Spitzbuckel – Der Bierhybridbrauer aus der Ortenau

Spitzbuckel

Im Rahmen des diesjährigen Biersommeliertreffens der Sektion Baden-Württemberg haben wir uns einen ganz speziellen Bierplatz in der Ortenau herausgesucht. Und zwar die Brauwerkstatt Spitzbuckel. Dort angekommen hat uns die Cheffin Helga Bäuerle sehr herzlich mit einem zünftigen Willkommensschluck empfangen. Und zwar mit ihrem aus den Früchten der Edelkastanie gebrauten Doppelbock. Die Kastanien hat sie im umliegenden Schwarzwald selber gesammelt, von Hand geschält, geröstet und im Sudhaus mit eingemaischt. Mit 8,2 % Alkohol die ideale Begrüßung für einen durchgefrorenen Brauer wie mich.

Die Brauwerkstatt findet ihr im Laufbachtal, im Laufer Ortsteil Glashütte, wunderschön an einem kleinen Stausee gelegen. Nach dem leckeren und stärkenden Begrüßungsschluck ging es auch gleich in die Brauerei. Dort hat uns ihr Mann Thomas, der Brauer im Haus, fachkundig durch seine Brauerei geführt.

Thomas hat sich mit seiner 500 Liter Polsinelli Anlage 2018 einen Traum erfüllt. Als gelernter Betriebswirt hat Thomas, nach 30 Jahren Maloche in der Pharmaindustrie als Logistik- und Customer Service-Mitarbeiter, mit Helga 2016 den Biersommelier gemacht und vor Begeisterung seinen Job mit dem Ziel gekündigt, ein Bier – Sabbatical – Jahr zu machen. Chapeau. Gebraut wird mit 0,3 °dH Wasser aus der eigenen Quelle, abgeläutert wird im blue light Läuterbottich…

Thomas ist, was das Brauen anbetrifft, Autodidakt. Unterstützt wird er von Alex Schneider, seines Zeichens Braumeister bei der Ulmer Brauerei Bauhöfer in Renchen, von dem er sich auch manches „abgeschaut“ hat. Von dort bezieht er auch seine Hefen und lässt diese in den Gärtanks fleißig vergären…

Im Sudhaus steht auch eine Brennerei, was zu bürokratischen Klimmzügen geführt hat. Denn stehen in einem Raum ein Sudhaus und eine Brennerei, wird es den Zollbehörden mulmig. So hat er zum Einen die Auflage, nicht gleichzeitig zu brennen und zu brauen und zum Zweiten muss die Brennerei und die Brauerei deutlich mit einer weißen Markierung von einander getrennt sein. Wahnsinn…

Thomas hat schon ca. 20 verschiedenen Bierstile gebraut. Sein hehres Ziel ist es, mitten in der weinlastigen Ortenau Bier auf das gleiche Niveau wie den Rebensaft zu lupfen.

Aus diesem Grunde liebt er es, Bier-Wein-Hybride zu brauen. Für diesen Zweck hat er sich eine eigene Rebfläche mit 17 Ar und Spätburgunderbesatz angeschafft. Unterstützt wird er auch von den Winzern der Alde Gott Kellerei. Die „Spitze Alde“  braut er tatsächlich mit den Trauben seiner Spätburgunder Reben und vergärt diese mit einer Weinhefe. Sein „Alder Spitz“ hingegen wird mit seiner untergärigen Bierhefe vergoren. Als Ergebnis hat man zwei spitzen Hybride mit unglaublichen Aromen. Die zweite Gärung findet bei allen Bierspezialitäten in der Flasche statt. Mega cooler old style.

Genial ist sein eigener Hopfengarten mit sage und schreibe 12 verschiedenen Hopfensorten, die er allesamt auch bei seinen Bieren mit verwendet. Dieses Jahr kommt er trotz Corona auf 130 hl feinste Biere, die er zu je 1/3 auf Veranstaltungen, in drei Gastros und im Handel an seine Bierliebhaber verkauft. Ein Kompliment an Thomas, denn seine Biere sind alle sehr fein zu trinken und haben nicht nur mich, sondern auch unseren Brauerkollegen Christopher Wertz von der Fächerbräu in Karlsruhe überzeugt.

Mein Fazit: Bier und Wein, sehr, sehr fein. Santé.

Brauerei Ketterer Hornberg – Ketterer sind netterer

Ketterer sind netterer

Auf dem Weg zum Biersommelier-Treffen der Sektion Baden Württemberg nach Lauf bei Sasbachwalden im lieblichen Ortenaukreis, haben wir uns samstags mit Michael und seinem Schwiegersohn Philipp Ketterer im 4200 Einwohner Städtchen Hornberg verabredet. Auf dem Weg zur Brauerei geht es vorbei an der Firma….

Bei der Brauerei angekommen, haben wir uns erstmal sehr an der wunderschönen Brauereiansicht erfreut.

Leider war weder Michael noch Philipp aufgrund wechselseitiger Terminmissverständnisse zu finden. Und so klingelte meine liebe Frau an dem nebenan liegenden Wohnhaus und wartete vergebens auf Einlass, denn wir wurden vom Nachwuchs versehentlich als „Zeugen Jehovas“ verkannt. Und so ging unsere Besichtigungstour fast wie das Hornberger Schießen aus. Aber nur fast, denn dann hat uns Philipp doch noch gefunden und so ging es zugleich ins wunderschöne Sudhaus.

