Ich wünsche Euch ein gesundes bieriges 2021 – Jahresrückblick 2020

Puhhh was für ein Jahr…. Der C-Virus hat uns alle schwer zu schaffen gemacht. Besonders hart getroffen hat es die kleineren, regionalen Brauereien mit einem hohen Fassbieranteil, viele Gastronomen und unsere Freunde aus dem Craftbeer-Bereich. Gerade auch aus diesem Grunde habe ich trotz aller Schwierigkeiten versucht, den einen und anderen Kollegen zu besuchen, um uns gemeinsam die Freude an dem wohl mit schönsten Beruf der Welt, dem des Brauern, nicht zu verlieren. Ich nehme Euch jetzt mit zu ein paar Stationen meiner Bierreisen 2020. Los ging es in Südafrika mit der Stellenbrau und ihrem unglaublich leckeren Rooibosbier. Mit den dafür extra angefertigten überdimensionierten Teesieben…

Nach diversen bierigen Destinations im südlichsten Land des afrikanischen Kontinents ging es ins Elsass zur Brasserie Sainte Cru zum Collabbrewing. Das Brauen mit Cheffe Vivien hat riesig Spass gemacht. Leider hat uns hier das C-Virus den Ausschank unseres Gemeinschaftssudes in Böblingen unmöglich gemacht…

Auf dem Rückweg haben wir Strassbourg mit dem wunderschönen Brauhaus der Brasserie Meteor und deren Biere genossen…

…bevor wir später meinen geschätzten Kollegen Dr. Markus Fohr und seine Lahnsteiner Brauerei besucht haben, um uns an seinem legendären Grutbier zu laben…

Im Sommer haben wir auf unserer Deutschlandtour Weihenstephaner Studienkollegen, etliche  Keller in Bamberg und Bierpaläste in Dresden besucht, bevor wir im hohen Norden bei der Lille Brauerei gestrandet sind…

Dann noch einen Abstecher in eines der schönsten Sudhäuser Deutschlands bei der Einbecker-Tochter Härke,

…bevor das Bierjahr nach erfolgreicher Meisterung des Bräunlinger Bierpfades mit dem Bräunlinger Löwenbräu Braumeister Andre endet.

To be continued… Danke für Eure Treue und Eure tollen Feedbacks. Bleibt gesund!!!

 

 

 

Merry Christmas: Werners Bierblog – Der Podcast

Werners Bierblog Podcast 

Frohe Weihnachten, liebe Bierblog-Leserinnen und -Leser! Zum Fest habe ich mir in diesem Jahr etwas ganz Besonderes überlegt: Die Weltpremiere von Werners Bierblog Podcast! Mir hat die Aufnahme voll Spaß gemacht und ich hoffe, Euch macht das Hören genauso viel Spaß. Ich freue mich über Euer Feedback. Genießt die Feiertage und bleibt gesund! Und vergesst das Anstoßen mit einem guten Bier nicht.

Mein treuer Brauerei- und Bierbegleiter Olly hat mir nicht nur 2013 den Anstoß gegeben, über meine vielen Brauereibesuche einen Blog zu machen, sondern vor ein paar Wochen dann auch noch mit ihm einen Podcast auf den Bierweg zu bringen. Einen was? Podcast? What the hell…??? Auf Nachfragen bei meiner Tochter und Social-Media-Spezialistin Nina, was denn ein Podcast sei, meinte Sie nur: „Papa, Podcasts sind voll Mainstream, das machen sogar mittlerweile Merkel und Kretschmann…“. Naja, also genau das richtige Hipster-Ding für mein Alter. Zum Glück ist Olly ein alter Hase im Medien Business und hat uns gleich die richtige Technik zum Podcasten in mein Kanada Tonstudio gebracht,…

…und direkt losgelegt. Übrigens ist er mit seiner eigenen Biermarke Kraftbierwerkstatt auch schon seit 2014 am Start und teilt mit mir seine Liebe zum Bier.

