Staropramen – Ab ins Visitorcenter

Staropramen

Habe mich in Prag mit meinen Brauerkollegen zu Bier- und Brauereifachgesprächen getroffen. In der Mitte Dieter Schmid von der Brauerei Waldhaus und links Holger Fichtel von der Arcobräu Moos mit seiner berühmt berüchtigten Mooser Liesl. Ein Programmpunkt war der Besuch der Staropramen Brauerei, ein Betrieb des Molson Coors Konzerns. Dieser ist weltweit der fünftgrößte Brauereikonzern mit 96 Mill. hl p.a. und einem Weltmarktanteil von 5%. Nachdem wir unseren Besuch angekündigt hatten, haben wir von den Kollegen von Molson Coors den gastfreundschaftlichen Hinweis bekommen, dass keine Brauereiführung unter Kollegen möglich sei und wurden auf ihr „Visitorcenter“ verwiesen (Anmerkung Redaktion: einmaliger Vorgang. Unter Brauern ist die Brauereitüre immer offen). Das hat der konzentrierten Stimmung keinen Abbruch getan und so ging es hoch motiviert und neugierig in das Centro Visitör.

Die Brauerei wurde 1869 gegründet, das erste Staropramen verließ dieselbe 1911. Gute alte Zeit…

Im alten Sudhaus wird auf die lebhafte Vergangenheit Bezug genommen. Die Übernahmekapriolen nach dem Zusammenbruch des Ostblocks bleiben weitgehend unerwähnt. Von Bass gekauft, wurde Bass später von InBev geschluckt. Dann landete die Brauerei über eine Private-Equity Gesellschaft schlussendlich bei Molson Coors.

Dann ging es an schwebenden Sudpfannenhauben vorbei….

… zu einem ganz interessanten, vollständig erhaltenen Brauereilabor aus den Anfängen des 20. Jahrhunderts.

Das wars dann auch schon mit dem Rundgang durch das Visitor Center  und so landeten wir in der Bar desselben.

Zu verkosten gab es vier Biere….

…die wir rasch leerten, um uns in der Innenstadt im „Original Beer Spa“ von den Strapazen zu erholen.

Mein Fazit: Manchmal ist Spa besser als Bier. Na zdravi.

Meteor trifft Tiger – Auf Brauhaus Tour in Strassbourg

Meteor

Nach unserem Collaboration Brew bei Vivien in Colmar ging es nach Strasbourg zum Brauhaus-hopping. Genächtigt haben wir in einem der ältesten Hotels Europas, dem Cour du Corbeau. Absoluter Geheimtip! Nach unserer Ankunft sind wir gleich ganz zufällig über das Brauhaus der Brasserie Meteor mitten in der Fußgängerzone der Altstadt gestolpert.

Die Jungs und Mädels von Meteor haben ihren Biertempel im Oktober 2019 eröffnet. Ganz schön mutig in einer weingeschwängerten Gegend unterhalb der elsässischen Weinstrasse. Die Brasserie Meteor, oder auf Deutsch Brauerei Meteor, ist mit rund 500.000 hl Jahresproduktion die größte familiengeführte Privatbrauerei in Frankreich. In ihrem Brauhaus wird zwar nicht gebraut, aber die halbierte, an die Wand gedübelte Kupfersudpfanne mit Barfunktion lässt keine Brauerwünsche offen. Gebraut wird übrigens im 25 Autominuten entfernten Hochfelden nördlich von Strasbourg.

Auf gut und gerne 1000 m2 Gastrofläche wurde hier ein Brauerei Flagshipstore der Extraklasse und neuesten Generation verwirklicht. Der echte Hammer. Von der Hauptbar Nr. 1 ….

…bis zur Bar Nr. 2 auf dem historischen Bieromobil. Voll lässig und mitten drin im Gastrohimmel.

Die Biere durch die Bank rein, lecker und mega süffig. Vom selbstgebrauten Abtei Remake, über Baltic Porter, IPA, Blanche bis zum Lager. Mein Lieblingsmeteor  ist das Pils.

Bevor es ins nächste Brauhaus ging, haben wir uns noch mit der leckeren elsässichen Brauhausküche gestärkt und ein wenig über die Örtlichkeiten gefreut…

Fünfzehn Minuten fußseitig vom Meteoriteneinschlag entfernt, liegt gleich hinter dem Altstadtausgang das zweite super moderne im industrial vintage style konzipierte Brauhaus Le Tigre der Brauerei Kronenbourg. Kronenbourg ist mit 30% Marktanteil und ca. 5.000.000 hl Jahresproduktion die größte Brauerei in Frankreich und gehört zum Carlsbergkonzern in Dänemark. Carlsberg ist nach AB InBev, Heineken, China Ressources Breweries die viertgrößte Brauereigruppe der Welt.

