Die Untergärigen – Brauerei Lasser Lörrach

Lasser

Ja, ja, die Brauereisoftware. Da wir uns eine neue EDV anschaffen müssen (nightmare), wurde mir als Referenz die Brauerei Lasser in Lörrach genannt. Unter dem Motto, „tue was Du fürchtest und die Furcht stirbt einen sicheren Tod“, bin ich sogleich ins Auto gesprungen und ab zu meinem Studienkollegen aus Weihenstephaner Zeiten, Andreas Walter, nach Lörrach gedüst.

Dort angekommen wurden wir sehr herzlich von Andreas und seinem Vorfahren Carl Lasser begrüßt.

Andreas leitet seit 2000 die Geschicke der Brauerei, die 1850 gegründet wurde und heute zu den größeren Mittelstandsbrauereien in Südbaden zählt. Nach einer ausführlichen EDV Präsentation ging es dann endlich auf den Brauereirundgang. Los ging es mit dem wunderschönen Kupfersudhaus.

Hier nix Computer, sondern es werden noch mit einer ehrlichen Schützsteuerung und echter Handarbeit leckere Biere gebraut. Andreas braut rein untergärige Würzen, Pils ist regional bedingt die stärkste Sorte.

Vergoren wird im Gärkeller. Bei der Hauptgärung entsteht jede Menge Kohlensäure, die dann….

…praktischerweise im Ballon der CO2 Anlage aufgefangen und aufbereitet wird. Und CO2 wird zur Herstellung von Limonaden dringend benötigt. Denn neben den untergärigen Brauspezialitäten produzieren die Südbadener auch Limonaden in Form von Libella. …

…und jetzt ganz neu wird auch das leckere Brauwasser mit viel Erfolg in Flaschen abgefüllt. Mit dem funny Namen Lawa, Lasserwasser.

Ganz neu ist auch der Drucktankkeller. Nach der Filtration wird das filtrierte Bier in die Drucktanks gepumpt. Von dort gehen dann die lecker Biere ab in die Flasche oder ins Fass.

Ein Highlight und sehr sehenswert ist das liebevoll eingerichtete Brauereimuseum. Hier wird dem Gast eindrucksvoll der Wandel der Zeit aus Sicht der Brauerei aufgezeigt. Dann ging es noch in den brauereieigenen Biergarten und dort haben wir mit dem neuen lecker Lasser hell angestoßen. So macht EDV schauen Spass.

Mein Fazit: Andreas, Prost und danke für deine Gastfreundschaft.

Craftzentrum Berlin – new home for gypsies

Craftzentrum

Die Jungs von BRLO haben mit ein paar Craftbeer Verbündeten mit dem Craftzentrum im Februar 2018 einen neuen Meilenstein in die bunte Welt des Berliner Craftbeerorbits gesetzt. Das kann ich mir nicht entgehen lassen. Und so hat mich meine Neugierde gleich nach meinem BRLO Besuch in Richtung Spandau getrieben.

Dort hat uns Mario Eschenberg, der seit Anfang an das neue Projekt X begleitet, in die Geheimnisse eingeweiht.

Mario hat eine Brauerlehre bei Jever gemacht, ist VLB Braumeister und hat schon jede Menge Craftbeer Erfahrung in Costa Rica gesammelt. Die „Rent a Brewery“ ist top ausgestattet. Vom Sudhaus bis zur Flaschenabfüllung ist hier alles möglich. Sogar eine Zentrifuge zur Einstellung gleichmäßiger Trübung steht zur Verfügung….

… sowie eine KZE (Kurzzeiterhitzung).

Dadurch haben Gypsies und Nichtgypsies alle Möglichkeiten vor Ort, moderne, hochwertige Craftbeers unter perfekten Bedingungen herzustellen und abzufüllen. Da könnte mancher Oldschoolbrauer neidisch werden. Die neue HopGun ist der Hammer – Flying to the moon….

BRLO braut und füllt den gesamten Bedarf an Flaschenbier in Spandau ab. Durch die neue Braustätte haben die Jungs nicht nur ihre Kapa erhöht, sondern ihren Kollegen die Möglichkeit gegeben, Tankkapazitäten zu mieten.

Mein Fazit: Craftzentrum Berlin – WOW, WOW, WOW.

