Hofstettner – Bock auf Granit

Hofstettner

Habe an meinem Bierwellnesswochenende im Bayrischen Wald einen Abstecher zur Hofstettner Brauerei im Nachbarland Österreich gemacht. Die Brauerei liegt wunderschön ca. 25 km nordwestlich von Linz mitten im Mühlviertel.

Nach herzlicher Begrüßung durch meinen Biersommelier-Kollegen und Braumeister Markus Thaller ging es gleich ins alte 40 hl Sudhaus aus dem Jahre 1929. Das Sudhaus ist immer noch in Betrieb. Auf der historischen Brauanlage werden die besonderen Raritäten Granitbock, Heines altes Lager und das original Hochzeitsbier gebraut. Markus ist ein echtes Eigengewächs der Brauerei. Er hat dort seine Brauerlehre gemacht und ist dann für ein Jahr zum Nachbarn, der 25.000 hl großen Stiftbrauerei Schlägl, gewechselt. Danach hat er den Meister bei Doemens gemacht, bevor es für weitere zwei Jahre in die Forschungs- und Entwicklungsabteilung nach Salzburg zur Brauerei Stiegl ging. Seit 2012 ist er verantwortlicher Braumeister in Hofstetten und hat die Brauerei von 6.000 hl auf 9.600 hl mit entwickeln können. Heute sind in der Brauerei 15 Mitarbeiter beschäftigt. Markus braut mit Unterstützung seiner vier Brauer die leckeren Bierspezialitäten.

In Österreich gibt es einen Reinheitsgebots-ähnlichen Lebensmittelcodex für die Bierherstellung. Abweichend sind unter anderem bis zu 25% Rohfrucht an der Schüttung im Sudhaus oder der Einsatz von technischer Milchsäure und Ascorbinsäure (Vitamin C) erlaubt. Für die Hofstettner Kreativbiere dürfen Kürbis und Honig verwendet werden. Dies muss allerdings deutlich auf dem Etikett deklariert werden. Künstliche Aromatisierung ist auch in Österreich ein No Go. Die Vier-Walzen-Schrotmühle der Firma Seeger aus Bad Cannstatt ist immer noch für das Schroten auf dem alten Sudhaus verantwortlich. Und das seit mehr als 100 Jahren.

Die Brauerei wurde 1229 erstmalig urkundlich erwähnt und gilt als die älteste Brauerei Österreichs. Gebraut wurde in der damaligen Zeit in einer alten „Raststätte“ auf dem Salzsträssle Passau – Linz, um die Händler mit gutem Gerstensaft zu stärken. Seit 1849 ist die Brauerei im Besitz der heutigen Eigentümerfamilie Krammer. Heute steht die Herstellung von Spezialbieren im Fokus. Ganz besonders hat mich neben dem Granitbock auch das Heines altes Lager beeindruckt. Hierfür wurde von der Genbank in Linz das Saatgut der ca. einhundert Jahre alte Braugerstensorte Heines Haisa bezogen und von zwei Landwirten in der Nachbarschaft wieder angebaut. Diese sehr kleinen Körner mit einem hohen Spelzenanteil werden extra vermälzt und sind sehr gerbstoffhaltig. Gemaischt wird so wie früher im Dreimaischverfahren. Trotz 90 Minuten Kochzeit hat das Bier eine intensive DMS Note. Einen Geruch, der an Gemüse erinnert und in den heutigen Mainstreambieren eher als verpönt gilt.

Gehopft wird der historische Göttertrank mit der ursprünglich aus England stammenden Hopfensorte Malling. Diese Hopfensorte ist speziell im Mühlviertel dominierend und für Markus in Bio-Reinform angebaut. Das Mühlviertel ist nicht nur das größte österreichische Hopfenanbaugebiet, sondern gehört auch zu den Keimzellen der Biobewegung. Heines altes Lager ist ein echtes Unikat. So könnte Bier vor 100 Jahren geschmeckt haben. Denn originaler, als auf einem fast einhundertjährigen Sudhaus mit original Braugerste aus dieser Zeit zu brauen, geht nicht mehr. Total faszinierend. Die Flaschen werden bei der Stiftbrauerei Schlägl abgefüllt. Das neue Braukon Sudhaus ist seit 2015 in Betrieb. Ausgeschlagen werden hier 20 hl. Für den Einsatz des Naturhopfens hat Markus einen Hopbag in Verwendung. Die neuere Art eines klassischen Hopfenseihers.

Das österreichische Märzen mit 4,7 Vol.% Alkohol ist vom Bierstil her vergleichbar mit dem Bayrisch Hell und hat einen Marktanteil zwischen 70% und 80%. Der österreichische Biermarkt ist wie unsere deutscher extrem preissensibel. 80% der Biere werden im Handel von den Mannen der Spars und Rewes über Aktionen verramscht. Für mich ist genauso schmerzhaft wie unverständlich, dass gerade auch die Jungs von der Brauunion, Stiegl Brauerei und Zipfer das mitmachen. Denn auch ihre Biere sind durchweg qualitativ mehr wert als unterirdische 10€ pro Rahmen. Aus diesem Grund besetzen die Hofstettner mit ihren Bieren die Spezialitätenlücke.  Die neuen Tanks stammen aus dem Hause Rieger und von dem Tankbauer Müller.

