Über Werner

Auf der Suche nach dem Shangri-la des Bieres. Ich bin die 6. bierbrauende Generation Dinkelaker in Böblingen. Wie mein Vater, Großvater und Urgroßvater habe ich der Dinkelakerschen Tradition folgend in Weihenstephan das Studium zum Diplom Braumeister absolviert. 1991 ging es auf Betriebsüberwachungsexpedition nach Venezuela zur Polarbrauerei, die damals “total quality like” rund 20 Mio hl Bier produzierte. Nach meiner Rückkehr habe ich noch kurz den Dipl.- Wirtschaftsingenieur draufgesetzt, erste Schritte im Außendienst bei der Eichbaumbrauerei Mannheim gemacht und bin dann mit Familie für ein Jahr zum Brauereiaufbau nach Nord Zypern (1996). Zurückgekehrt darf ich nun schon seit 1997 mit einer klasse Mannschaft unsere regionalen Biertrinker mit feinsten Leckereien aus der Schönbuch Braumanufaktur in Böblingen beglücken. Bier ist mein Leben, deswegen sind meine Tage auch durch Bier geprägt. Tagsüber bespaße ich meine Kunden, Mitarbeiter und freue mich über unsere tolle Brauerei. Zum Feierabend verkoste ich die mir zugeschickten Bierspezialitäten aus dem In- und Ausland und zum krönenden Abschluss natürlich auch unsere Leckereien. Bierreisen mit meiner lieben Frau (ausgebildete Biersommeliere und geduldige Lektorin meiner Blogs - vielen Dank mein Schatz) und Besuche bei Brauerkollegen mit meinem Bierbruder Olly von der Karftbierwerkstatt sind meine Inspiration. Auf der Suche nach dem “Aledorado” haben schon sehr viele schöne Brauereien unseren Weg gekreuzt. Und darüber blogge ich seit 2013. Mega Spass machen mir auch meine Biervorträge und Verkostungen, bei denen ich mit Bierinteressierten meine Leidenschaft teilen darf. Folgt mir auf der Suche nach dem schönsten Brauerei- und Bierort der Welt.

Ich wünsche Euch ein gesundes bieriges 2021 – Jahresrückblick 2020

Puhhh was für ein Jahr…. Der C-Virus hat uns alle schwer zu schaffen gemacht. Besonders hart getroffen hat es die kleineren, regionalen Brauereien mit einem hohen Fassbieranteil, viele Gastronomen und unsere Freunde aus dem Craftbeer-Bereich. Gerade auch aus diesem Grunde habe ich trotz aller Schwierigkeiten versucht, den einen und anderen Kollegen zu besuchen, um uns gemeinsam die Freude an dem wohl mit schönsten Beruf der Welt, dem des Brauern, nicht zu verlieren. Ich nehme Euch jetzt mit zu ein paar Stationen meiner Bierreisen 2020. Los ging es in Südafrika mit der Stellenbrau und ihrem unglaublich leckeren Rooibosbier. Mit den dafür extra angefertigten überdimensionierten Teesieben…

Nach diversen bierigen Destinations im südlichsten Land des afrikanischen Kontinents ging es ins Elsass zur Brasserie Sainte Cru zum Collabbrewing. Das Brauen mit Cheffe Vivien hat riesig Spass gemacht. Leider hat uns hier das C-Virus den Ausschank unseres Gemeinschaftssudes in Böblingen unmöglich gemacht…

Auf dem Rückweg haben wir Strassbourg mit dem wunderschönen Brauhaus der Brasserie Meteor und deren Biere genossen…

…bevor wir später meinen geschätzten Kollegen Dr. Markus Fohr und seine Lahnsteiner Brauerei besucht haben, um uns an seinem legendären Grutbier zu laben…

Im Sommer haben wir auf unserer Deutschlandtour Weihenstephaner Studienkollegen, etliche  Keller in Bamberg und Bierpaläste in Dresden besucht, bevor wir im hohen Norden bei der Lille Brauerei gestrandet sind…

Dann noch einen Abstecher in eines der schönsten Sudhäuser Deutschlands bei der Einbecker-Tochter Härke,

…bevor das Bierjahr nach erfolgreicher Meisterung des Bräunlinger Bierpfades mit dem Bräunlinger Löwenbräu Braumeister Andre endet.

To be continued… Danke für Eure Treue und Eure tollen Feedbacks. Bleibt gesund!!!

 

 

 

Merry Christmas: Werners Bierblog – Der Podcast

Werners Bierblog Podcast 

Frohe Weihnachten, liebe Bierblog-Leserinnen und -Leser! Zum Fest habe ich mir in diesem Jahr etwas ganz Besonderes überlegt: Die Weltpremiere von Werners Bierblog Podcast! Mir hat die Aufnahme voll Spaß gemacht und ich hoffe, Euch macht das Hören genauso viel Spaß. Ich freue mich über Euer Feedback. Genießt die Feiertage und bleibt gesund! Und vergesst das Anstoßen mit einem guten Bier nicht.