Ein Traum von einem Sudhaus mit 180 hl Ausschlagmenge. Philipp ist Diplom Braumeister Weihenstephan,  Betriebswirt und seit 2001 mit an Bord. Als gebürtiger Hornberger hat er sich in die mittlere Ketterer-Tochter verliebt und sie geheiratet. Anke ist Getränke-Betriebswirtin, also beide vom Fach. Seinen Hochzeitstag kann er sich gut merken, denn dieser ist auf den 13.9.2002 gefallen, das 125 jährige Jubiläum der Brauerei. Das Kaspar Schulz Sudhaus wurde 2002 generalüberholt, ein Brauertraum. Der gute Aloisius Vormaischer von Braukon darf natürlich nicht fehlen…

Schwiegervater Michael hat schon immer auf die perfekte technische Ausstattung seiner Brauerei geachtet. Und so hat er als einer der Ersten im Rahmen der Sudhaus  Modernisierung einen Schoko eingebaut. Mit diesem wird nicht nur die Würze weniger thermisch belastet, sondern auch die Energieeffizienz erheblich gesteigert. Außerdem war er auch Vorreiter in Sachen Hackschnitzelanlage zur energieoptimierten Versorgung der Brauerei. Chapeau. Nachhaltigkeit pur.

Gebraut wir mit 1,1 dH aus der eigenen Quelle. Somit ist eine kostspielige Wasserenthärtung nicht notwendig. Gearbeitet wird mit dem Brewmaxx System von Proleit. Die Gär- und Lagerkeller sind ebenfalls top modern und super schön in die alten Keller integriert…

Geschlaucht wird vom Gärkeller in den Lagerkeller mit Restextrakt. Auf lange kalte Gär- und Lagerzeiten legt Michael besonderes Augenmerk.

Filtriert wird mit dem altbewährten H+K Kerzenspaltfilter.

Erst kürzlich in Betrieb genommen wurde die Erweiterung der Lagerhalle. Auch wurde die Optimierung der Logistik vom Ende her gedacht und perfekt gelöst. Beliefert wird von Rottweil, Offenburg, Freiburg bis Villingen Schwenningen in ca. 50km Umkreis.

Die meistverkaufte Bierspezialität ist in jüngster Zeit das superschlanke Pils, gefolgt vom süffigen Export und dem Hefeweizen, das mit seinem sehr leckeren, unterschwelligen Bananenaroma glänzt. Die Biere zeichnen sich allesamt durch einen extrem geringen Trinkwiderstand aus… Soooo arg lecker!!!

Mein Fazit: Ketterer sind wirklich leckerer. Vielen Dank für Eure super nette(re) Gastfreundschaft.

Golem Brewhouse Nikosia – Saaz ganz nah

Nach meinem Besuch auf der türkischen Seite von Nikosia bei der OOs Craftbrewing wollte ich natürlich auch einen Schlenker auf die griechische Seite machen. Mitten im wunderschönen türkischen Teil der historischen Altstadt geht es auf der Ledra Street über die grüne Grenze, die die Stadt teilt. Völlig unproblematisch, Personalausweis und Impfnachweis vorzeigen, that´s it. Nikosia hat insgesamt ca. 300.000 Einwohner. Auf der türkischen Seite gibt es eine Craftbeerbrewery und auf der griechischen Seite gleich Zwei. Nach der Grenze biegt ihr einfach in die erste Gasse links ein und dann erreicht ihr in 2 Minuten, direkt an der Demarkationslinie gelegen, das Golem Brewhouse.

Dort hat uns Michael Stourac Cyprus style mäßig total relaxed begrüßt. Er ist waschechter Tscheche und auf den Ruf der Liebe seiner Frau vor fünf Jahren nach Zypern gefolgt. In seinem vorherigen Leben war er IT-ler und hat sich nun ganz jungfräulich im Juli 2021 seinen Lebenstraum einer eigenen Brauerei erfüllt.

Und das hat er richtig gut gemacht. Auf dem Dach seines neuen großzügigen Kühlhauses, das er als Lager- und Ausschankkeller nutzt, hat er seine Zweiwalzenschrotmühle installiert und lagert sein Malz. Die Rohstoffbeschaffung ist im südlichen Teil von Nikosia wesentlich einfacher als im nördlichen Landesteil, denn die Insel gehört ja bekanntermaßen im Ganzen seit 2004 zu Europa. Und das bedeutet freier Warenverkehr für die griechisch Zyprioten. Der nördliche Landesteil gilt aber leider immer noch als türkisch besetztes Gebiet ohne internationale staatliche Anerkennung und unterliegt somit einem schmerzhaften Handelsembargo. Das bedeutet für meine Brauerfreunde auf beiden Seiten: Hopfen und Malzbeschaffung mal griechisch zypriotisch leicht, mal türkisch zypriotisch sehr umständlich. Das Malz bekommen beide aus Deutschland, aus dem Hause Weyermann, das international bei den Craftbreweries durch seine qualitativ sehr hochwertigen, reichhaltigen Spezialmalzsorten schon fast eine Monopolstellung hat.

Michael hat sich eine nagelneue Ss Brewtech Anlage erworben, nachdem er den Innenraum tipitopi hergerichtet hat.

