltbierreise, die mir meine Kumpels zum 50. Burtseltag geschenkt haben, war Helsinki. Anlass war der Besuch beim Craftbeerfestival Helsinki, den wir natürlich mit verschiedenen Brauereibesuchen verbunden haben. Perfekt organisiert von meiner lieben Frau Kessi. In Finnland gibt insgesamt ca. 100 Brauereien, davon 60 Craftbeer Breweries und 3 große Player. Die Craftbeer Brewer sind im Verband Pienpanimoliitto zusammen geschlossen und haben sich seit 2012 eine beachtliche Präsenz in Gastro und Handel erarbeitet. Ein Vertreter ist der Ville, der 2015 seine Brauerei gegründet und 2017 an den jetzigen Standort verlegt hat. Der volle Quality Freak. Als ehemaliger Zivilmitarbeiter bei der finnischen Army ist er über das Bier zum Beernerd geworden. Ville hat sich autodidaktisch seine Bierkompetenz erarbeitet und braut verrückte Biere, was das Zeug hält. Interessant ist, dass es in ganz Finnland, bei 5 Mio Einwohnern, keinen richtig gelernten Braumeister gibt. Mal von den 3 großen Brauereien abgesehen.

Nach dem Festival sind wir dann auch als Erstes in Villes Olarin Panimo aufgeschlagen. Die Brauerei ist genial gelegen mitten im Univiertel von Helsinki.

Dort hat uns Hanna mit ihrem Brauereischlüssel begrüsst. Hanna hat seit Januar 2018 den Bereich Design, PR und Sales zu ihrem eigenen gemacht.

Momentan braut Ville noch auf der alten 5 hl Braumeister Anlage aus Ofterdingen. Seit Gründung hat er schon über 50 verschiedene fancy types eingemaischt.

Hierbei greift er auf gefühlte 100 verschiedene Malzsorten zurück, besonders gerne auf die von seiner Lieblingsmälzerei Viking Malt.

Vergoren wird noch in den dazu passenden Miniatur Gär- und Lagertanks, ebendalls von Speidel.

Momentan wird in derselben Halle parallel dazu die neue 30 hl Anlage aus dem Hause Ant System installiert. Zur Kontrolle und Abnahme ist Ville erst neulich in China gewesen.

Die neuen Gär- und Lagertanks sind auch schon da, so dass bald die erste Würze aus dem neuen Sudhaus in denselben vergoren werden kann.

Bekannt sind die Olarinen durch ihre IPAs Rap-Trio-Underground. Die gibt’s in 2 Varianten. Eine mit 6,5% Alk. und 70 IBU, die andere mit 4,5% Alk.. Vergoren wird unter Zugabe von 3 kg pro hl Ananas und Mango. Cool ist auch die Linie Smash. Verschiedene Varianten single malt und single hopped. Crazy. Bisher wird der finnische Gerstensaft nur in Fässer abgefüllt. Die Flaschenabfüllung passiert im Brauzentrum der United Gypsies Brewery. Beliefert werden 100 Pubs und viele Getränkemärkte. Die eigene Flaschenabfüllung folgt noch in diesem Jahr. Da geht was. Mein Liebling ist das „Not for Jokinen“. Ein double IPA mit 8,5% Alk., doppelt „gedryhopped“ mit den Hopfensorten Nelson Sauvin und Mosaic. Bockstark und super fruity.

Mein Fazit: Ville und Hanna, auf nach Böblingen zum Collaboration Brew. Da maischen wir gemeinsam „Nicht für Hans“ – finnish style ein. Freu mich.

 

Brauerei Häberlen – Der Brau- und Bügelspezialist

Häberlen

Bin neulich auf eine Bügelflasche aus Gaildorf gestoßen. Das Spezial hat mir so gut geschmeckt, das Etikett und die besondere Flaschenform so gut gefallen, dass ich mich entschlossen habe, auf meiner nächsten Ostalbrunde in Gaildorf bei Steffen Manske und seiner Brauerei Häberlen vorbei zu schauen und ihm die Geheimnisse seines Zaubertrunks nebst Bügel zu entlocken.

Steffen hat uns herzlich begrüßt. 1994 ist er zum Dipl. Braumeister Weihenstephan geadelt worden und entwickelt seither seine Brauerei  sehr erfolgreich gegen den allgemeinen Biertrend sauber nach vorne. Und das ohne Außendienstmitarbeiter.

Los ging es in der Schroterei, die mich total begeistert hat. So übersichtlich ist diese in kaum einer Brauerei zu finden. In anderen Betrieben meist über Stockwerke in verschiedenen Räumen verteilt, hat Steffen seine Schroterei kompakt zentral neu aufgestellt.

Das Jakob Carl Sudhaus wurde mit seinen 80 hl Ausschlagmenge am 1.1.2000 in Betrieb genommen.

Das Sudhaus ist mit einem Brüdenverdichter ausgestattet. Durch diesen wird die Energiemenge bei der Würzekochung erheblich reduziert. Steffen ist nicht nur aus diesem Grund einer der wenigen deutschen Brauer mit Solarbierzertifizierung. Er achtet konsequent in allen Herstellungsbereichen auf Energieffizienz.

Seine Hauptsorte mit 93% Ausstoßanteil ist das Spezial mit 12,9% Stammwürze. Das super leckere Dunkle und das Pils werden ebenfalls ganzjährig gebraut. 95% der bierigen Leckereien werden in die Flasche abgefüllt. Dann haben wir uns seinen Gärkeller……

… und den Lagerkeller angeschaut. Sehr, sehr schön. Nur leider muss Steffen schon wieder in einen weiteren Lagerkellerbau investieren. Wachstum kostet Geld oder ganz nach Schwester Doris aus dem Kloster Mallersdorf: “ Viel Hektoliter, viel Arbeit“.

http://www.bierblog.eu/beispielrubrik-no-3/kloster-mallersdorf-dem-bierhimmel-so-nah/

Dann hat er mir auch noch sein altes Sudhaus gezeigt, das sich seit Neuinbetriebnahme des Jakob Carl Sudhauses im Dornröschenschlaf befindet.

Und dann wurde es richtig spannend. In Gaildorf wurden schon immer Bügelflaschen abgefüllt. Und zwar mit einer einzigartigen Form, die auch nur von einem Flaschenhersteller produziert wird. Diese Form hat nur Steffen und die besagte Schwester Doris in Gebrauch. Die Flaschenwaschmaschine hat Steffen extra länger bauen lassen, damit die Laugeeinweichzeit der Flaschen verlängert wird. Das ist echt genial, ziemlich einzigartig und bei den Bügelflaschen unglaublich wichtig, der Sauberkeit wegen.

Abgefüllt und verschlossen werden die Bügelflaschen im Bügelfüller. Das solltet ihr Euch unbedingt vor Ort im laufenden Betrieb ansehen.  Hier liegt der Teufel echt im Detail. Steffen hat die Abfüllanlage bis ins Detail optimiert.

Nach der Besichtigung hat uns Steffen noch zu sich auf seine Terasse zum Bierverkosten eingeladen. Dort haben wir die eindrucksvolle Brauerei meditativ verinnerlichen können. Schön wars.

Mein Fazit: Dunkel in Gaildorf. Plopp. Danke lieber Steffen.