Craft, Craft, Craft – Olly´s archaische Feuerbrauerei

Gestern haben Olly, mein Bierblutsbruder und ich, uns einen lang gehegten Traum verwirklicht. Ein ganz ganz besonderes Bier zu brauen. In vielen Belangen richtig besonders. An einem besonderen Ort, mit besonderem Grünhopfen aus meinem Hopfengarten, besonderer Hefe vom Rolf aus Flötzlingen und Olis besonderer selber gebauter Feuerbrauerei. Der besondere Ort, ein geheimer, verwunschenen Platz mitten im Schwarzwald….

Geschrotet hat der Olly die 5 kg Wiener Malz auf seiner eigenen Schrotmühle mit ganzem Herzblut und voller Konzentration….

Das Holz fürs Feuer haben wir gemeinsam angeschleppt und in Wallung gebracht…

Eingemaischt haben wir im Verhältnis 1 zu 3 mit extrem weichen Schwarzwaldwasser von 1,7 ° dH. Bei 50°C ging es sachte los, entspannt über die Rasten auf 76°C.

Now it´s ready for läutering…

Und dann ging es mit dem Kochen los. Die erste Hopfengabe wollte sich Olly nicht nehmen lassen und hat den guten Hopfen mit der Würze vermählt. Eric Toft, Braumeister von Schönramer, anerkannter Grünhopfenpabst, hat uns hierfür noch paar Tips gegeben….

Geerntet haben wir den Spalter Select am Tag des Geschehens in meinem Hopfengarten und somit quasi pflückfrisch verbraut. Verwendet haben wir hochgerechnet ca. 3 kg pro hl.

Wie´s schön köchelt. Gekocht haben wir die gute Würze eine Stunde…

… und haben sie danach über Olly´s Hopfenseiher liebevoll und heiß in den Gärtank geleitet…..

Abgekühlt haben wir old school mäßig im alten Holzfass. Gespindelt haben wir die 17 l liebevoll gebraute Würze mit 16%.

Dann ging es zur obergärigen Hefebeschaffung zu Rolf nach Flötzlingen in die Hirschbrauerei. Doch vor der Hefeübergabe gab es erstmal ein schönes Bier von Rolf zur Begrüßung…..

Und jetzt gärt unser gemeinsamer Stolz bei Olly im Keller erstmal in Ruhe vor sich hin…..

Mein Fazit: Brauen macht so arg Spaß. To be continued. Prost.

BRLO Berlin – Das Containerbierparadies

BRLO

War neulich zur Bundesehrenpreisverleihung mit unserem Braumeister Gustl in Berlin. Voll langweilig das Palavern mit Politikern und so, voll schön das Biertrinken mit Brauerkollegen und so. Jedenfalls hat der Gustl nicht bei seinem von mir aufgezwungenen Sommelierkurs den Michael Lembke von BRLO kennengelernt, sondern während seines Studiums zum Dipl. Braumeister in Berlin. Und den Michael haben wir dann auch in seiner Brauerei besucht.

Über die erst vier Jahre alte BRLO wurde in einschlägiger Literatur für Craftbeer schon viel berichtet, denn sie zählt mit Fug und Recht zu den erfolgreichsten Craftbeer Breweries in Berlin. Empfangen wurden Gustl und ich total nett von der brasilianischen Brauerin Veronica Menzel. Sie hat ihren Braumeisterlehrgang und die Biersommeliere Ausbildung gemeistert und hilft Michael Lemke (der übrigens weder verwandt noch verschwägert ist mit der gleichnamigen Berliner Brauerei) beim Brauen.

Gebraut wird auf einer 20 hl Braukon Anlage. Sieben all year long Biere, wie das Pale Ale, Porter, Helles und Co.. Und hier achtet der Michael immer auf die Drinkability. Die Biere sollen Spass machen und zum Weitertrinken anregen. Ein wohl sehr wichtiger Grundpfeiler des Erfolgs von BRLO. BRLO ist übrigens der alte slawische Name von Berlin. Heute wurde ein Hefeweizen eingebraut. Schaut mal wie schön es maischt…

Die Jungs und Mädels von BRLO kommen dieses Jahr auf sage und schreibe 8.000 hl. Respekt. Und das liegt neben der super Bierqualität mit Sicherheit auch am ebenso genialen Marketing. Gelagert wird in nagelneuen Edelstahltanks…..

