Ulmer Renchen – Verliebt in die Schwarzwaldmarie

Ulmer Bier

Wenn auch verspätet, wünsche ich all meinen Lesern ein bieriges 2018. Ich bin Euch noch den einen oder anderen Brauereibesuch aus dem alten Jahr schuldig geblieben. Einen jedoch möchte ich Euch nicht vorenthalten. Denn dieser Besuch war ein sehr romantischer. In Ulm, in der badischen Ortenau gelegen, habe ich mein Herz verloren. Doch ich fange erst einmal von Anfang an….

Im Spätsommer bin ich mit meinem Bierfreund Olly von der Kraftbierwerkstatt Richtung Schwarzwald aufgebrochen, um die Gipsys von der Braukommune in ihrer Leihbrauerei, der Brauerei Rogg, zu besuchen (auf dem Bild links, der Olly – rechts die Zigeuner – Blog folgt).

Olly meinte, dass wir ja dann, wenn wir eh schon im tiefsten Schwarzwald unterwegs sind, gleich noch eine zweite Brauerei dranhängen könnten. Gesagt, getan. Habe meinen geschätzten Kollegen und langjährigen Geschäftsführer der Ulmer Brauerei, Siegbert Meier, angerufen, um zum Einen seine untergärige Schönheit, die Schwarzwaldmarie kennenzulernen, und zum Anderen ihren Mythos zu ergründen.

Im wunderschönen Ulm, an den Hängen des Scharzwalds gelegen, hat uns die Brauerei von ihrer schönsten Seite begrüßt.

Nach einer sehr herzlichen Begrüßung ging es gleich mit Braumeister Alexander Schneider und Siegbert los ins Sudhaus.

Im fernen Böblingen trug mir der Wind letztes Jahr die sagenumworbene Geschichte der Schwarzwaldmarie, eines kaltgehopften Lagerbieres, zu. Bei der Expedition durch die Bauhöfersche Brauerei erfuhr ich nun, dass die Wettbewerbszentrale in München der Familienbrauerei untersagen wollte, das helle Lagerbier unter dem Namen „Schwarzwaldmarie“ zu vertreiben. Die fadenscheinige Begründung war, dass Renchen-Ulm nicht im Schwarzwald liege, sondern zur Rheinebene gehöre. Die Klage wurde in letzter Instanz durch das Landgericht Mannheim abgewiesen. Die Resonanz auf den neuen Gerstensaft erwies sich im Anschluss an den Medienrummel um den Prozess nicht nur bei den Ulmer Bierliebhabern als sehr groß. Immerhin wurden schon im ersten Jahr 1500 Hektoliter von der Schwarzwaldmarie verkauft. Ob nun Mythos oder nicht, das Gerücht, dass hinter dieser infamen geopolitischen Anschuldigung eine namhafte Schwarzwaldbauerei dahinterstecke, hält sich in den vielen wunderschönen Schwarzwaldtälern hartnäckig. Das andere, dass im Schwarzwald, im Orbit des Gerstensaftes, die Vielweiberei nicht en vogue wäre, ebenso.

However, weiter ging die Erkundungstour durch die schöne Brauerei. Vorbei an den offen Gärbottichen…..

…. in den Lagerkeller und die top Bierfiltration.

Bei der Verkostung hat es mich dann echt erwischt. Liebe auf den ersten Schluck. Die Schwarzwaldmarie – super lecker!!! Wie übrigens auch das Pils und der süffige Maibock. Beide Weltmeister-Biere. Gekrönt in London beim World Beer Award. Der Braumeister Alex Schneider, der kann´s!

Mein Fazit: Freunde des gut gebrauten Gerstensafts, folgt dem Lockruf der Schwarzwaldmarie. Prost.

