Stewart Brewing Edinburgh – Alles Ale oder was?

Stewart

Waren Anfang August zum Weihnachtsgeschenk einlösen mit der Family auf dem Fringefestival in Edinburgh. Das ist das grösste Kulturfestival der Welt und sehr sehenswert. Weil ich immer ganz brav bin, durfte ich mich mit meinem Sohn Lukas mal kurz abseilen. Und so ging es mit dem Taxi zur ca. 25 Minuten entfernten Stewart Brewing nach Loanhead, am Rande von Edinburgh in einem Industriegebiet gelegen.

Dort hat mich der Masterbrewer und Vollblutschotte Craig Scotland sehr herzlich empfangen.  Sein Name ist Programm. Craig hat seinen Master for Brewing and Destilling an der Heriot-Watt University in Edinburgh mit ca. 100 anderen Teilnehmern aus vielen englischsprachigen Ländern dieser Welt erfolgreich abgeschlossen. Voraussetzung hierfür ist ein bestandener Bachelor Abschluss. Die Ausbildung an der Uni dauert ein Jahr. Craig ist sogar am Gärtank in einer lustigen Comiczeichnung verewigt.

Die Brauerei wurde 2004 gegründet und ist eine der wenigen inhabergeführten Brauereien in Schottland. 2013 wurde die jetzige Brauerei an den neuen Standort verlegt. Das Bavarian Brewery Technologies Sudhaus mit 50 hl Ausschlagmenge stammt aus Ungarn.

Gebraut werden 15.000 hl p.a. vollautomatisch. Das Witzige ist, dass sich die Stewartjungs die ganzen Temperaturrasten beim Maischen sparen. Vom Einmaischen bis zum Verzuckern alles bei 65 °C. Nur zum Abmaischen wird ganz klassisch auf      76 °C erhöht. Easy easy.

Das Malz beziehen die Schotten von den englischen Mälzereien Muntons, Simpsons und aus Deutschland von Weyermann. Für eine bessere Vollmundigkeit werden neben dem Gerstenmalz auch gerne Hafer- und Weizenmalz mit eingemaischt. Vergoren wird untergärig bei maximal 13°C mit dem Hefestamm 34/70, obergärig mit der Farmhouse Yeast bei 19°C.

Craigs ganzer Stolz ist seine Hopgun. Hier wird nicht nur mit Hopfen gestopft, sondern auch mit Kaffee. Und das nicht zu knapp beim „not your body Guy“, einem Canadian Breakfast Stout mit 6,8 Vol. % Alk., das vor der Abfüllung noch für sechs Monate ins Holzfass gelegt wird. Die Hauptsorte der Brauerei ist das Jack Back, ein IPA, das wunderbar rough mit Mosaic und Citra bis zu 3-7 g/l Hopfenöl von der hopgun beschossen wird. Great!

Nagelneu in Betrieb ist die Gea Zentrifuge mit einer Leistung von 100 hl pro Stunde. Die wurde vom schottischen Staat wegen ihrer positiven Umweltaspekte subventioniert. Die Jungs hauen in den Lagertank zur Vorklärung  das nicht reinheitsgebotskonforme Filtrationswunderhilfsmittel Biofine Clear und sparen sich so die Filtration……

Dann haben wir noch was bei der Fassabfüllung über Bierfässer in Great Britain gelernt. 50% der Stewartschen Leckereien wandern ins Fass, der Rest in die Flasche und in die Dose. Zur Flaschenabfüllung wird eine mobile Leihflaschenabfüllung geordert, wow. Die klassischen CO2 haltigen Bierstile werden in die Kegs…..

…die CO2 armen Ales in Casks abgefüllt, die reinig- und wiederbefüllbar sind.

Und die ganz besonderen Ales bekommen dann noch chilling time in den oak barrels, smooth.

Seit sechs Jahren betreiben die Stewarts ihre craft beer kitchen. Eine kleine Brauerei in der Brauerei für private labeling. Mittlerweile ein super Business, denn mit 15 Sud pro Woche marschiert das Brauereichen an der Kapazitätsgrenze. Der Gag? Hier werden für  Vereine, Freunde, Firmen and so on eigene, individuelle Biere gebraut. Man kann sein eigenes Rezept je nach Geschmackspräferenzen zusammenstellen.

Nach der Abfüllung in Flaschen werden diese dann noch zur Krönung mit dem eigenen Etikett geschmückt. That´s customer satisfaction.

Mein Fazit: Stewart Brewing – I like it. Thanks Craig!

Brauerei Falken – der Dosenspezialist

Falken

Bin neulich mit meinem Lieblingsbraumeister Gustel in die Schweiz nach Schaffhausen zur Brauerei Falken gedüst, um mich in die Welt der Dosenabfüllung einweihen zu lassen. Die Brauerei hat eine echte spannende Vita in ihrer jüngsten Zeit aufzuweisen. Mit 220 Jahren auf dem Buckel zählt sie zu den traditionsreichsten Brauereien der Schweiz. Seit 70 Jahren ist sie in der Hand der Eigentümerfamilie Moersen und tritt in der Rechtsform einer AG auf.

1895 wurde sie an den heutigen Standort verlegt, da man hier eine ergiebige Wasserquelle gefunden hatte. Wo heute die Züge vorbei rattern, war früher ein idyllischer See. Bis vor ca. 10 Jahren ging es leider immer weiter bergab mit den Ausstoßzahlen und so investierten die Falken 2012 in ein völlig neues Segment: Die Dosenabfüllung. Das war die Initialzündung für eine bemerkenswert erfolgreiche Entwicklung.