…. und ab und an wird für Versuchszwecke auch craftig daraus mit der Hand unterm Arm in die Probefässer gefüllt….

In der Containerbrauerei werden übrigens alle Biere ausschließlich in Fässer abgefüllt. Der Pachtvertrag des Grundstücks läuft leider nur noch wenige Jahre. Nach Ablauf muss dann leider umgezogen werden. Deswegen wurde die Brauerei gleich in transportfähige Container eingebaut. Das Flaschenbier wird seit Februar 2018 im nagelneuen Berliner Craftzentrum in Spandau hergestellt (Blog folgt). Eine wichtige Zutat für den Erfolg ist auch die eigene Gastro. Hier kann man richtig easy entspannen. Cool gemacht und richtig lecker.

Mein Fazit: World Craft. Echt cool.

 

 

Stadin Panimo Helsinki – Brauen was die Gulaschkanone hergibt

StadinPanimo

Bin Euch noch meinen zweiten Brauereibesuch in Helsinki schuldig. Außerhalb der wunderschönen Innenstadt liegt im Nirgendwo zwischen ehemaligen Gaskesseln und dem Food District die Stadin Panimo, oder auf Deutsch, die Brauerei Stadin.

1998 hat Timo Konttinen eine der ersten real craft breweries in Finnland gegründet. Ein finnischer Bier-Autodidakt erster Stunde. Ist wie einige seiner Kollegen über das Hobbybrauen zum Fulltime Brewer aufgestiegen und rockt mittlerweile recht erfolgreich seine Bude mit den 3 Mitstreitern seit 2012 am jetzigen Standort. Relativ schnell konnte, als der Kochtopf zu klein wurde, ein neues Sudhaus in Form einer ehemaligen Militärgulaschkanone, man sagt auch Poraschtank dazu,  angeschafft. Weltklasse.

Und hier braut er, was die Kanone her gibt. 500 l feinste finnische Würze pro Sud. Seine Spezialität ist das Experimentieren mit Hopfen, und das nicht zu knapp.

Das neueste Sudhaus ist übrigens gerade erst eingebracht worden und wird gerade eingefahren.

Gebraut werden 1.500 hl im Jahr. 90% wandern ins Fass für die Gastronomie. Seit 1998 hat Timo mehr als 600 verschiedene Biere eingebraut. Das Ginger Ale ist der Topseller. 2014 wurde sein Lager als das beste Finnlands gekrönt. Momentan hat er 20 verschiedene Leckereien am Start. Das Red Ale ist mein Geheimtipp. Ziemlich basic, drinkable, schreit nach mehr. Gelagert wird in kleinen, zylindrokonischen und auch in liegenden Tanks. Die Hopgun darf natürlich auch in Helsinki nicht fehlen. Schaut mal rechts unten, voll süß…

In Finnland galt von 1919 bis 1932 die Prohibition. Bis heute besteht das  staatliche Alkoholmonopol Alko (so heißt das wirklich) für Drinks über 4,7 %Vol.. Wobei seit diesem Jahr dieses speziell für Bier etwas gelockert wurde. Die Biersteuer ist mit 10€/Kiste echt strange, ein kranker Ausfluss und bestes Beispiel staatlicher Bevormundung. Kein Wunder, dass die Finninnen und Finnen umso mehr auf das leckerste Getränk der Menschheit scharf sind. Jedenfalls sehe ich einen klaren Zusammenhang zwischen prohibitionierten Ländern, in deren Folge die Brauereien geschlossen wurden, und Craftbeerverrücktheit im Hier und Jetzt. Monopole lösen den Wunsch nach Vielfalt beim gemein überreklementierten Bürger aus. Und das gilt gerade auch für Bier. Schaut mal mach USA, Norwegen, Island, Russland etc. was da in den letzten Jahren im Biermarkt abgeht. Genug der Politisierung. Zurück zum Spundapparat der PET-Klasse. Echt krass….

Timo hat aufgerüstet und sich eine neue Flaschenabfüllanlage gekauft. Nun wird hart kreativ am Design gebastelt…

Mein Fazit: Bierzwickeln in Finnland macht Spass. Kippes und Prost.