Das Brauwasser kommt aus einem eigenen Brunnen und hat 4 ° dH. In Österreich gibt es zwei Mälzereien. Die zur Ireks Malz Gruppe gehörende Stamag und die Plohberger Mälzerei in Grieskirchen. Für das Bio Mühlviertel Bier werden 100% Zutaten aus dem Mühlviertel verwendet. Mein Hofstettner Lieblingsbier ist allerdings der Granitbock mit leckeren 17,8 % Stammwürze, den es auch in der Graniteisbockvariante mit 12 % Alkohol gibt. Die Herstellung der Granitbiere hat mich dann doch bewegt. Die kalte Würze wird in Granitbecken, ehemaligen Sauerkrautbottichen, vergoren….

 

…nachdem sie unter Zugabe von glühenden heißen Granitsteinen karamellisiert wurde. Der älteste dieser Steinbottiche ist übrigens aus dem Jahre 1649! Die Hauptgärung findet zwischen Januar und März in den kalten Kellern statt, im Lagerkeller wird bis September gereift.

Mein Fazit: Von unfiltriertem Kübelbier bis Granitbock. Markus du machst einen mega Job. Ein Prost auf deine Inspiration.

 

Brauhaus Joh. Albrecht Konstanz – Der Hanf der kann´s.

Brauhaus Joh. Albrecht

Habe bei meinem Ausflug zum schwäbischen Meer einen kleinen Abstecher in die wunderschöne Altstadt von Konstanz gemacht. Denn dort ist seit mehr als zwanzig Jahren das Brauhaus Joh. Albrecht am Start.

Das Brauhaus ist im typischen Stil der Gasthausgründerzeit eingerichtet. Das urgemütliche Ambiente regt regelrecht zum Biertrinken an. Weitere Brauhaus-Geschwister findet ihr auch in Hamburg, Soltau, Bielefeld und Düsseldorf.

Der wirkliche Grund meines Besuchs aber war nicht die Verkostung des Klassikers „Kupfer“, ein etwas dunkleres, malziges Untergäriges. Nein, das aktuelle „Craftbeer“ Hanf Bräu hat meine Neugier geweckt. Braumeister Daniel Stolz stammt aus der Brauerdynastie der Brauerei Stolz in Isny und hat mich in die Geheimnisse dieses Göttertranks eingeweiht. Beim Würzekochen gibt er nicht zu knapp dreißig Minuten vor Kochende Hanfblüten in die Sudpfanne. Das sind übrigens die gleichen Zeitgenossen, die beim Hanfblütentee Verwendung finden. Und zur Verstärkung des lieblichen Rosenaromas, die Rose ist mit den Hanfpflanzen artverwandt, wird im Lagerkeller ebenfalls mit den Blüten noch kalt gehopft.

Das Ergebnis ist ein nach betörenden Rosenaromen duftender Zaubertrank, verführerisch  süß im Antrunk und sanft nachhallend im Abtrunk. Das schreit nach MEHR.

Mein Fazit: Der Hanf, der kann´s. Auch ganz ohne THC. Cheers.

Stewart Brewing Edinburgh – Alles Ale oder was?

Stewart

Waren Anfang August zum Weihnachtsgeschenk einlösen mit der Family auf dem Fringefestival in Edinburgh. Das ist das grösste Kulturfestival der Welt und sehr sehenswert. Weil ich immer ganz brav bin, durfte ich mich mit meinem Sohn Lukas mal kurz abseilen. Und so ging es mit dem Taxi zur ca. 25 Minuten entfernten Stewart Brewing nach Loanhead, am Rande von Edinburgh in einem Industriegebiet gelegen.

Dort hat mich der Masterbrewer und Vollblutschotte Craig Scotland sehr herzlich empfangen.  Sein Name ist Programm. Craig hat seinen Master for Brewing and Destilling an der Heriot-Watt University in Edinburgh mit ca. 100 anderen Teilnehmern aus vielen englischsprachigen Ländern dieser Welt erfolgreich abgeschlossen. Voraussetzung hierfür ist ein bestandener Bachelor Abschluss. Die Ausbildung an der Uni dauert ein Jahr. Craig ist sogar am Gärtank in einer lustigen Comiczeichnung verewigt.

Die Brauerei wurde 2004 gegründet und ist eine der wenigen inhabergeführten Brauereien in Schottland. 2013 wurde die jetzige Brauerei an den neuen Standort verlegt. Das Bavarian Brewery Technologies Sudhaus mit 50 hl Ausschlagmenge stammt aus Ungarn.

Gebraut werden 15.000 hl p.a. vollautomatisch. Das Witzige ist, dass sich die Stewartjungs die ganzen Temperaturrasten beim Maischen sparen. Vom Einmaischen bis zum Verzuckern alles bei 65 °C. Nur zum Abmaischen wird ganz klassisch auf      76 °C erhöht. Easy easy.

Das Malz beziehen die Schotten von den englischen Mälzereien Muntons, Simpsons und aus Deutschland von Weyermann. Für eine bessere Vollmundigkeit werden neben dem Gerstenmalz auch gerne Hafer- und Weizenmalz mit eingemaischt. Vergoren wird untergärig bei maximal 13°C mit dem Hefestamm 34/70, obergärig mit der Farmhouse Yeast bei 19°C.

