Der Atze und seine Bottroper Brauerei

Bottroper Bier

Immer dem Ruf des guten Bieres folgen. Das ist mein Motto. Auch dann, wenn er mich ziemlich nördlich vom Weisswurstäquator ins ferne Bottrop ruft. In eine Gegend, die mir zuvor völlig unbekannt war. Ein weisser Bierfleck auf meiner Bierkarte so zu sagen. Bottrop liegt so ziemlich mitten im Pott. Unser Biersommelierkumpel Atze, eigentlich Arthur Riedel, hat gar nicht mal so laut rufen müssen und wir sind ihm gefolgt wie die Lemminge.

Der Pott und seine Brauereien. Mit der Köpi in Duisburg, der Stauder in Essen, der Fiege in Bochum, Bergmann Dortmund, Hövels am Dortmunder Wall, die Radeberger Marken Brinkhoff`s-DAB-Hövels und Kronen aus der Dortmund Actien Brauerei GmbH und einer kleinen Hausbrauerei im Centro Oberhausen, sind noch ein paar wenige Brauereien in der ruhmreichen Biergeschichte der Stahlmalochermetropolen übrig geblieben. Welch ein Glück, dass unser Atze seine Lehre zum Brauer und Mälzer in  jungen Jahren bei der „Köpi“ (Brauerei König) absolviert hat. Danach ging es zur Meisterschule nach Kulmbach und seit 2008 zur Krombacher als Leiter der Filtration. Ansonsten wäre er nicht auf die Idee gekommen, nach den vielen Jahren als Meister und Geselle den Sprung in die Brauerselbständigkeit zu wagen, um die Bierlandschaft im Pott zu bereichern. Und das zusammen mit zehn seiner Kumpels. Und jeder hat seine eigene Kompetenz mit eingebracht: Der Lokführer, Polizeibeamter, Vertriebler, Personalchef und last but not least der Kaufmann.

Die erste Idee wurde Anfang 2019 konkreter weitergedacht. An der Stadtgrenze Bottrop – Oberhausen wurden die Jungs fündig. Und zwar in Form eines ehemaligen Blumenladens mit Kiosk. Der eignete sich perfekt, so das die Company 2020 gegründet wurde und im April dann mit der Renovierung angefangen wurde. Im Januar 2021 wurde das erste mal eingebraut und am 20.2.2021 floss das erste Bier. Bottrop hatte nach der Schließung seiner letzten Braustätte 1974 wieder eine eigene Brauerei.

Und das gute Bier floss in Strömen. Denn an diesem denkwürdigen Vatertag bildete sich eine 400 Meter lange Schlange. Zu kaufen gab es ein Willkommenspaket in Form von zwei Flaschen Bier, einem Bottroper Originalbierglas und zwei Rollmöpsen. Und rucki zucki war alles ausverkauft. Gebraut werden auf einer 10 hl Tonson Anlage aus China zwei verschiedene Bierstile. Und zwar ein mega süffiges Helles mit 175 kg Schüttung. Ausgeschlagen wird mit 12,1 % Stammwürze, gehopft mit Perle. Das Bottroper Wasser hat eine Härte von 12,5 °dH.

Das Dunkle wird mit einer Schüttung von 200 Kg eingemaischt. Arthur verwendet hierfür von der Mälzerei Weyermann Pilsner-, Cara- und Cara Spezial. Das bringt dann locker 13,1 % Stammwürze. Ein Hammer Bier. Ausgezeichnet wurde das Bottroper Bier ja nicht ohne Grund, denn das Genuss Magazin Falstaff  hat die Bottroper Brauerei vor nicht mal einer Woche zur beliebtesten Kleinbrauerei Nordrhein-Westfalens gekürt.  Chapeau Jungs, ihr habt es verdient! Das Geheimnis liegt wohl in den langen sechs Wochen Lagerzeiten und den kalten Gär- und Lagertemperaturen. Beides ist Arthur extrem wichtig. Auch wenn die Kunden noch so Schlange stehen: Wenn der Zaubertrank aus ist, ist er aus. Basta. Abgefüllt wird erst, wenn das Bier fertig ist. Keine Kompromisse. Und das schmeckt man abends beim Trinken und morgens beim Aufstehen. Klasse!  Vergoren wird mit der Trockenhefe Fermentis – astrein…

Im Ausschankraum stehen gleich zwei Ausschanktanks. Einer davon mit sauberen 10 hl Inhalt, so dass der der gute nie Bierdurst auch immer gestillt werden möge. Der „Taproom“ hat allerdings nur geöffnet, wenn auch Bier da ist. Und da ist momentan der Engpass. Die Nachfrage übersteigt deutlich das Angebot. Und so vergnügt Arthur als leidenschaftlicher Biersommelier dann ab und an seine Bierjünger mit seinen legendären Biertastings (Anmerkung vom Autor: Ein absolutes Muss für jeden Bierinteressierten). Der Kiosk hat, wenn Bier verfügbar ist, immer samstags ab 12 Uhr geöffnet. Mein Praxistipp: Ruft einfach vor Euerm Besuch sicherheitshalber an, ob der Bottroper Gerstensaft verfügbar ist. Aufgrund der Kapaengpässe sind die Jungs dran, ihre Braustätte vor Ort zur erweitern. Zum Glück haben sie beim Erwerb weiter gedacht und genügend Grund hierfür gleich mit erworben. Zum Glück, denn an Cenosillicaphobie zu leiden, macht auf Dauer keinen Spass.