 

Holy Alkfreies by Andechs

http://andechs.de/die-klosterbrauerei/

Ab und zu, ob ihr es glaubt oder nicht, verkoste ich mich neben unzähligen Craftbeers und leckeren „traditionellen“ Bierspezialitäten auch durch die Welt der alkoholfreien Weizen. Immer in der Hoffnung, neben den durch gestoppte Gärung oder durch Vakuumverdampfung erzeugten Bieren auch mal ein mit etwas mehr drinkability ausgestatteten Vertreter zu finden.  Wie es der Zufall will, bin ich neben dem durchaus respektablen Krombacher alkfreien Weizen auf das außergewöhnlich leckere Andechser alkoholfreie Weizen gestoßen. Also – gleich los mit meinem Braumeister Gustl nach Andechs, um das Geheimnis dieses Bieres zu lüften.

Die Brauerei wurde in den Achtzigern des letzten Jahrtausends direkt vor den berühmten Andechser Berg auf die grüne Wiese verlegt. Im Sudhaus werden die Biere ganz traditionell im Mehrmaischverfahren gebraut. Heute im Zweimaischverfahren, früher sogar noch im Dreimaischverfahren. Die Rezepte werden so gut wie kaum verändert und wenn, dann nur mit dem Segen der äbtlichen Obrigkeit.

Bei der gestoppten Gärung übrigens wird die Gärung durch abruptes Herunterkühlen der Würze gestoppt. Diese Biere haben einen sehr hohen Restzuckeranteil und schmecken deswegen sehr süßlich. Nach dem Abfüllen müssen die Flaschen pasteurisiert werden, um eine unerwünschte Nachgärung zu vermeiden (der größte Vertreter ist Erdinger).

Unten seht ihr die Nassschrotung der Fa. Gea, bei der das Schrot unter Zusprühen von Wasser kurz vor dem Einmaischen geschrotet wird. Dieses System hat den Vorteil, höhere Sudhausausbeuten zu erzielen.

Die klösterliche Schaltzentrale des Sudhauses, sehr modern und immer unter strenger Bewachung….

Bei dem zweiten Verfahren, der Vakuumverdampfung, wird dem fertigen Bier unter Vakuum und Erhitzen auf ca. 40°C der Alkohol entzogen. Diese Biere sind im Trunk eher säuerlicher (ein bekannter Vertreter ist die Arcobräu Moos).

Im Gär- und Lagerkellerbereich arbeiten die Andechser Brauer im klassischen Zweitank – Verfahren. Das bedeutet, dass die Biere nach der Hauptgärung in einen zweiten Tank umgepumpt werden und unter Zugabe von Kräusen die Nachgärung erfahren. Im Gegensatz zum moderneren Eintankverfahren, bei denen die Haupt- und Nachgärung in einem Tank stattfindet.

Natürlich wird der Brauprozess auch bei Andechser kontinuierlich durch Labor- und Gaumenprüfungen begleitet….

Nun zum Geheimnis des Andechser Wundersaftes. Das Bier wird mit eigenem Maischprogramm im Sudhaus eingebraut, um im fertigen alkoholfreien Weizen die gewünschte Vollmundigkeit zu erzielen. Danach wird normal vergoren und das Bier über die Umkehrosmoseanlage gefahren. Hier wird bei 10°C durch Membranfiltration und Umkehrosmose dem Bier der Alkohol schonend entzogen. Also unter Verzicht von thermischer Belastung. Die Anlage wurde von der Fa. Gea entwickelt und erstmalig 2016 in Andechs in Betrieb genommen.

Mehr unter: http://andechs.de/die-klosterbrauerei/brauverfahren/entalkoholisierung/

Sehr schön und kompakt organisiert, präsentiert sich die Filtration bei Andechser. Nach der Kieselgurfiltration werden die Biere mit dem Schichtenfilter glanzfein getrimmt.

Nach Besichtigung derselbigen Anlage ging es zur Verköstigung mit den Mannen von Gea auf den Berg….

…ins Bräustüberl zu alkoholfreiem Weizen und lecker Mittagessen. Unserem Braumeister Gustl hat es geschmeckt. Vielleicht schenkt ihm ja der Weihnachtsmann dieses Jahr eine Entalkoholisierung à la Andechs.

Mein Fazit: „Ora et labora“ – Auf geht´s – Nicht nur zum Lernen auf den Berg.

