Bierparadies Kloster Aldersbach

Aldersbacher

Auf dem Weg ins Bierhotel sind wir auf einen der wohl schönsten Brauereihotspots in Niederbayern gestoßen. Auf die Aldersbacher Brauerei und ihr Kloster ca. eine halbe Fahrstunde südlich von Passau gelegen.

Das Kloster und die Brauerei blicken auf eine Jahrhunderte alte Tradition zurück.  Das Kloster wurde 1146, die Klosterbrauerei 1268 das erste Mal schriftlich erwähnt und sie zählt somit zu den ältesten schriftlich dokumentierten Braustätten der Welt. In dieser Zeit wurde allerdings noch in sehr kleinem Maßstab für die Mönche und deren Besucher gebraut, aber bemerkenswerterweise schon Hopfen kultiviert und angebaut. Nach der Säkularisation wurde die Brauerei samt Kloster 1811 an die heutige Inhaberfamilie des Freiherrn von Aretin verkauft. Die Marienkirche zählt zu den schönsten Barockkirchen der Welt.

So jetzetle genug der Kultur und ab in Richtung Brauerei. Empfangen hat uns der Braumeister Lorenz Birnkammer, der lieber Bierkammer heißen würde, mit einer super leckeren in der Flasche vergorenen kleinen Kloster Weiße Spezial 0,5l. Lorenz hat bei der Aldersbacher seine Lehre zum Brauer und Mälzer gemacht und das Brauen nach Abschluss der Lehre zwei Jahre in einer Gasthausbrauerei in Lana/Südtirol praktisch vertiefen können. Nach dem Doemens Braumeister ist er dann für drei Jahre in die Augustiner nach München zum Mälzen und Flaschenabfüllen. Wieder zurück in Aldersbach hat er das Labor geleitet und ist seit 2017 als verantwortlicher Braumeister die Brauerei.

Die Brauerei wurde in den letzten Jahren konsequent modernisiert und zählt mit ihren 70.000 hl zu den must – have Beerhotspots in Niederbayern. Das Malz kommt aus den Mälzereien Ireks, Pappenheim und Donaumalz. Geschrotet wird mit einer Nassschrotmühle, dem Maischomat von Steinecker. Das Nassschroten ist sehr selten in Brauereien anzutreffen. Der Vorteil ist, dass das Malz vor der Schrotung, also dem Mahlen und Zerkleinern des Malzes, mit Wasser befeuchtet wird. Das bringt höhere Sudhausausbeuten.

Das unglaublich schöne Sudhaus Baujahr 1995 mit 170 hl Ausschlagmenge ist ebenfalls aus dem Hause Steinecker und der wahrgewordene Brauertraum. Wunderschön architektonisch in den Gesamtgebäudekontext integriert. Und die Sudpfanne ist auch noch mit einem Stromboli – Innenkocher ausgestattet. Wie geil ist das denn….?? Der Sud rauscht in sechs Stunden durch die Braukathedrale, abgeläutert wird in zwei Stunden. Echt sanatoriumshafte Bedingungen für das spätere Bier.

Lorenz vergärt in den 800 hl Gresser Gärtanks und kräust dann unter Umpumpen in die Lagertanks auf. Das gefällt dem Bierblogger Werner, denn der Zusatzaufwand lohnt sich. So bekommt man durchgängig super reine Biere. Spieglein, Spieglein an der Wand, wer braut die reinsten Biere im ganzen niederbayrischen Land….?

Die Hauptsorte ist regional bedingt das klassische Kloster hell mit smoothen 11,5% Stammwürze. Gefolgt von der im Einmaischverfahren gebrauten Kloster Weisse hell. Alle anderen Biere werden mit dem Infusionsverfahren gebraut. Das Kloster Dunkel (lecker – lecker) gibt es ganzjährig, saisonal den Maibock und den mit Aromamalz von Ireks gebrauten Rubinbock. Lorenz´ Lieblingsbier ist das Pils. Mit 30 Bittereinheiten unter Verwendung der Hopfensorten Perle, Tradition und Saphir super geschmeidig gebraut. Das Pils sowie alle späteren glanzfeinen Biere rauschen zum Klären über den Kombifilter…

Lorenz hat von seinem Inhaber in Sachen Braukunst freie Hand. Als Bierspezialitätenliebhaber bietet er an Samstagen Braukurse auf der 3 hl Johann Albrecht Brauanlage an. Hier können sich bis zu 16 Bierbegeisterte sieben Stunden von Lorenz himself die Braukunst näher bringen lassen. Eine zweite Anlage dieser Art habe ich bei der Mönchshof in Kulmbach gesehen…

Beim Brauen auf der Anlage hat sich Lorenz auf die oak aged Biere mit Eichenholzfassreifung spezialisiert. Von Barleywine bis Imperial Stout. Für den Pfarrer der Marienkirche hat er sogar extra ein IPA gebraut, dass ich natürlich gleich verkosten wollte. Super lecker, richtig saftiger Hopfen, so mag ich das.

Mein Fazit: Mitten im Aldersbacherland, wo ein „Kleines“ 0,5 Liter misst… – so geht Lebensqualität. Danke lieber Lorenz.

 

 

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