Nach unserem ersten Versuch, der uns trotz vielen Bieren und entsprechendem Enthusiasmus nach mehrmaligem Anhören nicht ganz veröffentlichungsfähig erschien, haben wir uns mit einem neuen Storyboard und personeller Verstärkung nochmals ans Vertonen gewagt. Mit meinem Sohnemann Luki an Bord, der gerade das Studium zum Diplom-Braumeister in Weihenstephan macht und durch sein legendäres kaltgehopftes Lagerbier Lucky Experience regionalen Ruhm erlangte, wagten wir den zweiten Anlauf…

In unserem Podcast greifen wir auf die Brauereibesuche aus meinem Bierblog zurück und vertiefen verschiedentliche Themen aus vielen Bereichen rund um unser Lieblingsthema Bier. Bei unserem Jungfernpodcast haben wir uns für meinen Besuch bei der Lille Brauerei in Kiel entschieden. Hierbei hat uns Olly inhaltlich durch den Podcast geführt und Luki durch sein technisches Fachwissen ergänzt.

Die Musik zu unserem Podcast hat uns Axel zur Verfügung gestellt. Super geniale Mucke. Unser Ziel ist es, in aller Regelmäßigkeit mit viel Spass und verschiedenen interessanten Biermenschen hinters Mikro zu sitzen und für Euch viele Dinge über Brauereien und das Bier zu vertonen. Wir freuen uns sehr auf Euer Feedback und Eure Anregungen, doch jetzt hört aber erstmal rein:  Werners Bierblog Podcast.

Viel Spass.

Unser Fazit: Bierlein, Bierlein an der Wand, wer hat den schönsten Bierpodcast im Land? 1000 Dank an Olly, Axel und Luki für Euren Support.

Luki braut Lucky reloaded – Funfactor XXL in viralen Zeiten

Von mir hört und lest ihr nichts über Corona und Co. Wozu auch, dass Netz ist ja schon totalitär verseucht. Ich widme mich nach wie vor den schönsten Dingen des Brauerlebens. Und das mit tatkräftiger Unterstützung meines jetzt im homeoffice studierenden Weihenstephaner Dipl. Braumeisterstudenten und Erfolgsjungbräu Luki. Sein Lucky Experience, eines der ersten untergärig kaltgehopften Lagerbiere, ist nun im vierten Jahr und mit saisonal von Mai bis September 1.500 hl verkauften Hektolitern nicht nur bei den Hipstern bei uns um den Schornstein sehr beliebt.

Aus diesem Grunde habe wir nun schon zum zweiten Male, nachdem wir einen herrlichen rötlich kastanienschimmernden untergärigen Bock (Anm. Redaktion – verheerend süffig) gebraut haben, seine Polsinelli 50 Liter Anlage angeworfen. Ziel war einen Versuchssud für Lucky 2.0 unter Verwendung von verschiedenen Malz- und Hopfensorten einzubrauen und auszutesten.

Luki´s Brauanlage steht wunderschön in unserem ehemaligen Maschinenhaus aus dem Jahre +/-1870 neben diversen uralt Kältekompressoren und einer Dampfmaschine Baujahr 1939. Hier führen wir normalerweise — und hoffentlich bald wieder –regelmäßige Bierverkostungen für Bierinteressierte durch. Also das ideale Ambiente, um den Sud Lucky 2.0, „the new experience“,einzumaischen.

Luki  hat sich ein ganz neues Rezept überlegt. Habt Verständnis, dass wir nur einen Auszug, das Maischprogramm, veröffentlichen. Die Details der verwendeten Malz- und Hopfensorten, deren Mengen und Gabezeitpunkte unterliegen höchster Geheimhaltung.

Dann ging es auch schon los mit dem gemeinsamen Einmaischen, nachdem wir das Schrot auf der Zweiwalzenmühle gemahlen haben. Mit Muskelkraft als Rührwerkunterstützung, damit auch nix anbrennt….

Luki ist ein echter Qualitätsfanatiker. Er achtet nicht nur auf die strikte Einhaltung von Temperaturen und Zeiten, sondern auch extrem auf die Hygiene. Hab bei der 72 °C Rast einen fetten Anschiss von ihm kassiert….

Dann ging es zum top secret, der Hopfengabe. Hier hat Luki sehr viel Hirnschmalz bei der Auswahl der Hopfensorten verwendet. Nur so viel: nix von der Stange, sondern er hat zwei ganz besondere Vertreter meiner Lieblings-Hanfgewächse gewählt. Zur Vermählung gab es erstmal einen geziemenden Streifen Horst hell Lagerbier…

Dann haben wir die Stammwürze gemessen, die Würze abgekühlt und lange zwei Wochen kalt im offenen Gärtank vergoren. Nach dem Schlauchen in zwei 30 l Fässer haben wir das Jungbier behutsam im Lagerkeller ausreifen lassen.