Im Reich des fränkischen Sauerbiers – Brauerei Bayer Theinheim

www.bayer-heinheim.de

Knapp 30 km östlich von Bamberg, mitten im Steigerwald, bin auf einen ganz speziellen Vertreter fränkischer Braukunst gestoßen. Und zwar auf Helmut Bayer, bekennender Craftbeer Brewer und Biersommelier. Dieser braut heute in einer der mit 1200 hl p.a.  kleinsten Brauereien Frankens, seine kuriosen Bierspezialitäten. Im Brauereigasthof zum Grünen Baum werden übrigens schon seit fast 300 Jahren Biere gebraut.

Nach herzlicher Begrüßung ging es gleich los mit dem 40 hl Edelstahlsudwerk von Kaspar Schulz aus Bamberg. Hier im letzten Sudhaus vor „Wein – Franken“ tobt sich Helmut so richtig aus.

Von der klassischen Hauptsorte, dem unfiltrierten Landbier, bis zum Knörzla, einem bernsteinfarbenen ebenfalls unfiltrierten roten Lagerbier, wird hier einiges eingemaischt. Nach dem Sieden = Brauen wird die abgekühlte Bierwürze in die Gärtanks gepumpt und vergoren.

Helmut steht voll auf Dreifachgärung. Die erste in den Gärtanks,….

…die zweite in den Lagertanks und zu guter letzt die dritte in der Flasche. Bemerkenswert ist sein Dreifachbock, der nach Helmuts Dreifachgärung noch mindestens für 10 Monate im Congnac-Holzfass reifen darf.

Nach der Brauereichallenge ging es direkt in den Gasthof Grüner Baum, wo uns Helmut auf seine Expedition ins Bierreich mitnahm.

Als Einstieg haben wir sein flüssiges „Dörrobst“ verkostet. Ein mit 21% Stammwürze recht knackiges Sauerbier. Weiter ging es mit dem etwas weniger saurem, dieses Mal im Portweinfass ausgebautem Dreifachbock. Leeeecker. Die Krönung für mich war jedoch….

…das Cervinum. Das bierige Ergebnis  einer vergorenen Vereinigung von 50% Silvanermost und 50% Doppelbockwürze. Der volle Weinhybrid.

Mein Fazit: Sauer macht lustig 🙂

wow wow – Auf ein Hop Hound nach Stockholm

www.stockholmbrewing.com

Auf meinem Streifzug durch den Szenestadtteil Södermalm in Stockholm hat mich meine Biernase direkt in die Höhle der Stockholmer Brewing Company gelockt.

2012 haben Nilas Jakobson und Thomas Hallgren in einer ehemaligen Papiertüten-fabrik ihren Jugendtraum in Form der Brauerei verwirklicht.

Die zwei sind echte organic freaks. Für ihre lecker belgian style beeinflussten Bierspezialitäten verwenden sie Holunderblüten aus Södermalm und Trauben aus Rosendal. Seit 2013 EU – biozertifiziert.

Gebraut und abgefüllt werden ca. 1000 hl p.a. auf engstem Raum – Tendenz stark steigend. Puh, da ist echtes Platzmanagement gefragt.

Das hop hound session IPA mit 4,7% Vol. und das Saison d´etre, vergoren mit belgischer Hefe, meine absoluten shooting stars. Und wer auf Sauerbier steht, der kommt am …..

… mit seinen easy 1,9% Vol. nicht vorbei. Seit 2015 dürfen die Jungs aus der Beercompany als erste schwedische Brauerei sogar ihre Leckereien vor Ort ausschenken. Nach jahrelangem gesetzlichen Hickelhackel war dies ein Novum in Schweden. Der Taproom extrem kultig….

… die Jungs und Mädels hinter dem Tap ganz schwedisch locker.

Mein Fazit: Sauerabendbier in Stockholm – lecker.

Sauber – sauberer – Brauerei Sonne Bischberg

www.sonnenbier.de

War mit ein paar Kumpels auf Brauereitour durch das schöne Frankenland. Bei trübseligem Wetter trafen wir auf die Sonne in Bischberg unverhofft. Auf die Bremse und rein ins sonnige Biervergnügen.