Das Abfüllen läuft noch ziemlich crafty, alles mit der Hand unterm Arm. Die Waschmaschine macht sagenumworbene acht Flaschen in drei Minuten, der Füller vierzig Kisten pro Stunde und die Etikettierung 900 Flaschen in drei Stunden. Geile Leistungsangaben…

Jedenfalls, der Arhtur hat sein Ding gefunden, er lebt seinen Traum und macht nicht nur sich damit glücklich…

… sondern viele, viele Bierenthusiasten (Anmerkung Autor: Nicht nur Andi und Kessi, sondern viele mehr. S. Bild). Arthur, ein riesiges Danke an Dich und deine Kumpels für den lebendig gewordenen Biertraum in Bottrop.

Mein Fazit: Nicht ganz nach Reinhold Messner, sondern nach Adolf Tegtmeier. Bottroper Bier – Der Saft für´t Leben. Cheers.

Fischers Brauhaus Mössingen – Das kleine Bierparadies am Rande der Schwäbischen Alb

Fischers Brauhaus Mössingen

Warum in die Ferne schweifen, wenn das Glück so nah? Bei der Wahl der Baden-Württembergischen Bierkönigin im Brauhaus Schönbuch in Stuttgart habe ich die drei Fischer Geschwister Tobias, Andrea und Petra von der gleichnamigen Brauerei am Rande der Schwäbischen Alb getroffen und mit ihnen ein Wiedersehen in Mössingen ausgemacht. Gesagt, getan und ab ging´s nach Mössingen zum Brauertreffen. Dazu haben sich mein langjähriger Wegbegleiter im Baden Württembergischen Brauerbund, Seniorchef Heiner Fischer, sein Freund aus der Ulmer Meisterschule Heiner Kunz sowie dessen Sohn Andreas von der Lammbrauerei Untergröningen, Dieter Schmid von der Waldhaus Brauerei und meine treue Brauereibegleiterin Kessi gesellt.

Am Abend wurde das Wiedersehen mit frischem Fischers Spezial hell vom Fass und vielen Leckereien vom Grill gefeiert, sodass wir am Morgen frisch gestärkt unter fachmännischer Leitung von Chefbraumeister Tobias Fischer zur Brauereierkundungstour aufbrechen konnten. Tobi hat ganz in traditioneller Brauerweise eine umfangreiche Wanderschaft hinter sich. Seine Lehre hat er in Herbsthausen, bei Pinkus Müller und in Autenried absolviert. Danach hat er bei der Weissbierbrauerei Unertl seine Brauerkenntnisse vertieft bevor er den Meister in Ulm gemacht hat. Nach acht Jahren als erster Braumeister bei der Schwarzbräu Zusmarshausen ging es wieder in die geliebte Schwäbische Heimat zurück.  Wir haben unsere Führung im wunderschönen Sudhaus gestartet.

Tobi ging auf die Geschichte  seines wunderschönen Sudhausgebäudes ein. Dieses schaut auf eine fast 300 jährige Brautradition zurück. In den schwierigen Kriegsjahren 1938 entschied sich sein Großvater Heiner Fischer Senior, der aus einer Brauerfamilie aus Kirchheim im Ries entstammt, das damals seit fast zwanzig Jahren stillgelegte Brauereilein wieder zum Leben zu erwecken. Und das mit Erfolg durch viel Schweiss, Fleiss und mutiges Unternehmertum. Das heutige Sudhaus von Schulz mit 68 hl Ausschlagmenge lässt  auch nach 30 jähriger Brautätigkeit das historische Gewölbe im vollen Glanz erstrahlen.

Nach dem viel zu frühen Tod von Heiner sen. übernahm sein Sohn Heiner Junior 1960 als jüngster Braumeister Deutschlands die Verantwortung und baute seine Brauerei zu einer der modernsten Kleinbrauereien in Deutschland aus. Seit 2020 ist nun sein Sohn Tobias verantwortlich für den Brauprozess und somit für die bemerkenswert guten Bierqualitäten. Coronabedingt liegt der Ausstoß momentan etwas unter 10.000 hl p.a., in den nächsten Jahren ist eine Verdopplung des Bierausstoßes geplant. Mit Tobias und seiner Schwester Andrea, die das Hotel und den Braumarkt an der Brauerei verantwortet, wurde auch eine Markenneuausrichtung umgesetzt. Mit einer tollen Etikettenlinie und neuen, zeitgemässen Bierspezialitäten steht dem Wachstum nichts im Wege.