Die elektrisch beheizte Brauanlage bietet alle features, die sich ein Kleinbrauer wünscht. Das Preis-Leistungsverhältnis passt bei dieser  Brewtech Anlage optimal, denn diese Anlagen sind sehr kostengünstig zu erwerben. Zudem ist die Edelstahlverarbeitung bei dieser Anlage, im Gegensatz zu manch anderen aus Fernost, ohne Ecken und Kanten verarbeitet. Das Gleiche gilt für die ansehnlichen Gärtanks. 

So hat sich Michael alle notwendigen Voraussetzungen erfüllt, erstklassige Biere zu brauen. Und die braut er vom Allerfeinsten. Das hätte ich in der Levante bei einem Kleinstbrauerkollegen so nicht erwartet. Der Michael ist ein echter Braunerd und hat sich autodidaktisch viel Wissen rund um die Braukunst angeeignet. Respekt. Seine drei Biersorten IPA, Wheat- und Lagerbier, die er alle mit tschechischem Saazer Hopfen würzt, schmecken super sauber und haben eine sehr hohe drinkability. Das Wheatbier mit 60% Weizenmalzanteil vergärt er mit Fermentis Trockenhefe SafAle S-33. Mein Lieblingsbier, das Lager, vergärt er ganz klassisch mit Fermentis SafLager 34/70, der wohl weltweit am weitesten verbreiteten Bierhefe für untergärige Biere. Seine Biere gibt es außer Haus nur in den super stylischen cans…

…für die Gastros gibt es Fassbier. Neben dem Brauhaus lädt zu späterer Stunde ein bieriger Biertreff für Studenten und durstige Zeitgenossen in gemütlicher historischer Ambiente zum Biertrinken ein. Das Draftbeer gibt es „online“ direkt aus dem Kühlhaus von Michael. Ein musthave für alle Bierlover.

Nach der Besichtigung haben wir uns auf der Terrasse vor dem Brauhaus und neben der Grenzlinie entsprechend an Michaels Köstlichkeiten erfreut und erfrischt.

Mein Fazit: Golem Lager, the best beer in town. Cheers.

Brauerei Härle – Die Patchwork Familienbrauerei

Brauerei Härle

Heute hat es mich mit Tina ins ferne Oberschwaben nach Leutkirch in die Brauerei Härle verschlagen, um uns in dieser Vorzeigebrauerei in die Welt der Nachhaltigkeit praktisch einführen zu lassen. Dort hat uns der Brauereichef Gottfried Härle und seine Geschäftsführerin Esther Straub vor dem Brauereikontor stilecht empfangen. Die beiden sind echt ein dreamteam. Gottfried hat in seiner Jugend als Umwelt- und Friedensaktivist und erster Kriegsdienstverweigerer im Ort nicht ganz branchenüblich den Weg des Volkswirts eingeschlagen. Und diese DNA findet in seinem Tun bis heute an jedem Tag seinen Ausdruck in der Brauerei. Esther, die Nachbarstochter, die schon in jungen Jahren regelmäßig in der Brauerei gejobbt hat und mit dieser aufgewachsen und eng verwurzelt ist, hat der Gottfried zu seiner Geschäftsführerin erkoren…

Los ging es im Sudhaus, Baujahr 1954 mit 60 hl Ausschlagmenge. Ausgestattet wurde das Schmuckstück, das vor ein paar Jahren mit einem Edelstahlinnenleben modernisiert wurde, mit dem Schoko Würzekochsystem. Und das ist nur ein Baustein des Nachhaltigkeitspioniers Gottfried. Mit dem Schokosystem spart er seit vielen Jahren 20% Energie beim Würzekochen. Und bei ca. 32.000hl feinen Bierspezialitäten und über 10.000hl Seezüngle kommt da ganz schön was zusammen…

Seit seinem Eintritt in die elterliche Brauerei in den 1980er Jahren verfolgt er als einer der ersten Biobrauer in Deutschland aus vollster Überzeugung den Weg der Nachhaltigkeit. 1994 hat er durch Mithilfe der Uni Hohenheim seine erste Ökobilanz veröffentlicht, vor 18 Jahren mit seinem ersten Biobier „Landzüngle“ vom Fass Biobiergeschichte geschrieben. Was heute langsam in den Köpfen der Brauer vor sich hingärt, hat Gottfried schon immer gelebt. Die Kälteanlage, ein weiterer Baustein der ressourcenschonenden Bierherstellung, wird mit 100% Eigenstrom aus einer der sechs Photovoltaikanlagen der Brauerei versorgt. Der Eigenstromanteil liegt bei 20%, der Restbedarf der Brauerei wird mit zugekauftem Ökostrom abgedeckt…

Selbstredend werden die wunderschönen historischen, denkmalgeschützten Gebäude  ausschließlich mit LED beleuchtet. Die Brauereiflächen werden nicht versiegelt, die Gebäude begrünt. Regionaler Rohstoffeinkauf ist seit 20 Jahren gelebte Selbstverständlichkeit. Und dann ging es gleich zum Herzstück der Nachhaltigkeit weiter. Über das…

…direkt zur Hackschnitzelanlage. Diese hat er schon 2008 zusammen mit dem Wärmeverbundnetz inkl. Gebäude zur Beheizung aller Brauerei- und Wohngebäude, nicht nur auf dem Brauereiareal, für über 1 Mio € gebaut. Beheizt wird mit Ästen, Rinde und übriggebliebenen Holzresten der Baumfällarbeiten aus den Wäldern in der Region.