Christian Schuhmann, der Brauer der Familie Schuhmann, hat uns herzlich in seinem 36 hl Sudhaus empfangen. Die Familie braut seit 1856 in 6. Generation die sonnigen Bierspezialitäten in Bischberg. Christian hat seine Lehrzeit bei der Brauerei Spezial in Bamberg absolviert.

Die Brauerei zählt mit ihren 6.000 hl p.a. zu den modernst eingerichteten ihrer Größe in Bierfranken. Auf nur 400 m2 haben hier die super saubere Brauerei und der vom Bruder geführte Brauereigasthof ihr Zuhause. Der Gasthof hat 18 Zimmer, die sich bestens zum Übernachten nach einer ausführlichen Bierverkostung anbieten. Mega cool positioniert ist der Hopfengeber an der Edelstahlsudpfanne.

Bei jährlichem Wachstum von 5% wird hier jeder wertvolle Quadratmeter optimal ausgenutzt. Die Brauerei ist bis zum Gärkeller vollautomatisiert, ausgetrebert wird noch craftig von Hand.

Der Gär- und Lagerkeller wurde 2000 komplett modernisiert. Vergoren werden die untergärigen Bischberger Biere ganz klassisch bei 7-9°C. Auf lange Lagerzeiten, zwischen 6 und 8 Wochen, legt Christian besonderes Augenmerk.

Voll süß ist der Filter. Hier wird nicht nur filtriert sondern auch die Handschuhe vorgewärmt……

Dann ging es durch den Geheimgang direkt in die…..

…..Flaschenfüllerei. Hier füllt Christian auf sagenumwobenen 85 m2 alleine 180 Kisten köstlichsten Frankentrunk pro Stunde in die bottle.

Mit 70% vom Ausstoß ist das helle Lagerbier der Topseller, mega lecker ist der helle Sonnenbock und ein Muss im Brauereigasthof der Zunfttrunk dunkel mit Schäufele. Leeeecker.

Mein Fazit: Bischberger Bier – von der Sonne verwöhnt.

 

Birra Carru – The liquid pizza

www.birracarru.it

Auf der Reise durch das wunderschöne Piemont in Italien bin ich auf der Suche nach ganz besonderen Brauereien fündig geworden. Mitten in einer nicht ganz unbekannten Weingegend in der Nähe von Alba, in der mancher Weinnerd sich dem Rebensaft hingeben soll, hat sich mir in einem unscheinbaren Hinterhof in  Carru unverhofft mein Bierherz geöffnet.

IMG_3719

Am diesem frühen Abend im Oktober wurde mir in der Birreria  Carru vom Cheffe Lelio Bottero persönlich Einlass gewährt. Zuerst ging es vorbei am brauereieigenen Flipper….

IMG_3725

… ins Sudhaus. Die Brauerei wurde erst dieses Jahr im Juli eröffnet. Lelio ist ein unglaublicher Beerfreak. Ursprünglich war er in einer Käserei Marketingleiter, als ihn plötzlich das Biervirus befallen hat. Nach 10 Jahren Partnerschaft mit dem italienischen Craftbeerguru und Mitbegründer der Szene, Teo Musso, hat er sich seinen Traum einer eigenen Brauerei verwirklicht. Das Startkapital hat er durch den Verkauf seiner selbstgeschriebenen Craftbeer – Bibel „Guida all apertura di un microbirrificio“ verdient. www.leliobottero.it  – oder grob ins Schwäbische übersetzt: „Anleitung zur Eröffnung einer Mikrobrauerei“.

IMG_3736

Das halbautomatische Sudhaus, gefertigt in Alba, hat eine Ausschlagmenge von 12 hl. Halbautomatisch, weil bis auf die Temperaturführung beim Maischen alles händisch gemacht wird. Real craft. Im rotweingeschwängerten Piemont gibt es zum Glück mittlerweile fast 50 Brauereien. Nach der Schrotmühle….

