Fischers Brauhaus Mössingen – Das kleine Bierparadies am Rande der Schwäbischen Alb

Fischers Brauhaus Mössingen

Warum in die Ferne schweifen, wenn das Glück so nah? Bei der Wahl der Baden-Württembergischen Bierkönigin im Brauhaus Schönbuch in Stuttgart habe ich die drei Fischer Geschwister Tobias, Andrea und Petra von der gleichnamigen Brauerei am Rande der Schwäbischen Alb getroffen und mit ihnen ein Wiedersehen in Mössingen ausgemacht. Gesagt, getan und ab ging´s nach Mössingen zum Brauertreffen. Dazu haben sich mein langjähriger Wegbegleiter im Baden Württembergischen Brauerbund, Seniorchef Heiner Fischer, sein Freund aus der Ulmer Meisterschule Heiner Kunz sowie dessen Sohn Andreas von der Lammbrauerei Untergröningen, Dieter Schmid von der Waldhaus Brauerei und meine treue Brauereibegleiterin Kessi gesellt.

Am Abend wurde das Wiedersehen mit frischem Fischers Spezial hell vom Fass und vielen Leckereien vom Grill gefeiert, sodass wir am Morgen frisch gestärkt unter fachmännischer Leitung von Chefbraumeister Tobias Fischer zur Brauereierkundungstour aufbrechen konnten. Tobi hat ganz in traditioneller Brauerweise eine umfangreiche Wanderschaft hinter sich. Seine Lehre hat er in Herbsthausen, bei Pinkus Müller und in Autenried absolviert. Danach hat er bei der Weissbierbrauerei Unertl seine Brauerkenntnisse vertieft bevor er den Meister in Ulm gemacht hat. Nach acht Jahren als erster Braumeister bei der Schwarzbräu Zusmarshausen ging es wieder in die geliebte Schwäbische Heimat zurück.  Wir haben unsere Führung im wunderschönen Sudhaus gestartet.

Tobi ging auf die Geschichte  seines wunderschönen Sudhausgebäudes ein. Dieses schaut auf eine fast 300 jährige Brautradition zurück. In den schwierigen Kriegsjahren 1938 entschied sich sein Großvater Heiner Fischer Senior, der aus einer Brauerfamilie aus Kirchheim im Ries entstammt, das damals seit fast zwanzig Jahren stillgelegte Brauereilein wieder zum Leben zu erwecken. Und das mit Erfolg durch viel Schweiss, Fleiss und mutiges Unternehmertum. Das heutige Sudhaus von Schulz mit 68 hl Ausschlagmenge lässt  auch nach 30 jähriger Brautätigkeit das historische Gewölbe im vollen Glanz erstrahlen.

Nach dem viel zu frühen Tod von Heiner sen. übernahm sein Sohn Heiner Junior 1960 als jüngster Braumeister Deutschlands die Verantwortung und baute seine Brauerei zu einer der modernsten Kleinbrauereien in Deutschland aus. Seit 2020 ist nun sein Sohn Tobias verantwortlich für den Brauprozess und somit für die bemerkenswert guten Bierqualitäten. Coronabedingt liegt der Ausstoß momentan etwas unter 10.000 hl p.a., in den nächsten Jahren ist eine Verdopplung des Bierausstoßes geplant. Mit Tobias und seiner Schwester Andrea, die das Hotel und den Braumarkt an der Brauerei verantwortet, wurde auch eine Markenneuausrichtung umgesetzt. Mit einer tollen Etikettenlinie und neuen, zeitgemässen Bierspezialitäten steht dem Wachstum nichts im Wege.

Gebraut wird mit Bodenseewasser, gehopft mit Hopfen aus Tettnang. Hier verwendet Tobi bei den Standardsorten Tettnanger Tettnanger. Bei den Craftbieren Diamant, Rubin und Saphir in der 0,33l Bügelflasche die Sorten Callista, Saphir und Eureka. Tobis neueste Kreation ist sein Brau Bär in der Euroflasche. Die Bernsteinfarbe hat er mit Karamellmalz hingezaubert. Lecker, lecker…

Dann ging es ein Stockwerk tiefer in die alten, stillgelegten Lagerkeller…

… wo wir einen Blick in den Eiswasserspeicher erhaschen konnten. Mit dem Eiswasser wird die heiße Würze im Würzekühler auf Anstelltemperatur von 8°C abgekühlt.

Dann ging es in den Gärkeller, wo uns der Fischer´sche Schnabeltank begrüßte. Im Schnabeltank lässt Tobi seine obergärigen Weizenbierspezialitäten vergären.

Der Vorteil gegenüber geschlossenen Gärtanks ist der, dass der Hopfentrieb abgenommen werden kann und dadurch die Biere einen weicheren Trunk bekommen. Handarbeit zahlt sich eben manchmal doch aus. That´s real craft…

Die untergärigen Leckereien werden in den klassisch geschlossenen Gärtanks vergoren. Hierbei wird im Hause Fischer besonders darauf geachtet, dass zum Einen der Durchmesser der Tanks zur Höhe die 1 zu 3 nicht überschreitet. Hierdurch haben die Hefen weniger Stress durch einen hohen hydrostatischen Druck und bilden dadurch weniger höhere Alkohole und Gärungsnebenprodukte. Zum Anderen werden die Biere nicht wärmer als 10 °C vergoren. Der selbstlose Selbstversuch hat bewiesen: Genuss ohne Reue…

Auch der Lagerkeller wurde qualitativ auf höchstem Niveau von der Firma Gross umgesetzt…

… und unterstützt wird Tobi durch das Prozessleitsystem ProLeiT. Das gibt ihm totale Effizienz, Transparenz und Überwachung, notfalls auch vom Rechner zu Hause. In Brauereien dieser Größenordnung habe ich dieses beachtliche technische Niveau noch nirgends angetroffen…

Der Gär-, Lagerkeller und die Filtration wird über dieses Panel zusammengeführt. Alles an einem Platz, blitzeblank und neuester Stand der Technik.

Der Tobi steht voll auf seinen Kieselgur-Kombifilter. Ein altbewährtes, höchst zuverlässiges Filtersystem. Hier werden die zu filtrierenden Biere zuerst mit Kieselgur vorgeklärt und anschließend mit den Schichtenfiltern glanzfein hübsch gemacht.

Die Füllerei ist ebenfalls auf dem neuesten Stand. Hier werden neben den Heinerle Bieren in der 0,33l Bügelflasche die Vichy 0,33l Flasche, die Euroflasche 0,33l und 0,5l  sowie die 0,5l NRW Flasche abgefüllt. Mehr geht nicht.

Vor drei Jahren wurde ein komplett neuer Anbau an das bestehende Hotel realisiert. Die Zimmer sind super modern, stylisch und zeitgemäss auf Bier getrimmt. Hier spürt man die Leidenschaft von Andrea für ihr Metier. Nach einer Besichtigungstour und dem Besuch der verpachteten Brauereigaststätte lässt es sich traumhaft dort schlafen.

Tobias´ zweite Schwester Petra ist Chefin der Hausbrauerei Neckarmüllerei in Tübingen. Wunderschön am Ufer des Neckars gelegen ein Muss für alle Bierfreunde.

Mein Fazit: Ein Prost auf die Fischers. Vielen Dank für die tolle Gastfreundschaft.

 

 

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