Craigs ganzer Stolz ist seine Hopgun. Hier wird nicht nur mit Hopfen gestopft, sondern auch mit Kaffee. Und das nicht zu knapp beim „not your body Guy“, einem Canadian Breakfast Stout mit 6,8 Vol. % Alk., das vor der Abfüllung noch für sechs Monate ins Holzfass gelegt wird. Die Hauptsorte der Brauerei ist das Jack Back, ein IPA, das wunderbar rough mit Mosaic und Citra bis zu 3-7 g/l Hopfenöl von der hopgun beschossen wird. Great!

Nagelneu in Betrieb ist die Gea Zentrifuge mit einer Leistung von 100 hl pro Stunde. Die wurde vom schottischen Staat wegen ihrer positiven Umweltaspekte subventioniert. Die Jungs hauen in den Lagertank zur Vorklärung  das nicht reinheitsgebotskonforme Filtrationswunderhilfsmittel Biofine Clear und sparen sich so die Filtration……

Dann haben wir noch was bei der Fassabfüllung über Bierfässer in Great Britain gelernt. 50% der Stewartschen Leckereien wandern ins Fass, der Rest in die Flasche und in die Dose. Zur Flaschenabfüllung wird eine mobile Leihflaschenabfüllung geordert, wow. Die klassischen CO2 haltigen Bierstile werden in die Kegs…..

…die CO2 armen Ales in Casks abgefüllt, die reinig- und wiederbefüllbar sind.

Und die ganz besonderen Ales bekommen dann noch chilling time in den oak barrels, smooth.

Seit sechs Jahren betreiben die Stewarts ihre craft beer kitchen. Eine kleine Brauerei in der Brauerei für private labeling. Mittlerweile ein super Business, denn mit 15 Sud pro Woche marschiert das Brauereichen an der Kapazitätsgrenze. Der Gag? Hier werden für  Vereine, Freunde, Firmen and so on eigene, individuelle Biere gebraut. Man kann sein eigenes Rezept je nach Geschmackspräferenzen zusammenstellen.

Nach der Abfüllung in Flaschen werden diese dann noch zur Krönung mit dem eigenen Etikett geschmückt. That´s customer satisfaction.

Mein Fazit: Stewart Brewing – I like it. Thanks Craig!

Brauerei Falken – der Dosenspezialist

Falken

Bin neulich mit meinem Lieblingsbraumeister Gustel in die Schweiz nach Schaffhausen zur Brauerei Falken gedüst, um mich in die Welt der Dosenabfüllung einweihen zu lassen. Die Brauerei hat eine echte spannende Vita in ihrer jüngsten Zeit aufzuweisen. Mit 220 Jahren auf dem Buckel zählt sie zu den traditionsreichsten Brauereien der Schweiz. Seit 70 Jahren ist sie in der Hand der Eigentümerfamilie Moersen und tritt in der Rechtsform einer AG auf.

1895 wurde sie an den heutigen Standort verlegt, da man hier eine ergiebige Wasserquelle gefunden hatte. Wo heute die Züge vorbei rattern, war früher ein idyllischer See. Bis vor ca. 10 Jahren ging es leider immer weiter bergab mit den Ausstoßzahlen und so investierten die Falken 2012 in ein völlig neues Segment: Die Dosenabfüllung. Das war die Initialzündung für eine bemerkenswert erfolgreiche Entwicklung.

In das Reich der Dose hat mich Zdzislaw Koltun eingeführt, seines Zeichens Leiter der Produktion & Technik sowie Mitglied der Geschäftsleitung. Er hat seine Brauerlehre bei der Würzburger Hofbräu absolviert und den Braumeister bei Doemens. Seit acht Jahren ist er nun schon bei den Falken und hat einen großen Anteil an deren erfolgreicher Entwicklung.

Das 220 hl Ziemann Sudhaus mit Außenkocher ist aus dem Jahre 1982. Die alte Schützsteuerung wurde 2000 durch eine neue Steuerung ergänzt. Beide sind noch in Betrieb auf Herzenswunsch des Inhabers, crazy. Es werden 17 Sorten ganzjährig vollautomatisch gebraut, jede für sich. Fakes durch z.B. Zugabe von Farbebier  im Drucktankkeller für die Farb- und Geschmacksdifferenzierung der Biere sind mit Braumeister Koltun nicht zu machen. Das gefällt mir.

Die Hauptsorte mit 80% Anteil ist das in der Schweiz dominierende Lagerbier oder im Volksmund die Stange genannt. Unter dem Young Fashion Markennamen Hülse wird das ICE (auf Deutsch Eis)  im Coronastyle mit 30% Maisanteil eingebraut und nach der Gärung durch den Eski (Tiefkühler) gejagt, bevor es in die trendy Flaschen abgefüllt wird. Dazu gesellen sich noch ein Radler, ein naturtrübes Lager und das Pale Ale mit sportlichen 40 Bittereinheiten.

Der Gärkeller wurde 2017 general modernisiert und mit zusätzlichen Tanks ergänzt. Es wird klassisch vergoren und mit Restextrakt in die Lagertanks zur Nachreifung geschlaucht. Jetzt wisst ihr auch, warum Obergärung Obergärung  heisst… 🙂

Heute sind 55 Mitarbeiter im Dienste der Falken beschäftigt, davon 20 in der Produktion, also in der Herstellung und Abfüllung. Der Gesamtausstoß beträgt 140.000 hl. 40.000 hl werden als Eigenmarke gebraut und abgefüllt. Von den 100.000 hl wird einiges an Bier von Schweizer Brauereien in 250 hl Tankwagen angeliefert, pasteurisiert und in die Dose abgefüllt.