Mein treuer Brauerei- und Bierbegleiter Olly hat mir nicht nur 2013 den Anstoß gegeben, über meine vielen Brauereibesuche einen Blog zu machen, sondern vor ein paar Wochen dann auch noch mit ihm einen Podcast auf den Bierweg zu bringen. Einen was? Podcast? What the hell…??? Auf Nachfragen bei meiner Tochter und Social-Media-Spezialistin Nina, was denn ein Podcast sei, meinte Sie nur: „Papa, Podcasts sind voll Mainstream, das machen sogar mittlerweile Merkel und Kretschmann…“. Naja, also genau das richtige Hipster-Ding für mein Alter. Zum Glück ist Olly ein alter Hase im Medien Business und hat uns gleich die richtige Technik zum Podcasten in mein Kanada Tonstudio gebracht,…

…und direkt losgelegt. Übrigens ist er mit seiner eigenen Biermarke Kraftbierwerkstatt auch schon seit 2014 am Start und teilt mit mir seine Liebe zum Bier.

Nach unserem ersten Versuch, der uns trotz vielen Bieren und entsprechendem Enthusiasmus nach mehrmaligem Anhören nicht ganz veröffentlichungsfähig erschien, haben wir uns mit einem neuen Storyboard und personeller Verstärkung nochmals ans Vertonen gewagt. Mit meinem Sohnemann Luki an Bord, der gerade das Studium zum Diplom-Braumeister in Weihenstephan macht und durch sein legendäres kaltgehopftes Lagerbier Lucky Experience regionalen Ruhm erlangte, wagten wir den zweiten Anlauf…

In unserem Podcast greifen wir auf die Brauereibesuche aus meinem Bierblog zurück und vertiefen verschiedentliche Themen aus vielen Bereichen rund um unser Lieblingsthema Bier. Bei unserem Jungfernpodcast haben wir uns für meinen Besuch bei der Lille Brauerei in Kiel entschieden. Hierbei hat uns Olly inhaltlich durch den Podcast geführt und Luki durch sein technisches Fachwissen ergänzt.

Die Musik zu unserem Podcast hat uns Axel zur Verfügung gestellt. Super geniale Mucke. Unser Ziel ist es, in aller Regelmäßigkeit mit viel Spass und verschiedenen interessanten Biermenschen hinters Mikro zu sitzen und für Euch viele Dinge über Brauereien und das Bier zu vertonen. Wir freuen uns sehr auf Euer Feedback und Eure Anregungen, doch jetzt hört aber erstmal rein:  Werners Bierblog Podcast.

Viel Spass.

Unser Fazit: Bierlein, Bierlein an der Wand, wer hat den schönsten Bierpodcast im Land? 1000 Dank an Olly, Axel und Luki für Euren Support.

Härke – Eines der wohl schönsten Sudhäuser der Welt

Härke

Auf meiner Suche nach dem Shangri-La der Brauereien hat es mich nach Niedersachsen ins rund 50.000 Einwohner Städtchen Peine verschlagen. Bei meinem Besuch des Einbecker Brauhauses hatte ich von dem wunderschönen, sagenumworbenen Sudhaus der Brauerei Härke gehört. Aufgrund genau dieses Sudhauses wurde Härke  2013 mit stattlichen 70.000 hl vom Einbecker Brauhaus geschluckt. Dazu später mehr. Alles begann 1890 als Ernst Härke die damalige Raul`sche Brauerei am Standort des heutigen Härke Brauereiausschanks erwarb. Die heutigen denkmalgeschützten Gebäude der Brauerei…

…wurden zwischen 1927 und 1935 nach den Plänen von Architekt Anton von Norden erbaut. Der damalige Zeitzeuge Alfred Striemer meinte schon, dass es sich um „eines der schönsten Brauereigebäude, die es im Lande gibt“ handelt. „Ein Hochbau, in roten und schwarzen Klinkern, von prachtvoller architektonischer Wirkung“. Auf der einen Seite wunderschön anzusehen und mit Sicherheit ein einzigartiges Industriedenkmal. Auf der anderen Seite eine große Bürde aufgrund der begrenzten Nutzungsmöglichkeiten für den neuen Eigentümer. Die Nachwelt wird sich jedoch freuen, dass auf diesem brauhistorischen Stückchen Erde nicht der gefühlt hundertmillionste austauschbare Konsumtempel gebaut wurde. Auch das gusseiserne Brauereitor zum Bierglück bleibt hoffentlich für die nächsten Generationen erhalten…

In der ehemaligen Bierstadt Peine ging es urkundlich belegt 1356 mit dem Brauen los. 1798 gründete die Familie Düvel die Vorläuferin der heutige Härke Brauerei und bewirtschaftete diese bis 1832. Von 1832 bis 1890 braute die Familie Raul. Von 1890 bis 2013 die Familie Härke mit den letzten Geschäftsführern der Familie, Mathias und Martin Härke. Erst 1907 wurde übrigens von Raulscher Brauerei auf Brauerei Härke umfirmiert. Laut Biersteueraufzeichnungen aus dem Jahre 1875/76 weiß man, dass zu dieser Zeit vier Brauereien in Peine gebraut haben. Empfangen hat uns die Cousine meiner Frau, die liebe Nicky, die verantwortlich für die Brauereiführungen ist.