Empfangen wird man in der Bar „Le Petite Tigre“ von ein paar süßen Miniaturgärtanks. Hier werden die saisonalen Spezialitäten vergoren. Erwähnenswert ist das IPA, ordentlich durchgehopft und absolut biersortentypisch. Der Hauptgastraum „Le Grand Tigre“ mit einer Kapazität von gefühlten 200 Sitzplätzen ist schon auf den ersten Blick echt beeindruckend…

… zumal er sich mit dem zweiten, IPA-geschwängerten Blick als Auslaufgehege des elsässischen Tigers offenbart.

Sehr cool sind die zwei riesengroßen Flammkuchenofen, aus denen die Hälfte der auf der Karte befindlichen Spezialitäten geboren werden.

Mein Fazit: Strasbourg, nicht nur brauhausmäßig immer eine Reise wert. Chapeau.

 

Auf Biersafari in Südafrika

Nach unserer Begegnung mit meiner neuen vollmundigen Liebe, dem Rooibosbier aus Stellenbosch, ging es hochmotiviert entlang der Gardenroute auf bierige Südafrika Brauerei Challenge. In Südafrika werden ca. 30. Mio. hl (Hektoliter) Bier hergestellt, in Deutschland 90 Mio. hl und in den USA 210 Mio. hl. Erster Halt war im  landschaftlich unfassbar schönen Nirgendwo in Stanford, 144 km südöstlich von Kapstadt. Dort hat uns der nette Winemaker & Viticulturist David Smith mit einem Bier begrüßt und durch die Brauerei geführt.

Die Birkenhead Brewery wurde 1998 gegründet und zählt somit zu den ältesten Craftbeer Brauereien Südafrikas. Sie gehört zu den Walker Bay Vineyards und ist in dem 22 ha großen Weingut mit integriert. Das Weingut gehört einem Minenbesitzer, der seiner Mannschaft freie Hand lässt und sich 1-2 mal im Jahr bei seinem Besuch in Stanford über seine excellenten Weine und Biere freut.

Gebraut wird auf einem 20 hl Biering Sudhaus von der Fooding GmbH Stuttgart. Bin diesem Sudhaus das erste Mal begegnet und konnte über diese Firma leider keine weiteren Infos finden. However, die bierigen Ergebnisse überzeugen trotzdem.

Die Biere werden alle filtriert und im Kammerpasteur pasteurisiert. Was durchaus Sinn macht, bedenkt man die Vertriebswege aus dem Nirgendwo und die hierzu benötigte mikrobiologische Haltbarkeit.

Mein Favorit ist der Goldgewinner des World Beer Cups 2018 in der Kategorie Lagerbiere Südafrika, das Lazy Leopard. Die Bierkarte durchzuprobieren lohnt sich.

Weiter ging es ins Hop Valley, das Hopfenanbaugebiet Südafrikas. Hier wird auf 400 ha Hopfen angebaut. Der meiste Hopfen wird vor Ort verbraut. Im Vergleich hierzu werden in Deutschland auf 19.000 ha Hopfen angebaut und in den USA auf 21.500 ha.

Weiter ging es zu meiner kleinsten und schnucklichsten Brauerei auf der Reise: Der Franschhoek Brewery.

Das Brauereile wurde fertig montiert in einem Überseecontainer Richtung Afrika geschippert und hat dort seine endgültige Bestimmung gefunden.

Der Craftbeer Markt in Südafrika boomt mittlerweile derart, dass ca. 100 Klein- und Kleinstbrauer ihrem Handwerk nachgehen. Was die Winzer können, können auch die Brauer. Und so lohnt sich ein Besuch in Franschhoek nicht nur wegen der durchweg sauber gebrauten Biere, sondern auch wegen der….

…zum Verweilen einladenden Gastronomie in gechilltem Ambiente. Mein Favorit ist das O.P.A., ein Orange Pale Ale mit einem Hauch von Orangenschalen. Lecker.

Dann ging es Richtung Kapstadt mit seinem Hausberg, dem Table Mountain…

Vor der obligatorischen Hop on Hop off Runde mit dem Doppeldeckerbus ging es zuerst an die von den Touristen beliebten Waterfront ins….

… zum Erfrischen in waschechtem deutschem Wirtshausambiente bei 30°C Außentemperatur.

Die letzte Bierstation war dann auch die größte unserer Südafrika Challenge. Und zwar ging es durch die schnuckelige 5.000.000 hl Zweigstelle der AB InBev Tochter Newlands Brewery. AB InBev hat vier Braustätten in Südafrika, die vor der Fusion zur SAB South African Breweries gehörte. AB InBev ist der weltgrößte Bierproduzent mit einem Weltbiermarktanteil von 30%.