Die Brauerei hat 50 Dosenkunden, die Anlage läuft im Dreischichtbetrieb. Die Dosen werden im 24er Tray verpackt. Von der Bestellung bis zur Auslieferung werden nur 6-8 Wochen benötigt. Bemerkenswert ist, dass trotz fehlenden Dosenpfands die Dosen-Recyclingquote in der Schweiz bei satten 90% liegt. Davon kann unser Mehrwegsystem in D nur träumen….

Der letzte Schritt vor der Verpackung der Dosen ist die Pasteurisation. Für die mikrobiologische Haltbarkeit ist eine Tunnelpasteurisation zwingend notwendig. Mit 25 Pasteureinheiten hat man absolute Sicherheit und kann ohne Bedenken diesbezüglich bis zu 12 Monate Haltbarkeit garantieren.

Mein Fazit: Alles Dose oder was? Zdzislaw, vielen Dank für die spannenden Einblicke in deine Welt.

Klosterbrauerei Scheyern – Helles macht Spass

Klosterbrauerei Scheyern

Bin neulich back-to-the-roots-mäßig nach Freising gedüst, um meinen Sohnemann in Weihenstephan vom Studieren abzuhalten. Außerdem wollte ich mich mit Lukis Prof Herrn Dr. Zarnkow treffen, um mit ihm über die Bierherstellung vor der Industrialisierung zu plaudern. Das Ganze geht natürlich nicht, ohne eine schöne Bauerei anzuschauen. Inspiriert durch das Buch vom Hans Carl Verlag „Bayerns Klöster und ihre Brauereien“, das ich von meiner lieben Frau zum Geburtstag geschenkt bekommen habe, sind wir nach Scheyern gedüst, das eine halbe Fahrstunde nordöstlich von Freising liegt.

 

Das Kloster Scheyern, die dazugehörige Kirche und die Klosterschenke sind echt sehenswert. Noch bemerkenswerter ist die Geschichte der dazugehörigen Brauerei und ihrer Biere. Die Kloster- und Brauereigeschichte reicht bis ins Jahr 1119 zurück und ist dieses Jahr sagenhafte 900 Jahre alt geworden. Somit zählt Scheyern neben der heutigen Staatsbrauerei Weihenstephan zu den ältesten dokumentierten Braustätten der Welt. Nach der Säkularisation 1803 wechselten die Eigentümer wie die Unterhosen. Nach dem 2. Weltkrieg folgte die schwerste Krise für die Brauerei und so wurde sie in der Not für 50 lange Jahre an die Hasenbräu Augsburg verpachtet. Diese wurde dann an die Tucher verscherbelt und somit verlotterte die Klosterbrauerei immer mehr, so dass 1991 der Brauschlüssel rumgedreht wurde. Als der Pachtvertrag 2001 endete, entschlossen sich die tapferen Mönche, die Brauerei wieder wachzuküssen. Eröffnet wurde am Festtag des hl. Benedikt, am 21. März 2006. Heute leben und arbeiten 15 Mönche im Kloster, geleitet wird die Brauerei von Pater Lukas, der die Brauerei top nachhaltig entwickelt.

 

Empfangen hat uns der erst 38 Jahre alte Braumeister Tobias Huber, der seit Wiederinbetriebnahme der Brauerei für die Bierqualitäten verantwortlich ist. Seinen Braumeister hat er bei Doemens gemacht.

Die ersten Jahre hat Tobias die Brauerei alleine gerockt. Geplant war eine Jahresproduktion von 2000 hl p.a., die er im zweiten Jahr schon überschritten hatte. Heute braut er mit einem Brauer und einem Lehrling ca. 7.500 hl im Jahr. Das vollautomatische 20 hl Sudhaus von der ehemaligen Firma Nerb, heute Esau & Huber, ist sehr schön in das alte Brauereigebäude Baujahr 1929 integriert.

Alle Biere werden mit dem Infusionsverfahren gebraut. Das Wasser stammt vom klostereigenen Brunnen und wird von 18 ° dH auf brautaugliche 3° dH durch Umkehrosmose enthärtet. Das meist Gebraute in Scheyern ist das Klosterbier Hell. Das liegt wohl an der geografischen Lage und daran, dass es das Lieblingsbier vom Braumeister Tobias ist. Hier seht ihr das alte Sudhaus des Klosters im Vergleich….

Neben dem klassischen Hellen und weiteren ober- und untergärigen Leckereien hat sich Tobias noch craftige Saisonbiere überlegt. Los gehts mit dem Frühlingsrauschen, ein Frühlings Ale mit Polaris feingehopft. Im Sommer gibt es die Sommerfrische, ein Schank-Ale mit easy 4,2 % Umdrehungen. Vergoren und gelagert wird im Eintankverfahren. Bei den Untergärigen geht es bei der Hauptgärung nicht über 10°C, gelagert wird mindestens zwei Wochen bei -1°C.