Nach einer sehr interessanten Einführung durch die Geschichte der Brauerei hat sie uns direkt ins Herz der Begierde geführt…

2008 haben die Gebrüder Härke die Modernisierung ihres Sudhauses in Angriff genommen. Mit dem Ziel, eines der schönsten Sudhäuser in Deutschland zu realisieren…

…was ihnen auch tatsächlich gelungen ist. In mehr als 800 Stunden wurden die alten Kupferhauben händisch aufpoliert. Noch heute ist es keinem Besucher erlaubt, ohne Stoffhandschuhe die Bierkathedrale zu betreten. Pfannentätscheln wird mit sofortigen Handabhacken vor Ort bestraft…

1890 brauten die Härkes nach dem Erwerb 3.000 hl im Jahr. Nach dem 1. Weltkrieg waren es schon 10.000 hl, zum 100 jährigen Jubiläum 1990 sagenhafte 160.000 hl. Dieser Jahresausstoß entspricht der Wegstrecke von Peine nach Kairo, wenn man sich die Mühe macht, diese Menge in 0,33 l Flaschen abzufüllen und aneinander zu reihen. Das Innenleben der ehrwürdigen Gefäße wurde mit modernster Technik ausgestattet..

Leider hat die Sudhausmodernisierung und die damit nicht planbaren, überhöhten Kosten, neben Absatzproblemen die Brauerei in die Insolvenz getrieben. Manchmal ist das Brauerleben wirklich mehr als traurig und tragisch. Neben unendlichem Leid für die Eigentümerfamilie hat dieses Unglück auch eine andere Seite. Denn was gibt es Erfüllenderes,  als in diesen so schönen, energiereichen Räumlichkeiten sein eigenes Feng Shui zu finden…

Bei der Brauereiübernahme 1890 braute die Familie Härke nur dunkles, trübes Bier Wiener Brauart. Zu dieser Zeit wurde die Sudpfanne direkt mit Holz befeuert, bevor diese durch eine gusseiserne Doppelpfanne mit indirekter Dampf- oder Heißwasserbeheizung abgelöst wurde.  Kupfer löste das Gusseisen später wegen der höheren Leitfähigkeit ab. In der Zeit kurz vor dem 1. Weltkrieg wurden aufgrund der Nachfrage nach hellen, blanken Bieren ein Export Dortmunder Typs und Pils gebraut, welche aufgrund der Filtration haltbarer waren und sich dadurch auch für weitere Vertriebswege eigneten. Während der britischen Besatzungszeit nach dem 2. Weltkrieg gab es aufgrund der Wünsche der Engländer sogar ein untergäriges Porter (heute klassisch obergärig), das nach dem Krieg kurzerhand in einen Doppelbock verwandelt wurde. Die Kupfergefäße des heutigen Sudhauses wurden ursprünglich 1962 vom damals größten Sudhaushersteller der Welt eingebracht…

Die Geschichte der Weigelwerke Neisse-Neuland ist eine ganz interessante. 1830 wurde eine kleine Kupferschmiede von Ferdinand Weigel in Grottkau gegründet. Der erste Sudhausauftrag kam 1886 von Josef Milde aus Friedland in Oberschlesien. Die Qualität sprach sich in Windeseile herum. Diese und zahllose Patente vom Dampfkessel 1880  über den 1892 eingetragenen „Maisch- und Läuterbottich mit herausnehmbaren Senk- oder Läuterboden in Schalenform“ bis zum 1901 beschriebenen Hopfenseiher – Montejus waren Meilensteine für den späteren Erfolg. Die Sudhäuser mit den Maischefiltern fanden in unzähligen Brauereien in Europa Einzug. 2002 wurde das Werk ZUP Nysa in Polen geschlossen. Aus dem volkseigenen Betrieb Nordhausen wurde 1990 der Apparatebau Nordhausen GmbH, der heute Komplettsudhäuser von 10 hl bis 650 hl Ausschlagmenge baut. Die Schaltzentrale wurde futuristisch in den historisch modernen Gesamtkontext eingebettet. Einmalig schön.

Nach dem wohl einzigartigen Gänsehaut – Erlebnis  ging es in den ehemaligen Schalander zur Verkostung…

Ganz klar mein Favorit, das Härke…

Die Biere sind durch die Bank weg 1 A, super lecker und mega bekömmlich, so dass es keines….

… bedarf.

FAZIT: Liebe Nicky, danke, dass du uns den Weg zum Glück möglich gemacht hast.

Die Kieler Sprotte – Lillebräu

Brauerei Lille

Puuhhh, was für eine lange Bloggerpause… Eure Emails und Nachfragen haben mich motiviert, mal wieder loszulegen. Und zwar als Erstes bei der 2018 neueröffneten Lillebräu in der Fördestadt Kiel, die ich mit der besten Frau der Welt im Rahmen unserer Deutschland – Bierreise im Juni dieses denkwürdigen Coronajahrs besucht habe. Auf meine Anfrage hin hat mich Mitgründer und Inhaber Max Kühl eingeladen und dann gar nicht „kühl“ bei sich in Kiel in seinen heiligen Hallen empfangen.