Neben ihrer Hauptmarke Castle haben sich die Brauer aus Kapstadt auch dem Craftbeer Trend geöffnet und eine kleine, süße Brauerei  mit der Kapazität einer kleineren Mittelstandsbrauerei in Deutschland installiert.

Natürlich alles vom Feinsten. Vom Kaspar Schulz Sudhaus bis zu den stehenden Gär- und Lagertanks.

Dann ging es mit den Jungs noch im brauereieigenen Biergarten fleißig verkosten, bevor wir an der Waterfront an einem geheimen Gastrostandort das  unpasteurisierte Castle Draught als Absacker genießen durften.

Mein Fazit: Bier auf Wein, das ist fein. Wir kommen wieder.

Die Entdeckung – Rooibosbier bei Stellenbrau

Stellenbrau

Auf unserer Reise durch Südafrika haben wir neben gefühlten zehn (!) wunderschön gelegenen Weingütern rund um Stellenbosch auch 4 Brauereien besichtigt (Zusammenfassung folgt). Und ausgerechnet im Herzen des Weinanbaus von Südafrika haben wir eine ganz besonders bemerkenswerte Bierentdeckung gemacht. Und zwar bei der Stellenbrau.

Die Stellenbrau wurde 2012 durch Deon Engelbrecht eröffnet. Deon hat sich der simplicity, der Einfachheit, verschrieben. Keep it simple. Einfach geiles Bier brauen. Und wie sie das machen hat mir sein Braumeister Wonderboy eindrücklich vermittelt. Wonderboy ist seit drei Jahren als Oberbrauer bei Stellenbrau und verantwortlich für die excellenten Gerstensäfte.

Gebraut wird mit Malz – von wem wohl? Natürlich mit Malz von Weyermann aus good old Germany. Der Hopfen stammt aus dem hop valley in Südafrika, das wir ebenfalls während unserer Reise besucht haben. Gemaischt wird mit dem absteigenden Infusionsmaischverfahren. Dabei wird bei 80°C eingemaischt, sodass nur die stärkeabbauenden Alpha Amylasen und die eiweissabbauenden Proteasen wirklich wirken. Wonderboy zieht so in optimierten 60-90 Minuten sein Maischprogramm durch. Mit diesem Maischverfahren habe ich auch schon in diversen englischsprachigen Alebrauereien Bekanntschaft gemacht. 

Gebraut werden auf dem 5 hl Sudhaus 1.500 p.a.. Hauptsorte ist das Cravencraft Lager mit 11 % Stammwürze und Alkohol 4,5 % Vol.. Die Biere sind alle sehr rein, mit einem Tick Restsüße und vollen, opulenten Körperrundungen ausgestattet. Der Hammer allerdings ist meine Neuentdeckung 2020. Und das schon im Januar, das kann ja heiter werden. Das Governor´s Red. Benannt nach dem Gründer von Stellenbosch Governor Simon van der Stel. Der absolute Wahnsinn mit unglaublich intensiven Rooibosaromen. Gebraut wie das Cravencraft, wird beim Würzekochen neben dem Hopfen noch 1 kg Honeybusch und 1,5 kg Rooibostee mitgekocht. Und zwar in überdimensionierten Teesieben…

Stellenbrau hat ein eingetragenes Patent für sein Rooibos Lagerbeer. Vertrieben wird das Rooiboswunder hautsächlich in der Region und im  50 km entfernten Kapstadt. Die Brauerei ist sehr gepflegt, der Gär- und Lagerkellerbereich tip top…

Alle Anlagen, vom Sudhaus bis zum Spundapparat sind aus China importiert worden.

Mein Fazit: Zum Frühstück Rooibosbier statt Rooibostee. I like it.

Brewery and Taproomtour in London – The Bermondsey beer mile

Bermondsey Beer Mile

Habe dieses Jahr fleissig in der Jury des World Beer Awards in London mitgearbeitet. Mein Nebensitzer beim Degustieren war der craftbeerverantwortliche Braumeister der San Miguel Gruppe in Spanien. Er hat mir den Tipp gegeben, dass keine 15 Minuten fußseitig von der Tower Bridge entfernt ein super hipster Craftbeer El Dorado zu finden sei. Also nichts wie hin…

Und die Gegend ist wirklich hipster und wenig von normalo Touristen besucht. Die craftbeer locations sind alle unter einer Bahnlinie beheimatet. Im Umkreis von 2 km sind hier knapp 20 Craftbeerhotspots in Form von kleinen Brauereien oder Bottleshops zu finden.

Los ging es mit dem Taproom der MOOR Beer Company. Der Kalifornier Justin Hawk hat seine Brauerei 2007 gegründet. Seit 2014 braut er seine Biere in Bristol in einer nagelneuen Brauerei. Da freut sich der Gustavo, einer meiner treuen Wegbegleiter in Sachen Bier.