Und dann ging es Richtung des halb versunkenen Gär- und Lagerkellers…

Achtung, Achtung…

Das super kompakte Schmuckstück ist mit Tanks der Firma Gresser und Gross geschmückt. Gearbeitet wird im Zweitankverfahren. Erst vergoren und dann mit Restextrakt in die Lagertanks geschlaucht…

Fast alle der 15 all year round Bierspezialitäten finden ihren Weg unfiltriert in die Kehlen der Härle Fans. Das erspart nicht nur der Umwelt die Kieselgurentsorgung und dem Geldbeutel die Filtrationskosten, sondern beglückt die Bierlover mit köstlichem, naturbelassenen Gerstensaft. Und so heißt es: Filter geschlossen…

Mein Fazit: bierforfuture – So lecker kann Nachhaltigkeit sein. Danke für die „nachhaltig“ beeindruckenden Einblicke! Cheers.

OOs Craftbrewing – Auf Craftbeer Expedition in der T.R.N.C

Auf der Suche nach dem Shangri La des Gerstensaftes verschlägt es mich an die entlegensten Orte unserer Bierwelt. Diesmal nach Nord Zypern. Nord Zypern oder auf Englisch Turkish Republic of Northern Cyprus – TRNC – wurde nach der Teilung 1974 im Jahre 1983 offiziell gegründet und wird heute leider nur von der Türkei als eigenständiger Staat anerkannt. Und genau dorthin hat es mich 1996 für neun Monate auf der Suche nach einer echten Brauereiherausforderung vor Eintritt in die elterliche Brauerei verschlagen. In dieser Zeit habe ich die damalig 1.500 hl große örtliche Brauerei in Famagusta qualitätstechnisch auf Vordermann und eine neue Biersorte auf die Welt gebracht. Ein hopfenbetontes Pils mit der letzten Hopfengabe im Whirlpool. Das Etikett und den Namen Altinada hat sich meine liebe Frau Kessi ausgedacht. Altinada – Goldinselbier. Das Ergebnis war eine Ausstoßverdreifachung und eine Bekanntheit meinereiner auf der Insel. Die Bierflasche von damals ist mir auf dem Weg vor unserem Craftbeertreffen in Nikosia in einem alten Krämerladen im Büyük Han (sehenswert) über den Weg gestolpert…

Das Treffen hat mein Freund Dogan, rechts im Bild, organisiert. Er ist Türkisch Zypriote, begeisterter Bierdeckelsammler mit über 11.000 Exemplaren in seiner Sammlung und leidenschaftlicher Craftbeerlover. Wenn ihr ein paar schöne Bierdeckel für ihn habt, schickt sie mir zu, ich nehm sie ihm dann beim nächsten Craftbeerurlaub nach Cyprus mit (schon mal 1000 Dank dafür). Links, das ist Orcun Cananoglu, der erste und einzige Craftbeerbrauer des nördlichen Inselteils, der uns sehr herzlich empfangen hat.

Orcun hat bis 2017 als Grafikdesigner für Google gearbeitet und dann gemeinsam mit seinem Bruder Ogun seine OOs Craftbrewing gegründet und sich damit seinen Lebenstraum erfüllt. Gebraut wurde bis vor ein paar Wochen noch am Rande von Nikosia, jetzt ist der Umzug in die wunderschöne Altstadt erfolgt. Dort wird Orcun in den nächsten Wochen seinen Brewpub eröffnen, indem auch fleißig produziert wird. Gebraut wird auf einer Speidel Braumeisteranlage. Seine zwei Helfer sind enthusiastisch voll mit dabei…

Orcun vergärt seine Spezialitäten mit Trockenhefe. Vergoren werden die acht ober- und untergärigen all-year-round Spezialitäten unter Raumkühlung im Kühlhaus…

… die Nachgärung findet in ehemaligen Premixbehältern statt…

Beim Design und den Namensgebungen kommt der kreative Grafikdesign-Part von Orcun voll zur Geltung. Igor, ein untergäriges Pils mit Hopfen aus der Hallertau, hat er als Vermächtnis für seinen treuen Begleiter auf die Welt gebracht…

Das Dark East, ein Robust Vanilla Porter, hat eine tolle Nase und läuft runter wie Öl. Kaffee trifft Schoki, echt lecker. Ausgeliefert wird mit eigenem Fuhrpark…

Der neue Craftbeer Hotspot wird richtig cool. Dort kredenzt Orcun 21 Biere vom Fass. Nicht nur seine, sondern auch Biere seiner Craftbeer Friends vom griechischen Landesteil. Mit einem von ihnen, Costas, hat er ein Collaboration „Drink for Peace“ gemacht. Ein hoppy Wheat Ale. Orcun ist auch Mitglied bei der grenzübergreifenden Cyprus Craftbeerassociation.

Dann haben wir uns natürlich durch alle seine Biere verkostet und uns auf den nächsten Besuch bei der neu gegründeten Golem Brauerei, direkt an der Grenze im griechischen Teil, entsprechend vorbereitet…

Mein Fazit: Bier verbindet. Thanks Dogan for your organization and your craftbeerlove.