Auch hier hab ich für euch ein Vergleichsfoto neu vs. alt……

Im Herbst gibt es das super leckere Grünhopfen Pils Herbstwind. Hier würzt Tobias mit Opal, Hersbrucker und Hallertauer Tradition. Last but not least gibt es im Winter im Scheyernland einen hellen Weizenbock namens Winternacht. Klasse ist die Hefepropagation oder Hefereinzuchtanlage. Da freuen sich die Hefen vom Tobias…

Filtriert wird old school und doch sehr zeitgeistig mit dem Kieselgur Rahmenfilter. Tobias verzichtet ganz bewusst auf die Zugabe von PVPP und Eiweissstabilisierung. Ist auch nicht nötig, denn das leckere Gebräu gibt es nur im Umkreis von 20 km um das Kloster. Und das immer frisch, denn das Mindesthaltbarkeitsdatum mit 3 Monaten ist ein echtes Frischeversprechen.

Nebenbei wird in der Brauerei auch noch kräftig gebrannt. Hier wird “ alles gebrannt was kommt“. Das ist den großen Obstgärten des Klosters geschuldet. Von Mirabelle und Co bis zum Bierbrand aus dunklem Doppelbock. Lecker, lecker….

Auf der selbst gebastelten Versuchsbrauerei mit 40 Litern experimentiert Tobias gerade unter anderem mit Honig….

Und dann ging es noch zünftig zum Verkosten in die Klosterschenke…..

…. bevor wir die Parallelen zwischen der eigenen Klosterkirche und…..

… dem brauereieigenen Hopfengarten erkundet haben.

Mein Fazit: Klosterbrauerei Scheyern – dem Himmel so nah. Danke lieber Tobias.

Krombacher- der größte Bierladen Deutschlands

Krombacher

Als Bierblogger musste ich natürlich selbstredend auch mal bei der größten Einzelbraustätte Deutschlands meine Aufwartung machen. Also auf nach Krombach bei Olpe ins sagenumwobene Seenland. Die Brauerei begrüßt seine 80.000 Besucher p.a. in einem Kinosaal in der Krombacher Erlebniswelt, der wohl in seinen Ausmaßen einem Kleinstadtkino in nichts nachsteht.

Die Erfolgsgeschichte der Brauerei ist mit Friedrich Schadeberg sen. untrennbar verbunden. Er hat die Brauerei von einer großen mittelständischen Regionalbrauerei zur größten Braufabrik Deutschlands entwickelt. Sein Geist weht durch die Brauerei und mit ihm die konsequente Ausrichtung auf Wachstum, Wachstum und Wachstum. Legendär ist die Loyalität der gesamten Krombacher-Mannschaft und der Spirit, der ihn zu Lebzeiten umgeben hat. Zweifelsfrei gehörte er zu den herausragenden Persönlichkeiten der deutschen Brauägide.

In Krombach wird seit 1892 Bier nach Pilsner Brauart produziert. Heute werden insgesamt 6.700.000 hl in Form von sechzehn verschiedenen Bierprodukten und Fassbrause hergestellt. Davon werden 4.800.000 hl Pils deutschlandweit unters Volk gebracht und mittlerweile auch stattliche 400.000 hl  alkoholfreie Biere. Diese unglaublichen Mengen bringen sagenhafte Kostenvorteile mit sich, die die Vertriebs-Krombachjaner auch zum Leidwesen vieler Klein- und Mittelstandsbrauereien gnadenlos in Form von Preisnachlässen an den Markt weitegeben. Ein schlagkräftiges Tool um die Mengensicherung im rückläufigen Biermarkt zu sichern. Auf dem Steinecker Sudhaus Baujahr 1986 werden auf vier 680 hl und einer 1200 hl Sudlinie die Krombacher Biere gebraut. Und zwar im Dekoktionsverfahren. Zwölf Malzlieferanten sichern die benötigten Malzmengen, gehopft wird ganz klassisch mit drei Gaben. Eine Bitter- und zwei Aromahopfengaben. Die Hopfenvorräte reichen für sechs Jahre, so dass die Versorgungssicherheit gewährleistet ist.

48 Quellen aus der Umgebung mit weichem 5 °dH Wasser versorgen die Braustätte mit ausreichend Brauwasser höchster Qualität. Die Würze wird unter Einsatz eines Brüdenverdichters mit 95 °C energiesparend gekocht. Der Läuterbottich von unten gesehen schenkt dem brautechnisch versierten Fachbesucher ein beeindruckendes Bild filigraner Technik.

Vergoren wird in 44 Ziemann Gärtanks im Eintankverfahren bei max. 15 °C. Nach der Diacetylrast wird über den Eski Kühler runtergekühlt und noch zwei Wochen gereift. Nach Filtration, dem Zentrifugieren und der KZE geht’s vor der Abfüllung in zehn    4.800 hl Drucktanks bevor der gute Gerstensaft seinen Weg in die Flasche und ins Fass findet.

Das Filtrationsheadquarter ist der ganze Stolz vom Filtrationsleiter Arthur Riedel, der uns durch die Brauerei geführt hat. Arthur hat 17 Jahre bei Königs Pilsner malocht. Von der Lehre bis zum Meister – und das durch alle Abteilungen. Ein Bierenthusiast wie aus dem Lehrbuch. Arthur kennt sich richtig aus in Sachen Bierherstellung, ist ausgebildeter Biersommelier und lebt und missioniert Bier auf seine unvergleichlich direkte und kompetente Art. Filtriert wird noch mit klassischen Rahmenfiltern unterstützt durch Kieselgur Kerzenspaltfilter.