Der Taproom ist echt fancy gestylt und ist seit 2018 hier am Start. Justin braut seine Biere ganz nach unserer deutschen handwerklichen Philosophie, selbstredend angelehnt an unser Reinheitsgebot. Bei ihm kommt keine Fischblase zur Klärung der Biere in den Tank. Dies ist in England übrigens durchaus üblich und hat dort eine lange Tradition. Dafür braut er mit der typischen Westcoast dryhopping Methode und zaubert daraus, wie er sagt, sein Modern Real Ale.

Im Hinterzimmer seines Taprooms hat er seine oak aged Fässer gelagert. Ganz wichtig ist ihm, dass die drinkability an oberster Stelle steht. Abgefüllt und ausgeschenkt wird aus kegs, casks, Dosen und Flaschen. Am Besten hat mir sein REVIVAL gemundet. Ein ganz ehrliches, super drinkable Bitter mit 3,8 Vol.%. Für mich eines der besten modernen Bitter. Ganz nach seinem Motto: Drink MOOR Beer.

Zwei Gleise weiter sind wir in die…

gestolpert… Den Bermondsey beer mile crawl gibt es übrigens seit 2014 und er ist total organisch gewachsen. Hier kommen und gehen die Bars und Taprooms wie die Sude einer florierenden Brauerei. Nichts hat wirklich Bestand bis auf die eingesessenen Craftbrewer der ersten Stunden. Die besten Besuchszeiten sind ab Freitag Nachmittag and the whole Saturday long. Da sind die meisten locations geöffnet.

Die meisten von ihnen sind sehr rough bis puristisch gestylt. Oak aged beer findet man nicht nur im Brew by numbers sondern auch….

…. in der…

Ein echter hotspot auf unserer Tour. Hier findet ihr zu den handwerklich sauber gebrauten Köstlichkeiten auch Leckeres auf die Gabel.

Und dann ging es Schlag auf Schlag von einer Craftbeerlocation in die Andere. So lange bis der Elefant kommt…

Und der hat super nette Leute und.…

… juicy IPA im Angebot. Wer es schön fruchtig mag, ist hier genau richtig.

Mein Fazit: Nach dem langen fancy craftbeer walk empfehlen wir einen Scotch Whisky Absacker an der Hotelbar mit James. Cheers.

 

 

Hofstettner – Bock auf Granit

Hofstettner

Habe an meinem Bierwellnesswochenende im Bayrischen Wald einen Abstecher zur Hofstettner Brauerei im Nachbarland Österreich gemacht. Die Brauerei liegt wunderschön ca. 25 km nordwestlich von Linz mitten im Mühlviertel.

Nach herzlicher Begrüßung durch meinen Biersommelier-Kollegen und Braumeister Markus Thaller ging es gleich ins alte 40 hl Sudhaus aus dem Jahre 1929. Das Sudhaus ist immer noch in Betrieb. Auf der historischen Brauanlage werden die besonderen Raritäten Granitbock, Heines altes Lager und das original Hochzeitsbier gebraut. Markus ist ein echtes Eigengewächs der Brauerei. Er hat dort seine Brauerlehre gemacht und ist dann für ein Jahr zum Nachbarn, der 25.000 hl großen Stiftbrauerei Schlägl, gewechselt. Danach hat er den Meister bei Doemens gemacht, bevor es für weitere zwei Jahre in die Forschungs- und Entwicklungsabteilung nach Salzburg zur Brauerei Stiegl ging. Seit 2012 ist er verantwortlicher Braumeister in Hofstetten und hat die Brauerei von 6.000 hl auf 9.600 hl mit entwickeln können. Heute sind in der Brauerei 15 Mitarbeiter beschäftigt. Markus braut mit Unterstützung seiner vier Brauer die leckeren Bierspezialitäten.

In Österreich gibt es einen Reinheitsgebots-ähnlichen Lebensmittelcodex für die Bierherstellung. Abweichend sind unter anderem bis zu 25% Rohfrucht an der Schüttung im Sudhaus oder der Einsatz von technischer Milchsäure und Ascorbinsäure (Vitamin C) erlaubt. Für die Hofstettner Kreativbiere dürfen Kürbis und Honig verwendet werden. Dies muss allerdings deutlich auf dem Etikett deklariert werden. Künstliche Aromatisierung ist auch in Österreich ein No Go. Die Vier-Walzen-Schrotmühle der Firma Seeger aus Bad Cannstatt ist immer noch für das Schroten auf dem alten Sudhaus verantwortlich. Und das seit mehr als 100 Jahren.