Kiel verlor durch den Umzug von Holsten 1986 nach Hamburg seine letzte Brauerei. Nicht nur das war für die beiden Lillejungs Antrieb genug, 2015 biermäßig in der fröhlichsten Stadt Norddeutschlands wieder loszulegen. Gebraut wurde bis zur Eröffnung der Braustätte kuckucksmäßig im Brauhaus Hartmannsdorf. Heute ist Lillebräu mit 3.000 hl p.a. eine der 15 aktiven Braustätten im nördlichsten Bundesland Schleswig-Holstein. Number one ist die Flensburger Brauerei mit um die 550.000 hl Jahresproduktion gefolgt von der Ditmarscher Brauerei mit ca. 200.000 hl.

Gebraut werden die Biere auf dem Rabek Sudhaus ganz nach dem Willen von Max 100% unique. Will heißen, weder nach mainstream, noch austauschbar oder langweilig. Bei der Auswahl der Zutaten z.B. gibt sich Max richtig Mühe. Bei meinem Liebling, seinem mit 38 IBU lecker gehopften nordischen Pilsträumchen, bezieht er die Hopfensorten Magnum, Saazer und Tettnanger direkt von der Familie Locher aus Tettnang. Die dafür verwendeten Malzsorten Pilsner-, Melanoidin- und Caramalz bekommt er von der Rhönmalz aus der wunderschönen Rhön und Bestmalz aus Heidelberg. Im Gärkeller vergoren und gelagert wird neben dem Pils auch das ausstoßstärkste Gebräu, für Norddeutschland eher überraschend–das Helle, außerdem Weizen, Stout, Lager bis zum IPL, dem Indian Pale Lager und viele mehr…

Eine Brauerei ist sehr kapitalintensiv. Die meisten Banken lassen bei den Brauern wie bei den Gastronomen schnell die Rollläden runter, bevor sich diese Zünfte bis auf einen Kilometer an ihre Geldhäuser annähern. Und so hat Max sich 2017 mit der Ausgabe von  Genußscheinen an 666 Kieler Bierinteressierte finanziert. Genial für alle Beteiligten, denn die Kieler, die das bierige Unterfangen finanziell unterstützt haben, werden hierfür reichlich belohnt. Und zwar mit 12 Flaschen Bier pro Jahr wird die Verzinsung versüßt. Getilgt wird über 25 Jahre. So finanziert sich die Brauerei unabhängig vom Finanzmarkt und bindet potentielle Bierlover an die Brauerei.

 

On top werden die Unterstützer auf den Lagertanks namentlich gewürdigt…

Dieser konsequente Regionalansatz ist der Schlüssel für den Erfolg von Lille. Ich habe schon sehr viele neue Craftbierbrauereien gesehen, keine hat sich so der Regionalität verschrieben. Die leckeren Lillespezialitäten werden im brauereieigenen Schankraum,..

… in 70 Gastrobetrieben und über den regionalen Fachhandel vertrieben. Wenn es eng wird, fährt der Cheffe Max persönlich mit seinem Jumper zu den Kunden. Doch vorher muss das Bier in die bottle.

Die Leibinger Flaschenabfüllung ist echt tricky. Kompakt ohne viel Schnickschnack findet das Gebräu sauerstoffarm den direkten Weg in die Flasche. Max ist als studierter Kommunikationsdesigner ein echter Kommunikationsheld. Die 2 Millionen Medienkontakte sprechen für sich und die Etikettenlinie zeichnet sich durch eine tolle Wiedererkennung aus.

Mein Fazit: Kiel – Kieler – Lille. Chapeau lieber Max und weiterhin viel Erfolg.

 

Die Lahnsteiner Brauerei – dem Grutbier auf der Spur

www.Lahnsteiner.de

War vor zwei Wochen mit meinem Lieblingsbrauereibesichtigungskumpel Olly Koblenzer am wunderschönen Rhein in Rheinland-Pfalz. In diesem Bundesland gibt es nur 15 Brauereien. Direkt neben Koblenz, in Sichtweite zur Koblenzer Brauerei, liegt das schöne Städtchen Lahnstein. Jaja, die Koblenzer Brauerei, eine wechselhafte Geschichte. Früher bekannt als Königsbacher Brauerei, übernahm 1992 die Karlsberg Brauerei Homburg die Braustätte. Seit 2010 gehören nun die Markenrechte vom Königsbacher Bier und dem „Netten Edel Pils“ zum Bitburger Konzern. Die Brauerei blieb bis 2012 bei Karlsberg und wurde dann an zwei Koblenzer Geschäftsleute verkauft. Heute brauen sie noch ca. 100.000 hl, davon je 30% unter dem Namen Koblenzer und Königsbräu. Aber darum geht es ja heute gar nicht. Sondern um Dr. Markus Fohr, seines Zeichens Inhaber der Lahnsteiner Brauerei, und seine Braustätte. Markus hat uns am Wahrzeichen seiner Brauerei empfangen, dem 1411 erbauten Brauereiturm…

Die Geschichte der Brauerei ist untrennbar mit der der Familie Fohr verbunden. Seit 1667 brauen die Fohrs in Lahnstein ihr Bier. Somit ist dem Markus das Brauen in die Wiege gelegt worden, der nun in der 10. Generation seit 1999 Bier aus Lahnstein braut. 1969 geboren, hat Markus hat seine Brauerlehre im elterlichen Betrieb absolviert. Danach ging es von 1990 bis 1998 zum Studieren nach Weihenstephan mit dem Abschluss Dipl. Ing. für Brauwesen und Getränketechnologie.  Den Doktortitel hat er sich unter seinem Doktorvater Meyer-Pittroff im Bereich Energietechnik erarbeitet.