 

 

 

 

 

 

Big in Japan oder Japanverkostung total

Craftbeerjapan

Letzte Woche gab es in unserem Labor eine ganz besondere und in Deutschland wohl einmalige Bierverkostung der anderen Art. Christof, der Angetraute unserer Braumanufaktur GF-Assistentin Tina, hat uns aus dem fernen Japan sage und schreibe 46 Dosen und 2 Flaschen lecker Bierchen im Koffer mitgebracht. Und genau diese haben wir verkostet und bewertet.

Das dürfte wohl die bisher größte je durchgeführte Japanbierverkostung in Deutschland  gewesen sein. Teilgenommen haben Götz, Tina und Christof, unser Braumeister Simon, Kessi unsere Biersommeliere, sowie meine Bierigkeit ☺️.

Das einhellige Resümee: WOW! Extrem spannende, vielfältige und  bemerkenswerte Biere 🍻. Gewonnen hat das Yebisu, ein dem Kristallweizen ähnlicher Göttertank.

Der japanische Biermarkt hat einen sehr hohen Dosenanteil, Mehrweg gibt es gar nicht, in Flaschen wird nur sehr wenig abgefüllt. Im Supermarkt kostet die Dose 1,50-2€, in der Gastro zwischen 7-8€. Craftbeer ist in Japan mega hipster und stark am wachsen. Die Auswahl ist fast unendlich und für Nicht-Japaner nur durch kaufen und verkosten zu verstehen.

Tina und Christof, 1000 Dank🍻🍻🍻

Trachennow – Das obergärige Helle aus Dresden

Trachennower

Bei meinem Visit in Dresden bin ich samt Sohnemann Luki auf ein Bierchen bei Anton, Thomas und Alex vorbei geschneit. Seit 2014 brauen die Jungs auf ihrer homemade Brauerei ihr obergärigen Spezialitäten.

Das Sudhaus ist 100% Eigenbau. Auch die komplette Elektrik und das Wassernetz der Minibrauer alles real craft selfmade. Anton, der Chefbrauer unter den drei sächsischen Beernerds ist gelernter Koch und Informatiker und hat bei dem Dresdner Brauerkollegen Schwingenheuer 2005 ein Brauseminar gemacht. Sein Wissen hat er sich learning by doing voll autodidaktisch angebraut.

Ausgeschlagen werden 165 l. Außer dem legendären Hellen wird noch Weihnachtsbier und ein Dark Whisky Bierchen mit 15% Stammwürze gebraut. Sehr cool, die Direktbefeuerung der Pfanne….

Echt geil ist auch die Eigenfertigung der Maischeteilautomatik. Wie cool ist das denn….

Für ihr legendäres Helles verwenden die 100% Nebenerwerbsbrauer Pilsner Malz und Cara hell. Vergoren wird nur obergärig, den fehlenden Kühlmöglichkeiten geschuldet. In die Lagertanks wird mit 3,5% Restextrakt geschlaucht. Das schnucklige Einraumbrauereile hat echt Charme.

Mein Fazit: Obergäriges Helles, ein Prost auf die sächsische Braukunst.

T.E.A. Time Brewery Krakau

T.E.A Time

War mit der Family in Krakau und durfte zum Glück wenigstens eine Brauerei anschauen. Den T.E.A Time Brew Pub. Oder ausgeschrieben: Traditional English Ale Time Brewpub.

Dort braut der Michael Cuszczek seit Eröffnung 2014 seine very british Ales. Davor hat er 3 Jahre in der Brauerei Twieg gelernt.

Michael braut auf seinem Dave Porter Sudhaus von der Firma PBC ganz straight. Es wird 80°C heißes Wasser vorgelegt und mit geschrotetem Malz vermischt. Nach dem sogenannten Einmaischen landet er dann punktgenau bei 68°C. Und so bleibt es auch bis zum Abmaischen. Also ohne jegliche Maischerasten. Geheizt wird übrigens elektrisch. Ausgeschlagen werden 6 hl, die Ales haben „Läuterbottich bedingt“ zwischen 10% und max. 16% Stammwürze. Es werden ausschließlich nur reine english Ales gebraut.

Das Malz kommt von Viking, Weyermann und Fawcett & Sons. Seine Lieblingssorten sind Cara hell, Amber- und Oat Malz. Sein Lieblingshopfen ist der amerikanische Cascade.

Vergoren wird natürlich sortentypisch rein obergärig. Und das mit der SO4 Hefe. Gerade ist eine dringend nötige Verdoppelung der Gärkellerkapazitäten umgesetzt worden.