Mein Fazit: Leute, habe schon sehr viel Bier in meinem Brauerleben verkosten dürfen. So ein lecker, unfassbar süffiges Bier leider noch nie. Seid gespannt!! Cheers.

Eilmeldung – Stammt der älteste Göttertrunk Europas vom Bodensee?

Heute möchte ich Euch diese Meldung von der archäologischen Denkmalpflege nicht vorenthalten, die über meinen Presseticker geflimmert ist. Habe den Text leicht auf das Wesentliche gekürzt. Viel Spaß beim Lesen.

Einem internationalen Forscherteam unter der Leitung des Archäobotanikers Dr. Andreas Heiss ist es gelungen, gemälzte Gerste in prähistorischen Gefäßen aus Pfahlbausiedlungen am Bodensee nachzuweisen. Die Forschungsergebnisse bestätigen, dass malzhaltige Getränke bereits im 4. Jahrtausend vor Christus in Baden-Württemberg zubereitet wurden.
Bisher galten keltische Fundstellen des 5. bis 4. Jahrhunderts vor Christus, ebenso im heutigen Baden-Württemberg, als älteste Brauereien Mitteleuropas. Weltweit stammen die ältesten Brauereinachweise bisher aus Israel mit Datierungen aus dem 12. Jahrtausend vor Christus.
Bei der nun untersuchten Fundstelle handelt es sich um die Seeufersiedlung Hornstaad-Hörnle IA, die vor der Halbinsel Horn in der Flachwasserzone des Bodensees liegt. Wie Messergebnisse des Labors für Dendrochronologie des Landesamtes für Denkmalpflege gezeigt haben, wurde die etwa fünfzig Häuser umfassende Siedlung innerhalb weniger Jahre zwischen 3917 und 3910 vor Christus errichtet.

Um 3910 vor Christus fiel sie einem verheerenden Brand zum Opfer, wurde danach aber sofort wieder aufgebaut. Durch das Schadfeuer sind ganze Haushalte verbrannt, darunter auch Schmuck, Getreidevorräte, Waffen und Geräte sowie tonnenweise Scherben und Tierknochen. Vor welcher Mammutaufgabe die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler standen, zeigt auch die Zahl der erhaltenen Pfähle: Es wurden über 14.500 Pfähle verprobt und das auf einer Fläche von nur etwa einem Fünftel der gesamten Siedlung. Verbrannte Gefäßinhalte gehörten bisher nicht zu den spektakulärsten Funden, aber neue naturwissenschaftliche Ansätze machen in der Archäologie immer wieder Überraschungen möglich.
Die nun im Fachjournal PLOS ONE veröffentlichte Studie nutzt spezifische Abbauspuren, die beim Keimen (und damit beim Mälzen) an den Zellwänden von Getreidekörnern entstehen, erstmals zum Nachweis von Malz in verkohlten archäologischen Resten. Dem internationalen Forscherteam ist es gelungen, diese Methode erfolgreich auch auf verbrannte amorphe Krusten in Töpfen anzuwenden, in denen keinerlei Körner mehr kenntlich waren.
Besonders interessant ist der Fund aus Hornstaad-Hörnle, weil er belegt, dass fein zerkleinertes Gerstenmalz mit einer Flüssigkeit aufgegossen wurde. Der Nachweis, dass diese Flüssigkeit bereits alkoholhaltig war, ist allerdings kaum zu erbringen. Es könnte sich theoretisch auch um ein noch alkoholfreies Malzgetränk gehandelt haben.

Mein Fazit: Hoffentlich ist das mit dem alkohlfreien Malztrunk nur Spkulation. Cheers.