Vor Eintritt in die elterliche Brauerei war er 1,5 Jahre bei der Bitburger tätig, bei der er durch Neuverhandlung der Stromeinkäufe 1 Mio DM einsparen konnte und auch im Marketing und Vertrieb unterwegs war. Seit 2011 ist er ausgebildeter Biersommelier, 2018 wurde er zum Deutschen Meister dieser Zunft gekürt. Die Biersommelier-Ausbildung hat auch die Entwicklung der Brauerei stark beeinflusst. Bei seinem Eintritt 1999 wurde in der ehemaligen St. Martin Brauerei in Lahnstein nur untergärig mit Pils als Hauptsorte gebraut. 2007 wurde die St. Martin Brauerei in Lahnsteiner Brauerei umgetauft und seit der Biersommelierausbildung werden neben den klassischen Bieren auch Craftbiere gebraut. Los ging die Brauereireise mit zufällig gleicher Oberhemdenfarbe im 1961 erbauten Ziemann Sudhaus…

Die Jakob Carl Steuerung, die wir auch bei uns in Böblingen hatten, war eine der ersten in Deutschland und verrichtet auch heute noch treu ihren Dienst.

2002 wurden die Sudgefäße runderneuert und der Innenkocher in Eigenplanung durch Markus und einen örtlichen Schlosser neu organisiert. Genial.

Die Lahnsteiner Brauerei braut heute ca. 25.000 hl Bierspezialitäten mit 13 Festangestellten und einigen Aushilfen, Respekt! Die Hauptsorte ist nach wie vor das Pils mit seinen 30 Bittereinheiten. Markus setzt ganz bewusst und aus brautechnischer Überzeugung nach wie vor auf den bewährten Bitterhopfenextrakt, um den seit Jahrzehnten geliebten Geschmack nicht zu verändern. Gefolgt wird das Pils von den obergärigen Bieren Lahnsteiner Altbier und dem Obergärigen nach rheinischer Brauart, das Markus aufgrund der Kölschkonvention von 1985 nicht Kölsch nennen darf. Vergoren werden die großen Sude im Jakob Carl Gärtank…

Die kleineren Sorten werden im Miniaturgärtank vergoren. Das Kirschbier mit Kirschnektar und das Honigbier unter Zugabe von Blütenhonig…

Die Brauerei ist im Besitz mehrerer kathedrahlenhafter Türme: Gär- und Lagertanktürme…

… sowie dem Wahrzeichen, dem Brauereiturm,…

… der ab sofort auch die neuen Etikettenlinie ziert…

Am 4.6.2019 war ein ganz besonderer Tag. Da hatte Markus seinen 50. Geburtstag. Und genau zu diesem Anlass hat sich Markus selbst sein schönstes Geburtstagsgeschenk gemacht: Eine nagelneue 10 hl Craftbierbrauerei. Ganz unter dem Motto „Craftbier zum Austoben“. Leider ist sie bei meinem Besuch wieder abgebaut, da sie von Markus einen neuen Boden spendiert bekommt…

Die neue Brauanlage stammt aus dem Hause Speidel. Dem Sudhaus hat der Markus die Kinderkrankheiten, nach anfänglich ordentlich Bauchschmerzen, mittlerweile ausgetrieben…

… dafür gären die Rauchbiere, IPA´s, Porters, diversen Festbiere und das Donka (ein untergäriges Vollbier, gereift auf bulgarischen Eichenholzchips und bulgarischem Wildthymian, benannt nach Donka Fohr, Markus´ Ehefrau) zuverlässig in den dazugehörigen Gärtanks.

Mein Favorit ist das Grutbier. Kein Braumeister in Deutschland hat über diesen mittelalterlichen Bierstil  so intensiv Nachforschungen betrieben und hierüber einen eigenen Forschungsbericht veröffentlicht. Markus ist im übrigen Nebenberufsjournalist mit schon über 230 Veröffentlichungen und Büchern. Sein Grutbier, dessen Entwicklung von der Fachhochschule Trier unterstützt wurde, würzt er mit Zitronengras, Rosmarin und Anis, der Drinkability wegen. Als Bierbasis dient ein obergäriges Gebräu, die Gewürze werden im Lagertank gestopft. Geiler Stoff, echt seltenes Bier. Ein MUST HAVE!

Mein Fazit: Grutbier ist wie mit dem Ur- Ur- Ur- Uropa Bier trinken–Grut ist gut! Cheers.

 

Luki braut Lucky reloaded – Funfactor XXL in viralen Zeiten

Von mir hört und lest ihr nichts über Corona und Co. Wozu auch, dass Netz ist ja schon totalitär verseucht. Ich widme mich nach wie vor den schönsten Dingen des Brauerlebens. Und das mit tatkräftiger Unterstützung meines jetzt im homeoffice studierenden Weihenstephaner Dipl. Braumeisterstudenten und Erfolgsjungbräu Luki. Sein Lucky Experience, eines der ersten untergärig kaltgehopften Lagerbiere, ist nun im vierten Jahr und mit saisonal von Mai bis September 1.500 hl verkauften Hektolitern nicht nur bei den Hipstern bei uns um den Schornstein sehr beliebt.