Die Brauerei wurde 1229 erstmalig urkundlich erwähnt und gilt als die älteste Brauerei Österreichs. Gebraut wurde in der damaligen Zeit in einer alten „Raststätte“ auf dem Salzsträssle Passau – Linz, um die Händler mit gutem Gerstensaft zu stärken. Seit 1849 ist die Brauerei im Besitz der heutigen Eigentümerfamilie Krammer. Heute steht die Herstellung von Spezialbieren im Fokus. Ganz besonders hat mich neben dem Granitbock auch das Heines altes Lager beeindruckt. Hierfür wurde von der Genbank in Linz das Saatgut der ca. einhundert Jahre alte Braugerstensorte Heines Haisa bezogen und von zwei Landwirten in der Nachbarschaft wieder angebaut. Diese sehr kleinen Körner mit einem hohen Spelzenanteil werden extra vermälzt und sind sehr gerbstoffhaltig. Gemaischt wird so wie früher im Dreimaischverfahren. Trotz 90 Minuten Kochzeit hat das Bier eine intensive DMS Note. Einen Geruch, der an Gemüse erinnert und in den heutigen Mainstreambieren eher als verpönt gilt.

Gehopft wird der historische Göttertrank mit der ursprünglich aus England stammenden Hopfensorte Malling. Diese Hopfensorte ist speziell im Mühlviertel dominierend und für Markus in Bio-Reinform angebaut. Das Mühlviertel ist nicht nur das größte österreichische Hopfenanbaugebiet, sondern gehört auch zu den Keimzellen der Biobewegung. Heines altes Lager ist ein echtes Unikat. So könnte Bier vor 100 Jahren geschmeckt haben. Denn originaler, als auf einem fast einhundertjährigen Sudhaus mit original Braugerste aus dieser Zeit zu brauen, geht nicht mehr. Total faszinierend. Die Flaschen werden bei der Stiftbrauerei Schlägl abgefüllt. Das neue Braukon Sudhaus ist seit 2015 in Betrieb. Ausgeschlagen werden hier 20 hl. Für den Einsatz des Naturhopfens hat Markus einen Hopbag in Verwendung. Die neuere Art eines klassischen Hopfenseihers.

Das österreichische Märzen mit 4,7 Vol.% Alkohol ist vom Bierstil her vergleichbar mit dem Bayrisch Hell und hat einen Marktanteil zwischen 70% und 80%. Der österreichische Biermarkt ist wie unsere deutscher extrem preissensibel. 80% der Biere werden im Handel von den Mannen der Spars und Rewes über Aktionen verramscht. Für mich ist genauso schmerzhaft wie unverständlich, dass gerade auch die Jungs von der Brauunion, Stiegl Brauerei und Zipfer das mitmachen. Denn auch ihre Biere sind durchweg qualitativ mehr wert als unterirdische 10€ pro Rahmen. Aus diesem Grund besetzen die Hofstettner mit ihren Bieren die Spezialitätenlücke.  Die neuen Tanks stammen aus dem Hause Rieger und von dem Tankbauer Müller.

Das Brauwasser kommt aus einem eigenen Brunnen und hat 4 ° dH. In Österreich gibt es zwei Mälzereien. Die zur Ireks Malz Gruppe gehörende Stamag und die Plohberger Mälzerei in Grieskirchen. Für das Bio Mühlviertel Bier werden 100% Zutaten aus dem Mühlviertel verwendet. Mein Hofstettner Lieblingsbier ist allerdings der Granitbock mit leckeren 17,8 % Stammwürze, den es auch in der Graniteisbockvariante mit 12 % Alkohol gibt. Die Herstellung der Granitbiere hat mich dann doch bewegt. Die kalte Würze wird in Granitbecken, ehemaligen Sauerkrautbottichen, vergoren….

 

…nachdem sie unter Zugabe von glühenden heißen Granitsteinen karamellisiert wurde. Der älteste dieser Steinbottiche ist übrigens aus dem Jahre 1649! Die Hauptgärung findet zwischen Januar und März in den kalten Kellern statt, im Lagerkeller wird bis September gereift.

Mein Fazit: Von unfiltriertem Kübelbier bis Granitbock. Markus du machst einen mega Job. Ein Prost auf deine Inspiration.

 

Bräunlinger Löwenbräu – 40 Tage Kellerruhe

Bräunlinger Löwenbräu

Auf den Spuren meiner Vergangenheit hat es mich zu einer wunderschönen Traditionsbrauerei in den Südschwarzwald verschlagen. Und zwar nach Bräunlingen, nur vier Kilometer neben Donaueschingen mit der zweitgrößten Schwarzwälder Brauerei, Fürstenberg, gelegen. Vor ein paar Jahren habe ich mich nach erfolgreicher Bewältigung des Schwarzwaldmarathon im Zielbereich so arg über den Senior Brauereichef Friedrich Kalb gefreut. Der hat mein Brauereiauto beim Parken gesehen und präventiv mit Halbe und Roter Wurst im Zielbereich auf meinen verspäteten Einlauf gewartet. Das war das leckerste Siegerbier meiner kurzen Laufbahn. In der Brauerei angekommen…

… hat uns gleich die fast komplette Familie Kalb im Sudhaus empfangen. Mit an Bord, die 9. Generation Kalb.

