Humbser – Jugendstil macht Spass

Humbser

Bei meiner Stipvisite in Nürnberg haben wir auch einen kleinen Abstecher ins benachbarte Fürth gemacht. Ziel war das historische Sudhaus der ehemaligen Humbser Brauerei. Seit 1888 wurde hier in der Schwabacher Strasse gebraut. 1911 wurde vom Brauereicheffe Martin Humbser das wunderschöne Jugendstil Gebäude errichtet und ab 1912 wurde in dem Selbigen fleißig eingemaischt.

Gebraut wurde in dieser wunderschönen Ambiente bis 2009.  Schaut Euch den historischen Originalfilm an, der lohnt sich. Humbserfilm Nach langen Jahren des Leerstandes wurde diese Schönheit nun wieder wachgeküsst.

Und hier wurde mal richtig gebraut. In diesem stolzen Sudhaus wurden in den besten Zeiten über 1 Mio. Hektoliter Bierwürzen p.a. hergestellt….

… auf den Wandkacheln haben wir historische Artefakte entdeckt. Sudanzahl mal Ausschlagmenge…

Seit Oktober 2018 beherbergt der Jugendstilbau eine bierige Gastro. Nach fast drei Jahren aufwändigsten Umbauarbeiten wurde durch den Gastrobetrieb den wunderschönen Kupferhauben eine neu Aufgabe übertragen. Früher Bier machen, heute Bier ausschenken. Aus zwölf Zapfhähnen fließt das bei Tucher gebraute Humbser und Grüner Bier, Schanzenbräu, Boeheim und mehr.

Schöner geht nicht…

Das ist wohl der größte kupferne Läutergrant, der mir seither begegnet ist.

Mein Fazit: Humbser – Bier mit (Jugend-) Stil. Cheers!

 

Hausbrauerei Altstadthof – Die Wiederentdecker des Rotbieres

Altstadthof Nürnberg

Ich liebe Weihnachten. Denn da habe ich von meiner Frau eine bierige Reise nach Nürnberg geschenkt bekommen. Eine Reise, auch zu einem Teil meiner frühesten Familiengeschichte. Über meine außerordentlich eindrucksvollen Biererfahrungen werde ich in den nächsten vier Blogs berichten. Selten hat mich eine Bierreise so nachhaltig beeindruckt. Mein Ur- Ur- Ur- Uropa und Brauereigründer in Böblingen, Carl Gottfried Dinkelacker, hat in Nürnberg als Oberknecht einige Jahre Rotbier gebraut und diese untergärige Spezialität dann 1823 bei seiner Brauereigründung im Schwobaländla eingeführt (später hierzu mehr). Nun wollte ich intensiv in die Geschichte des Rotbieres eintauchen und habe mich ins bierige Getümmel geschmissen. Los ging es bei der Hausbrauerei Altstadthof, gleich unterhalb der Nürnberger Kaiserburg gelegen.

An diesem geschichtsträchtigen Brauort hat 1983/1984 Dr. Ehrnsperger von der Neumarkter Lammsbräu seine Idee in die Tat umgesetzt, im historischen Kontext die Brauerei wieder wachzuküssen. Denn hier im ehemaligen Roten Brauhaus wurde bis 1905 gebraut.

1995 hat sich dann der ehemalige Technische Leiter der Neumarkter Lammsbräu, Dipl. Braumeister Reinhard Engel, hier selbständig gemacht, und die Hausbrauerei von seinem ehemaligen Cheffe übernommen.  1997 hat er das Nürnberger Rotbier wiederbelebt, indem er nach einem Braurezept aus dem Jahre 1860 die untergärige Leckerei so authentisch  als möglich nachgebraut hat. In dieser Zeit gab es nur „Bio“-Getreide und das Gerstenmalz wurde damals sehr heiß und intensiv gedarrt. In Verbindung mit dem eisenhaltigen Brauwasser der damaligen Zeit entstand so die kupfer- bis rötlich schimmernde Bierfarbe.