Biertuelle Reise in die Birra Carru – der Bierweinhybrid

Auf unserer heutigen, coronabedingt biertuellen, Reise geht es ins wunderschöne Piemont. Anfang November 2019 waren wir mal wieder in Alba zu Besuch bei der Trüffelmesse. Bei der Gelegenheit haben wir uns zum Mittagessen mit meinem Brauerkollegen und Freund Lelio von der Brauerei Birra Carru getroffen. Er hat uns zu einem sehr leichten Mittagessen im irgendwo im nirgendwo in den albanesischen Bergen eingeladen…

Nach einigen Fläschchen seiner piemontesischen Bierchen ist uns die geniale  Idee gekommen einen Collab Brew am Tag des Deutschen Bieres 2020 zu brauen. Gedacht getan. Nach Rückkehr nach Böblingen habe ich alles Nötige eingetacktet. Doch leider ist der Corona um die Eck gekommen und hat uns unseren Spass gründlich vermasselt. Geplant war mit unseren Rohstoffen bei Lelio einen Bierweinhybrid unter Verwendung einer Muskatellermaische zu brauen. Naja, so sind wir nun anstatt nach Alba zu düsen vorbildlich zu Hause geblieben. Auf diesen Schreck habe ich mir erstmal ein Bombardino von Lelio eingeschenkt.

Vom Biertyp ein „Bionda doppio malta“, ein unfiltrierter, heller, mit Gerstenmal gebrauter obergäriger Doppelbock. Super Ergänzung zu den Butter Braunis meiner Frau. Der 9%-igen Zaubertrank von Lelio ist echt der Hammer. Wer über Lelio und seine Birra Carru mehr erfahren will… Birra Carru

Mein Fazit: Wein nach Bier, das rat ich Dir.

Herzschmerztherapie unter Quarantäne – Bierologie statt Virologie…

Hand auf mein Herz. Ich vermisse so arg den face-to-face Kontakt und das Biertrinken nach den Brauereibesuchen mit meinen lieben Brauerkameraden. Was vor sechs Wochen noch undenkbar schien, hat sich heute nightmarehaft als miese, schlechte Reality Show erwiesen. Menschen mit Masken überall, wie in einem apokalyptischen Trashmovie aus den frühen 1960igern. An Kneipen-, Restaurant- oder Brauereibesuche nicht zu denken. Das bedeutet, mein Lebensinhalt findet fast nur noch in meiner Traumwelt statt. Da für mich das Bierglas aber immer halb voll ist,  lasse ich mir meine Haare als sichtbares Zeichen der Hoffnung und Solidarität zu den Gastwirten und Brauereischaffenden so lange wachsen, bis auch die letzte Kneipe in Böblingen wieder geöffnet ist. Denn ohne Gastro keine Brauerei und ohne Brauerei keine Gastro. Basta!

Vorher: Mit Braumeister Gustel und der Bierkönigin..

Heute nach sechs Wochen…

Meine Haare sprießen wie der Hopfen an Ostern…

So, jetzt aber genug gejammert. Lasst uns das Beste draus machen. Bierkrug aus dem Schrank und Durchlaufkühler auf den Balkon…

… mit Blick auf die wunderschönen Gärtanks.

Zum Glück habe ich zusätzlich zum DLK in meinem privaten Bierkühlschrank auch immer Biere befreundeter Brauereien. Und deswegen möchte ich mich mit Euch auf eine virtuelle Reise zu diesen begeben. In Form einer Genussverkostung sowie meiner Blogs über die Besuche. Los geht es mit der Odelzhausener Schloss Brauerei. Wenn ihr gerade kein Bier aus Odelzhausen im Kühlschrank habt, schenkt Euch alternativ ein anderes kräftigendes Starkbier ein…auch Dobby freut sich schon im Hintergrund 😉

Der dunkle Doppelbock OPERATOR gehört zweifelsfrei zu meinen liebsten Starkbieren. Mit 7,5% Alk. Gehalt verträgt er auch eine längere Reifung in der Flasche. Meinen habe ich seit knapp zwei Jahren im Bierkühlschrank gelagert (MHD 24. Januar 2019). Schöne Trockenfrucht in der Nase wie im Antrunk. Ein fantastisches Gebräu. Mein Geheimtipp: Ein Stückchen Bitterschokolade mit mindestens 72 % Kakaoanteil vor dem ersten Schluck auf der Zunge zergehen lassen…

Viel Spass beim Lesen und Trinken! Odelzhausener Schlossbrauerei

Mein Fazit: Bier lesen und Blog trinken (oder war´s andersrum?) macht Spass. Leute, Kopf hoch, der nächste Sommer kommt bestimmt!