Michaels aktuelle Verehrerinnen bekommen auf dem Gärtank eine entsprechende Würdigung….

Sylvia, die Mitbegründerin von T.E.A. Time ist studierte Chemie- und Prozessingenieurin und mit viel Sachverstand und Leidenschaft für die Ales immer präsent.

Auf die Nachgärung wird verzichtet, da die Ales nur ein Hauch von CO2 haben, und die kommt aus der Hauptgärung im Gärtank. Gelagert wird in der Kühlzelle, von Hand  werden die beers in den Brewpub ein Stockwerk höher gepumpt.

Und wie kommt man nun darauf, ausgerechnet in Krakau traditional english Ales zu brauen? Der Papa von Mitbegründer James hat viele Jahre einen Brewpub mitten in England betrieben. Dieser wurde von der Brauerei an ihn verkauft und somit hatte er dann die Möglichkeit, viele verschiedene Ales zu verkaufen. Nach ein paar Jahren war dann die Liebe zu denselbigen so groß, dass er den Brewpub verkaufte und sich seinen Traum einer eigenen Ale Brauerei verwirklichte. Seine eigenen Ales wurden dann auch recht schnell hoch prämiert. James verschlug es nach Krakau, der Liebe wegen. Auf die Ales wollte er deswegen aber nicht verzichten, und braute dann mit Sylvia fleißig in der Garage, bis sie sich dann gemeinsam 2014, an den Anfängen der polnischen Craftbeer Bewegung, ihren eigenen Traum verwirklichten.

Von Papa sind noch 2 Rezepte im Einsatz: Black Prince, ein English Porter und der Topseller Englands Glory.

Mein Fazit: English Ales are Englands Glory. Cheers.

 

 

 

Schwingenheuer Dresden – ein Jungbier auf Reisen

Schwingenheuer

Mein Sohnemann Luki, Schöpfer des legendären kaltgehopften Lagerbieres Lucky Experience, hat während seines 2 monatigen Praktikums bei der Radeberger Brauerei Dresden einen Collaboration Brew gebraut. Und zwar mit dem Lehrling Jakob von der Schwingenheuer (links) und dem Brauer Philip von der Radeberger. Anlass des Sudes war die Hochzeit der Schwester von Philip. Gebraut wurde in der Versuchsbrauerei  bei Schwingenheuer in der Louisenstrasse in der Dresdner Neustadt. Christian Schwingenheuer braut seit einigen Jahren fancy Bierkreationen. Die Hauptbrauerei steht im Industriegebiet von Dresden und hat einen Ausstoß von ca. 1500 hl p.a.. Gebraut haben die Jungs ein APA, ein American Pale Ale. Abgeläutert wurde ganz klassisch, full metal Craft…

Kaum ein anderer Bierstil wurde so verschiedentlich interpretiert wie das APA. Die Jungs haben das malzbetonte Bierchen mit verschiedenen Spezialmalzen eingemaischt. Mit Münchner, Cara hell und Wiener. Vor dem Kochen wurde nochmal fleißig die Würze per Hand in die Würzepfanne umgepumpt…..

… und dann 5 min nach Kochbeginn unter Zugabe von Hopfen richtig schön geköchelt. Gehopft wurde mit Mandarina Bavaria und Hüll Melon. Die 2. Hopfengabe gab es beim Ausschlagen oben drauf…

Megageil wurde die Heißtrubausscheidung gelöst. Und zwar haben die Jungs mit einem Paddel die gekochte Würze in der Sudpfanne im Uhrzeigersinn in Drehung gebracht und kurz vor dem Beenden des Ausschlagens ihr selbstgebasteltes Sieb in die Pfanne gelegt. So verbleibt der Heißtrub schön brav in der Pfanne und stört später die gute Hefe beim Vergären nicht…

Gekühlt wurde nach dem Befüllen der heißen Würze in die Bierfässer bei Zimmertemperatur…

Für die obergärige Bierspezialität APA wurde die gute S04 Hefe verwendet, direkt aus der hauseigenen Hefereinzuchtanlage….

Nach der Vergärung musste das Jungbier in Ermangelung ausreichender Kühlkapazität in der Versuchsbrauerei auf Reisen gehen. Und zwar per pedes….