IMG_3732

… konnte ich mir im Hopfenkühlschrank auch andere Gewürze anschauen, die Lelio beim Brauen seiner herrlichen Bierspezialitäten verwendet. Alles biologisch, vom Kardamom bis zu den Orangenschalen für das Wheat Beer.

IMG_3733

Lelio vergärt nur obergärig mit verschiedensten Hefen zwischen 19°C und max. 25°C. Nach der Hauptgärung bleibt das Bier nach der Abkühlung noch ein paar Tage in den Tanks, dann wird filtriert und mit frischer Hefe unter Zusatz von Speise* in der Flasche nachgegoren. Wie übrigens auch meine Kumpels von der Brooklyn Brewery. Flaschengärung – lecker. (* Zusatz von Speise kurz mit Wernersprache erklärt – Zugabe von unvergorener Bierwürze).

IMG_3738

Die kleine feine Flaschenabfüllung made in Italy.

IMG_3737

Und dann haben wir verkostet. Die Biere sind allesamt unfassbar lecker. Bemerkenswert ist die drinkability der Biere. Hierauf legt Lelio großen Wert. Die meisten der Biere werden unter Zusatz von verschiedenen Mengen Muskatellermost vergoren. Zwischen 10% und 30% je nach Biersorte. Seine 4 Hauptsorten hat er passend zu den empfohlenen Speisen benannt. Für – Käse – Fleisch – Fisch und Pizza. Genial.

IMG_3764

Für Weihnachten hat er ein lecker Stöffchen mit 17% Stammwürze, Yule ist sein Name, unter Zugabe von 15 Kg bester Schokolade gebraut.

IMG_3742

Mein Fazit: Das beste am Wein ist das Bier danach. Lelio, 1000 Dank an Dich und deine Familie für die tollen Biere und die einzigartige Gastfreundschaft.

IMG_3774

IMG_3752

Lehner – die Ruhe vor dem Sudhaussturm

www.lehner-bier.de

Eine sehr traurige Nachricht hat mich dazu veranlasst zu einer der für mich schönsten Brauereien im Zollern Albkreis zu fahren. Andi Klaussmann, Cheffe und Braumeister der Lehner Brauerei, hat mir so beiläufig am Telefon erzählt, dass er im Oktober ein neues Sudhaus bekommt… Whaaat the ….. Och nee….. Also schnell zum Andi nach Rosenfeld.

IMG_2635

Der Abschied tut mir sooo arg weh, denn ich bin total in das wunderschöne Ziemann Sudhaus verliebt. Ist auch noch derselbe Jahrgang wie ich, Baujahr 1967.

IMG_2543

Jetzetle müsst ihr halt einige Fotos von meiner scheidenden Liebe ertragen, ich bin soooo traurig… 🙁

IMG_2546

Ausgeschlagen wurden 80 hl….

IMG_2552

da bekomme ich meinen Mund nicht mehr zu….

IMG_2560

Andi Klaussmann hat bei der Brauerei Ketterer Hornberg Brauer gelernt und dann in der Brauerei Mellert im Kinzigtal gearbeitet, bevor er bei Lehner angeheuert hat.

IMG_2562

Ende Oktober wird das alte Sudhaus ausgebaut…..

IMG_2572

… und in 6 Wochen das neue Kaspar Schulz Sudhaus mit einer Kapa von 40 hl eingebracht.

IMG_2574

Die Brauerei Lehner ist seit 1999 eine Stiftung.

IMG_2582

Welch ein Stilleben….

IMG_2557

Bei diesem schweren Abschiedsbesuch hat mich die Crew der Kraftbierwerkstatt begleitet. Links – der Andi.

IMG_2571 IMG_2550

Ein letzter Blick in den Läuterbottich zum wunderschönen Messingsenkboden…

IMG_2561

…danach der Blick zur Schaltzentrale des Raumschiffs Lehner.

IMG_2575

Wenn das der Spocki sehen könnte….

IMG_2576

Unter dem Sudhaus hat uns dann der Andi seinen Hopfenseiher erklärt. Dieser wird beim Einsatz von Naturhopfen benötig.

IMG_2578

Und der Blick ins Innere des Seihers.