Staropramen – Ab ins Visitorcenter

Staropramen

Habe mich in Prag mit meinen Brauerkollegen zu Bier- und Brauereifachgesprächen getroffen. In der Mitte Dieter Schmid von der Brauerei Waldhaus und links Holger Fichtel von der Arcobräu Moos mit seiner berühmt berüchtigten Mooser Liesl. Ein Programmpunkt war der Besuch der Staropramen Brauerei, ein Betrieb des Molson Coors Konzerns. Dieser ist weltweit der fünftgrößte Brauereikonzern mit 96 Mill. hl p.a. und einem Weltmarktanteil von 5%. Nachdem wir unseren Besuch angekündigt hatten, haben wir von den Kollegen von Molson Coors den gastfreundschaftlichen Hinweis bekommen, dass keine Brauereiführung unter Kollegen möglich sei und wurden auf ihr „Visitorcenter“ verwiesen (Anmerkung Redaktion: einmaliger Vorgang. Unter Brauern ist die Brauereitüre immer offen). Das hat der konzentrierten Stimmung keinen Abbruch getan und so ging es hoch motiviert und neugierig in das Centro Visitör.

Die Brauerei wurde 1869 gegründet, das erste Staropramen verließ dieselbe 1911. Gute alte Zeit…

Im alten Sudhaus wird auf die lebhafte Vergangenheit Bezug genommen. Die Übernahmekapriolen nach dem Zusammenbruch des Ostblocks bleiben weitgehend unerwähnt. Von Bass gekauft, wurde Bass später von InBev geschluckt. Dann landete die Brauerei über eine Private-Equity Gesellschaft schlussendlich bei Molson Coors.

Dann ging es an schwebenden Sudpfannenhauben vorbei….

… zu einem ganz interessanten, vollständig erhaltenen Brauereilabor aus den Anfängen des 20. Jahrhunderts.

Das wars dann auch schon mit dem Rundgang durch das Visitor Center  und so landeten wir in der Bar desselben.

Zu verkosten gab es vier Biere….

…die wir rasch leerten, um uns in der Innenstadt im „Original Beer Spa“ von den Strapazen zu erholen.

Mein Fazit: Manchmal ist Spa besser als Bier. Na zdravi.

Meteor trifft Tiger – Auf Brauhaus Tour in Strassbourg

Meteor

Nach unserem Collaboration Brew bei Vivien in Colmar ging es nach Strasbourg zum Brauhaus-hopping. Genächtigt haben wir in einem der ältesten Hotels Europas, dem Cour du Corbeau. Absoluter Geheimtip! Nach unserer Ankunft sind wir gleich ganz zufällig über das Brauhaus der Brasserie Meteor mitten in der Fußgängerzone der Altstadt gestolpert.

Die Jungs und Mädels von Meteor haben ihren Biertempel im Oktober 2019 eröffnet. Ganz schön mutig in einer weingeschwängerten Gegend unterhalb der elsässischen Weinstrasse. Die Brasserie Meteor, oder auf Deutsch Brauerei Meteor, ist mit rund 500.000 hl Jahresproduktion die größte familiengeführte Privatbrauerei in Frankreich. In ihrem Brauhaus wird zwar nicht gebraut, aber die halbierte, an die Wand gedübelte Kupfersudpfanne mit Barfunktion lässt keine Brauerwünsche offen. Gebraut wird übrigens im 25 Autominuten entfernten Hochfelden nördlich von Strasbourg.

Auf gut und gerne 1000 m2 Gastrofläche wurde hier ein Brauerei Flagshipstore der Extraklasse und neuesten Generation verwirklicht. Der echte Hammer. Von der Hauptbar Nr. 1 ….

…bis zur Bar Nr. 2 auf dem historischen Bieromobil. Voll lässig und mitten drin im Gastrohimmel.

Die Biere durch die Bank rein, lecker und mega süffig. Vom selbstgebrauten Abtei Remake, über Baltic Porter, IPA, Blanche bis zum Lager. Mein Lieblingsmeteor  ist das Pils.

Bevor es ins nächste Brauhaus ging, haben wir uns noch mit der leckeren elsässichen Brauhausküche gestärkt und ein wenig über die Örtlichkeiten gefreut…

Fünfzehn Minuten fußseitig vom Meteoriteneinschlag entfernt, liegt gleich hinter dem Altstadtausgang das zweite super moderne im industrial vintage style konzipierte Brauhaus Le Tigre der Brauerei Kronenbourg. Kronenbourg ist mit 30% Marktanteil und ca. 5.000.000 hl Jahresproduktion die größte Brauerei in Frankreich und gehört zum Carlsbergkonzern in Dänemark. Carlsberg ist nach AB InBev, Heineken, China Ressources Breweries die viertgrößte Brauereigruppe der Welt.