Zum ersten Mal wurde in Nürnberg um 1310 im ältesten Satzungsbuch der Stadt Bier erwähnt. Seit dieser Zeit wird das untergärige und traditionell etwas hopfenbetontere Rotbier gebraut und schleichend ab 1905-1910 vom bayrischen Braunbier abgelöst, denn 1806 wurde bekannterweise die Stadt vom bayrischen Staat annektiert. By the way  wurde ab 1531 auch obergäriges Weißbier gebraut. Anfangs als reines Gerstenbier, später ab dem 17. Jahrhundert dann auch unter Beimischung von Weízen. Heute werden im Sudhaus übers Jahr 1.500 hl in Form von 10 verschiedenen Biervarianten eingebraut.

Die Biobrauer von der Neumarkter Lammsbräu betreiben bis heute eine eigene Mälzerei. Dort wird das für das Rotbier verwendete Malz extra durch eine intensive Keimung und eine dem Melanoidinmalz angelehnte Darrung hergestellt. Reinhard Engel legt hierauf besonderen Wert, denn so bekommt er die so prägnante Farbe und Geschmack nicht einfach durch Mischung moderner Malze ins Bier. Gelagert wird im „modern-style“…

…seit 2005 wird bei der Altstadthof auch vergorene Bierwürze destilliert…

…. und mindestens 3 Jahre in verschieden getoasteten Eichenholzfässern gelagert und als Ayrer´s Organic Single Malt Whisky abgefüllt. Die Fässer kann man auch personalisieren lassen.

Mein Fazit: Mythos Rotbier – die Legende lebt.

 

 

Liberation Brewery Jersey – Alles Ale oder was?

JerseyBrewery

Es freut mich ganz arg, dass mein Freund Rolf Spiess einen Gastbeitrag zu meinem Blog beisteuert. Rolf war letztes Jahr längere Zeit als Tourguide auf der Kanalinsel Jersey tätig und hat sich fürchterlich in das Ale Mary Ann verliebt, das Bier, das Jersey berühmt gemacht hat.

Was viele nicht wissen: Die Kanalinseln waren von 1940 – 1945 von der Deutschen Wehrmacht besetzt. Ein riesiger Propaganda-Erfolg für Hitler-Deutschland: Englisches Territorium in deutscher Hand. Für Jersey eine schwere Zeit, die aber zur Geschichte der Insel gehört. Am 9. Mai 2015 jährte sich der Tag der „Befreiung“ zum 70. Mal.

Die Liberation Brewery schaut auf eine lebhafte Geschichte zurück mit vielen Standort- und Besitzer-wechsel. Man glaubt, dass das erste Bier in der Ann Street in Saint Helier gebraut wurde und die eigentliche Gründung der Brauerei in der Ann Street als ANN STREET BREWERY fand 1905 statt.

 

Das Flaggschiff ist das MARY ANN – Bier, das 1926 erstmals beworben wurde.


Mary Ann Best (3,6% ABV) wurde auf den Kanalinseln geboren und gebraut. Sie ist eine traditionelles BEST BITTER mit einem IBU von 40.

Gebraut mit einer Mischung aus feinsten Maris Otter- und Schokoladenmalzen, hat dieses dunkle Bitterbier einen ausgeprägten Schokoladencharakter.

Die abgerundete Bitterkeit wird durch ein blumiges Aroma, das aus englischen Fuggles und Goldings Hopfen und Getränken gewonnen wird, perfekt ausbalanciert, und schmeckt wesentlich gehaltvoller als es der ABV vermuten lässt.

Blick ins Sudhaus. Das Einbrauen eines Sudes ergibt nicht mehr als 6.000 Pints und so kann man kleinere Mengen von vielen verschiedenen Bieren produzieren:

Die Biere der Brauerei sind Teil der reichen Geschichte und des Erbes von Jersey, und das Bierbrauen blieb auch während des Ersten Weltkriegs und der deutschen Besetzung von Juni 1940 bis Mai 1945 ununterbrochen bestehen. In den 1970er Jahren war Mary Ann als „Das Bier, das Jersey berühmt gemacht hat“, bekannt.

Seit 2011 trägt die Brauerei den Namen Liberation Brewery und hat seit dem viele internationale Preise für ihre Biere erhalten. Seit 2015 hat die Unternehmensgruppe die Butcombe Brewery in der Nähe von Bristol, England übernommen und unterhält über 100 Pubs (in England und Jersey je 40 und 20 auf der Nachbarinsel Guernsey). Der Jahresausstoß ist aber nicht größer als 6 THL.
Der Austausch mit England ist vielfältig. Sei es die Flaschenabfüllung, die bei Fuller’s erledigt wird oder das Einbrauen von Spezialbieren zu besonderen Anlässen.