Angeboten werden neben den klassichen Brauereiführungen auch die Krombacher Sommeliertouren. Hier gibt es über die Infos zur Bierherstellung hinaus zum Abschluss noch ein Foodpairing. Das Dunkle in Kombi mit Schoki war richtig lecker, das Weizen mit Blauschimmelkäse nur mmmmhhhh.

Im Braustüberl des „Visitorcenters“ gab es zum Abschluss und zur Stärkung nach der sehr spannenden und informativen Sommelier +++ Führung noch den Krombacher Dreiklang. Leeeecker.

Mein Fazit: Danke lieber Arthur für die klasse Führung. Jetzt lass uns einen krombachern.

Bräunlinger Löwenbräu – 40 Tage Kellerruhe

Bräunlinger Löwenbräu

Auf den Spuren meiner Vergangenheit hat es mich zu einer wunderschönen Traditionsbrauerei in den Südschwarzwald verschlagen. Und zwar nach Bräunlingen, nur vier Kilometer neben Donaueschingen mit der zweitgrößten Schwarzwälder Brauerei, Fürstenberg, gelegen. Vor ein paar Jahren habe ich mich nach erfolgreicher Bewältigung des Schwarzwaldmarathon im Zielbereich so arg über den Senior Brauereichef Friedrich Kalb gefreut. Der hat mein Brauereiauto beim Parken gesehen und präventiv mit Halbe und Roter Wurst im Zielbereich auf meinen verspäteten Einlauf gewartet. Das war das leckerste Siegerbier meiner kurzen Laufbahn. In der Brauerei angekommen…

… hat uns gleich die fast komplette Familie Kalb im Sudhaus empfangen. Mit an Bord, die 9. Generation Kalb.

Das Jakob Carl Sudhaus Baujahr 1998 habe ich in der Art auch bei der  Brauerei Schimpf in Remmingsheim und bei der Gaildorfer Brauerei gesehen. Ausgeschlagen werden pro Sud 44 hl. Neben der Hauptsorte Pils mit 28 IBU, aus der dann das Meister Pils und die super süffige, leckere, unfiltrierte Variante Keller Pils wird, brauen die Bräunlinger noch ihr Edel Export und das Hefeweizen Weisser Leo ein. Das Pils wird mit Perle, Tradition und Tettnanger gehopft.

Das Hefeweizen ist echt bemerkenswert lecker. Kein Wunder, denn vergoren wird im Schnabeltank und nach der Abfüllung gärt das gute Gebräu noch in der Flasche nach. Die obergärige Leckerei ist die zweitstärkste Biersorte der Brauerei. Im Jahr brauen die Kalbs 4.500 hl. Die Hauptgärung läuft bei den Untergärigen bei max. 10°C, bei den Obergärigen bei max 22°C. Geschlaucht wird mit Restextrakt und gelagert mindestens 40 Tage bei 0°C Raumtemperatur. Das gibt mega bekömmliche Biere.

Damit die Gärung auch immer gut durchflutscht, wird fein säuberlich im Labor mit dem Mikroskop, Marke Eigenbau, die Hefezellzahl bestimmt. Echt tricky.

Seit 2012 unterstützt Andre Luis Martins Pinto, der Schwiegersohn, die Kalbs beim Brauen. Er hat den Bachelor Chemie in Brasilien gemacht und bei einem Heinekenableger dort geschuftet. Bei der Doemensausbildung in good old Germany hat er seine große Liebe Evelin kennengelernt und nach weiteren fünf Jahren in Brasilien bei der Cerveceria Schincariol ging es dann ab nach Bräunlingen.

Seine zweite Liebe, das Schwarzbier, hat er in seinem Black Lion zum Ausdruck gebracht. Mit acht Malzen gebraut, vom Carared-, Röst- bis zum Rauchmalz, hat das Bier eine wundeschöne Nase bei rabenschwarzer Farbe. Soooo lecker. Filtriert wird mit einem Kieselgurrahmenfilter Baujahr 1983 von Seitz Ensinger Noll. Ohne Trap oder Schichtenfilter im Anschluss. In Bräunlingen nicht notwendig, da blitzt die ganze Brauerei von oben bis unten. Übrigens erfährt diese Art von Filtration bei dem einen oder anderen Braumeister wieder eine Renaissance. Trotz oder gerade wegen der Crossflow und Co. Entwicklung.

Und wenn ihr nach Bräunlingen kommt, bringt noch a bisserl Zeit mit für den Bierpfad…

….und die braufrischen Biere im Bräustüberl gleich neben der Brauerei.

Mein Fazit: Bräunlingen lohnt sich auch ohne Marathon. Danke liebe Familie Kalb.