Empfangen wird man in der Bar „Le Petite Tigre“ von ein paar süßen Miniaturgärtanks. Hier werden die saisonalen Spezialitäten vergoren. Erwähnenswert ist das IPA, ordentlich durchgehopft und absolut biersortentypisch. Der Hauptgastraum „Le Grand Tigre“ mit einer Kapazität von gefühlten 200 Sitzplätzen ist schon auf den ersten Blick echt beeindruckend…

… zumal er sich mit dem zweiten, IPA-geschwängerten Blick als Auslaufgehege des elsässischen Tigers offenbart.

Sehr cool sind die zwei riesengroßen Flammkuchenofen, aus denen die Hälfte der auf der Karte befindlichen Spezialitäten geboren werden.

Mein Fazit: Strasbourg, nicht nur brauhausmäßig immer eine Reise wert. Chapeau.

 

Auf Biersafari in Südafrika

Nach unserer Begegnung mit meiner neuen vollmundigen Liebe, dem Rooibosbier aus Stellenbosch, ging es hochmotiviert entlang der Gardenroute auf bierige Südafrika Brauerei Challenge. In Südafrika werden ca. 30. Mio. hl (Hektoliter) Bier hergestellt, in Deutschland 90 Mio. hl und in den USA 210 Mio. hl. Erster Halt war im  landschaftlich unfassbar schönen Nirgendwo in Stanford, 144 km südöstlich von Kapstadt. Dort hat uns der nette Winemaker & Viticulturist David Smith mit einem Bier begrüßt und durch die Brauerei geführt.

Die Birkenhead Brewery wurde 1998 gegründet und zählt somit zu den ältesten Craftbeer Brauereien Südafrikas. Sie gehört zu den Walker Bay Vineyards und ist in dem 22 ha großen Weingut mit integriert. Das Weingut gehört einem Minenbesitzer, der seiner Mannschaft freie Hand lässt und sich 1-2 mal im Jahr bei seinem Besuch in Stanford über seine excellenten Weine und Biere freut.

Gebraut wird auf einem 20 hl Biering Sudhaus von der Fooding GmbH Stuttgart. Bin diesem Sudhaus das erste Mal begegnet und konnte über diese Firma leider keine weiteren Infos finden. However, die bierigen Ergebnisse überzeugen trotzdem.

Die Biere werden alle filtriert und im Kammerpasteur pasteurisiert. Was durchaus Sinn macht, bedenkt man die Vertriebswege aus dem Nirgendwo und die hierzu benötigte mikrobiologische Haltbarkeit.

Mein Favorit ist der Goldgewinner des World Beer Cups 2018 in der Kategorie Lagerbiere Südafrika, das Lazy Leopard. Die Bierkarte durchzuprobieren lohnt sich.

Weiter ging es ins Hop Valley, das Hopfenanbaugebiet Südafrikas. Hier wird auf 400 ha Hopfen angebaut. Der meiste Hopfen wird vor Ort verbraut. Im Vergleich hierzu werden in Deutschland auf 19.000 ha Hopfen angebaut und in den USA auf 21.500 ha.

Weiter ging es zu meiner kleinsten und schnucklichsten Brauerei auf der Reise: Der Franschhoek Brewery.

Das Brauereile wurde fertig montiert in einem Überseecontainer Richtung Afrika geschippert und hat dort seine endgültige Bestimmung gefunden.

Der Craftbeer Markt in Südafrika boomt mittlerweile derart, dass ca. 100 Klein- und Kleinstbrauer ihrem Handwerk nachgehen. Was die Winzer können, können auch die Brauer. Und so lohnt sich ein Besuch in Franschhoek nicht nur wegen der durchweg sauber gebrauten Biere, sondern auch wegen der….

…zum Verweilen einladenden Gastronomie in gechilltem Ambiente. Mein Favorit ist das O.P.A., ein Orange Pale Ale mit einem Hauch von Orangenschalen. Lecker.

Dann ging es Richtung Kapstadt mit seinem Hausberg, dem Table Mountain…

Vor der obligatorischen Hop on Hop off Runde mit dem Doppeldeckerbus ging es zuerst an die von den Touristen beliebten Waterfront ins….