Der Chefbrauer Patrick Dean an seinem Steuerpult vor der Fassabfüllung.

Liberation E.P.A. – English Pale Ale

Dieses neue gelbbraune Bier, das nur bei dem Wetherspoon Real Ale-Festival (außerhalb der Kanalinseln) erhältlich ist, hat eine leichte Malzigkeit im Geschmack, abgeleitet von Maris Otter und farbigen Malzen, die durch das florale Aroma und den knackigen Geschmack gut ausgewogen sind.

 

 

 

Liberation I.P.A.


Das traditionelle Indian Pale Ale ist ein reichhaltiges goldenes Bitter mit Maris Otter und Crystal Malzen. Ein Zitronen-Hopfen im Koriander-Stil stammt von den feinsten neuseeländischen Hopfen Motueka und Nelson Sauvin und hinterlässt einen knackigen, ausgewogenen Abgang.

Das Blonde Craft Lager von Liberation Brewery (3,8%) ist ein funkelndes, leichtes und erfrischendes Bier, das im Craft-Stil gebraut wird.


Das Lager Malz bietet einen Hauch von Keks mit einem aromatischen Zitronen- Hopfen, der aus der Mischung der Saaz- und Hallertau-Sorten entsteht. Blond ist ein gut ausgeglichenes, leicht trinkbares Bier, das am besten gekühlt serviert wird.

Liberation Ale (4% ABV)

Das preisgekrönte Ale ist ein goldenes Bier, das mit dem besten Maris Otter und Lagermalz gebraut wird. Golding-Hopfen wird für Bitterkeit verwendet, während Syrer Goldings und Hallertau Hersbrucker Hopfen für Aroma sorgen. Es ist ein ausgewogenes Bier mit einem Hauch von Zitrusfrüchten in der Nase und ist die perfekte Begleitung zu Meeresfrüchten, Pasta und Salaten, und dies gilt besonders für die Verwendung lokaler Produkte.

Leider ist die Brauerei für ausgiebige Besuchergruppen nicht ausgelegt. Deshalb hat mich es besonders gefreut, dass Pat für mich über zwei Stunden Zeit hatte.
Dass die Liberation Brewery noch viele andere Ale-Varianten braut habe ich bei der abschließenden Verkostung festgestellt. Im Sommer braut man Biere für die Surfer-Szene (Jersey ist ein Hotspot für Standup Paddeling, Kite- und Body-Surfing), zur Fussball-WM (war da was?) oder ein Bier zur Weihnachtszeit.

Mein Fazit: Ale Biere sind nicht jedermanns Sache, aber aus der englischen Welt nicht wegzudenken und für Bier-Aficinados ein Muß.

 

Craft, Craft, Craft – Olly´s archaische Feuerbrauerei

Gestern haben Olly, mein Bierblutsbruder und ich, uns einen lang gehegten Traum verwirklicht. Ein ganz ganz besonderes Bier zu brauen. In vielen Belangen richtig besonders. An einem besonderen Ort, mit besonderem Grünhopfen aus meinem Hopfengarten, besonderer Hefe vom Rolf aus Flötzlingen und Olis besonderer selber gebauter Feuerbrauerei. Der besondere Ort, ein geheimer, verwunschenen Platz mitten im Schwarzwald….

Geschrotet hat der Olly die 5 kg Wiener Malz auf seiner eigenen Schrotmühle mit ganzem Herzblut und voller Konzentration….

Das Holz fürs Feuer haben wir gemeinsam angeschleppt und in Wallung gebracht…

Eingemaischt haben wir im Verhältnis 1 zu 3 mit extrem weichen Schwarzwaldwasser von 1,7 ° dH. Bei 50°C ging es sachte los, entspannt über die Rasten auf 76°C.

Now it´s ready for läutering…

Und dann ging es mit dem Kochen los. Die erste Hopfengabe wollte sich Olly nicht nehmen lassen und hat den guten Hopfen mit der Würze vermählt. Eric Toft, Braumeister von Schönramer, anerkannter Grünhopfenpabst, hat uns hierfür noch paar Tips gegeben….