Gebraut wird mit Bodenseewasser, gehopft mit Hopfen aus Tettnang. Hier verwendet Tobi bei den Standardsorten Tettnanger Tettnanger. Bei den Craftbieren Diamant, Rubin und Saphir in der 0,33l Bügelflasche die Sorten Callista, Saphir und Eureka. Tobis neueste Kreation ist sein Brau Bär in der Euroflasche. Die Bernsteinfarbe hat er mit Karamellmalz hingezaubert. Lecker, lecker…

Dann ging es ein Stockwerk tiefer in die alten, stillgelegten Lagerkeller…

… wo wir einen Blick in den Eiswasserspeicher erhaschen konnten. Mit dem Eiswasser wird die heiße Würze im Würzekühler auf Anstelltemperatur von 8°C abgekühlt.

Dann ging es in den Gärkeller, wo uns der Fischer´sche Schnabeltank begrüßte. Im Schnabeltank lässt Tobi seine obergärigen Weizenbierspezialitäten vergären.

Der Vorteil gegenüber geschlossenen Gärtanks ist der, dass der Hopfentrieb abgenommen werden kann und dadurch die Biere einen weicheren Trunk bekommen. Handarbeit zahlt sich eben manchmal doch aus. That´s real craft…

Die untergärigen Leckereien werden in den klassisch geschlossenen Gärtanks vergoren. Hierbei wird im Hause Fischer besonders darauf geachtet, dass zum Einen der Durchmesser der Tanks zur Höhe die 1 zu 3 nicht überschreitet. Hierdurch haben die Hefen weniger Stress durch einen hohen hydrostatischen Druck und bilden dadurch weniger höhere Alkohole und Gärungsnebenprodukte. Zum Anderen werden die Biere nicht wärmer als 10 °C vergoren. Der selbstlose Selbstversuch hat bewiesen: Genuss ohne Reue…

Auch der Lagerkeller wurde qualitativ auf höchstem Niveau von der Firma Gross umgesetzt…

… und unterstützt wird Tobi durch das Prozessleitsystem ProLeiT. Das gibt ihm totale Effizienz, Transparenz und Überwachung, notfalls auch vom Rechner zu Hause. In Brauereien dieser Größenordnung habe ich dieses beachtliche technische Niveau noch nirgends angetroffen…

Der Gär-, Lagerkeller und die Filtration wird über dieses Panel zusammengeführt. Alles an einem Platz, blitzeblank und neuester Stand der Technik.

Der Tobi steht voll auf seinen Kieselgur-Kombifilter. Ein altbewährtes, höchst zuverlässiges Filtersystem. Hier werden die zu filtrierenden Biere zuerst mit Kieselgur vorgeklärt und anschließend mit den Schichtenfiltern glanzfein hübsch gemacht.

Die Füllerei ist ebenfalls auf dem neuesten Stand. Hier werden neben den Heinerle Bieren in der 0,33l Bügelflasche die Vichy 0,33l Flasche, die Euroflasche 0,33l und 0,5l  sowie die 0,5l NRW Flasche abgefüllt. Mehr geht nicht.

Vor drei Jahren wurde ein komplett neuer Anbau an das bestehende Hotel realisiert. Die Zimmer sind super modern, stylisch und zeitgemäss auf Bier getrimmt. Hier spürt man die Leidenschaft von Andrea für ihr Metier. Nach einer Besichtigungstour und dem Besuch der verpachteten Brauereigaststätte lässt es sich traumhaft dort schlafen.

Tobias´ zweite Schwester Petra ist Chefin der Hausbrauerei Neckarmüllerei in Tübingen. Wunderschön am Ufer des Neckars gelegen ein Muss für alle Bierfreunde.

Mein Fazit: Ein Prost auf die Fischers. Vielen Dank für die tolle Gastfreundschaft.

 

 

Lamm-Bräu Untergröningen – Zur Bierappel auf die Ostalb

Lamm-Bräu Untergröningen

Habe von meiner Lieblingscraftbierwirtin Barbara vom Maulwurf in Stuttgart Vaihingen den Tipp bekommen, die Familie Kunz und ihre Lamm-Bräu in Untergröningen zu besuchen. Mit diesen arbeitet sie schon seit vielen Jahren hinsichtlich Aktionsbieren zusammen. Untergröningen liegt mit seinen 1.289 Einwohnern ganz grob nördlich zwischen Schwäbisch Gmünd und Aalen auf der Ostalb.

Getroffen habe ich mich mit dem Inhaber und Braumeister Andi Kunz , der die 1830 gegründete Familienbrauerei in 6. Generation führt, im neuen Sudhaus. Das Sudhaus hat der Andi richtig klasse gemacht…

… denn der Plan des Seniorchefs im Hause Kunz war, das alte Sudhaus in den bestehenden Räumlichkeiten durch ein neues zu ersetzen. Am Ende hat sich dann doch der Andi mit seiner am Stammtisch geborenen Idee durchgesetzt, das neue Prunkstück in einem neuen, vorgesetzten Zweckbau zu installieren. Sein Kumpel, der Schreiner, und sein gutes Bier haben ihn dazu inspiriert.