Der Atze und seine Bottroper Brauerei

Bottroper Bier

Immer dem Ruf des guten Bieres folgen. Das ist mein Motto. Auch dann, wenn er mich ziemlich nördlich vom Weisswurstäquator ins ferne Bottrop ruft. In eine Gegend, die mir zuvor völlig unbekannt war. Ein weisser Bierfleck auf meiner Bierkarte so zu sagen. Bottrop liegt so ziemlich mitten im Pott. Unser Biersommelierkumpel Atze, eigentlich Arthur Riedel, hat gar nicht mal so laut rufen müssen und wir sind ihm gefolgt wie die Lemminge.

Der Pott und seine Brauereien. Mit der Köpi in Duisburg, der Stauder in Essen, der Fiege in Bochum, Bergmann Dortmund, Hövels am Dortmunder Wall, die Radeberger Marken Brinkhoff`s-DAB-Hövels und Kronen aus der Dortmund Actien Brauerei GmbH und einer kleinen Hausbrauerei im Centro Oberhausen, sind noch ein paar wenige Brauereien in der ruhmreichen Biergeschichte der Stahlmalochermetropolen übrig geblieben. Welch ein Glück, dass unser Atze seine Lehre zum Brauer und Mälzer in  jungen Jahren bei der „Köpi“ (Brauerei König) absolviert hat. Danach ging es zur Meisterschule nach Kulmbach und seit 2008 zur Krombacher als Leiter der Filtration. Ansonsten wäre er nicht auf die Idee gekommen, nach den vielen Jahren als Meister und Geselle den Sprung in die Brauerselbständigkeit zu wagen, um die Bierlandschaft im Pott zu bereichern. Und das zusammen mit zehn seiner Kumpels. Und jeder hat seine eigene Kompetenz mit eingebracht: Der Lokführer, Polizeibeamter, Vertriebler, Personalchef und last but not least der Kaufmann.

Die erste Idee wurde Anfang 2019 konkreter weitergedacht. An der Stadtgrenze Bottrop – Oberhausen wurden die Jungs fündig. Und zwar in Form eines ehemaligen Blumenladens mit Kiosk. Der eignete sich perfekt, so das die Company 2020 gegründet wurde und im April dann mit der Renovierung angefangen wurde. Im Januar 2021 wurde das erste mal eingebraut und am 20.2.2021 floss das erste Bier. Bottrop hatte nach der Schließung seiner letzten Braustätte 1974 wieder eine eigene Brauerei.

Und das gute Bier floss in Strömen. Denn an diesem denkwürdigen Vatertag bildete sich eine 400 Meter lange Schlange. Zu kaufen gab es ein Willkommenspaket in Form von zwei Flaschen Bier, einem Bottroper Originalbierglas und zwei Rollmöpsen. Und rucki zucki war alles ausverkauft. Gebraut werden auf einer 10 hl Tonson Anlage aus China zwei verschiedene Bierstile. Und zwar ein mega süffiges Helles mit 175 kg Schüttung. Ausgeschlagen wird mit 12,1 % Stammwürze, gehopft mit Perle. Das Bottroper Wasser hat eine Härte von 12,5 °dH.

Das Dunkle wird mit einer Schüttung von 200 Kg eingemaischt. Arthur verwendet hierfür von der Mälzerei Weyermann Pilsner-, Cara- und Cara Spezial. Das bringt dann locker 13,1 % Stammwürze. Ein Hammer Bier. Ausgezeichnet wurde das Bottroper Bier ja nicht ohne Grund, denn das Genuss Magazin Falstaff  hat die Bottroper Brauerei vor nicht mal einer Woche zur beliebtesten Kleinbrauerei Nordrhein-Westfalens gekürt.  Chapeau Jungs, ihr habt es verdient! Das Geheimnis liegt wohl in den langen sechs Wochen Lagerzeiten und den kalten Gär- und Lagertemperaturen. Beides ist Arthur extrem wichtig. Auch wenn die Kunden noch so Schlange stehen: Wenn der Zaubertrank aus ist, ist er aus. Basta. Abgefüllt wird erst, wenn das Bier fertig ist. Keine Kompromisse. Und das schmeckt man abends beim Trinken und morgens beim Aufstehen. Klasse!  Vergoren wird mit der Trockenhefe Fermentis – astrein…

Im Ausschankraum stehen gleich zwei Ausschanktanks. Einer davon mit sauberen 10 hl Inhalt, so dass der der gute nie Bierdurst auch immer gestillt werden möge. Der „Taproom“ hat allerdings nur geöffnet, wenn auch Bier da ist. Und da ist momentan der Engpass. Die Nachfrage übersteigt deutlich das Angebot. Und so vergnügt Arthur als leidenschaftlicher Biersommelier dann ab und an seine Bierjünger mit seinen legendären Biertastings (Anmerkung vom Autor: Ein absolutes Muss für jeden Bierinteressierten). Der Kiosk hat, wenn Bier verfügbar ist, immer samstags ab 12 Uhr geöffnet. Mein Praxistipp: Ruft einfach vor Euerm Besuch sicherheitshalber an, ob der Bottroper Gerstensaft verfügbar ist. Aufgrund der Kapaengpässe sind die Jungs dran, ihre Braustätte vor Ort zur erweitern. Zum Glück haben sie beim Erwerb weiter gedacht und genügend Grund hierfür gleich mit erworben. Zum Glück, denn an Cenosillicaphobie zu leiden, macht auf Dauer keinen Spass.