Aus diesem Grunde habe wir nun schon zum zweiten Male, nachdem wir einen herrlichen rötlich kastanienschimmernden untergärigen Bock (Anm. Redaktion – verheerend süffig) gebraut haben, seine Polsinelli 50 Liter Anlage angeworfen. Ziel war einen Versuchssud für Lucky 2.0 unter Verwendung von verschiedenen Malz- und Hopfensorten einzubrauen und auszutesten.

Luki´s Brauanlage steht wunderschön in unserem ehemaligen Maschinenhaus aus dem Jahre +/-1870 neben diversen uralt Kältekompressoren und einer Dampfmaschine Baujahr 1939. Hier führen wir normalerweise — und hoffentlich bald wieder –regelmäßige Bierverkostungen für Bierinteressierte durch. Also das ideale Ambiente, um den Sud Lucky 2.0, „the new experience“,einzumaischen.

Luki  hat sich ein ganz neues Rezept überlegt. Habt Verständnis, dass wir nur einen Auszug, das Maischprogramm, veröffentlichen. Die Details der verwendeten Malz- und Hopfensorten, deren Mengen und Gabezeitpunkte unterliegen höchster Geheimhaltung.

Dann ging es auch schon los mit dem gemeinsamen Einmaischen, nachdem wir das Schrot auf der Zweiwalzenmühle gemahlen haben. Mit Muskelkraft als Rührwerkunterstützung, damit auch nix anbrennt….

Luki ist ein echter Qualitätsfanatiker. Er achtet nicht nur auf die strikte Einhaltung von Temperaturen und Zeiten, sondern auch extrem auf die Hygiene. Hab bei der 72 °C Rast einen fetten Anschiss von ihm kassiert….

Dann ging es zum top secret, der Hopfengabe. Hier hat Luki sehr viel Hirnschmalz bei der Auswahl der Hopfensorten verwendet. Nur so viel: nix von der Stange, sondern er hat zwei ganz besondere Vertreter meiner Lieblings-Hanfgewächse gewählt. Zur Vermählung gab es erstmal einen geziemenden Streifen Horst hell Lagerbier…

Dann haben wir die Stammwürze gemessen, die Würze abgekühlt und lange zwei Wochen kalt im offenen Gärtank vergoren. Nach dem Schlauchen in zwei 30 l Fässer haben wir das Jungbier behutsam im Lagerkeller ausreifen lassen.

Mein Fazit: Leute, habe schon sehr viel Bier in meinem Brauerleben verkosten dürfen. So ein lecker, unfassbar süffiges Bier leider noch nie. Seid gespannt!! Cheers.

Eilmeldung – Stammt der älteste Göttertrunk Europas vom Bodensee?

Heute möchte ich Euch diese Meldung von der archäologischen Denkmalpflege nicht vorenthalten, die über meinen Presseticker geflimmert ist. Habe den Text leicht auf das Wesentliche gekürzt. Viel Spaß beim Lesen.

Einem internationalen Forscherteam unter der Leitung des Archäobotanikers Dr. Andreas Heiss ist es gelungen, gemälzte Gerste in prähistorischen Gefäßen aus Pfahlbausiedlungen am Bodensee nachzuweisen. Die Forschungsergebnisse bestätigen, dass malzhaltige Getränke bereits im 4. Jahrtausend vor Christus in Baden-Württemberg zubereitet wurden.
Bisher galten keltische Fundstellen des 5. bis 4. Jahrhunderts vor Christus, ebenso im heutigen Baden-Württemberg, als älteste Brauereien Mitteleuropas. Weltweit stammen die ältesten Brauereinachweise bisher aus Israel mit Datierungen aus dem 12. Jahrtausend vor Christus.
Bei der nun untersuchten Fundstelle handelt es sich um die Seeufersiedlung Hornstaad-Hörnle IA, die vor der Halbinsel Horn in der Flachwasserzone des Bodensees liegt. Wie Messergebnisse des Labors für Dendrochronologie des Landesamtes für Denkmalpflege gezeigt haben, wurde die etwa fünfzig Häuser umfassende Siedlung innerhalb weniger Jahre zwischen 3917 und 3910 vor Christus errichtet.

Um 3910 vor Christus fiel sie einem verheerenden Brand zum Opfer, wurde danach aber sofort wieder aufgebaut. Durch das Schadfeuer sind ganze Haushalte verbrannt, darunter auch Schmuck, Getreidevorräte, Waffen und Geräte sowie tonnenweise Scherben und Tierknochen. Vor welcher Mammutaufgabe die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler standen, zeigt auch die Zahl der erhaltenen Pfähle: Es wurden über 14.500 Pfähle verprobt und das auf einer Fläche von nur etwa einem Fünftel der gesamten Siedlung. Verbrannte Gefäßinhalte gehörten bisher nicht zu den spektakulärsten Funden, aber neue naturwissenschaftliche Ansätze machen in der Archäologie immer wieder Überraschungen möglich.
Die nun im Fachjournal PLOS ONE veröffentlichte Studie nutzt spezifische Abbauspuren, die beim Keimen (und damit beim Mälzen) an den Zellwänden von Getreidekörnern entstehen, erstmals zum Nachweis von Malz in verkohlten archäologischen Resten. Dem internationalen Forscherteam ist es gelungen, diese Methode erfolgreich auch auf verbrannte amorphe Krusten in Töpfen anzuwenden, in denen keinerlei Körner mehr kenntlich waren.
Besonders interessant ist der Fund aus Hornstaad-Hörnle, weil er belegt, dass fein zerkleinertes Gerstenmalz mit einer Flüssigkeit aufgegossen wurde. Der Nachweis, dass diese Flüssigkeit bereits alkoholhaltig war, ist allerdings kaum zu erbringen. Es könnte sich theoretisch auch um ein noch alkoholfreies Malzgetränk gehandelt haben.