Das Jakob Carl Sudhaus Baujahr 1998 habe ich in der Art auch bei der  Brauerei Schimpf in Remmingsheim und bei der Gaildorfer Brauerei gesehen. Ausgeschlagen werden pro Sud 44 hl. Neben der Hauptsorte Pils mit 28 IBU, aus der dann das Meister Pils und die super süffige, leckere, unfiltrierte Variante Keller Pils wird, brauen die Bräunlinger noch ihr Edel Export und das Hefeweizen Weisser Leo ein. Das Pils wird mit Perle, Tradition und Tettnanger gehopft.

Das Hefeweizen ist echt bemerkenswert lecker. Kein Wunder, denn vergoren wird im Schnabeltank und nach der Abfüllung gärt das gute Gebräu noch in der Flasche nach. Die obergärige Leckerei ist die zweitstärkste Biersorte der Brauerei. Im Jahr brauen die Kalbs 4.500 hl. Die Hauptgärung läuft bei den Untergärigen bei max. 10°C, bei den Obergärigen bei max 22°C. Geschlaucht wird mit Restextrakt und gelagert mindestens 40 Tage bei 0°C Raumtemperatur. Das gibt mega bekömmliche Biere.

Damit die Gärung auch immer gut durchflutscht, wird fein säuberlich im Labor mit dem Mikroskop, Marke Eigenbau, die Hefezellzahl bestimmt. Echt tricky.

Seit 2012 unterstützt Andre Luis Martins Pinto, der Schwiegersohn, die Kalbs beim Brauen. Er hat den Bachelor Chemie in Brasilien gemacht und bei einem Heinekenableger dort geschuftet. Bei der Doemensausbildung in good old Germany hat er seine große Liebe Evelin kennengelernt und nach weiteren fünf Jahren in Brasilien bei der Cerveceria Schincariol ging es dann ab nach Bräunlingen.

Seine zweite Liebe, das Schwarzbier, hat er in seinem Black Lion zum Ausdruck gebracht. Mit acht Malzen gebraut, vom Carared-, Röst- bis zum Rauchmalz, hat das Bier eine wundeschöne Nase bei rabenschwarzer Farbe. Soooo lecker. Filtriert wird mit einem Kieselgurrahmenfilter Baujahr 1983 von Seitz Ensinger Noll. Ohne Trap oder Schichtenfilter im Anschluss. In Bräunlingen nicht notwendig, da blitzt die ganze Brauerei von oben bis unten. Übrigens erfährt diese Art von Filtration bei dem einen oder anderen Braumeister wieder eine Renaissance. Trotz oder gerade wegen der Crossflow und Co. Entwicklung.

Und wenn ihr nach Bräunlingen kommt, bringt noch a bisserl Zeit mit für den Bierpfad…

….und die braufrischen Biere im Bräustüberl gleich neben der Brauerei.

Mein Fazit: Bräunlingen lohnt sich auch ohne Marathon. Danke liebe Familie Kalb.

Bräugier – Die jüngsten Crafties Berlins

Bräugier

War letztes Wochenende auf einer Kurzvisite in Berlin. Denn da wird es einem Beerfreak nicht langweilig. Gefühlt entsteht an der Spree jeden 30. Tag eine neue Craftbeerlocation. Kleiner Tip am Rande des Bieruniversums: Geht ins Adlon zum Frühstücken. Da kann man von 10 Uhr bis 12 Uhr lecker vespern. Hört sich dekadent an, Preis – Leistung ist unschlagbar. Von Butterbrezel über Kaviar bis zu Dumplings – lecker, lecker Essen vom Feinsten. Und das für 45€ inkl. Schampus satt. Naja, jedenfalls habe ich die Zeit genutzt und die neuesten Caftbeerfreaks mit eigener Brauerei und Taproom im Bezirk Prenzlauer Berg besucht.

Die Gründer Brian Trauth und Johannes Dunkel haben im Februar in der Location angefangen zu brauen und den Brewpub dann im April 2019 eröffnet. Ich habe Johannes beim Craftbeerfestival in Stuttgart kennengelernt. Das  Innendesign echt freaky…..

…coole Bierphilosophie. Die Jungs feiern Deutsche Biervielfalt und die schließt geile IPAs, Sauers and so on null aus.