Das Abfüllen läuft noch ziemlich crafty, alles mit der Hand unterm Arm. Die Waschmaschine macht sagenumworbene acht Flaschen in drei Minuten, der Füller vierzig Kisten pro Stunde und die Etikettierung 900 Flaschen in drei Stunden. Geile Leistungsangaben…

Jedenfalls, der Arhtur hat sein Ding gefunden, er lebt seinen Traum und macht nicht nur sich damit glücklich…

… sondern viele, viele Bierenthusiasten (Anmerkung Autor: Nicht nur Andi und Kessi, sondern viele mehr. S. Bild). Arthur, ein riesiges Danke an Dich und deine Kumpels für den lebendig gewordenen Biertraum in Bottrop.

Mein Fazit: Nicht ganz nach Reinhold Messner, sondern nach Adolf Tegtmeier. Bottroper Bier – Der Saft für´t Leben. Cheers.

Fischers Brauhaus Mössingen – Das kleine Bierparadies am Rande der Schwäbischen Alb

Fischers Brauhaus Mössingen

Warum in die Ferne schweifen, wenn das Glück so nah? Bei der Wahl der Baden-Württembergischen Bierkönigin im Brauhaus Schönbuch in Stuttgart habe ich die drei Fischer Geschwister Tobias, Andrea und Petra von der gleichnamigen Brauerei am Rande der Schwäbischen Alb getroffen und mit ihnen ein Wiedersehen in Mössingen ausgemacht. Gesagt, getan und ab ging´s nach Mössingen zum Brauertreffen. Dazu haben sich mein langjähriger Wegbegleiter im Baden Württembergischen Brauerbund, Seniorchef Heiner Fischer, sein Freund aus der Ulmer Meisterschule Heiner Kunz sowie dessen Sohn Andreas von der Lammbrauerei Untergröningen, Dieter Schmid von der Waldhaus Brauerei und meine treue Brauereibegleiterin Kessi gesellt.

Am Abend wurde das Wiedersehen mit frischem Fischers Spezial hell vom Fass und vielen Leckereien vom Grill gefeiert, sodass wir am Morgen frisch gestärkt unter fachmännischer Leitung von Chefbraumeister Tobias Fischer zur Brauereierkundungstour aufbrechen konnten. Tobi hat ganz in traditioneller Brauerweise eine umfangreiche Wanderschaft hinter sich. Seine Lehre hat er in Herbsthausen, bei Pinkus Müller und in Autenried absolviert. Danach hat er bei der Weissbierbrauerei Unertl seine Brauerkenntnisse vertieft bevor er den Meister in Ulm gemacht hat. Nach acht Jahren als erster Braumeister bei der Schwarzbräu Zusmarshausen ging es wieder in die geliebte Schwäbische Heimat zurück.  Wir haben unsere Führung im wunderschönen Sudhaus gestartet.

Tobi ging auf die Geschichte  seines wunderschönen Sudhausgebäudes ein. Dieses schaut auf eine fast 300 jährige Brautradition zurück. In den schwierigen Kriegsjahren 1938 entschied sich sein Großvater Heiner Fischer Senior, der aus einer Brauerfamilie aus Kirchheim im Ries entstammt, das damals seit fast zwanzig Jahren stillgelegte Brauereilein wieder zum Leben zu erwecken. Und das mit Erfolg durch viel Schweiss, Fleiss und mutiges Unternehmertum. Das heutige Sudhaus von Schulz mit 68 hl Ausschlagmenge lässt  auch nach 30 jähriger Brautätigkeit das historische Gewölbe im vollen Glanz erstrahlen.

Nach dem viel zu frühen Tod von Heiner sen. übernahm sein Sohn Heiner Junior 1960 als jüngster Braumeister Deutschlands die Verantwortung und baute seine Brauerei zu einer der modernsten Kleinbrauereien in Deutschland aus. Seit 2020 ist nun sein Sohn Tobias verantwortlich für den Brauprozess und somit für die bemerkenswert guten Bierqualitäten. Coronabedingt liegt der Ausstoß momentan etwas unter 10.000 hl p.a., in den nächsten Jahren ist eine Verdopplung des Bierausstoßes geplant. Mit Tobias und seiner Schwester Andrea, die das Hotel und den Braumarkt an der Brauerei verantwortet, wurde auch eine Markenneuausrichtung umgesetzt. Mit einer tollen Etikettenlinie und neuen, zeitgemässen Bierspezialitäten steht dem Wachstum nichts im Wege.

Gebraut wird mit Bodenseewasser, gehopft mit Hopfen aus Tettnang. Hier verwendet Tobi bei den Standardsorten Tettnanger Tettnanger. Bei den Craftbieren Diamant, Rubin und Saphir in der 0,33l Bügelflasche die Sorten Callista, Saphir und Eureka. Tobis neueste Kreation ist sein Brau Bär in der Euroflasche. Die Bernsteinfarbe hat er mit Karamellmalz hingezaubert. Lecker, lecker…

Dann ging es ein Stockwerk tiefer in die alten, stillgelegten Lagerkeller…

… wo wir einen Blick in den Eiswasserspeicher erhaschen konnten. Mit dem Eiswasser wird die heiße Würze im Würzekühler auf Anstelltemperatur von 8°C abgekühlt.

