Hofstettner – Bock auf Granit

Hofstettner

Habe an meinem Bierwellnesswochenende im Bayrischen Wald einen Abstecher zur Hofstettner Brauerei im Nachbarland Österreich gemacht. Die Brauerei liegt wunderschön ca. 25 km nordwestlich von Linz mitten im Mühlviertel.

Nach herzlicher Begrüßung durch meinen Biersommelier-Kollegen und Braumeister Markus Thaller ging es gleich ins alte 40 hl Sudhaus aus dem Jahre 1929. Das Sudhaus ist immer noch in Betrieb. Auf der historischen Brauanlage werden die besonderen Raritäten Granitbock, Heines altes Lager und das original Hochzeitsbier gebraut. Markus ist ein echtes Eigengewächs der Brauerei. Er hat dort seine Brauerlehre gemacht und ist dann für ein Jahr zum Nachbarn, der 25.000 hl großen Stiftbrauerei Schlägl, gewechselt. Danach hat er den Meister bei Doemens gemacht, bevor es für weitere zwei Jahre in die Forschungs- und Entwicklungsabteilung nach Salzburg zur Brauerei Stiegl ging. Seit 2012 ist er verantwortlicher Braumeister in Hofstetten und hat die Brauerei von 6.000 hl auf 9.600 hl mit entwickeln können. Heute sind in der Brauerei 15 Mitarbeiter beschäftigt. Markus braut mit Unterstützung seiner vier Brauer die leckeren Bierspezialitäten.

In Österreich gibt es einen Reinheitsgebots-ähnlichen Lebensmittelcodex für die Bierherstellung. Abweichend sind unter anderem bis zu 25% Rohfrucht an der Schüttung im Sudhaus oder der Einsatz von technischer Milchsäure und Ascorbinsäure (Vitamin C) erlaubt. Für die Hofstettner Kreativbiere dürfen Kürbis und Honig verwendet werden. Dies muss allerdings deutlich auf dem Etikett deklariert werden. Künstliche Aromatisierung ist auch in Österreich ein No Go. Die Vier-Walzen-Schrotmühle der Firma Seeger aus Bad Cannstatt ist immer noch für das Schroten auf dem alten Sudhaus verantwortlich. Und das seit mehr als 100 Jahren.

Die Brauerei wurde 1229 erstmalig urkundlich erwähnt und gilt als die älteste Brauerei Österreichs. Gebraut wurde in der damaligen Zeit in einer alten „Raststätte“ auf dem Salzsträssle Passau – Linz, um die Händler mit gutem Gerstensaft zu stärken. Seit 1849 ist die Brauerei im Besitz der heutigen Eigentümerfamilie Krammer. Heute steht die Herstellung von Spezialbieren im Fokus. Ganz besonders hat mich neben dem Granitbock auch das Heines altes Lager beeindruckt. Hierfür wurde von der Genbank in Linz das Saatgut der ca. einhundert Jahre alte Braugerstensorte Heines Haisa bezogen und von zwei Landwirten in der Nachbarschaft wieder angebaut. Diese sehr kleinen Körner mit einem hohen Spelzenanteil werden extra vermälzt und sind sehr gerbstoffhaltig. Gemaischt wird so wie früher im Dreimaischverfahren. Trotz 90 Minuten Kochzeit hat das Bier eine intensive DMS Note. Einen Geruch, der an Gemüse erinnert und in den heutigen Mainstreambieren eher als verpönt gilt.

Gehopft wird der historische Göttertrank mit der ursprünglich aus England stammenden Hopfensorte Malling. Diese Hopfensorte ist speziell im Mühlviertel dominierend und für Markus in Bio-Reinform angebaut. Das Mühlviertel ist nicht nur das größte österreichische Hopfenanbaugebiet, sondern gehört auch zu den Keimzellen der Biobewegung. Heines altes Lager ist ein echtes Unikat. So könnte Bier vor 100 Jahren geschmeckt haben. Denn originaler, als auf einem fast einhundertjährigen Sudhaus mit original Braugerste aus dieser Zeit zu brauen, geht nicht mehr. Total faszinierend. Die Flaschen werden bei der Stiftbrauerei Schlägl abgefüllt. Das neue Braukon Sudhaus ist seit 2015 in Betrieb. Ausgeschlagen werden hier 20 hl. Für den Einsatz des Naturhopfens hat Markus einen Hopbag in Verwendung. Die neuere Art eines klassischen Hopfenseihers.

Das österreichische Märzen mit 4,7 Vol.% Alkohol ist vom Bierstil her vergleichbar mit dem Bayrisch Hell und hat einen Marktanteil zwischen 70% und 80%. Der österreichische Biermarkt ist wie unsere deutscher extrem preissensibel. 80% der Biere werden im Handel von den Mannen der Spars und Rewes über Aktionen verramscht. Für mich ist genauso schmerzhaft wie unverständlich, dass gerade auch die Jungs von der Brauunion, Stiegl Brauerei und Zipfer das mitmachen. Denn auch ihre Biere sind durchweg qualitativ mehr wert als unterirdische 10€ pro Rahmen. Aus diesem Grund besetzen die Hofstettner mit ihren Bieren die Spezialitätenlücke.  Die neuen Tanks stammen aus dem Hause Rieger und von dem Tankbauer Müller.

Das Brauwasser kommt aus einem eigenen Brunnen und hat 4 ° dH. In Österreich gibt es zwei Mälzereien. Die zur Ireks Malz Gruppe gehörende Stamag und die Plohberger Mälzerei in Grieskirchen. Für das Bio Mühlviertel Bier werden 100% Zutaten aus dem Mühlviertel verwendet. Mein Hofstettner Lieblingsbier ist allerdings der Granitbock mit leckeren 17,8 % Stammwürze, den es auch in der Graniteisbockvariante mit 12 % Alkohol gibt. Die Herstellung der Granitbiere hat mich dann doch bewegt. Die kalte Würze wird in Granitbecken, ehemaligen Sauerkrautbottichen, vergoren….

 

…nachdem sie unter Zugabe von glühenden heißen Granitsteinen karamellisiert wurde. Der älteste dieser Steinbottiche ist übrigens aus dem Jahre 1649! Die Hauptgärung findet zwischen Januar und März in den kalten Kellern statt, im Lagerkeller wird bis September gereift.

Mein Fazit: Von unfiltriertem Kübelbier bis Granitbock. Markus du machst einen mega Job. Ein Prost auf deine Inspiration.

 

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