Johannes ist der Brauer und Brian der Anschieber. Brian, 40 Jahre jung, schaut auf einen nie langweiligen Lebensweg zurück. Geboren in New Orleans mit deutschen Vorfahren aus der Pfalz, ist er ganz im Herzen ein echter BWLer. Studiert in good old Germany, hat es ihn nach London zu den Pleitegeiern Lehmann Brothers Investment Banking verschlagen. Nach dem Finanz Crash 2008 hat er den Blick frei gehabt für den entstehenden Craftbeertrend in England und Amerika und das Potenzial für sich in Deutschland gesehen. Zuerst haben Brian und Johannes als Zigeuner in Hartmannsdorf brauen lassen, bis dann der Traum vom eigenen…..

…wahr wurde. Die 4 hl Brewiks Anlage ist echt witzig. Zwei Behälter – that´s it.  Vorne der Maischbottich und Würzepfanne, hinten der Läuterbottich und Whirlpool. Mega Vorteil ist die einfache Reinigung.

Süß und mega effizient ist der Babywürzekühler. Da kann der Johannes auch im Kleinmaßstab saubere, mikrobiologisch einwandfreie Bierspezialitäten zaubern.

Vergoren und gelagert wird in den tschechischen Svoboda Tanks. Das Westcoast IPA mit sauberen 50 IBUs hat mir super gemundet. Bemerkenswert ist, dass die Jungs viel Wert auf die lückenlose Kühlkette bis hin zum Kunden legen. Heute helfen sich die Bräugierer bei Engpässen im Berlin Craftzentrum aus. Das Ziel, der große Traum, ist eine eigene 30 hl Brauerei. Jungs – gebt Gas.

Mein Fazit: Bräugier kommt von Neugier. Brian, thanks for dein lecker Brut IPA.

1. Bier und Wohlfühlhotel – Gut Riedelsbach

Gut Riedelsbach

Wenn man Bierhotel googelt landet man direkt bei Bernhard Sitters 1. Bier- und Wohlfühlhotel. Also ab mit meiner lieben Frau ins Auto und los geht es Richtung Bierhimmel. Und dieser liegt irgendwo im Nirgendwo  50 km hinter Passau und 50 km vor Linz an der Deutsch-Tschechisch-Österreichischen Grenze im Bayrischen Wald.

Begrüßt wird man mit einem, man höre und staune, Augustiner Pilsaperitif. Dann ging es gleich auf eines der 46 sehr liebevoll und modern eingerichteten Bierzimmer. Alles, wirklich alles, dreht sich hier ums Bier. In diesen Bierwohlfühlzimmern beherbergt der Bernhard und seine Familie pro Jahr 21.600 Gäste.

Die im Hotel beheimatete schnucklige Kleinbrauanlage der Fa. Beraplan Baujahr 1998 mit 5 hl Ausschlagmenge wird vom Schwager betrieben.

Gebraut werden rund 300 hl Sittersche Bierspezialitäten. Von hell bis dunkel. Mein Favorit ist das gestopfte Hopfenfest.

Der Bernhard ist ein echtes Bierunikat. Er gehört zu den legendären „glorreichen Sieben“. Eine wilde Biertruppe um Eric Toft, Markus Lohner, Karl Schiffner und Co. Er war schon ganz am Anfang bei den ersten Sommeliers mit dabei und ist der                  1. Biersommelierwirt und Begründer des 1. Bierhotels Deutschlands.

Nach der Verkostung hat er mich gleich ins Bierbad gesteckt. Das ist super mega Bierwellness auf höchstem Niveau. Neben 1 Pitcher Aldersbacher Dunklem, einer Halben Bierhefe und einer Geheimsuspension aus ätherischen Hopfenölen haben mich die Whirlpoolbläschen (kein CO2) ins Biervana gebeamt. Ein absolutes MUSS. Den täglichen Bieraufguss von Bernhard in seinem top modernen 2.000 m2 Wellnessbereich habe ich leider verschlafen. Für diesen benötigt Bernhard 18 hl Sitterbier im Jahr. Sportlich. Im Wellnessbereich sind Bierkühlschränke zur Selbstbedienung aufgestellt. Dort finden sich Leckereien aus ganz Deutschland, um der Dehydrierung vorzubeugen.

Für den Gaumen und zur Stärkung nach den ganzen Wellnessstrapazen gibt es Abends ein rustikales Bierkulinarium in der sehr schönen Sitterschen Gastronomie.

Mein Fazit: BBBBB –  Bernhards Bayerisches Bier Bottich Bad. Ich komme wieder.

Bierparadies Kloster Aldersbach

Aldersbacher

Auf dem Weg ins Bierhotel sind wir auf einen der wohl schönsten Brauereihotspots in Niederbayern gestoßen. Auf die Aldersbacher Brauerei und ihr Kloster ca. eine halbe Fahrstunde südlich von Passau gelegen.