Geerntet haben wir den Spalter Select am Tag des Geschehens in meinem Hopfengarten und somit quasi pflückfrisch verbraut. Verwendet haben wir hochgerechnet ca. 3 kg pro hl.

Wie´s schön köchelt. Gekocht haben wir die gute Würze eine Stunde…

… und haben sie danach über Olly´s Hopfenseiher liebevoll und heiß in den Gärtank geleitet…..

Abgekühlt haben wir old school mäßig im alten Holzfass. Gespindelt haben wir die 17 l liebevoll gebraute Würze mit 16%.

Dann ging es zur obergärigen Hefebeschaffung zu Rolf nach Flötzlingen in die Hirschbrauerei. Doch vor der Hefeübergabe gab es erstmal ein schönes Bier von Rolf zur Begrüßung…..

Und jetzt gärt unser gemeinsamer Stolz bei Olly im Keller erstmal in Ruhe vor sich hin…..

Mein Fazit: Brauen macht so arg Spaß. To be continued. Prost.

Big in Japan oder Japanverkostung total

Craftbeerjapan

Letzte Woche gab es in unserem Labor eine ganz besondere und in Deutschland wohl einmalige Bierverkostung der anderen Art. Christof, der Angetraute unserer Braumanufaktur GF-Assistentin Tina, hat uns aus dem fernen Japan sage und schreibe 46 Dosen und 2 Flaschen lecker Bierchen im Koffer mitgebracht. Und genau diese haben wir verkostet und bewertet.

Das dürfte wohl die bisher größte je durchgeführte Japanbierverkostung in Deutschland  gewesen sein. Teilgenommen haben Götz, Tina und Christof, unser Braumeister Simon, Kessi unsere Biersommeliere, sowie meine Bierigkeit ☺️.

Das einhellige Resümee: WOW! Extrem spannende, vielfältige und  bemerkenswerte Biere 🍻. Gewonnen hat das Yebisu, ein dem Kristallweizen ähnlicher Göttertank.

Der japanische Biermarkt hat einen sehr hohen Dosenanteil, Mehrweg gibt es gar nicht, in Flaschen wird nur sehr wenig abgefüllt. Im Supermarkt kostet die Dose 1,50-2€, in der Gastro zwischen 7-8€. Craftbeer ist in Japan mega hipster und stark am wachsen. Die Auswahl ist fast unendlich und für Nicht-Japaner nur durch kaufen und verkosten zu verstehen.

Tina und Christof, 1000 Dank🍻🍻🍻

T.E.A. Time Brewery Krakau

T.E.A Time

War mit der Family in Krakau und durfte zum Glück wenigstens eine Brauerei anschauen. Den T.E.A Time Brew Pub. Oder ausgeschrieben: Traditional English Ale Time Brewpub.

Dort braut der Michael Cuszczek seit Eröffnung 2014 seine very british Ales. Davor hat er 3 Jahre in der Brauerei Twieg gelernt.

Michael braut auf seinem Dave Porter Sudhaus von der Firma PBC ganz straight. Es wird 80°C heißes Wasser vorgelegt und mit geschrotetem Malz vermischt. Nach dem sogenannten Einmaischen landet er dann punktgenau bei 68°C. Und so bleibt es auch bis zum Abmaischen. Also ohne jegliche Maischerasten. Geheizt wird übrigens elektrisch. Ausgeschlagen werden 6 hl, die Ales haben „Läuterbottich bedingt“ zwischen 10% und max. 16% Stammwürze. Es werden ausschließlich nur reine english Ales gebraut.

Das Malz kommt von Viking, Weyermann und Fawcett & Sons. Seine Lieblingssorten sind Cara hell, Amber- und Oat Malz. Sein Lieblingshopfen ist der amerikanische Cascade.

Vergoren wird natürlich sortentypisch rein obergärig. Und das mit der SO4 Hefe. Gerade ist eine dringend nötige Verdoppelung der Gärkellerkapazitäten umgesetzt worden.

Michaels aktuelle Verehrerinnen bekommen auf dem Gärtank eine entsprechende Würdigung….