IMG_2581

Danach ging es weiter in den wunderschönen offenen Gärkeller. Einer der letzten in Betrieb in Baden-Württemberg. Es ist schon sehr schade, dass selbst kleinere Brauereien auf geschlossene Gärung umgestellt haben. Was gibt es erotischeres als offene Gärung….?

IMG_2606

Ein Blick in einen leeren Gärbottich. Zu sehen ist die Kühlschlang, mit der das Jungbier währender der Gärung auf Temperatur gehalten wird.

IMG_2601

Meiner Meinung nach sind die Biere bei kaltem Gärverlauf und offener Gärung einfach einen Tick reiner als Biere, die in geschlossenen Gärtanks unter Druck vergoren werden. Aber auch hier scheiden sich natürlich die Geister die ich rief…

IMG_2595

Eines meiner Lieblingsmotive – hocherotisch…

IMG_2599

Der Andi vergärt seine untergärigen Spezialitäten bei max 12°C. Das Export mit 12,8 % Stammwürze ist die Hauptsorte. Das Landbier ist ein Cuvee aus Pilsner und Export, das Pils wird mit Naturhopfen auf 32 Bittereinheiten feingehopft.

IMG_2604

Und genau so sieht eine gesunde Gärdecke aus. Wunderschön.

IMG_2605

Unter den Gärbottichen ist der Versorgungsschacht. Von dort aus wird befüllt und entleert.

IMG_2607

Gereinigt wird nach alter Sitte von Hand mit dem Schrubber. That`s real Craft.

IMG_2608

Dann ging es tief hinab in den Lagerkeller. Andi schlaucht seine Jungbiere mit Restextrakt…..

IMG_2610

…dieser wird zur Nachgärung benötigt, um das gute CO2 im Bier zu binden.

IMG_2611 IMG_2612

Dann wird das Bier filtriert…

IMG_2627

… bevor es in der Flaschenabfüllung in die bottle kommt.

IMG_2634

Ein ehemaliger Mitarbeiter hat im Keller ein kleines Museum eingerichtet.

IMG_2619

Sehr nett gemacht. Und dann ging es zur…..

IMG_2622

Verkostung.

IMG_2621

Direkt aus dem Lagertank gezwickelt, hat uns der Dunkle Winterbock mit 17% Stammwürze und 7,2% Alk. super lecker gemundet.

IMG_2625

Mein Fazit: Andi, ich komme wieder zur Besichtigung des neuen Sudhauses. Vielleicht verlieb ich mich ja wieder. Bitte lass noch ein bisserl Winterbock im Tank. Thanks für die super Gastfreundschaft.

IMG_2632

Störtebeker – Die Ostseepiraten

www.stoertebeker.com

Als alter Piratenfan hat mich der Wind auf meiner Reise nach Brauereischätzen in den letzten Winkel des hohen Norden getrieben. Nach Stralsund zur legendären Störtebeker. Im kalten Norden wurde ich herzlich von meinem geschätzten Studienkollegen aus Weihenstephaner Zeiten, Arnd-Henning Böttrich, empfangen.

IMG_4904

Nach dem ersten zünftigen Begrüßungsschluck ging es gleich los auf die Expedition „Bierschatzhebung“. Die 1827 gegründete Stralsunder Vereinsbrauerei wurde 1991 von der Nordmanngruppe erworben und Schritt für Schritt erst technisch und dann auch „marketingtechnisch“ modernisiert.

IMG_4945

Und das mit richtig viel Erfolg. Die Ostseepiraten machen locker 200.000hl leckerste Bierspezialitäten. Und das mit starken Zuwachsraten. Woher kommts? Das hat mich natürlich mega interessiert. Zweifelsohne liegt das auch mit an dem Modernisierungsgrad der Brauerei. Nicht nur optisch wunderschön gemacht, auch technisch optimal gelöst, hat mich das….