Bräugier – Die jüngsten Crafties Berlins

Bräugier

War letztes Wochenende auf einer Kurzvisite in Berlin. Denn da wird es einem Beerfreak nicht langweilig. Gefühlt entsteht an der Spree jeden 30. Tag eine neue Craftbeerlocation. Kleiner Tip am Rande des Bieruniversums: Geht ins Adlon zum Frühstücken. Da kann man von 10 Uhr bis 12 Uhr lecker vespern. Hört sich dekadent an, Preis – Leistung ist unschlagbar. Von Butterbrezel über Kaviar bis zu Dumplings – lecker, lecker Essen vom Feinsten. Und das für 45€ inkl. Schampus satt. Naja, jedenfalls habe ich die Zeit genutzt und die neuesten Caftbeerfreaks mit eigener Brauerei und Taproom im Bezirk Prenzlauer Berg besucht.

Die Gründer Brian Trauth und Johannes Dunkel haben im Februar in der Location angefangen zu brauen und den Brewpub dann im April 2019 eröffnet. Ich habe Johannes beim Craftbeerfestival in Stuttgart kennengelernt. Das  Innendesign echt freaky…..

…coole Bierphilosophie. Die Jungs feiern Deutsche Biervielfalt und die schließt geile IPAs, Sauers and so on null aus.

Johannes ist der Brauer und Brian der Anschieber. Brian, 40 Jahre jung, schaut auf einen nie langweiligen Lebensweg zurück. Geboren in New Orleans mit deutschen Vorfahren aus der Pfalz, ist er ganz im Herzen ein echter BWLer. Studiert in good old Germany, hat es ihn nach London zu den Pleitegeiern Lehmann Brothers Investment Banking verschlagen. Nach dem Finanz Crash 2008 hat er den Blick frei gehabt für den entstehenden Craftbeertrend in England und Amerika und das Potenzial für sich in Deutschland gesehen. Zuerst haben Brian und Johannes als Zigeuner in Hartmannsdorf brauen lassen, bis dann der Traum vom eigenen…..

…wahr wurde. Die 4 hl Brewiks Anlage ist echt witzig. Zwei Behälter – that´s it.  Vorne der Maischbottich und Würzepfanne, hinten der Läuterbottich und Whirlpool. Mega Vorteil ist die einfache Reinigung.

Süß und mega effizient ist der Babywürzekühler. Da kann der Johannes auch im Kleinmaßstab saubere, mikrobiologisch einwandfreie Bierspezialitäten zaubern.

Vergoren und gelagert wird in den tschechischen Svoboda Tanks. Das Westcoast IPA mit sauberen 50 IBUs hat mir super gemundet. Bemerkenswert ist, dass die Jungs viel Wert auf die lückenlose Kühlkette bis hin zum Kunden legen. Heute helfen sich die Bräugierer bei Engpässen im Berlin Craftzentrum aus. Das Ziel, der große Traum, ist eine eigene 30 hl Brauerei. Jungs – gebt Gas.

Mein Fazit: Bräugier kommt von Neugier. Brian, thanks for dein lecker Brut IPA.

1. Bier und Wohlfühlhotel – Gut Riedelsbach

Gut Riedelsbach

Wenn man Bierhotel googelt landet man direkt bei Bernhard Sitters 1. Bier- und Wohlfühlhotel. Also ab mit meiner lieben Frau ins Auto und los geht es Richtung Bierhimmel. Und dieser liegt irgendwo im Nirgendwo  50 km hinter Passau und 50 km vor Linz an der Deutsch-Tschechisch-Österreichischen Grenze im Bayrischen Wald.

Begrüßt wird man mit einem, man höre und staune, Augustiner Pilsaperitif. Dann ging es gleich auf eines der 46 sehr liebevoll und modern eingerichteten Bierzimmer. Alles, wirklich alles, dreht sich hier ums Bier. In diesen Bierwohlfühlzimmern beherbergt der Bernhard und seine Familie pro Jahr 21.600 Gäste.

Die im Hotel beheimatete schnucklige Kleinbrauanlage der Fa. Beraplan Baujahr 1998 mit 5 hl Ausschlagmenge wird vom Schwager betrieben.

Gebraut werden rund 300 hl Sittersche Bierspezialitäten. Von hell bis dunkel. Mein Favorit ist das gestopfte Hopfenfest.

Der Bernhard ist ein echtes Bierunikat. Er gehört zu den legendären „glorreichen Sieben“. Eine wilde Biertruppe um Eric Toft, Markus Lohner, Karl Schiffner und Co. Er war schon ganz am Anfang bei den ersten Sommeliers mit dabei und ist der                  1. Biersommelierwirt und Begründer des 1. Bierhotels Deutschlands.

Nach der Verkostung hat er mich gleich ins Bierbad gesteckt. Das ist super mega Bierwellness auf höchstem Niveau. Neben 1 Pitcher Aldersbacher Dunklem, einer Halben Bierhefe und einer Geheimsuspension aus ätherischen Hopfenölen haben mich die Whirlpoolbläschen (kein CO2) ins Biervana gebeamt. Ein absolutes MUSS. Den täglichen Bieraufguss von Bernhard in seinem top modernen 2.000 m2 Wellnessbereich habe ich leider verschlafen. Für diesen benötigt Bernhard 18 hl Sitterbier im Jahr. Sportlich. Im Wellnessbereich sind Bierkühlschränke zur Selbstbedienung aufgestellt. Dort finden sich Leckereien aus ganz Deutschland, um der Dehydrierung vorzubeugen.

Für den Gaumen und zur Stärkung nach den ganzen Wellnessstrapazen gibt es Abends ein rustikales Bierkulinarium in der sehr schönen Sitterschen Gastronomie.