Dann ging es in den Gärkeller, wo uns der Fischer´sche Schnabeltank begrüßte. Im Schnabeltank lässt Tobi seine obergärigen Weizenbierspezialitäten vergären.

Der Vorteil gegenüber geschlossenen Gärtanks ist der, dass der Hopfentrieb abgenommen werden kann und dadurch die Biere einen weicheren Trunk bekommen. Handarbeit zahlt sich eben manchmal doch aus. That´s real craft…

Die untergärigen Leckereien werden in den klassisch geschlossenen Gärtanks vergoren. Hierbei wird im Hause Fischer besonders darauf geachtet, dass zum Einen der Durchmesser der Tanks zur Höhe die 1 zu 3 nicht überschreitet. Hierdurch haben die Hefen weniger Stress durch einen hohen hydrostatischen Druck und bilden dadurch weniger höhere Alkohole und Gärungsnebenprodukte. Zum Anderen werden die Biere nicht wärmer als 10 °C vergoren. Der selbstlose Selbstversuch hat bewiesen: Genuss ohne Reue…

Auch der Lagerkeller wurde qualitativ auf höchstem Niveau von der Firma Gross umgesetzt…

… und unterstützt wird Tobi durch das Prozessleitsystem ProLeiT. Das gibt ihm totale Effizienz, Transparenz und Überwachung, notfalls auch vom Rechner zu Hause. In Brauereien dieser Größenordnung habe ich dieses beachtliche technische Niveau noch nirgends angetroffen…

Der Gär-, Lagerkeller und die Filtration wird über dieses Panel zusammengeführt. Alles an einem Platz, blitzeblank und neuester Stand der Technik.

Der Tobi steht voll auf seinen Kieselgur-Kombifilter. Ein altbewährtes, höchst zuverlässiges Filtersystem. Hier werden die zu filtrierenden Biere zuerst mit Kieselgur vorgeklärt und anschließend mit den Schichtenfiltern glanzfein hübsch gemacht.

Die Füllerei ist ebenfalls auf dem neuesten Stand. Hier werden neben den Heinerle Bieren in der 0,33l Bügelflasche die Vichy 0,33l Flasche, die Euroflasche 0,33l und 0,5l  sowie die 0,5l NRW Flasche abgefüllt. Mehr geht nicht.

Vor drei Jahren wurde ein komplett neuer Anbau an das bestehende Hotel realisiert. Die Zimmer sind super modern, stylisch und zeitgemäss auf Bier getrimmt. Hier spürt man die Leidenschaft von Andrea für ihr Metier. Nach einer Besichtigungstour und dem Besuch der verpachteten Brauereigaststätte lässt es sich traumhaft dort schlafen.

Tobias´ zweite Schwester Petra ist Chefin der Hausbrauerei Neckarmüllerei in Tübingen. Wunderschön am Ufer des Neckars gelegen ein Muss für alle Bierfreunde.

Mein Fazit: Ein Prost auf die Fischers. Vielen Dank für die tolle Gastfreundschaft.

 

 

Lamm-Bräu Untergröningen – Zur Bierappel auf die Ostalb

Lamm-Bräu Untergröningen

Habe von meiner Lieblingscraftbierwirtin Barbara vom Maulwurf in Stuttgart Vaihingen den Tipp bekommen, die Familie Kunz und ihre Lamm-Bräu in Untergröningen zu besuchen. Mit diesen arbeitet sie schon seit vielen Jahren hinsichtlich Aktionsbieren zusammen. Untergröningen liegt mit seinen 1.289 Einwohnern ganz grob nördlich zwischen Schwäbisch Gmünd und Aalen auf der Ostalb.

Getroffen habe ich mich mit dem Inhaber und Braumeister Andi Kunz , der die 1830 gegründete Familienbrauerei in 6. Generation führt, im neuen Sudhaus. Das Sudhaus hat der Andi richtig klasse gemacht…

… denn der Plan des Seniorchefs im Hause Kunz war, das alte Sudhaus in den bestehenden Räumlichkeiten durch ein neues zu ersetzen. Am Ende hat sich dann doch der Andi mit seiner am Stammtisch geborenen Idee durchgesetzt, das neue Prunkstück in einem neuen, vorgesetzten Zweckbau zu installieren. Sein Kumpel, der Schreiner, und sein gutes Bier haben ihn dazu inspiriert.

Da hab ich richtig was dazu gelernt. Falls ich mal  ein neues Sudhaus bauen sollte, werde ich ebenfalls bei einem guten Bier mit meinem Schreiner über diesen Konzeptansatz sprechen. Andi hat seine Lehre beim Biobier-Pionier Neumarkter Lammsbräu gemacht. Der Kontakt kam damals über den legendären Karl Friedrich Kretschmer, Brauereitechniker, Erfinder des Friabilimeters und Buchautor. Aus seiner Feder stammen unter anderem die Werke „Fibel der Bierschädlinge“ und „Wissenswertes über alte Brauweisen“. Nach der Lehre ging es über die ehemalige Ziegelhofbrauerei in der Schweiz, die Lasser Brauerei in Lörrach und Fischer´s Brauhaus Mössingen noch zwei Monate ins Labor der Dinkelacker Brauerei Stuttgart. Weiterbildung gab es noch für ein Jahr zum Braumeister bei Doemens und zum Betriebswirt.