Da hab ich richtig was dazu gelernt. Falls ich mal  ein neues Sudhaus bauen sollte, werde ich ebenfalls bei einem guten Bier mit meinem Schreiner über diesen Konzeptansatz sprechen. Andi hat seine Lehre beim Biobier-Pionier Neumarkter Lammsbräu gemacht. Der Kontakt kam damals über den legendären Karl Friedrich Kretschmer, Brauereitechniker, Erfinder des Friabilimeters und Buchautor. Aus seiner Feder stammen unter anderem die Werke „Fibel der Bierschädlinge“ und „Wissenswertes über alte Brauweisen“. Nach der Lehre ging es über die ehemalige Ziegelhofbrauerei in der Schweiz, die Lasser Brauerei in Lörrach und Fischer´s Brauhaus Mössingen noch zwei Monate ins Labor der Dinkelacker Brauerei Stuttgart. Weiterbildung gab es noch für ein Jahr zum Braumeister bei Doemens und zum Betriebswirt.

Gebraut werden auf dem 30 hl Braukonsudwerk, das erst 2019 in Betrieb ging, zehn verschiede all year round und fünf saisonale Bierspezialitäten. Das Export ist mit 40% ausstoßstärkste Sorte. Das sagenumworbene Bier-Appel hat es mir allerdings besonders angetan. Ein super süffiges, extrem zum Weitertrinken anregendes, untergäriges Unfiltriertes.  Der Sage nach ist die Bierappel ein Schlossgeist, die vor langer Zeit, spät in der Nacht, eine Magd beim Bierzapfen im Schlosskeller erschreckte, die ihren Herrschaften heimlich an die Biervorräte gehen wollte. Als die Magd den Spunden aus einem Fass zog, um ihren Krug zu füllen, wurde sie von der Bierappel überrascht. Vor lauter Schreck ließ die Magd den Spunden in ihren Bierkrug fallen und steckte ihren Finger in das Loch, um Schlimmeres zu verhindern. Daraufhin spottete die Bierappel: „Oho muss i do lacha, dr Zapfa en dr Kachel ond dr Fenger em Loch!“ Genial!

Die 4000 hl Verkaufsbier im Jahr bei 60% Fassbieranteil (vor 2020) werden mit dem 16° dH Wasser aus dem eigenen Brunnen gebraut. Wegen des etwas härteren Wassers verwendet Andi im neuen Sudhaus eine biologische Säuerungsanlage. Der Gärkeller verbirgt eine ganz besondere Rarität. Kunz Senior war einer der ersten Brauer in Süddeutschland, der 1976 das Vergären im geschlossenen, stehenden ZKG (Zylindrokonischer Gärtank) praktiziert hat. Zur damaligen Zeit ein absolutes Novum und extrem innovativ. Denn damals wurde üblicherweise in offenen Bottichen kalt bei 8°C vergoren. Bei dem heute in fast jeder Brauerei angewandten Eintankverfahren werden die Würzen bei 13 °C unter Druck vergoren.

Die Tanks stammen aus dem Hause Gross aus Radolfzell, das heute zur Firma Kieselmann gehört. Andi hat mir sogar verraten, warum sein nur im Sommer erhältliches Hefeweizen so lecker ist. Die Rezeptur seines Zeiselweizens ist unter Mithilfe seiner Freunde aus der Weissbierbrauerei Gutmann und der Brauerei Sonne Bischberg entstanden. Gelagert werden die Biere um die null Grad, ebenfalls stehend…

Nach dem Lagerkeller sind wir noch auf einen Sprung ins stillgelegte Jakob Carl Sudhaus Baujahr 1952. Wunderschön mit den original grünen Sudhausfliesen. Der Seniorchef möchte dort ein Biermuseum installieren. Da freu ich mich schon drauf…

Vorbei ging es an der hauseigenen Brennerei, bei der leider Gottes momentan aus altem Fassbier edler Bierbrand gezaubert wird,…

… direkt in die Brauereigaststätte zur Bierverkostung. Die Kunzens führen  nicht nur diese selber, sondern auch die zwei brauereieigenen Gastros „Hinz und Kunz“ in Schwäbisch Gmünd und in Abtsgmünd. Die Bierverkostung mit Andi und seinem Vater war ein bieriges Highlight. Ich werde mit Sicherheit baldmöglichst mit meiner Gattin wiederkommen und mir dann neben den köstlichen Bierspezialitäten ein leckeres Abendmahl und ein schönes Zimmer im Brauereigasthof gönnen.

Mein Fazit: Lamm-Bräu Untergröningen – sagenhaft!

Der Bräunlinger Bierpfad

Habe mit meinem Sohnemann Luki und meinem Bierbruder Olly was für die Gesundheit getan. Und wo geht das am besten? Natürlich an der frischen Luft. Und zwar dort, wo sie mit am gesündesten ist: Am Rande des wunderschönen Schwarzwaldes, im beschaulichen Bräunlingen. Denn dort gibt es nicht nur gesundes Bier aus der mir lieb gewonnenen Bräunlinger Löwenbrauerei, sondern auch einen lehrreichen Bierpfad dazu.

Braumeister André hat uns herzlich empfangen und am Startpunkt des Pfades, gleich neben der Brauerei gelegen, mit einigen Fläschchen leckerem Gerstensaft ausgestattet.