IMG_4932

… Sudhaus total begeistert. Hier werden die wilden Piratensude eingebraut. Vom legendären und weit über die Neun – Meilen – Zone hinaus bekannten Störtebeker Schwarzbier über das Nordic Porter bis zum Eis – Lager. Insgesamt um die 20 Raritäten, mittlerweile deutschlandweit im Fachhandel zu haben.

IMG_4926

Super automatisiert und klasse umgesetzt sind die Rohrzäune….

IMG_4939

… genial gemacht, die Doppelsitzventile an den Tankausläufen. Erwähnenswert sind die durchgängig sortentypischen Aromen der Bierspezialitäten sowie deren geschmackliche Reinheiten. Bei der Sortenvielfalt nur mit modernster Anlagentechnik und außergewöhnlichem technischen Know How von Arnd – Hennig und seiner Piratencrew möglich.

IMG_4938

Noch bemerkenswerter ist die markentechnische Umsetzung. In dem brauereieigenen Biershop habe ich mir ein Bild hiervon machen könne, wie die Piraten ihre lecker Bierchen den interessierten Biertrinkern schmackhaft machen. Klasse. Und das ist der Schlüssel zum Erfolg bei den Freibeutern aus Stralsund.

IMG_4906

Mein Fazit: Störtebeker, erfolgreiches Kapern durch höchste Qualitäten in Technik und Marketing. Das Säbelrasseln geht weiter.

2017-02-28-PHOTO-00000990

Brauerei Schlössle – 400 Jahre Craft

schloessle-bier.de

Mein bieriger Instinkt hat mich intuitiv zu einem echten Geheimtip für real beerlover geführt. Zur Brauerei Schlössle in Neu-Ulm. Herzlich vom Braumeister Volker Tillmann und Juniorchef Moritz Kaltenbacher empfangen, haben wir uns erst einmal den gastronomischen Teil meiner neuer Lieblingsbrauerei angeschaut.

IMG_2489

Die Brauerei, 1690 erstmals urkundlich erwähnt, wird in der 4. Generation von Christa und Werner Zoller geführt.

IMG_2440

Der Biergarten mit 400 Sitzplätzen und wunderschönem alten Kastanienbesatz wurde 2000, 2004, 2006 und 2012 zu einem der schönsten Biergärten Deutschlands gekürt.

IMG_2443

Dann ging es zur gegenüber liegenden Brauerei, die von Braumeister Volker und seinen 2 Lehrlingen geschmissen wird.

IMG_2488

Bis 2004 wurde noch im alten 20 hl Sudwerk mit direkter Holzbefeuerung gebraut, das 2005…..

IMG_2448

… vom neuen Nerb Sudhaus mit Maischautomatik abgelöst und in Rente geschickt wurde. Gebraut wird die leckere Hauptsorte Märzen mit 13% Stammwürze im Dekoktionsverfahren. Das wegen der höheren Energiekosten aufwendige Teilmaischekochen macht die Biere der Brauerei zu kernigen Raritäten.

IMG_2459

Dann ging es weiter mit Christa Zoller, die die Brauerei seit 1988 führt, in den Gärkeller mit seinen blitzeblanken Edelstahlgärtanks….

IMG_2468

… und hinunter in den modernisierten historischen Lagerkeller. Braumeister Volker, mit dem ich 1990 in der ehemaligen Staufen Brauerei in Göppingen gebraut habe, hat uns voller Leidenschaft die Geheimnisse seiner Biere aufgezeigt. Seit 1995 braut er die exzellenten Schlössle Biere.  Ein weiterer guter Brauerfreund und Bierexperte, Eric Toft von der Schönramer Brauerei, hat hier während seiner Berufsschulzeit in Ulm nebenher fleißig Flüssiges gebraut. Die Bierwelt ist sooo schön fein und  klein.

IMG_2482

Schon sehr früh, nämlich seit 2010, begann man im Schlössle auch moderne, international geprägte Bierstile zu brauen. Lange, bevor in Ulm und um Ulm und um Ulm herum beheimatete Brauer wussten, wie man Craftbeer ausspricht. Los ging es mit Schock – einem untergärigen Bockbier mit herrlicher Schokoladennote, bereichert und ergänzt durch die aktuellen Spezialitäten. Die Bierentwicklungen sind reine Familienangelegenheit.