Sylvia, die Mitbegründerin von T.E.A. Time ist studierte Chemie- und Prozessingenieurin und mit viel Sachverstand und Leidenschaft für die Ales immer präsent.

Auf die Nachgärung wird verzichtet, da die Ales nur ein Hauch von CO2 haben, und die kommt aus der Hauptgärung im Gärtank. Gelagert wird in der Kühlzelle, von Hand  werden die beers in den Brewpub ein Stockwerk höher gepumpt.

Und wie kommt man nun darauf, ausgerechnet in Krakau traditional english Ales zu brauen? Der Papa von Mitbegründer James hat viele Jahre einen Brewpub mitten in England betrieben. Dieser wurde von der Brauerei an ihn verkauft und somit hatte er dann die Möglichkeit, viele verschiedene Ales zu verkaufen. Nach ein paar Jahren war dann die Liebe zu denselbigen so groß, dass er den Brewpub verkaufte und sich seinen Traum einer eigenen Ale Brauerei verwirklichte. Seine eigenen Ales wurden dann auch recht schnell hoch prämiert. James verschlug es nach Krakau, der Liebe wegen. Auf die Ales wollte er deswegen aber nicht verzichten, und braute dann mit Sylvia fleißig in der Garage, bis sie sich dann gemeinsam 2014, an den Anfängen der polnischen Craftbeer Bewegung, ihren eigenen Traum verwirklichten.

Von Papa sind noch 2 Rezepte im Einsatz: Black Prince, ein English Porter und der Topseller Englands Glory.

Mein Fazit: English Ales are Englands Glory. Cheers.

 

 

 

Schwingenheuer Dresden – ein Jungbier auf Reisen

Schwingenheuer

Mein Sohnemann Luki, Schöpfer des legendären kaltgehopften Lagerbieres Lucky Experience, hat während seines 2 monatigen Praktikums bei der Radeberger Brauerei Dresden einen Collaboration Brew gebraut. Und zwar mit dem Lehrling Jakob von der Schwingenheuer (links) und dem Brauer Philip von der Radeberger. Anlass des Sudes war die Hochzeit der Schwester von Philip. Gebraut wurde in der Versuchsbrauerei  bei Schwingenheuer in der Louisenstrasse in der Dresdner Neustadt. Christian Schwingenheuer braut seit einigen Jahren fancy Bierkreationen. Die Hauptbrauerei steht im Industriegebiet von Dresden und hat einen Ausstoß von ca. 1500 hl p.a.. Gebraut haben die Jungs ein APA, ein American Pale Ale. Abgeläutert wurde ganz klassisch, full metal Craft…

Kaum ein anderer Bierstil wurde so verschiedentlich interpretiert wie das APA. Die Jungs haben das malzbetonte Bierchen mit verschiedenen Spezialmalzen eingemaischt. Mit Münchner, Cara hell und Wiener. Vor dem Kochen wurde nochmal fleißig die Würze per Hand in die Würzepfanne umgepumpt…..

… und dann 5 min nach Kochbeginn unter Zugabe von Hopfen richtig schön geköchelt. Gehopft wurde mit Mandarina Bavaria und Hüll Melon. Die 2. Hopfengabe gab es beim Ausschlagen oben drauf…

Megageil wurde die Heißtrubausscheidung gelöst. Und zwar haben die Jungs mit einem Paddel die gekochte Würze in der Sudpfanne im Uhrzeigersinn in Drehung gebracht und kurz vor dem Beenden des Ausschlagens ihr selbstgebasteltes Sieb in die Pfanne gelegt. So verbleibt der Heißtrub schön brav in der Pfanne und stört später die gute Hefe beim Vergären nicht…

Gekühlt wurde nach dem Befüllen der heißen Würze in die Bierfässer bei Zimmertemperatur…

Für die obergärige Bierspezialität APA wurde die gute S04 Hefe verwendet, direkt aus der hauseigenen Hefereinzuchtanlage….

Nach der Vergärung musste das Jungbier in Ermangelung ausreichender Kühlkapazität in der Versuchsbrauerei auf Reisen gehen. Und zwar per pedes….

…zur Tramstation. Und von da, per Tram…..

…direkt in das Kühlhaus der Brauerei. Coole Logistik Jungs.

