Staatsbrauerei Rothaus – Zur Audienz in den vergoldeten Bierpalast

Rothaus

Hand auf´s Herz: Um diesen Besuch habe ich mich lange gedrückt. Denn die Staatsbrauerei Rothaus und deren Inhaber gehört aufgrund ihrer Rolle und Vorgehensweise im Biermarkt nicht unbedingt zu den besten Kumpels unserer Zunft. Nun habe ich, auf gutes Zureden von meinem Bierbruder Olly, doch meinen ganzen Mut zusammen genommen und bin mit ihm in den Südschwarzwald gefahren. Die wunderschöne idyllische Gegend ist mir nicht unbekannt, da ich meinen guten Freund Dieter Schmid, Cheffe und Inhaber der nur zwanzig Kilometer entfernten Waldhaus Brauerei, dort schon öfters besucht hatte.

Meine Bierneugier hatte also am Ende doch gesiegt und so näherten wir uns spannungsgeladen und voller Vorfreude an das Corpus Delicti an und wurden gleich eindrucksvoll begrüßt.

Auf beschilderten Wegen wurden wir in das Besucherzentrum geleitet. Nach dem Eingang fanden wir  uns gleich im Rothaus Shop wieder.

Klasse gemacht. Viele Fanartikel sind hier käuflich zu erwerben. Von Biergit Socken, Schlüsselanhängern, Luftmatratzen, T- Shirts, Weizenzäpfle Grillsauce bis hin zum…

Dann hat uns unser Guide Petra, mit ihrem unvergleichlichen alemannischen Slang, oder besser Rothüserdütsch, super unterhaltsam durch die Brauerei und deren heilige Hallen geführt. Die Brauerei wurde 1791 von den Benediktinern am heutigen Standort neben der Gaststätte „Zum Rothen Haus“ gegründet. 1806 fiel sie im Zuge der Säkularisierung an das Herzogtum Baden. Seit 1892 gibt es Flaschenbier und seit 1950 das berühmte Tannenzäpfle in der 0,33 l Bottle. Die Geschichte der Brauerei mit ihrer Ausstoßentwicklung ist wirklich interessant. Denn der Ausstoß stieg 1862 von ca. 7.000 hl auf 32.000 hl im Jahre 1913, um aufgrund des ersten Weltkrieges 1919 wieder auf 6.900 hl zu sinken. Anno 1922 wurde in sie in eine AG umgewandelt. In den 1980ern wurden um die 300.000 hl gebraut. Nachdem sich die Rothauser Heeresleitung entschlossen hatten, die Schleusen  auch Richtung Württemberg zu öffnen, verdreifachte sich der Ausstoß auf ca. 900.000 hl.  Diese Mengenexplosion war wohl auch eine erste Gegenentwicklung hin zur Regionalisierung auf die damals schon einsetzende Globalisierungsbewegung um Becks, Warsteiner, Bit und Co Anfang/Mitte der neunziger Jahre.  Dieser Trend zur Regionalität hat sich bis heute verstärkt und so geht nun, aufgrund der Beliebtheit der kleinen Regionalbrauereien, der Ausstoß der heute zweitgrößten Brauerei in Baden Württemberg in den letzten Jahren wieder bergab. Trotzdem wirft der Staatsbetrieb immer noch fette Dividenden an das Land ab. Bei ca. 77 Mio. € Umsatz wird ein fetter Gewinn i.H.v. ca. 11 Mio. ausgewiesen. Da freut sich das Land. Bei den Erträgen wurde das Investieren nicht vergessen. 2006 wurde das wunderschöne neue Sudhaus in Betrieb genommen.

Und investiert wurde in der Vergangenheit schon richtig. Neben der Produktivität wurde auch immer auf Ästhetik geachtet…

Die Brauerei verfügt mit ihren 64 Gär- und Lagertanks über 110.000 hl Tankvolumen. Vergoren werden die untergärigen Biere bei 10°C, die obergärigen Biere bis 20°C. Gereift wird das Bier kalte vier Wochen lang bei -2°C, denn der Gefrierpunkt bei 5 vol.% igen Bieren liegt ja bekannterweise bei -2,2°C.

Die Tanks sind Baujahr 1999 und von Ziemann – Bauer gefertigt worden. Der Gärkeller hat schon fast eine kathedralenhafte Anmutung…

Der neue hochmoderne Flaschenkeller mit einer Ausbringungsleistung von 50.000 hl ist vom Allerfeinsten…

… genauso wie die 2011 angeschafte Keganlage mit einer Leistung von 240 Fässern pro Stunde.

Das freut natürlich die Rothaus-Patronin Biergit Kraft. Der Saga nach war sie vor 100 Jahren die Braumeisterstochter und hat ihr Aussehen auf den Etiketten bis heute kaum verändert.

Zum  Abschluss sind wir noch in den Brauereigasthof eingekehrt und haben uns über das leckere Essen und die durchweg sauberen und süffigen Biere gefreut.

Mein Fazit: Bier gibt Kraft, ein Dank an die Biergit.

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