Nach intensiver Erklärung der Route, damit wir auch nicht auf falschen Pfaden wandern, ging es los auf die 6,5 km lange Bierrunde.

Immer gut gekennzeichnet, damit sich der durstige Wandersmann*innen auch nicht verlaufen mag…

Und zum Lernen gibt es dabei auch jede Menge. Zum Beispiel an der ersten Station über den herzoglichen Kanzler Leonhard von Eck, der das am 23. April 1516 durch Herzog Wilhelm IV. von Bayern erlassene Deutsche Reinheitsgebot niedergeschrieben hat. Danach darf zum Brauen bekanntermaßen nur Hopfen, Malz und Wasser verwendet werden.

Wir haben auch einiges über genau diese Zutaten an verschiedenen Stationen auf dem Lehrpfad erfahren dürfen. Spannend wurde es, als es um mein persönliches Lieblingsthema Biergeschichte ging…

Und um physikalische Maßeinheiten…

Mein Fazit: Raus an die frische Luft. In Bräunlingen schmeckt die besonders frisch. Cheers.

Über die Suche nach dem heiligen Gral des Bieres

Heute gibt es einen ganz persönlichen Podcast über…

…mich. Und zwar über:

Meine Suche nach dem heiligen Gral des Bieres

Der Macher des Gründerleben Podcasts Mathias Hackenbracht hat mich überreden können, einen ganz persönlichen Podcast über mich und mit mir zu machen. Macht Euch ein schönes Bier auf und hört rein!

Mein Fazit: Gründerleben macht Spass. Dir weiterhin viel Erfolg lieber Mathias.

 

Brauerei Holzhausen – Daniel Düsentrieb und sein Oloid

Brauerei Holzhausen

Nach viel zu langer Coronapause sind Olly und ich endlich mal wieder auf Brauerei- Entdeckungsreise gefahren. Nach dieser Zwangspause habe ich uns einen besonderen bierigen Leckerbissen rausgesucht. Und zwar die sagenumworbene Oloidbrauerei des Markus Langer in Holzhausen-Igling. Igling liegt knapp neben Buchloe, Buchloe ganz grob unterhalb von Augsburg…

Markus hat uns ganz in Braumeistermanier super herzlich empfangen. Markus, seines Zeichens Dipl. Braumeister Weihenstephan hat zur selben Zeit wie ich sein Studium in Weihenstephan absolviert. Und so haben wir erstmal ausgiebig über mehr oder weniger uns beiden bekannte Persönlichkeiten, Bekannte und Freunde des Brauwesens gelästert und gelacht…

Markus hat seine Brauerlehre im Kloster Ettal gemacht. Dann ging es zum Bund als Fallschirmspringer nach Nagold, bevor er als junger Dipl. Braumeister für vier lange Jahre bei Berg in Ehingen anheuerte. Viel über die Weizenherstellung gelernt hat er unter dem sagenumwobenen Braumeister Mandi Mühlbauer vom Hofbräuhaus Freising. Sein betriebswirtschaftliches Knowhow hat sich Markus in Pforzheim beim Aufbaustudium zum Dipl. Wirtschaftsingenieur angeeignet. Bevor er 2013 dann die Brauerei Holzhausen angepachtet hat, hat er viele Projekte freiberuflich für Markus Lohner´s Braukon übernommen.

Los ging es im Sudhaus. Das Besondere an der Brauerei ist, dass sie ohne den Einsatz einer Pumpe auskommt. Dementsprechend maischt Markus am obersten Punkt der Brauerei im Maischbottich ein. Nach dem Maischen geht es  in den Läuterbottich (auf dem Bild vorne) und danach in die daruntergelegene Pfanne. Läuterbottich und Pfanne sind ein Kombigerät. Das alles läuft mit Hilfe der Schwerkraft. Die Läuterbottichpfanne hat er von Brewdog Aberdeen Sonntag morgens über Facebook ersteigert. „That´s pretty cool man“.

Markus verzichtet ganz bewusst auf den Einsatz von Pumpen, um seinem Bier die Pein der Scherkräfte zu ersparen. Für ihn sind Scherkräfte für sein Bier wie Folter für Bierhexen im Mittelalter. Markus hat einige Patente angemeldet. Eines davon ist der Vormaischer, bei dem das Wasser aus der Mitte strömt und einen rotierenden Wasserteller erzeugt. Auf diesen Wasserteller fällt das Schrot und vermischt sich sofort staub- und klumpenfrei mit dem Wasser. Durch die extrem gut gebundenen Schwebstoffe erspart man sich im Läuterbottich beim Abläutern den Tiefschnitt und erhält so extrem blanke Würzen. Mit dem angenehmen Nebeneffekt, dass sich die Standzeiten bei der späteren Bierfiltration deutlich erhöhen… WOW!