Christian Schwingenheuer, Gründer und kreativer Kopf der gleichnamigen Brauerei, ist echt eine Marke. Von Lenins Hanf bis Pegida Alkoholfrei entspringt alles seinem Geist. Er macht nicht lari fari, sondern bezieht Position. So wie sein jüngster Clou, der es sogar in die Bild geschafft hat. Respekt.

Mein Fazit: Ob großer oder kleiner Brauer: Bier verbindet. Danke Jungs. Ihr steht für Toleranz.

 

 

Ale für ALS – Der Ralphator aus der Kraftbierwerkstatt

Zwei meiner Lieblingsbrauer Kumpel, Olly von der Kraftbierwerkstatt und Ingo vom Brauhaus Rössle, haben ein ganz besonders Bier gezaubert. Gebraut bei Ingo in Neubulach……

… mit jeder Menge Hopfen und sauberen Umdrehungen.

Für den Ralph, der an ALS erkrankt ist. Mein Dank geht an das Team von Olly. Ich wünsche Euch von Herzen mega Erfolg. Ihr seid echt super!

Anbei noch der offizielle Pressetext für Euch.

PRESSEMITTEILUNG 11.06.2018 Kraftbierwerkstatt braut Ale für ALS-Kranke – Ausschanktermin
Am Freitag, den 15.06. ab 18Uhr, findet im Brauhaus Rössle in Neubulach, Landkreis Calw, der Erstausschank des Ales for ALS Bier „Ralphator – Imperial (IπA)²“ statt. Ein sehr geschmacksintensives IPA mit über 10% Alkohol wird an diesem Abend für den guten Zweck ausgeschenkt. Alle Einnahmen aus diesem Ausschank gehen als Spende an das ALS Therapy Development Institute in Cambridge, Massachusetts/USA, zur Erforschung und Bekämpfung der Krankheit ALS (Amyotrophe Lateralsklerose).
Die Kraftbierwerkstatt nimmt als erste und bisher einzige deutsche Brauerei an „Ales for ALS“ teil. Einem Spendenprogramm des ALS Therapy Development Institute in Cambridge, Massachusetts/USA (www.alesforals.com). Seit dem Start der Aktion im Jahr 2012 hat diese über 1,25 Millionen US-Dollar an Spendengeldern zur Bekämpfung und Erforschung der Nervenkrankheit Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) gesammelt. Dafür stellen die Hopfenanbauer Loftus Ranches und Hopunion jedes Jahr unentgeltlich eine Hopfenmischung zur Verfügung. Die teilnehmenden Brauereien brauen damit Biere ihrer Wahl und von jedem verkauften Glas geht mindestens 1 Dollar in die ALS-Forschung.
Die 2014 gegründete Kraftbierwerkstatt ist eine Gypsy-Brauerei mit Sitz in Böblingen, Baden-Württemberg. Zum Brauen mietet man sich bei kleinen mittelständischen Brauereien ein. Hinter den fünf Biersorten stehen der Gründer und Geschäftsführer Olly Koblenzer, Rasmus Muttscheller und Vathana Thorn. Alle drei sind keine gelernten Brauer und Mälzer, aber leben in der Kraftbierwerkstatt ihre jeweiligen Träume, Werte und Ansprüche aus.
Der Stein des Anstoßes für die Teilnahme an dieser Aktion war, dass ein guter Freund, der Stuttgarter Ralph Hermann, Mitte 2017 seine Diagnose über ALS erhalten hatte und noch ein letztes Mal in die USA aufbrach. Beim Roadtrip an der Westküste stieß er bei einer kleinen Craft Beer Brauerei auf die Aktion „Ales for ALS“ und machte die Kraftbierwerkstatt darauf aufmerksam. Schnell war entschieden, dass man daran teilnehmen muss. Gutes trinken und dabei Gutes tun passt eindeutig in die Philosophie der kleinen Firma.
Im Zuge dessen wurde die Blogseite „signALS“ (www.facebook.com/summerislesignals) auf Facebook von Ralph Hermann gegründet. Hier wird auf die Krankheit ALS und deren Verlauf aufmerksam gemacht. Betroffene und Angehörige können hier von ihren Erfahrungen berichten und miteinander in Verbindung treten.
Im März 2018 kam der Hopfen nach Deutschland und die Kraftbierwerkstatt braute damit ein spezielles ALS-Ale. Diese wird bei Bierfestivals und ausgewählten Gastronomen ausgeschenkt. Mit der Spendenaktion will die Kraftbierwerkstatt auch auf die Nervenkrankheit ALS und die Folgen, die sich aus dieser Krankheit für Betroffene und Angehörige und der daraus folgenden Pflegeintensität aufmerksam machen.
Kraftbierwerkstatt UG, Otto-Lilienthal-Str. 24, 71034 Böblingen
prost@kraftbierwerkstatt.de Ansprechpartner: Vathana Thorn