Mein Fazit: BBBBB –  Bernhards Bayerisches Bier Bottich Bad. Ich komme wieder.

Bierparadies Kloster Aldersbach

Aldersbacher

Auf dem Weg ins Bierhotel sind wir auf einen der wohl schönsten Brauereihotspots in Niederbayern gestoßen. Auf die Aldersbacher Brauerei und ihr Kloster ca. eine halbe Fahrstunde südlich von Passau gelegen.

Das Kloster und die Brauerei blicken auf eine Jahrhunderte alte Tradition zurück.  Das Kloster wurde 1146, die Klosterbrauerei 1268 das erste Mal schriftlich erwähnt und sie zählt somit zu den ältesten schriftlich dokumentierten Braustätten der Welt. In dieser Zeit wurde allerdings noch in sehr kleinem Maßstab für die Mönche und deren Besucher gebraut, aber bemerkenswerterweise schon Hopfen kultiviert und angebaut. Nach der Säkularisation wurde die Brauerei samt Kloster 1811 an die heutige Inhaberfamilie des Freiherrn von Aretin verkauft. Die Marienkirche zählt zu den schönsten Barockkirchen der Welt.

So jetzetle genug der Kultur und ab in Richtung Brauerei. Empfangen hat uns der Braumeister Lorenz Birnkammer, der lieber Bierkammer heißen würde, mit einer super leckeren in der Flasche vergorenen kleinen Kloster Weiße Spezial 0,5l. Lorenz hat bei der Aldersbacher seine Lehre zum Brauer und Mälzer gemacht und das Brauen nach Abschluss der Lehre zwei Jahre in einer Gasthausbrauerei in Lana/Südtirol praktisch vertiefen können. Nach dem Doemens Braumeister ist er dann für drei Jahre in die Augustiner nach München zum Mälzen und Flaschenabfüllen. Wieder zurück in Aldersbach hat er das Labor geleitet und ist seit 2017 als verantwortlicher Braumeister die Brauerei.

Die Brauerei wurde in den letzten Jahren konsequent modernisiert und zählt mit ihren 70.000 hl zu den must – have Beerhotspots in Niederbayern. Das Malz kommt aus den Mälzereien Ireks, Pappenheim und Donaumalz. Geschrotet wird mit einer Nassschrotmühle, dem Maischomat von Steinecker. Das Nassschroten ist sehr selten in Brauereien anzutreffen. Der Vorteil ist, dass das Malz vor der Schrotung, also dem Mahlen und Zerkleinern des Malzes, mit Wasser befeuchtet wird. Das bringt höhere Sudhausausbeuten.

Das unglaublich schöne Sudhaus Baujahr 1995 mit 170 hl Ausschlagmenge ist ebenfalls aus dem Hause Steinecker und der wahrgewordene Brauertraum. Wunderschön architektonisch in den Gesamtgebäudekontext integriert. Und die Sudpfanne ist auch noch mit einem Stromboli – Innenkocher ausgestattet. Wie geil ist das denn….?? Der Sud rauscht in sechs Stunden durch die Braukathedrale, abgeläutert wird in zwei Stunden. Echt sanatoriumshafte Bedingungen für das spätere Bier.

Lorenz vergärt in den 800 hl Gresser Gärtanks und kräust dann unter Umpumpen in die Lagertanks auf. Das gefällt dem Bierblogger Werner, denn der Zusatzaufwand lohnt sich. So bekommt man durchgängig super reine Biere. Spieglein, Spieglein an der Wand, wer braut die reinsten Biere im ganzen niederbayrischen Land….?

Die Hauptsorte ist regional bedingt das klassische Kloster hell mit smoothen 11,5% Stammwürze. Gefolgt von der im Einmaischverfahren gebrauten Kloster Weisse hell. Alle anderen Biere werden mit dem Infusionsverfahren gebraut. Das Kloster Dunkel (lecker – lecker) gibt es ganzjährig, saisonal den Maibock und den mit Aromamalz von Ireks gebrauten Rubinbock. Lorenz´ Lieblingsbier ist das Pils. Mit 30 Bittereinheiten unter Verwendung der Hopfensorten Perle, Tradition und Saphir super geschmeidig gebraut. Das Pils sowie alle späteren glanzfeinen Biere rauschen zum Klären über den Kombifilter…

Lorenz hat von seinem Inhaber in Sachen Braukunst freie Hand. Als Bierspezialitätenliebhaber bietet er an Samstagen Braukurse auf der 3 hl Johann Albrecht Brauanlage an. Hier können sich bis zu 16 Bierbegeisterte sieben Stunden von Lorenz himself die Braukunst näher bringen lassen. Eine zweite Anlage dieser Art habe ich bei der Mönchshof in Kulmbach gesehen…

Beim Brauen auf der Anlage hat sich Lorenz auf die oak aged Biere mit Eichenholzfassreifung spezialisiert. Von Barleywine bis Imperial Stout. Für den Pfarrer der Marienkirche hat er sogar extra ein IPA gebraut, dass ich natürlich gleich verkosten wollte. Super lecker, richtig saftiger Hopfen, so mag ich das.

Mein Fazit: Mitten im Aldersbacherland, wo ein „Kleines“ 0,5 Liter misst… – so geht Lebensqualität. Danke lieber Lorenz.