Dann hat uns Markus sein auf der Welt wohl einmaliges top secret gezeigt. Sein Oloid in der Maischepfanne. Der Oloid ersetzt das klassische Rührwerk und zeichnet sich zum Einen dadurch aus, dass er einer der wenigen Körper ist, der über seine gesamte Oberfläche abrollen kann. Zum Anderen, dass er eine Grundströmung erzeugt, die schräg auf die Maischbottich-Edelstahlinnenseite trifft und eine Drehung der guten Maische bewirkt. Die perfekte scherkraftfreie Durchmischung. Erfunden hat den Oloid übrigens der Maschinenbauer Paul Schatz 1929, der als Plausibilitätsnachweis für die von ihm begründete Inversionskinematik gilt. Da war der Olly nicht mehr zu halten und hat ganz frech in den Maischebottich gelugt…

Der Oloid hat neben seiner sehr intensiven scherkraftfreien Durchmischung der Maische auch noch den Vorteil, dass er sage und schreibe bis zu 25 Prozent weniger Energie als ein klassisches Rührwerk benötigt. Und zu reinigen ist er ebenfalls sehr leicht, da keine toten Ecken am Corpus Delicti zu finden sind…

Leider ist Stand heute der praktische Einsatz des Oloiden nach oben hin auf 60 hl Maische begrenzt. Sonst hätte ich für meine Brauerei zu Hause gleich einen bei Markus geordert und wäre somit stolzer Besitzer des zweiten in einer Brauerei eingesetzten Oloids. Vom Whirlpool geht es mit 0,85 bar Sterilluftdruck scherkraftfrei über den Plattenkühler..

…in den Gärkeller. Dort wird die Würze ganz klassisch untergärig bei maximal 10°C und obergärig bei maximal 23°C vergoren…

… bevor das Jungbier im Lagerkeller in den langen, tiefen Winterschlaf fällt.

Markus hat seine neue scherkraftfreie Brauerei 2018 im ehemaligen Flaschenkellergebäude der Brauerei in Betrieb genommen. Die neue Brauerei dient hauptsächlich dem Zweck, dass Markus seinen Forschungsarbeiten in scherkraftfreier Bierherstellung nachkommen kann. Mittlerweile so erfolgreich, dass er als Nebenerwerbsbraumeister respektable 800 hl feinste Biere im Jahr verkauft. Und das wundert nicht, denn seine bemerkenswert milden, runden Biere zeichnen sich nicht nur durch einen extrem stabilen, feinporigen Schaum aus, sondern auch durch seine wunderbar sämige Perlage.  Soooo lecker!!

Vorher hat Markus in der alten Brauerei gebraut. Unter Mithilfe des Sudhauses Baujahr 1951 mit 22,5 hl Ausschlagmenge und vieler, vieler Transmissionsriemen.

Unter dem Dach ist noch eines der letzten intakten Kühlschiffe, neben dem in der Brauerei Drei Kronen in Memmelsdorf,  in Deutschland zu finden.

Mein Fazit: Holzhauser Landbier – so unglaublich schön kann Bier sein. Der Schaum, ein Traum.

Ich wünsche Euch ein gesundes bieriges 2021 – Jahresrückblick 2020

Puhhh was für ein Jahr…. Der C-Virus hat uns alle schwer zu schaffen gemacht. Besonders hart getroffen hat es die kleineren, regionalen Brauereien mit einem hohen Fassbieranteil, viele Gastronomen und unsere Freunde aus dem Craftbeer-Bereich. Gerade auch aus diesem Grunde habe ich trotz aller Schwierigkeiten versucht, den einen und anderen Kollegen zu besuchen, um uns gemeinsam die Freude an dem wohl mit schönsten Beruf der Welt, dem des Brauern, nicht zu verlieren. Ich nehme Euch jetzt mit zu ein paar Stationen meiner Bierreisen 2020. Los ging es in Südafrika mit der Stellenbrau und ihrem unglaublich leckeren Rooibosbier. Mit den dafür extra angefertigten überdimensionierten Teesieben…

Nach diversen bierigen Destinations im südlichsten Land des afrikanischen Kontinents ging es ins Elsass zur Brasserie Sainte Cru zum Collabbrewing. Das Brauen mit Cheffe Vivien hat riesig Spass gemacht. Leider hat uns hier das C-Virus den Ausschank unseres Gemeinschaftssudes in Böblingen unmöglich gemacht…

Auf dem Rückweg haben wir Strassbourg mit dem wunderschönen Brauhaus der Brasserie Meteor und deren Biere genossen…

…bevor wir später meinen geschätzten Kollegen Dr. Markus Fohr und seine Lahnsteiner Brauerei besucht haben, um uns an seinem legendären Grutbier zu laben…

Im Sommer haben wir auf unserer Deutschlandtour Weihenstephaner Studienkollegen, etliche  Keller in Bamberg und Bierpaläste in Dresden besucht, bevor wir im hohen Norden bei der Lille Brauerei gestrandet sind…

Dann noch einen Abstecher in eines der schönsten Sudhäuser Deutschlands bei der Einbecker-Tochter Härke,

…bevor das Bierjahr nach erfolgreicher Meisterung des Bräunlinger Bierpfades mit dem Bräunlinger Löwenbräu Braumeister Andre endet.

To be continued… Danke für Eure Treue und Eure tollen Feedbacks. Bleibt gesund!!!

