Pilsner Urquell – Vom Japaner und dem grolligen Groll

Pilsner Urquell 

Unsere Kumpels haben meiner lieben Frau eine Reise nach Pilsen geschenkt. Das hat mich natürlich besonders gefreut. Denn zu Pilsen fallen mir sofort so viele schöne Bierassoziationen ein. Josef Groll, Pilsner Brauart, helles Malz, weiches Wasser etc.. Doch dazu später mehr. In Pilsen angekommen, bin ich sofort in die Brauerei gestürmt.

Im sogenannten „Visitor Center“ werden über 100.000 bierinteressierte Touristen im Jahr empfangen. Sehr schön ist der Originalnachbau einer vor ca. 100 Jahren tätigen Brauerei mit Kühlschiff, Berieselungskühler und Sudhaus, die den Besucher im Eingangsportal begrüßt. Und das im ehemaligen Kühlschiffhaus der historischen Brauerei.

Vor 1842 haben ganz viele ganz klitzekleine Brauer in Pilsen fürchterlich schlechtes Bier gebraut und in der Not hat der Stadtrat den griesgrämigen Wanderbrauer Josef Groll aus Vilshofen in der Nähe von Passau engagiert, um den Pilsener Qualitätsnotstand zu lindern. Der Josef war nur kanpp 4 Jahre in Pilsen und hat das Problem nachhaltig gelöst. Und wie das? In seinem Reisegepäck hatte er untergärige Bierhefe dabei. In dieser Zeit, also die Zeit vor der Erfindung der Kühlmaschine durch Carl Linde 1876, war die untergärige Brauweise noch nicht en vogue in Pilsen, wie auch im gesamten dunklen Bierdeutschland. Untergärige Biere sind bekannterweise aufgrund der kälteren Gärtemperaturen wesentlich stabiler hinsichtlich mikrobiologischer Kollateralschäden als die obergärigen. Und so hat er das erste Bier Pilsner Brauart gebraut. Untergärig und….

… nicht nur das. Der grimmige Josef hat auch noch etwas mehr Hopfen beim Brauen verwendet, denn auch der Hopfen trägt zur Haltbarmachung des guten Gerstensaftes durch seine antiseptischen Eigenschaften bei. Dann noch helles Malz anstatt dunkles  in Verbindung mit dem natürlich samtweichen Quellwasser. Und fertig war Josefs Zauberbier. Das erste Bier Pilsner Brauart. Eine eiserne Sudpfanne aus dem späten 19. Jahrhundert hat mich in die Grollsche Zeit zurück gebeamt.

Die Pilsner Urquell gehört mittlerweile seit 2 Jahren zu Asahi, einem großen Japanischen Braukonzern, der den renditeorientierten Haien von AB Imbev die Brauerei und mit ihr viele Andere hinsichtlich kartellrechtlicher Vorgaben abgenommen hat. Denn ansonsten hätten die Ami-Belgier fast soviel Weltbiermarktanteil wie das Bier Pilsner Brauart. Nämlich fast 70%! Das ist schon bemerkenswert mit den Japanern, aber wen wundert es. Mittlerweile haben sich die Chinesen sogar schon auf dem württembergischen und bayrischen Biermarkt eingekauft. Und besonders bemerkenswert ist der „Japaner“ wirklich,….

…denn früher vor 100 Jahren hat er in Form eines Grünmalzkarrens (auch „Japaner“ genannt) den Mälzern bei der Verteilung des Grünmalzes auf der Darre geholfen.

So, genug gelästert. Das alte Sudhaus Baujahr 1931 ist echt eine Pracht…..

…und das Neue noch viel mehr. Hier werden 630 hl auf etlichen Sudstraßen im Einmaischverfahren gebraut und von den 2 Mio. hl Urquell wandern knapp 30% in den Export.

Dann ging es in die berühmten Keller der Brauerei. Hier haben sich in den Hochzeiten vor Einführung der Eisen- und späteren Edelstahl- Gär- und Lagertanks auf den 9 km langen Kellergewölben  6000 Holzfässer verteilt. Und das in 5-10m Tiefe.

Heute haben die Jungs und Mädels von Urquell für die Touris wieder einen historischen Holz – Gär- und Lagerkeller „in Betrieb“. Das ist toll gemacht und so ziemlich einzigartig, denn hier…

… können die Besucher dem Bier beim Gären in historischem Ambiente zuschauen.

Und solche Holzfässer sind heute richtig teuer. Ein Fässle kostet handmade schlappe 11.000€.

Verkostet werden darf direkt vom Eichenholzfass. Für viele Besucher der beste Stoff in Pilsen. Ich bin mir da nicht so sicher, denn das bierige Tröpfle hat eine gewisse organoleptische Ähnlichkeit mit dem unfiltrierten Pilsner Urquell aus dem Edelstahl Keg in den tschechischen Schänken….

Mein Fazit: Bierhistorie trifft Walt Disney. Ein Prost auf den Josef.

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