Mein Fazit: Hoffentlich ist das mit dem alkohlfreien Malztrunk nur Spkulation. Cheers.

Biertuelle Reise in die Birra Carru – der Bierweinhybrid

Auf unserer heutigen, coronabedingt biertuellen, Reise geht es ins wunderschöne Piemont. Anfang November 2019 waren wir mal wieder in Alba zu Besuch bei der Trüffelmesse. Bei der Gelegenheit haben wir uns zum Mittagessen mit meinem Brauerkollegen und Freund Lelio von der Brauerei Birra Carru getroffen. Er hat uns zu einem sehr leichten Mittagessen im irgendwo im nirgendwo in den albanesischen Bergen eingeladen…

Nach einigen Fläschchen seiner piemontesischen Bierchen ist uns die geniale  Idee gekommen einen Collab Brew am Tag des Deutschen Bieres 2020 zu brauen. Gedacht getan. Nach Rückkehr nach Böblingen habe ich alles Nötige eingetacktet. Doch leider ist der Corona um die Eck gekommen und hat uns unseren Spass gründlich vermasselt. Geplant war mit unseren Rohstoffen bei Lelio einen Bierweinhybrid unter Verwendung einer Muskatellermaische zu brauen. Naja, so sind wir nun anstatt nach Alba zu düsen vorbildlich zu Hause geblieben. Auf diesen Schreck habe ich mir erstmal ein Bombardino von Lelio eingeschenkt.

Vom Biertyp ein „Bionda doppio malta“, ein unfiltrierter, heller, mit Gerstenmal gebrauter obergäriger Doppelbock. Super Ergänzung zu den Butter Braunis meiner Frau. Der 9%-igen Zaubertrank von Lelio ist echt der Hammer. Wer über Lelio und seine Birra Carru mehr erfahren will… Birra Carru

Mein Fazit: Wein nach Bier, das rat ich Dir.

Herzschmerztherapie unter Quarantäne – Bierologie statt Virologie…

Hand auf mein Herz. Ich vermisse so arg den face-to-face Kontakt und das Biertrinken nach den Brauereibesuchen mit meinen lieben Brauerkameraden. Was vor sechs Wochen noch undenkbar schien, hat sich heute nightmarehaft als miese, schlechte Reality Show erwiesen. Menschen mit Masken überall, wie in einem apokalyptischen Trashmovie aus den frühen 1960igern. An Kneipen-, Restaurant- oder Brauereibesuche nicht zu denken. Das bedeutet, mein Lebensinhalt findet fast nur noch in meiner Traumwelt statt. Da für mich das Bierglas aber immer halb voll ist,  lasse ich mir meine Haare als sichtbares Zeichen der Hoffnung und Solidarität zu den Gastwirten und Brauereischaffenden so lange wachsen, bis auch die letzte Kneipe in Böblingen wieder geöffnet ist. Denn ohne Gastro keine Brauerei und ohne Brauerei keine Gastro. Basta!

Vorher: Mit Braumeister Gustel und der Bierkönigin..

Heute nach sechs Wochen…

Meine Haare sprießen wie der Hopfen an Ostern…

So, jetzt aber genug gejammert. Lasst uns das Beste draus machen. Bierkrug aus dem Schrank und Durchlaufkühler auf den Balkon…

… mit Blick auf die wunderschönen Gärtanks.

Zum Glück habe ich zusätzlich zum DLK in meinem privaten Bierkühlschrank auch immer Biere befreundeter Brauereien. Und deswegen möchte ich mich mit Euch auf eine virtuelle Reise zu diesen begeben. In Form einer Genussverkostung sowie meiner Blogs über die Besuche. Los geht es mit der Odelzhausener Schloss Brauerei. Wenn ihr gerade kein Bier aus Odelzhausen im Kühlschrank habt, schenkt Euch alternativ ein anderes kräftigendes Starkbier ein…auch Dobby freut sich schon im Hintergrund 😉

Der dunkle Doppelbock OPERATOR gehört zweifelsfrei zu meinen liebsten Starkbieren. Mit 7,5% Alk. Gehalt verträgt er auch eine längere Reifung in der Flasche. Meinen habe ich seit knapp zwei Jahren im Bierkühlschrank gelagert (MHD 24. Januar 2019). Schöne Trockenfrucht in der Nase wie im Antrunk. Ein fantastisches Gebräu. Mein Geheimtipp: Ein Stückchen Bitterschokolade mit mindestens 72 % Kakaoanteil vor dem ersten Schluck auf der Zunge zergehen lassen…

Viel Spass beim Lesen und Trinken! Odelzhausener Schlossbrauerei

Mein Fazit: Bier lesen und Blog trinken (oder war´s andersrum?) macht Spass. Leute, Kopf hoch, der nächste Sommer kommt bestimmt!