 

 

 

Podcast No. 1 – Die Premiere

Werners Bierblog Podcast 

Frohe Weihnachten, liebe Bierblog – Leser*innen! Zum Fest habe ich mir in diesem Jahr etwas ganz Besonderes überlegt: Die Weltpremiere von Werners Bierblog Podcast! Mir hat die Aufnahme voll Spaß gemacht und ich hoffe, Euch macht das Hören genauso viel Spaß. Ich freue mich über Euer Feedback. Genießt die Feiertage und bleibt gesund! Und vergesst das Anstoßen mit einem guten Bier nicht.

Mein treuer Brauerei- und Bierbegleiter Olly hat mir nicht nur 2013 den Anstoß gegeben, über meine vielen Brauereibesuche einen Blog zu machen, sondern vor ein paar Wochen dann auch noch mit ihm einen Podcast auf den Bierweg zu bringen. Einen was? Podcast? What the hell…??? Auf Nachfragen bei meiner Tochter und Social-Media-Spezialistin Nina, was denn ein Podcast sei, meinte Sie nur: „Papa, Podcasts sind voll Mainstream, das machen sogar mittlerweile Merkel und Kretschmann…“. Naja, also genau das richtige Hipster-Ding für mein Alter. Zum Glück ist Olly ein alter Hase im Medien Business und hat uns gleich die richtige Technik zum Podcasten in mein Kanada Tonstudio gebracht,…

…und direkt losgelegt. Übrigens ist er mit seiner eigenen Biermarke Kraftbierwerkstatt auch schon seit 2014 am Start und teilt mit mir seine Liebe zum Bier.

Nach unserem ersten Versuch, der uns trotz vielen Bieren und entsprechendem Enthusiasmus nach mehrmaligem Anhören nicht ganz veröffentlichungsfähig erschien, haben wir uns mit einem neuen Storyboard und personeller Verstärkung nochmals ans Vertonen gewagt. Mit meinem Sohnemann Luki an Bord, der gerade das Studium zum Diplom-Braumeister in Weihenstephan macht und durch sein legendäres kaltgehopftes Lagerbier Lucky Experience regionalen Ruhm erlangte, wagten wir den zweiten Anlauf…

In unserem Podcast greifen wir auf die Brauereibesuche aus meinem Bierblog zurück und vertiefen verschiedentliche Themen aus vielen Bereichen rund um unser Lieblingsthema Bier. Bei unserem Jungfernpodcast haben wir uns für meinen Besuch bei der Lille Brauerei in Kiel entschieden. Hierbei hat uns Olly inhaltlich durch den Podcast geführt und Luki durch sein technisches Fachwissen ergänzt.

Die Musik zu unserem Podcast hat uns Axel zur Verfügung gestellt. Super geniale Mucke. Unser Ziel ist es, in aller Regelmäßigkeit mit viel Spass und verschiedenen interessanten Biermenschen hinters Mikro zu sitzen und für Euch viele Dinge über Brauereien und das Bier zu vertonen. Wir freuen uns sehr auf Euer Feedback und Eure Anregungen, doch jetzt hört aber erstmal rein:  Werners Bierblog Podcast.

Viel Spass.

Unser Fazit: Bierlein, Bierlein an der Wand, wer hat den schönsten Bierpodcast im Land? 1000 Dank an Olly, Axel und Luki für Euren Support.

Härke – Eines der wohl schönsten Sudhäuser der Welt

Härke

Auf meiner Suche nach dem Shangri-La der Brauereien hat es mich nach Niedersachsen ins rund 50.000 Einwohner Städtchen Peine verschlagen. Bei meinem Besuch des Einbecker Brauhauses hatte ich von dem wunderschönen, sagenumworbenen Sudhaus der Brauerei Härke gehört. Aufgrund genau dieses Sudhauses wurde Härke  2013 mit stattlichen 70.000 hl vom Einbecker Brauhaus geschluckt. Dazu später mehr. Alles begann 1890 als Ernst Härke die damalige Raul`sche Brauerei am Standort des heutigen Härke Brauereiausschanks erwarb. Die heutigen denkmalgeschützten Gebäude der Brauerei…

…wurden zwischen 1927 und 1935 nach den Plänen von Architekt Anton von Norden erbaut. Der damalige Zeitzeuge Alfred Striemer meinte schon, dass es sich um „eines der schönsten Brauereigebäude, die es im Lande gibt“ handelt. „Ein Hochbau, in roten und schwarzen Klinkern, von prachtvoller architektonischer Wirkung“. Auf der einen Seite wunderschön anzusehen und mit Sicherheit ein einzigartiges Industriedenkmal. Auf der anderen Seite eine große Bürde aufgrund der begrenzten Nutzungsmöglichkeiten für den neuen Eigentümer. Die Nachwelt wird sich jedoch freuen, dass auf diesem brauhistorischen Stückchen Erde nicht der gefühlt hundertmillionste austauschbare Konsumtempel gebaut wurde. Auch das gusseiserne Brauereitor zum Bierglück bleibt hoffentlich für die nächsten Generationen erhalten…

In der ehemaligen Bierstadt Peine ging es urkundlich belegt 1356 mit dem Brauen los. 1798 gründete die Familie Düvel die Vorläuferin der heutige Härke Brauerei und bewirtschaftete diese bis 1832. Von 1832 bis 1890 braute die Familie Raul. Von 1890 bis 2013 die Familie Härke mit den letzten Geschäftsführern der Familie, Mathias und Martin Härke. Erst 1907 wurde übrigens von Raulscher Brauerei auf Brauerei Härke umfirmiert. Laut Biersteueraufzeichnungen aus dem Jahre 1875/76 weiß man, dass zu dieser Zeit vier Brauereien in Peine gebraut haben. Empfangen hat uns die Cousine meiner Frau, die liebe Nicky, die verantwortlich für die Brauereiführungen ist.

