Brauerei Holzhausen – Daniel Düsentrieb und sein Oloid

Brauerei Holzhausen

Nach viel zu langer Coronapause sind Olly und ich endlich mal wieder auf Brauerei- Entdeckungsreise gefahren. Nach dieser Zwangspause habe ich uns einen besonderen bierigen Leckerbissen rausgesucht. Und zwar die sagenumworbene Oloidbrauerei des Markus Langer in Holzhausen-Igling. Igling liegt knapp neben Buchloe, Buchloe ganz grob unterhalb von Augsburg…

Markus hat uns ganz in Braumeistermanier super herzlich empfangen. Markus, seines Zeichens Dipl. Braumeister Weihenstephan hat zur selben Zeit wie ich sein Studium in Weihenstephan absolviert. Und so haben wir erstmal ausgiebig über mehr oder weniger uns beiden bekannte Persönlichkeiten, Bekannte und Freunde des Brauwesens gelästert und gelacht…

Markus hat seine Brauerlehre im Kloster Ettal gemacht. Dann ging es zum Bund als Fallschirmspringer nach Nagold, bevor er als junger Dipl. Braumeister für vier lange Jahre bei Berg in Ehingen anheuerte. Viel über die Weizenherstellung gelernt hat er unter dem sagenumwobenen Braumeister Mandi Mühlbauer vom Hofbräuhaus Freising. Sein betriebswirtschaftliches Knowhow hat sich Markus in Pforzheim beim Aufbaustudium zum Dipl. Wirtschaftsingenieur angeeignet. Bevor er 2013 dann die Brauerei Holzhausen angepachtet hat, hat er viele Projekte freiberuflich für Markus Lohner´s Braukon übernommen.

Los ging es im Sudhaus. Das Besondere an der Brauerei ist, dass sie ohne den Einsatz einer Pumpe auskommt. Dementsprechend maischt Markus am obersten Punkt der Brauerei im Maischbottich ein. Nach dem Maischen geht es  in den Läuterbottich (auf dem Bild vorne) und danach in die daruntergelegene Pfanne. Läuterbottich und Pfanne sind ein Kombigerät. Das alles läuft mit Hilfe der Schwerkraft. Die Läuterbottichpfanne hat er von Brewdog Aberdeen Sonntag morgens über Facebook ersteigert. „That´s pretty cool man“.

Markus verzichtet ganz bewusst auf den Einsatz von Pumpen, um seinem Bier die Pein der Scherkräfte zu ersparen. Für ihn sind Scherkräfte für sein Bier wie Folter für Bierhexen im Mittelalter. Markus hat einige Patente angemeldet. Eines davon ist der Vormaischer, bei dem das Wasser aus der Mitte strömt und einen rotierenden Wasserteller erzeugt. Auf diesen Wasserteller fällt das Schrot und vermischt sich sofort staub- und klumpenfrei mit dem Wasser. Durch die extrem gut gebundenen Schwebstoffe erspart man sich im Läuterbottich beim Abläutern den Tiefschnitt und erhält so extrem blanke Würzen. Mit dem angenehmen Nebeneffekt, dass sich die Standzeiten bei der späteren Bierfiltration deutlich erhöhen… WOW!

Dann hat uns Markus sein auf der Welt wohl einmaliges top secret gezeigt. Sein Oloid in der Maischepfanne. Der Oloid ersetzt das klassische Rührwerk und zeichnet sich zum Einen dadurch aus, dass er einer der wenigen Körper ist, der über seine gesamte Oberfläche abrollen kann. Zum Anderen, dass er eine Grundströmung erzeugt, die schräg auf die Maischbottich-Edelstahlinnenseite trifft und eine Drehung der guten Maische bewirkt. Die perfekte scherkraftfreie Durchmischung. Erfunden hat den Oloid übrigens der Maschinenbauer Paul Schatz 1929, der als Plausibilitätsnachweis für die von ihm begründete Inversionskinematik gilt. Da war der Olly nicht mehr zu halten und hat ganz frech in den Maischebottich gelugt…

Der Oloid hat neben seiner sehr intensiven scherkraftfreien Durchmischung der Maische auch noch den Vorteil, dass er sage und schreibe bis zu 25 Prozent weniger Energie als ein klassisches Rührwerk benötigt. Und zu reinigen ist er ebenfalls sehr leicht, da keine toten Ecken am Corpus Delicti zu finden sind…

Leider ist Stand heute der praktische Einsatz des Oloiden nach oben hin auf 60 hl Maische begrenzt. Sonst hätte ich für meine Brauerei zu Hause gleich einen bei Markus geordert und wäre somit stolzer Besitzer des zweiten in einer Brauerei eingesetzten Oloids. Vom Whirlpool geht es mit 0,85 bar Sterilluftdruck scherkraftfrei über den Plattenkühler..

…in den Gärkeller. Dort wird die Würze ganz klassisch untergärig bei maximal 10°C und obergärig bei maximal 23°C vergoren…

… bevor das Jungbier im Lagerkeller in den langen, tiefen Winterschlaf fällt.

Markus hat seine neue scherkraftfreie Brauerei 2018 im ehemaligen Flaschenkellergebäude der Brauerei in Betrieb genommen. Die neue Brauerei dient hauptsächlich dem Zweck, dass Markus seinen Forschungsarbeiten in scherkraftfreier Bierherstellung nachkommen kann. Mittlerweile so erfolgreich, dass er als Nebenerwerbsbraumeister respektable 800 hl feinste Biere im Jahr verkauft. Und das wundert nicht, denn seine bemerkenswert milden, runden Biere zeichnen sich nicht nur durch einen extrem stabilen, feinporigen Schaum aus, sondern auch durch seine wunderbar sämige Perlage.  Soooo lecker!!

Vorher hat Markus in der alten Brauerei gebraut. Unter Mithilfe des Sudhauses Baujahr 1951 mit 22,5 hl Ausschlagmenge und vieler, vieler Transmissionsriemen.

Unter dem Dach ist noch eines der letzten intakten Kühlschiffe, neben dem in der Brauerei Drei Kronen in Memmelsdorf,  in Deutschland zu finden.

Mein Fazit: Holzhauser Landbier – so unglaublich schön kann Bier sein. Der Schaum, ein Traum.

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