Brauerei Falken – der Dosenspezialist

Falken

Bin neulich mit meinem Lieblingsbraumeister Gustel in die Schweiz nach Schaffhausen zur Brauerei Falken gedüst, um mich in die Welt der Dosenabfüllung einweihen zu lassen. Die Brauerei hat eine echte spannende Vita in ihrer jüngsten Zeit aufzuweisen. Mit 220 Jahren auf dem Buckel zählt sie zu den traditionsreichsten Brauereien der Schweiz. Seit 70 Jahren ist sie in der Hand der Eigentümerfamilie Moersen und tritt in der Rechtsform einer AG auf.

1895 wurde sie an den heutigen Standort verlegt, da man hier eine ergiebige Wasserquelle gefunden hatte. Wo heute die Züge vorbei rattern, war früher ein idyllischer See. Bis vor ca. 10 Jahren ging es leider immer weiter bergab mit den Ausstoßzahlen und so investierten die Falken 2012 in ein völlig neues Segment: Die Dosenabfüllung. Das war die Initialzündung für eine bemerkenswert erfolgreiche Entwicklung.

In das Reich der Dose hat mich Zdzislaw Koltun eingeführt, seines Zeichens Leiter der Produktion & Technik sowie Mitglied der Geschäftsleitung. Er hat seine Brauerlehre bei der Würzburger Hofbräu absolviert und den Braumeister bei Doemens. Seit acht Jahren ist er nun schon bei den Falken und hat einen großen Anteil an deren erfolgreicher Entwicklung.

Das 220 hl Ziemann Sudhaus mit Außenkocher ist aus dem Jahre 1982. Die alte Schützsteuerung wurde 2000 durch eine neue Steuerung ergänzt. Beide sind noch in Betrieb auf Herzenswunsch des Inhabers, crazy. Es werden 17 Sorten ganzjährig vollautomatisch gebraut, jede für sich. Fakes durch z.B. Zugabe von Farbebier  im Drucktankkeller für die Farb- und Geschmacksdifferenzierung der Biere sind mit Braumeister Koltun nicht zu machen. Das gefällt mir.

Die Hauptsorte mit 80% Anteil ist das in der Schweiz dominierende Lagerbier oder im Volksmund die Stange genannt. Unter dem Young Fashion Markennamen Hülse wird das ICE (auf Deutsch Eis)  im Coronastyle mit 30% Maisanteil eingebraut und nach der Gärung durch den Eski (Tiefkühler) gejagt, bevor es in die trendy Flaschen abgefüllt wird. Dazu gesellen sich noch ein Radler, ein naturtrübes Lager und das Pale Ale mit sportlichen 40 Bittereinheiten.

Der Gärkeller wurde 2017 general modernisiert und mit zusätzlichen Tanks ergänzt. Es wird klassisch vergoren und mit Restextrakt in die Lagertanks zur Nachreifung geschlaucht. Jetzt wisst ihr auch, warum Obergärung Obergärung  heisst… 🙂

Heute sind 55 Mitarbeiter im Dienste der Falken beschäftigt, davon 20 in der Produktion, also in der Herstellung und Abfüllung. Der Gesamtausstoß beträgt 140.000 hl. 40.000 hl werden als Eigenmarke gebraut und abgefüllt. Von den 100.000 hl wird einiges an Bier von Schweizer Brauereien in 250 hl Tankwagen angeliefert, pasteurisiert und in die Dose abgefüllt.

Die Brauerei hat 50 Dosenkunden, die Anlage läuft im Dreischichtbetrieb. Die Dosen werden im 24er Tray verpackt. Von der Bestellung bis zur Auslieferung werden nur 6-8 Wochen benötigt. Bemerkenswert ist, dass trotz fehlenden Dosenpfands die Dosen-Recyclingquote in der Schweiz bei satten 90% liegt. Davon kann unser Mehrwegsystem in D nur träumen….

Der letzte Schritt vor der Verpackung der Dosen ist die Pasteurisation. Für die mikrobiologische Haltbarkeit ist eine Tunnelpasteurisation zwingend notwendig. Mit 25 Pasteureinheiten hat man absolute Sicherheit und kann ohne Bedenken diesbezüglich bis zu 12 Monate Haltbarkeit garantieren.

Mein Fazit: Alles Dose oder was? Zdzislaw, vielen Dank für die spannenden Einblicke in deine Welt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.