IMG_2492

Verkostet und intensiv diskutiert haben wir die Biere im wunderschönen Biergarten. Mein Ranking: Bernsteinfarbenes Märzen, Georgsbier (dunkles Kellerbier und European Beerstargewinner 2014 und 2015) gefolgt von Chocolate Porter und High Five Hop.

IMG_2499

Mein Fazit: Brauerei Schlössle – da müsst ihr hin!

IMG_2477

Schönheit der Vergänglichkeit – Kosterbrauerei bad Herrenalb

Heute mache ich eine Reise in die Vergangenheit. Zur Klosterbrauerei nach Bad Herrenalb, zu der meine Familie eine ganz besondere Bindung hat. Begonnen hat diese durch die enge Freundschaft von Hermann Mönch und meinem Großvater Wilfried Dinkelaker. Fortgesetzt wurde diese durch die Ausbildung meines Vaters in Bad Herrenalb vor seinem Studium in Weihenstephan im Jahr 1956. Die Brauerei wurde 1863 durch Andreas Mönch gegründet und bis 1999 durch Hermann Lörcher betrieben. Die Bilder habe ich von Herrn Sebastian Graubner zur Verfügung gestellt bekommen, der kurz vor dem Abriss der Brauerei 2007, diese fotografisch verewigte. Sein Buch „Schönheit der Vergänglichkeit“ ist eines der beeindruckendsten seiner Art. Die Reise beginnt mit der Außenansicht der Brauerei und des Wohn- und Verwaltungsgebäudes…….

p9130778-haus-frontal-nach-n2

….. und setzt sich fort mit der wunderschönen Rückansicht der Brauerei.

brauerei-rueckansicht

Die Brauereianlagen waren allesamt Baujahr 1908 und bis zuletzt in Betrieb. Die Hauben des Sudhauses und des Läuterbottichs konnte ich erhalten und sind heute in den Brauhäusern der Schönbuch Braumanufaktur in Stuttgart und in Calw zu besichtigen. Ebenso war es mir möglich, die Holzgärbottiche, den Fassfüller und den Berieslungskühler bei mir in Böblingen einzulagern. Hierfür meinen herzlichsten Dank an Hermann Lörcher, Urenkel des Brauereigründers Hermann Mönch.

p9130805_3_4__sudhaus_tonemapped1

Das Ziemann Sudhaus wurde schon damals mit Dampf beheizt. Ausgeschlagen wurden 43 hl, die Brauerei stellte bis zu 6000hl p.a. her. Das Sudhaus war wohl eines der schönsten seiner Art, das ich bei meinen zahlreichen Brauereibesuchen gesehen habe.

sudhaus-1

Abgekühlt wurden die Würzen auf dem Kühlschiff….

p9151010_09_tonemapped-kuehlschiff1

… vergoren in den hölzernen Gärbottichen. Meine Besuche in der Brauerei sind mir immer noch sehr gut in Erinnerung und so kann ich diese unserem heutigen Brauernachwuchs weitergeben. Dadurch erhalten unsere Jungbrauer einen Einblick in die damalige Bierproduktion und eine vage Vorstellung wie aufwendig diese war.

gaerkeller

Gelagert wurden die untergärigen Mönchschen Bierspezialitäten in Aluminium Lagertanks, gekühlt wurde, wie damals üblich, durch Raumkühlung.

lagerkeller

Der Dampfkessel wurde mit Kohle beheizt und mit 8 bar Betriebsdruck betrieben.

dampfkessel

Der Ammoniak Kältekompressor wurde über Transmissionsriemen angetrieben und war für die komplette Kälteversorgung der Brauerei verantwortlich.

kaeltemaschinen

Hermann Lörcher kämpfte viele Jahre für den Erhalt der wunderschönen Gebäude und der einmaligen Brauereiausstattung aus dem Jahre 1908. Hierfür zolle ich ihm meinen größten Respekt.

Mein Fazit: Den Wert der Dinge erkennt man erst bei ihrem Verlust.

p91205151