…zur Tramstation. Und von da, per Tram…..

…direkt in das Kühlhaus der Brauerei. Coole Logistik Jungs.

Christian Schwingenheuer, Gründer und kreativer Kopf der gleichnamigen Brauerei, ist echt eine Marke. Von Lenins Hanf bis Pegida Alkoholfrei entspringt alles seinem Geist. Er macht nicht lari fari, sondern bezieht Position. So wie sein jüngster Clou, der es sogar in die Bild geschafft hat. Respekt.

Mein Fazit: Ob großer oder kleiner Brauer: Bier verbindet. Danke Jungs. Ihr steht für Toleranz.

 

 

Olarin Panimo Helsinki – Craftbeer, Trash und Underground

olarinpanimo

Die erste Station auf meiner Weltbierreise, die mir meine Kumpels zum 50. Burtseltag geschenkt haben, war Helsinki. Anlass war der Besuch beim Craftbeerfestival Helsinki, den wir natürlich mit verschiedenen Brauereibesuchen verbunden haben. Perfekt organisiert von meiner lieben Frau Kessi. In Finnland gibt insgesamt ca. 100 Brauereien, davon 60 Craftbeer Breweries und 3 große Player. Die Craftbeer Brewer sind im Verband Pienpanimoliitto zusammen geschlossen und haben sich seit 2012 eine beachtliche Präsenz in Gastro und Handel erarbeitet. Ein Vertreter ist der Ville, der 2015 seine Brauerei gegründet und 2017 an den jetzigen Standort verlegt hat. Der volle Quality Freak. Als ehemaliger Zivilmitarbeiter bei der finnischen Army ist er über das Bier zum Beernerd geworden. Ville hat sich autodidaktisch seine Bierkompetenz erarbeitet und braut verrückte Biere, was das Zeug hält. Interessant ist, dass es in ganz Finnland, bei 5 Mio Einwohnern, keinen richtig gelernten Braumeister gibt. Mal von den 3 großen Brauereien abgesehen.

Nach dem Festival sind wir dann auch als Erstes in Villes Olarin Panimo aufgeschlagen. Die Brauerei ist genial gelegen mitten im Univiertel von Helsinki.

Dort hat uns Hanna mit ihrem Brauereischlüssel begrüsst. Hanna hat seit Januar 2018 den Bereich Design, PR und Sales zu ihrem eigenen gemacht.

Momentan braut Ville noch auf der alten 5 hl Braumeister Anlage aus Ofterdingen. Seit Gründung hat er schon über 50 verschiedene fancy types eingemaischt.

Hierbei greift er auf gefühlte 100 verschiedene Malzsorten zurück, besonders gerne auf die von seiner Lieblingsmälzerei Viking Malt.

Vergoren wird noch in den dazu passenden Miniatur Gär- und Lagertanks, ebendalls von Speidel.

Momentan wird in derselben Halle parallel dazu die neue 30 hl Anlage aus dem Hause Ant System installiert. Zur Kontrolle und Abnahme ist Ville erst neulich in China gewesen.

Die neuen Gär- und Lagertanks sind auch schon da, so dass bald die erste Würze aus dem neuen Sudhaus in denselben vergoren werden kann.

Bekannt sind die Olarinen durch ihre IPAs Rap-Trio-Underground. Die gibt’s in 2 Varianten. Eine mit 6,5% Alk. und 70 IBU, die andere mit 4,5% Alk.. Vergoren wird unter Zugabe von 3 kg pro hl Ananas und Mango. Cool ist auch die Linie Smash. Verschiedene Varianten single malt und single hopped. Crazy. Bisher wird der finnische Gerstensaft nur in Fässer abgefüllt. Die Flaschenabfüllung passiert im Brauzentrum der United Gypsies Brewery. Beliefert werden 100 Pubs und viele Getränkemärkte. Die eigene Flaschenabfüllung folgt noch in diesem Jahr. Da geht was. Mein Liebling ist das „Not for Jokinen“. Ein double IPA mit 8,5% Alk., doppelt „gedryhopped“ mit den Hopfensorten Nelson Sauvin und Mosaic. Bockstark und super fruity.

Mein Fazit: Ville und Hanna, auf nach Böblingen zum Collaboration Brew. Da maischen wir gemeinsam „Nicht für Hans“ – finnish style ein. Freu mich.