Die Lahnsteiner Brauerei – dem Grutbier auf der Spur

www.Lahnsteiner.de

War vor zwei Wochen mit meinem Lieblingsbrauereibesichtigungskumpel Olly Koblenzer am wunderschönen Rhein in Rheinland-Pfalz. In diesem Bundesland gibt es nur 15 Brauereien. Direkt neben Koblenz, in Sichtweite zur Koblenzer Brauerei, liegt das schöne Städtchen Lahnstein. Jaja, die Koblenzer Brauerei, eine wechselhafte Geschichte. Früher bekannt als Königsbacher Brauerei, übernahm 1992 die Karlsberg Brauerei Homburg die Braustätte. Seit 2010 gehören nun die Markenrechte vom Königsbacher Bier und dem „Netten Edel Pils“ zum Bitburger Konzern. Die Brauerei blieb bis 2012 bei Karlsberg und wurde dann an zwei Koblenzer Geschäftsleute verkauft. Heute brauen sie noch ca. 100.000 hl, davon je 30% unter dem Namen Koblenzer und Königsbräu. Aber darum geht es ja heute gar nicht. Sondern um Dr. Markus Fohr, seines Zeichens Inhaber der Lahnsteiner Brauerei, und seine Braustätte. Markus hat uns am Wahrzeichen seiner Brauerei empfangen, dem 1411 erbauten Brauereiturm…

Die Geschichte der Brauerei ist untrennbar mit der der Familie Fohr verbunden. Seit 1667 brauen die Fohrs in Lahnstein ihr Bier. Somit ist dem Markus das Brauen in die Wiege gelegt worden, der nun in der 10. Generation seit 1999 Bier aus Lahnstein braut. 1969 geboren, hat Markus hat seine Brauerlehre im elterlichen Betrieb absolviert. Danach ging es von 1990 bis 1998 zum Studieren nach Weihenstephan mit dem Abschluss Dipl. Ing. für Brauwesen und Getränketechnologie.  Den Doktortitel hat er sich unter seinem Doktorvater Meyer-Pittroff im Bereich Energietechnik erarbeitet.

Vor Eintritt in die elterliche Brauerei war er 1,5 Jahre bei der Bitburger tätig, bei der er durch Neuverhandlung der Stromeinkäufe 1 Mio DM einsparen konnte und auch im Marketing und Vertrieb unterwegs war. Seit 2011 ist er ausgebildeter Biersommelier, 2018 wurde er zum Deutschen Meister dieser Zunft gekürt. Die Biersommelier-Ausbildung hat auch die Entwicklung der Brauerei stark beeinflusst. Bei seinem Eintritt 1999 wurde in der ehemaligen St. Martin Brauerei in Lahnstein nur untergärig mit Pils als Hauptsorte gebraut. 2007 wurde die St. Martin Brauerei in Lahnsteiner Brauerei umgetauft und seit der Biersommelierausbildung werden neben den klassischen Bieren auch Craftbiere gebraut. Los ging die Brauereireise mit zufällig gleicher Oberhemdenfarbe im 1961 erbauten Ziemann Sudhaus…

Die Jakob Carl Steuerung, die wir auch bei uns in Böblingen hatten, war eine der ersten in Deutschland und verrichtet auch heute noch treu ihren Dienst.

2002 wurden die Sudgefäße runderneuert und der Innenkocher in Eigenplanung durch Markus und einen örtlichen Schlosser neu organisiert. Genial.

Die Lahnsteiner Brauerei braut heute ca. 25.000 hl Bierspezialitäten mit 13 Festangestellten und einigen Aushilfen, Respekt! Die Hauptsorte ist nach wie vor das Pils mit seinen 30 Bittereinheiten. Markus setzt ganz bewusst und aus brautechnischer Überzeugung nach wie vor auf den bewährten Bitterhopfenextrakt, um den seit Jahrzehnten geliebten Geschmack nicht zu verändern. Gefolgt wird das Pils von den obergärigen Bieren Lahnsteiner Altbier und dem Obergärigen nach rheinischer Brauart, das Markus aufgrund der Kölschkonvention von 1985 nicht Kölsch nennen darf. Vergoren werden die großen Sude im Jakob Carl Gärtank…

Die kleineren Sorten werden im Miniaturgärtank vergoren. Das Kirschbier mit Kirschnektar und das Honigbier unter Zugabe von Blütenhonig…

Die Brauerei ist im Besitz mehrerer kathedrahlenhafter Türme: Gär- und Lagertanktürme…

… sowie dem Wahrzeichen, dem Brauereiturm,…

… der ab sofort auch die neuen Etikettenlinie ziert…

Am 4.6.2019 war ein ganz besonderer Tag. Da hatte Markus seinen 50. Geburtstag. Und genau zu diesem Anlass hat sich Markus selbst sein schönstes Geburtstagsgeschenk gemacht: Eine nagelneue 10 hl Craftbierbrauerei. Ganz unter dem Motto „Craftbier zum Austoben“. Leider ist sie bei meinem Besuch wieder abgebaut, da sie von Markus einen neuen Boden spendiert bekommt…

Die neue Brauanlage stammt aus dem Hause Speidel. Dem Sudhaus hat der Markus die Kinderkrankheiten, nach anfänglich ordentlich Bauchschmerzen, mittlerweile ausgetrieben…

… dafür gären die Rauchbiere, IPA´s, Porters, diversen Festbiere und das Donka (ein untergäriges Vollbier, gereift auf bulgarischen Eichenholzchips und bulgarischem Wildthymian, benannt nach Donka Fohr, Markus´ Ehefrau) zuverlässig in den dazugehörigen Gärtanks.

Mein Favorit ist das Grutbier. Kein Braumeister in Deutschland hat über diesen mittelalterlichen Bierstil  so intensiv Nachforschungen betrieben und hierüber einen eigenen Forschungsbericht veröffentlicht. Markus ist im übrigen Nebenberufsjournalist mit schon über 230 Veröffentlichungen und Büchern. Sein Grutbier, dessen Entwicklung von der Fachhochschule Trier unterstützt wurde, würzt er mit Zitronengras, Rosmarin und Anis, der Drinkability wegen. Als Bierbasis dient ein obergäriges Gebräu, die Gewürze werden im Lagertank gestopft. Geiler Stoff, echt seltenes Bier. Ein MUST HAVE!

Mein Fazit: Grutbier ist wie mit dem Ur- Ur- Ur- Uropa Bier trinken–Grut ist gut! Cheers.

 

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