Gebraut werden auf dem 30 hl Braukonsudwerk, das erst 2019 in Betrieb ging, zehn verschiede all year round und fünf saisonale Bierspezialitäten. Das Export ist mit 40% ausstoßstärkste Sorte. Das sagenumworbene Bier-Appel hat es mir allerdings besonders angetan. Ein super süffiges, extrem zum Weitertrinken anregendes, untergäriges Unfiltriertes.  Der Sage nach ist die Bierappel ein Schlossgeist, die vor langer Zeit, spät in der Nacht, eine Magd beim Bierzapfen im Schlosskeller erschreckte, die ihren Herrschaften heimlich an die Biervorräte gehen wollte. Als die Magd den Spunden aus einem Fass zog, um ihren Krug zu füllen, wurde sie von der Bierappel überrascht. Vor lauter Schreck ließ die Magd den Spunden in ihren Bierkrug fallen und steckte ihren Finger in das Loch, um Schlimmeres zu verhindern. Daraufhin spottete die Bierappel: „Oho muss i do lacha, dr Zapfa en dr Kachel ond dr Fenger em Loch!“ Genial!

Die 4000 hl Verkaufsbier im Jahr bei 60% Fassbieranteil (vor 2020) werden mit dem 16° dH Wasser aus dem eigenen Brunnen gebraut. Wegen des etwas härteren Wassers verwendet Andi im neuen Sudhaus eine biologische Säuerungsanlage. Der Gärkeller verbirgt eine ganz besondere Rarität. Kunz Senior war einer der ersten Brauer in Süddeutschland, der 1976 das Vergären im geschlossenen, stehenden ZKG (Zylindrokonischer Gärtank) praktiziert hat. Zur damaligen Zeit ein absolutes Novum und extrem innovativ. Denn damals wurde üblicherweise in offenen Bottichen kalt bei 8°C vergoren. Bei dem heute in fast jeder Brauerei angewandten Eintankverfahren werden die Würzen bei 13 °C unter Druck vergoren.

Die Tanks stammen aus dem Hause Gross aus Radolfzell, das heute zur Firma Kieselmann gehört. Andi hat mir sogar verraten, warum sein nur im Sommer erhältliches Hefeweizen so lecker ist. Die Rezeptur seines Zeiselweizens ist unter Mithilfe seiner Freunde aus der Weissbierbrauerei Gutmann und der Brauerei Sonne Bischberg entstanden. Gelagert werden die Biere um die null Grad, ebenfalls stehend…

Nach dem Lagerkeller sind wir noch auf einen Sprung ins stillgelegte Jakob Carl Sudhaus Baujahr 1952. Wunderschön mit den original grünen Sudhausfliesen. Der Seniorchef möchte dort ein Biermuseum installieren. Da freu ich mich schon drauf…

Vorbei ging es an der hauseigenen Brennerei, bei der leider Gottes momentan aus altem Fassbier edler Bierbrand gezaubert wird,…

… direkt in die Brauereigaststätte zur Bierverkostung. Die Kunzens führen  nicht nur diese selber, sondern auch die zwei brauereieigenen Gastros „Hinz und Kunz“ in Schwäbisch Gmünd und in Abtsgmünd. Die Bierverkostung mit Andi und seinem Vater war ein bieriges Highlight. Ich werde mit Sicherheit baldmöglichst mit meiner Gattin wiederkommen und mir dann neben den köstlichen Bierspezialitäten ein leckeres Abendmahl und ein schönes Zimmer im Brauereigasthof gönnen.

Mein Fazit: Lamm-Bräu Untergröningen – sagenhaft!

Der Bräunlinger Bierpfad

Habe mit meinem Sohnemann Luki und meinem Bierbruder Olly was für die Gesundheit getan. Und wo geht das am besten? Natürlich an der frischen Luft. Und zwar dort, wo sie mit am gesündesten ist: Am Rande des wunderschönen Schwarzwaldes, im beschaulichen Bräunlingen. Denn dort gibt es nicht nur gesundes Bier aus der mir lieb gewonnenen Bräunlinger Löwenbrauerei, sondern auch einen lehrreichen Bierpfad dazu.

Braumeister André hat uns herzlich empfangen und am Startpunkt des Pfades, gleich neben der Brauerei gelegen, mit einigen Fläschchen leckerem Gerstensaft ausgestattet.

Nach intensiver Erklärung der Route, damit wir auch nicht auf falschen Pfaden wandern, ging es los auf die 6,5 km lange Bierrunde.

Immer gut gekennzeichnet, damit sich der durstige Wandersmann*innen auch nicht verlaufen mag…

Und zum Lernen gibt es dabei auch jede Menge. Zum Beispiel an der ersten Station über den herzoglichen Kanzler Leonhard von Eck, der das am 23. April 1516 durch Herzog Wilhelm IV. von Bayern erlassene Deutsche Reinheitsgebot niedergeschrieben hat. Danach darf zum Brauen bekanntermaßen nur Hopfen, Malz und Wasser verwendet werden.

Wir haben auch einiges über genau diese Zutaten an verschiedenen Stationen auf dem Lehrpfad erfahren dürfen. Spannend wurde es, als es um mein persönliches Lieblingsthema Biergeschichte ging…

Und um physikalische Maßeinheiten…

Mein Fazit: Raus an die frische Luft. In Bräunlingen schmeckt die besonders frisch. Cheers.