Nach einer sehr interessanten Einführung durch die Geschichte der Brauerei hat sie uns direkt ins Herz der Begierde geführt…

2008 haben die Gebrüder Härke die Modernisierung ihres Sudhauses in Angriff genommen. Mit dem Ziel, eines der schönsten Sudhäuser in Deutschland zu realisieren…

…was ihnen auch tatsächlich gelungen ist. In mehr als 800 Stunden wurden die alten Kupferhauben händisch aufpoliert. Noch heute ist es keinem Besucher erlaubt, ohne Stoffhandschuhe die Bierkathedrale zu betreten. Pfannentätscheln wird mit sofortigen Handabhacken vor Ort bestraft…

1890 brauten die Härkes nach dem Erwerb 3.000 hl im Jahr. Nach dem 1. Weltkrieg waren es schon 10.000 hl, zum 100 jährigen Jubiläum 1990 sagenhafte 160.000 hl. Dieser Jahresausstoß entspricht der Wegstrecke von Peine nach Kairo, wenn man sich die Mühe macht, diese Menge in 0,33 l Flaschen abzufüllen und aneinander zu reihen. Das Innenleben der ehrwürdigen Gefäße wurde mit modernster Technik ausgestattet..

Leider hat die Sudhausmodernisierung und die damit nicht planbaren, überhöhten Kosten, neben Absatzproblemen die Brauerei in die Insolvenz getrieben. Manchmal ist das Brauerleben wirklich mehr als traurig und tragisch. Neben unendlichem Leid für die Eigentümerfamilie hat dieses Unglück auch eine andere Seite. Denn was gibt es Erfüllenderes,  als in diesen so schönen, energiereichen Räumlichkeiten sein eigenes Feng Shui zu finden…

Bei der Brauereiübernahme 1890 braute die Familie Härke nur dunkles, trübes Bier Wiener Brauart. Zu dieser Zeit wurde die Sudpfanne direkt mit Holz befeuert, bevor diese durch eine gusseiserne Doppelpfanne mit indirekter Dampf- oder Heißwasserbeheizung abgelöst wurde.  Kupfer löste das Gusseisen später wegen der höheren Leitfähigkeit ab. In der Zeit kurz vor dem 1. Weltkrieg wurden aufgrund der Nachfrage nach hellen, blanken Bieren ein Export Dortmunder Typs und Pils gebraut, welche aufgrund der Filtration haltbarer waren und sich dadurch auch für weitere Vertriebswege eigneten. Während der britischen Besatzungszeit nach dem 2. Weltkrieg gab es aufgrund der Wünsche der Engländer sogar ein untergäriges Porter (heute klassisch obergärig), das nach dem Krieg kurzerhand in einen Doppelbock verwandelt wurde. Die Kupfergefäße des heutigen Sudhauses wurden ursprünglich 1962 vom damals größten Sudhaushersteller der Welt eingebracht…

Die Geschichte der Weigelwerke Neisse-Neuland ist eine ganz interessante. 1830 wurde eine kleine Kupferschmiede von Ferdinand Weigel in Grottkau gegründet. Der erste Sudhausauftrag kam 1886 von Josef Milde aus Friedland in Oberschlesien. Die Qualität sprach sich in Windeseile herum. Diese und zahllose Patente vom Dampfkessel 1880  über den 1892 eingetragenen „Maisch- und Läuterbottich mit herausnehmbaren Senk- oder Läuterboden in Schalenform“ bis zum 1901 beschriebenen Hopfenseiher – Montejus waren Meilensteine für den späteren Erfolg. Die Sudhäuser mit den Maischefiltern fanden in unzähligen Brauereien in Europa Einzug. 2002 wurde das Werk ZUP Nysa in Polen geschlossen. Aus dem volkseigenen Betrieb Nordhausen wurde 1990 der Apparatebau Nordhausen GmbH, der heute Komplettsudhäuser von 10 hl bis 650 hl Ausschlagmenge baut. Die Schaltzentrale wurde futuristisch in den historisch modernen Gesamtkontext eingebettet. Einmalig schön.

Nach dem wohl einzigartigen Gänsehaut – Erlebnis  ging es in den ehemaligen Schalander zur Verkostung…

Ganz klar mein Favorit, das Härke…

Die Biere sind durch die Bank weg 1 A, super lecker und mega bekömmlich, so dass es keines….

… bedarf.

FAZIT: Liebe Nicky, danke, dass du uns den Weg zum Glück möglich gemacht hast.