Staatsbrauerei Rothaus – Zur Audienz in den vergoldeten Bierpalast

Rothaus

Hand auf´s Herz: Um diesen Besuch habe ich mich lange gedrückt. Denn die Staatsbrauerei Rothaus und deren Inhaber gehört aufgrund ihrer Rolle und Vorgehensweise im Biermarkt nicht unbedingt zu den besten Kumpels unserer Zunft. Nun habe ich, auf gutes Zureden von meinem Bierbruder Olly, doch meinen ganzen Mut zusammen genommen und bin mit ihm in den Südschwarzwald gefahren. Die wunderschöne idyllische Gegend ist mir nicht unbekannt, da ich meinen guten Freund Dieter Schmid, Cheffe und Inhaber der nur zwanzig Kilometer entfernten Waldhaus Brauerei, dort schon öfters besucht hatte.

Meine Bierneugier hatte also am Ende doch gesiegt und so näherten wir uns spannungsgeladen und voller Vorfreude an das Corpus Delicti an und wurden gleich eindrucksvoll begrüßt.

Auf beschilderten Wegen wurden wir in das Besucherzentrum geleitet. Nach dem Eingang fanden wir  uns gleich im Rothaus Shop wieder.

Klasse gemacht. Viele Fanartikel sind hier käuflich zu erwerben. Von Biergit Socken, Schlüsselanhängern, Luftmatratzen, T- Shirts, Weizenzäpfle Grillsauce bis hin zum…

Dann hat uns unser Guide Petra, mit ihrem unvergleichlichen alemannischen Slang, oder besser Rothüserdütsch, super unterhaltsam durch die Brauerei und deren heilige Hallen geführt. Die Brauerei wurde 1791 von den Benediktinern am heutigen Standort neben der Gaststätte „Zum Rothen Haus“ gegründet. 1806 fiel sie im Zuge der Säkularisierung an das Herzogtum Baden. Seit 1892 gibt es Flaschenbier und seit 1950 das berühmte Tannenzäpfle in der 0,33 l Bottle. Die Geschichte der Brauerei mit ihrer Ausstoßentwicklung ist wirklich interessant. Denn der Ausstoß stieg 1862 von ca. 7.000 hl auf 32.000 hl im Jahre 1913, um aufgrund des ersten Weltkrieges 1919 wieder auf 6.900 hl zu sinken. Anno 1922 wurde in sie in eine AG umgewandelt. In den 1980ern wurden um die 300.000 hl gebraut. Nachdem sich die Rothauser Heeresleitung entschlossen hatten, die Schleusen  auch Richtung Württemberg zu öffnen, verdreifachte sich der Ausstoß auf ca. 900.000 hl.  Diese Mengenexplosion war wohl auch eine erste Gegenentwicklung hin zur Regionalisierung auf die damals schon einsetzende Globalisierungsbewegung um Becks, Warsteiner, Bit und Co Anfang/Mitte der neunziger Jahre.  Dieser Trend zur Regionalität hat sich bis heute verstärkt und so geht nun, aufgrund der Beliebtheit der kleinen Regionalbrauereien, der Ausstoß der heute zweitgrößten Brauerei in Baden Württemberg in den letzten Jahren wieder bergab. Trotzdem wirft der Staatsbetrieb immer noch fette Dividenden an das Land ab. Bei ca. 77 Mio. € Umsatz wird ein fetter Gewinn i.H.v. ca. 11 Mio. ausgewiesen. Da freut sich das Land. Bei den Erträgen wurde das Investieren nicht vergessen. 2006 wurde das wunderschöne neue Sudhaus in Betrieb genommen.

Und investiert wurde in der Vergangenheit schon richtig. Neben der Produktivität wurde auch immer auf Ästhetik geachtet…

Die Brauerei verfügt mit ihren 64 Gär- und Lagertanks über 110.000 hl Tankvolumen. Vergoren werden die untergärigen Biere bei 10°C, die obergärigen Biere bis 20°C. Gereift wird das Bier kalte vier Wochen lang bei -2°C, denn der Gefrierpunkt bei 5 vol.% igen Bieren liegt ja bekannterweise bei -2,2°C.

Die Tanks sind Baujahr 1999 und von Ziemann – Bauer gefertigt worden. Der Gärkeller hat schon fast eine kathedralenhafte Anmutung…

Der neue hochmoderne Flaschenkeller mit einer Ausbringungsleistung von 50.000 hl ist vom Allerfeinsten…

… genauso wie die 2011 angeschafte Keganlage mit einer Leistung von 240 Fässern pro Stunde.

Das freut natürlich die Rothaus-Patronin Biergit Kraft. Der Saga nach war sie vor 100 Jahren die Braumeisterstochter und hat ihr Aussehen auf den Etiketten bis heute kaum verändert.

Zum  Abschluss sind wir noch in den Brauereigasthof eingekehrt und haben uns über das leckere Essen und die durchweg sauberen und süffigen Biere gefreut.

Mein Fazit: Bier gibt Kraft, ein Dank an die Biergit.