… zum Erfrischen in waschechtem deutschem Wirtshausambiente bei 30°C Außentemperatur.

Die letzte Bierstation war dann auch die größte unserer Südafrika Challenge. Und zwar ging es durch die schnuckelige 5.000.000 hl Zweigstelle der AB InBev Tochter Newlands Brewery. AB InBev hat vier Braustätten in Südafrika, die vor der Fusion zur SAB South African Breweries gehörte. AB InBev ist der weltgrößte Bierproduzent mit einem Weltbiermarktanteil von 30%.

Neben ihrer Hauptmarke Castle haben sich die Brauer aus Kapstadt auch dem Craftbeer Trend geöffnet und eine kleine, süße Brauerei  mit der Kapazität einer kleineren Mittelstandsbrauerei in Deutschland installiert.

Natürlich alles vom Feinsten. Vom Kaspar Schulz Sudhaus bis zu den stehenden Gär- und Lagertanks.

Dann ging es mit den Jungs noch im brauereieigenen Biergarten fleißig verkosten, bevor wir an der Waterfront an einem geheimen Gastrostandort das  unpasteurisierte Castle Draught als Absacker genießen durften.

Mein Fazit: Bier auf Wein, das ist fein. Wir kommen wieder.

Die Entdeckung – Rooibosbier bei Stellenbrau

Stellenbrau

Auf unserer Reise durch Südafrika haben wir neben gefühlten zehn (!) wunderschön gelegenen Weingütern rund um Stellenbosch auch 4 Brauereien besichtigt (Zusammenfassung folgt). Und ausgerechnet im Herzen des Weinanbaus von Südafrika haben wir eine ganz besonders bemerkenswerte Bierentdeckung gemacht. Und zwar bei der Stellenbrau.

Die Stellenbrau wurde 2012 durch Deon Engelbrecht eröffnet. Deon hat sich der simplicity, der Einfachheit, verschrieben. Keep it simple. Einfach geiles Bier brauen. Und wie sie das machen hat mir sein Braumeister Wonderboy eindrücklich vermittelt. Wonderboy ist seit drei Jahren als Oberbrauer bei Stellenbrau und verantwortlich für die excellenten Gerstensäfte.

Gebraut wird mit Malz – von wem wohl? Natürlich mit Malz von Weyermann aus good old Germany. Der Hopfen stammt aus dem hop valley in Südafrika, das wir ebenfalls während unserer Reise besucht haben. Gemaischt wird mit dem absteigenden Infusionsmaischverfahren. Dabei wird bei 80°C eingemaischt, sodass nur die stärkeabbauenden Alpha Amylasen und die eiweissabbauenden Proteasen wirklich wirken. Wonderboy zieht so in optimierten 60-90 Minuten sein Maischprogramm durch. Mit diesem Maischverfahren habe ich auch schon in diversen englischsprachigen Alebrauereien Bekanntschaft gemacht. 

Gebraut werden auf dem 5 hl Sudhaus 1.500 p.a.. Hauptsorte ist das Cravencraft Lager mit 11 % Stammwürze und Alkohol 4,5 % Vol.. Die Biere sind alle sehr rein, mit einem Tick Restsüße und vollen, opulenten Körperrundungen ausgestattet. Der Hammer allerdings ist meine Neuentdeckung 2020. Und das schon im Januar, das kann ja heiter werden. Das Governor´s Red. Benannt nach dem Gründer von Stellenbosch Governor Simon van der Stel. Der absolute Wahnsinn mit unglaublich intensiven Rooibosaromen. Gebraut wie das Cravencraft, wird beim Würzekochen neben dem Hopfen noch 1 kg Honeybusch und 1,5 kg Rooibostee mitgekocht. Und zwar in überdimensionierten Teesieben…

Stellenbrau hat ein eingetragenes Patent für sein Rooibos Lagerbeer. Vertrieben wird das Rooiboswunder hautsächlich in der Region und im  50 km entfernten Kapstadt. Die Brauerei ist sehr gepflegt, der Gär- und Lagerkellerbereich tip top…

Alle Anlagen, vom Sudhaus bis zum Spundapparat sind aus China importiert worden.

Mein Fazit: Zum Frühstück Rooibosbier statt Rooibostee. I like it.