Das Kloster und die Brauerei blicken auf eine Jahrhunderte alte Tradition zurück.  Das Kloster wurde 1146, die Klosterbrauerei 1268 das erste Mal schriftlich erwähnt und sie zählt somit zu den ältesten schriftlich dokumentierten Braustätten der Welt. In dieser Zeit wurde allerdings noch in sehr kleinem Maßstab für die Mönche und deren Besucher gebraut, aber bemerkenswerterweise schon Hopfen kultiviert und angebaut. Nach der Säkularisation wurde die Brauerei samt Kloster 1811 an die heutige Inhaberfamilie des Freiherrn von Aretin verkauft. Die Marienkirche zählt zu den schönsten Barockkirchen der Welt.

So jetzetle genug der Kultur und ab in Richtung Brauerei. Empfangen hat uns der Braumeister Lorenz Birnkammer, der lieber Bierkammer heißen würde, mit einer super leckeren in der Flasche vergorenen kleinen Kloster Weiße Spezial 0,5l. Lorenz hat bei der Aldersbacher seine Lehre zum Brauer und Mälzer gemacht und das Brauen nach Abschluss der Lehre zwei Jahre in einer Gasthausbrauerei in Lana/Südtirol praktisch vertiefen können. Nach dem Doemens Braumeister ist er dann für drei Jahre in die Augustiner nach München zum Mälzen und Flaschenabfüllen. Wieder zurück in Aldersbach hat er das Labor geleitet und ist seit 2017 als verantwortlicher Braumeister die Brauerei.

Die Brauerei wurde in den letzten Jahren konsequent modernisiert und zählt mit ihren 70.000 hl zu den must – have Beerhotspots in Niederbayern. Das Malz kommt aus den Mälzereien Ireks, Pappenheim und Donaumalz. Geschrotet wird mit einer Nassschrotmühle, dem Maischomat von Steinecker. Das Nassschroten ist sehr selten in Brauereien anzutreffen. Der Vorteil ist, dass das Malz vor der Schrotung, also dem Mahlen und Zerkleinern des Malzes, mit Wasser befeuchtet wird. Das bringt höhere Sudhausausbeuten.

Das unglaublich schöne Sudhaus Baujahr 1995 mit 170 hl Ausschlagmenge ist ebenfalls aus dem Hause Steinecker und der wahrgewordene Brauertraum. Wunderschön architektonisch in den Gesamtgebäudekontext integriert. Und die Sudpfanne ist auch noch mit einem Stromboli – Innenkocher ausgestattet. Wie geil ist das denn….?? Der Sud rauscht in sechs Stunden durch die Braukathedrale, abgeläutert wird in zwei Stunden. Echt sanatoriumshafte Bedingungen für das spätere Bier.

Lorenz vergärt in den 800 hl Gresser Gärtanks und kräust dann unter Umpumpen in die Lagertanks auf. Das gefällt dem Bierblogger Werner, denn der Zusatzaufwand lohnt sich. So bekommt man durchgängig super reine Biere. Spieglein, Spieglein an der Wand, wer braut die reinsten Biere im ganzen niederbayrischen Land….?

Die Hauptsorte ist regional bedingt das klassische Kloster hell mit smoothen 11,5% Stammwürze. Gefolgt von der im Einmaischverfahren gebrauten Kloster Weisse hell. Alle anderen Biere werden mit dem Infusionsverfahren gebraut. Das Kloster Dunkel (lecker – lecker) gibt es ganzjährig, saisonal den Maibock und den mit Aromamalz von Ireks gebrauten Rubinbock. Lorenz´ Lieblingsbier ist das Pils. Mit 30 Bittereinheiten unter Verwendung der Hopfensorten Perle, Tradition und Saphir super geschmeidig gebraut. Das Pils sowie alle späteren glanzfeinen Biere rauschen zum Klären über den Kombifilter…

Lorenz hat von seinem Inhaber in Sachen Braukunst freie Hand. Als Bierspezialitätenliebhaber bietet er an Samstagen Braukurse auf der 3 hl Johann Albrecht Brauanlage an. Hier können sich bis zu 16 Bierbegeisterte sieben Stunden von Lorenz himself die Braukunst näher bringen lassen. Eine zweite Anlage dieser Art habe ich bei der Mönchshof in Kulmbach gesehen…

Beim Brauen auf der Anlage hat sich Lorenz auf die oak aged Biere mit Eichenholzfassreifung spezialisiert. Von Barleywine bis Imperial Stout. Für den Pfarrer der Marienkirche hat er sogar extra ein IPA gebraut, dass ich natürlich gleich verkosten wollte. Super lecker, richtig saftiger Hopfen, so mag ich das.

Mein Fazit: Mitten im Aldersbacherland, wo ein „Kleines“ 0,5 Liter misst… – so geht Lebensqualität. Danke lieber Lorenz.