Eine Liebeserklärung – von Garrett Oliver

Bin beim Lesen des Vorworts des Atlas of Beer von National Geographic auf wohl eine der berührensten Liebeserklärungen für Bier gestoßen. Verfasst wurde diese von meinem geschätzten Kollegen Garrett Oliver von der Brooklyn Brewery, New York. Garrett hat mich 2012 durch seine Brauerei geführt und durch seine Leidenschaft und Fachwissen in Sachen Bier inspiriert. Eines meiner Lieblingsbierbücher ist übrigens „The Brewmaster´s Tabel“, auch vor vielen Jahren  von Garrett geschrieben. Ein Muss für jeden Bierliebhaber.

„Drei Jahrzehnte später, als Braumeister der Brooklyn Brewery habe ich Glückspilz die ganze Welt bereist, und das sitzend auf einem fliegenden Bierteppich. Ich habe Bier getrunken mit einem bayrischen Prinzen auf seinem Schloss; ich trank aus einem gemeinschaftlichen Bleicheimer in einem südafrikanischen Township; ich trank während dem Mittagessen inmitten blühender Hopfenfelder im Elsaß; ich trank in einem brasilianischen Zuckerrohrfeld; ich trank, als ich nackt im Schnee an einem gefrorenen See in Finnland stand; und ich trank direkt vor einem Kohlebrand in Derbyshire, während riesige Zugpferde vor der Tür auf ihrem Gras kauten. An all jenen Orten dankten die Menschen mir für das Brooklyn Bier ohne zu verstehen, dass diese Reisen mir das Bier schenkten.“

„Bier ist nicht nur Gerste, Hopfen, Hefe und Wasser. Bier bedeutet Liebe und Freundschaft, vereint Technologie und Magie, Bier stiftet Identitäten und prägt Sprachen, Bier kann Streitereien und Debatten auslösen, aus Bier entstehen Musik und Mode, es ist konservativ als auch revolutionär, Bier ist sowohl Vergangenheit als auch Zukunft. Im Bier lässt sich der Aufstieg der Zivilisation erkennen, durch Bier werden Nationen erlebbar, durch Bier erfahren wir die Wiedergeburt unserer Esskultur. Denn: Bier ist nicht nur eine Flüssigkeit. Bier ist die Menschheit selbst.“ (Die Übersetzung stammt aus der Feder meiner lieben Tochter Nina.)

Mein Fazit: „Folgen Sie den Pfaden und Sie werden mit Sicherheit mit Ihren eigenen großartigen Geschichten biergetränkter Reisen im Gepäck und einzigartigen neuen Freundschaften im Herzen nach Hause zurückkehren.“ Thank´s Garrett.

 

Zur Growler Besichtigung ins Lager Lager

lagerlager

What?

Das dachte ich, als mir mein Freund Janusch, Architekt und Vater der schönsten Szenebar Paul & Georg in Stuttgart, paulandgeorg, den hippsten Craftbeer Laden und Verkostungsraum Lager Lager in Berlin zeigte.

Neben dem gängigen Craftbeersortiment….

… werden auch bis zu acht Fassbiere zum Verkosten vor Ort oder zum Mitnehmen angeboten.

Und hier kommt der Growler ins Spiel. Craftbeer aus dem Fass – to take away. Der Growler, mega angesagt in USA, befördert den guten Gerstensaft aus dem Fass schaum- und sauerstofffrei in die bottle.

Und so funktioniert der Growler

 

MEIN Fazit: The Growler – oder besser. Bier für die Gass. Cheers.