Die Kieler Sprotte – Lillebräu

Brauerei Lille

Puuhhh, was für eine lange Bloggerpause… Eure Emails und Nachfragen haben mich motiviert, mal wieder loszulegen. Und zwar als Erstes bei der 2018 neueröffneten Lillebräu in der Fördestadt Kiel, die ich mit der besten Frau der Welt im Rahmen unserer Deutschland – Bierreise im Juni dieses denkwürdigen Coronajahrs besucht habe. Auf meine Anfrage hin hat mich Mitgründer und Inhaber Max Kühl eingeladen und dann gar nicht „kühl“ bei sich in Kiel in seinen heiligen Hallen empfangen.

Kiel verlor durch den Umzug von Holsten 1986 nach Hamburg seine letzte Brauerei. Nicht nur das war für die beiden Lillejungs Antrieb genug, 2015 biermäßig in der fröhlichsten Stadt Norddeutschlands wieder loszulegen. Gebraut wurde bis zur Eröffnung der Braustätte kuckucksmäßig im Brauhaus Hartmannsdorf. Heute ist Lillebräu mit 3.000 hl p.a. eine der 15 aktiven Braustätten im nördlichsten Bundesland Schleswig-Holstein. Number one ist die Flensburger Brauerei mit um die 550.000 hl Jahresproduktion gefolgt von der Ditmarscher Brauerei mit ca. 200.000 hl.

Gebraut werden die Biere auf dem Rabek Sudhaus ganz nach dem Willen von Max 100% unique. Will heißen, weder nach mainstream, noch austauschbar oder langweilig. Bei der Auswahl der Zutaten z.B. gibt sich Max richtig Mühe. Bei meinem Liebling, seinem mit 38 IBU lecker gehopften nordischen Pilsträumchen, bezieht er die Hopfensorten Magnum, Saazer und Tettnanger direkt von der Familie Locher aus Tettnang. Die dafür verwendeten Malzsorten Pilsner-, Melanoidin- und Caramalz bekommt er von der Rhönmalz aus der wunderschönen Rhön und Bestmalz aus Heidelberg. Im Gärkeller vergoren und gelagert wird neben dem Pils auch das ausstoßstärkste Gebräu, für Norddeutschland eher überraschend–das Helle, außerdem Weizen, Stout, Lager bis zum IPL, dem Indian Pale Lager und viele mehr…

Eine Brauerei ist sehr kapitalintensiv. Die meisten Banken lassen bei den Brauern wie bei den Gastronomen schnell die Rollläden runter, bevor sich diese Zünfte bis auf einen Kilometer an ihre Geldhäuser annähern. Und so hat Max sich 2017 mit der Ausgabe von  Genußscheinen an 666 Kieler Bierinteressierte finanziert. Genial für alle Beteiligten, denn die Kieler, die das bierige Unterfangen finanziell unterstützt haben, werden hierfür reichlich belohnt. Und zwar mit 12 Flaschen Bier pro Jahr wird die Verzinsung versüßt. Getilgt wird über 25 Jahre. So finanziert sich die Brauerei unabhängig vom Finanzmarkt und bindet potentielle Bierlover an die Brauerei.

 

On top werden die Unterstützer auf den Lagertanks namentlich gewürdigt…

Dieser konsequente Regionalansatz ist der Schlüssel für den Erfolg von Lille. Ich habe schon sehr viele neue Craftbierbrauereien gesehen, keine hat sich so der Regionalität verschrieben. Die leckeren Lillespezialitäten werden im brauereieigenen Schankraum,..

… in 70 Gastrobetrieben und über den regionalen Fachhandel vertrieben. Wenn es eng wird, fährt der Cheffe Max persönlich mit seinem Jumper zu den Kunden. Doch vorher muss das Bier in die bottle.

Die Leibinger Flaschenabfüllung ist echt tricky. Kompakt ohne viel Schnickschnack findet das Gebräu sauerstoffarm den direkten Weg in die Flasche. Max ist als studierter Kommunikationsdesigner ein echter Kommunikationsheld. Die 2 Millionen Medienkontakte sprechen für sich und die Etikettenlinie zeichnet sich durch eine tolle Wiedererkennung aus.

Mein Fazit: Kiel – Kieler – Lille. Chapeau lieber Max und weiterhin viel Erfolg.

 

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