In das Reich der Dose hat mich Zdzislaw Koltun eingeführt, seines Zeichens Leiter der Produktion & Technik sowie Mitglied der Geschäftsleitung. Er hat seine Brauerlehre bei der Würzburger Hofbräu absolviert und den Braumeister bei Doemens. Seit acht Jahren ist er nun schon bei den Falken und hat einen großen Anteil an deren erfolgreicher Entwicklung.

Das 220 hl Ziemann Sudhaus mit Außenkocher ist aus dem Jahre 1982. Die alte Schützsteuerung wurde 2000 durch eine neue Steuerung ergänzt. Beide sind noch in Betrieb auf Herzenswunsch des Inhabers, crazy. Es werden 17 Sorten ganzjährig vollautomatisch gebraut, jede für sich. Fakes durch z.B. Zugabe von Farbebier  im Drucktankkeller für die Farb- und Geschmacksdifferenzierung der Biere sind mit Braumeister Koltun nicht zu machen. Das gefällt mir.

Die Hauptsorte mit 80% Anteil ist das in der Schweiz dominierende Lagerbier oder im Volksmund die Stange genannt. Unter dem Young Fashion Markennamen Hülse wird das ICE (auf Deutsch Eis)  im Coronastyle mit 30% Maisanteil eingebraut und nach der Gärung durch den Eski (Tiefkühler) gejagt, bevor es in die trendy Flaschen abgefüllt wird. Dazu gesellen sich noch ein Radler, ein naturtrübes Lager und das Pale Ale mit sportlichen 40 Bittereinheiten.

Der Gärkeller wurde 2017 general modernisiert und mit zusätzlichen Tanks ergänzt. Es wird klassisch vergoren und mit Restextrakt in die Lagertanks zur Nachreifung geschlaucht. Jetzt wisst ihr auch, warum Obergärung Obergärung  heisst… 🙂

Heute sind 55 Mitarbeiter im Dienste der Falken beschäftigt, davon 20 in der Produktion, also in der Herstellung und Abfüllung. Der Gesamtausstoß beträgt 140.000 hl. 40.000 hl werden als Eigenmarke gebraut und abgefüllt. Von den 100.000 hl wird einiges an Bier von Schweizer Brauereien in 250 hl Tankwagen angeliefert, pasteurisiert und in die Dose abgefüllt.

Die Brauerei hat 50 Dosenkunden, die Anlage läuft im Dreischichtbetrieb. Die Dosen werden im 24er Tray verpackt. Von der Bestellung bis zur Auslieferung werden nur 6-8 Wochen benötigt. Bemerkenswert ist, dass trotz fehlenden Dosenpfands die Dosen-Recyclingquote in der Schweiz bei satten 90% liegt. Davon kann unser Mehrwegsystem in D nur träumen….

Der letzte Schritt vor der Verpackung der Dosen ist die Pasteurisation. Für die mikrobiologische Haltbarkeit ist eine Tunnelpasteurisation zwingend notwendig. Mit 25 Pasteureinheiten hat man absolute Sicherheit und kann ohne Bedenken diesbezüglich bis zu 12 Monate Haltbarkeit garantieren.

Mein Fazit: Alles Dose oder was? Zdzislaw, vielen Dank für die spannenden Einblicke in deine Welt.

Klosterbrauerei Scheyern – Helles macht Spass

Klosterbrauerei Scheyern

Bin neulich back-to-the-roots-mäßig nach Freising gedüst, um meinen Sohnemann in Weihenstephan vom Studieren abzuhalten. Außerdem wollte ich mich mit Lukis Prof Herrn Dr. Zarnkow treffen, um mit ihm über die Bierherstellung vor der Industrialisierung zu plaudern. Das Ganze geht natürlich nicht, ohne eine schöne Bauerei anzuschauen. Inspiriert durch das Buch vom Hans Carl Verlag „Bayerns Klöster und ihre Brauereien“, das ich von meiner lieben Frau zum Geburtstag geschenkt bekommen habe, sind wir nach Scheyern gedüst, das eine halbe Fahrstunde nordöstlich von Freising liegt.

 

Das Kloster Scheyern, die dazugehörige Kirche und die Klosterschenke sind echt sehenswert. Noch bemerkenswerter ist die Geschichte der dazugehörigen Brauerei und ihrer Biere. Die Kloster- und Brauereigeschichte reicht bis ins Jahr 1119 zurück und ist dieses Jahr sagenhafte 900 Jahre alt geworden. Somit zählt Scheyern neben der heutigen Staatsbrauerei Weihenstephan zu den ältesten dokumentierten Braustätten der Welt. Nach der Säkularisation 1803 wechselten die Eigentümer wie die Unterhosen. Nach dem 2. Weltkrieg folgte die schwerste Krise für die Brauerei und so wurde sie in der Not für 50 lange Jahre an die Hasenbräu Augsburg verpachtet. Diese wurde dann an die Tucher verscherbelt und somit verlotterte die Klosterbrauerei immer mehr, so dass 1991 der Brauschlüssel rumgedreht wurde. Als der Pachtvertrag 2001 endete, entschlossen sich die tapferen Mönche, die Brauerei wieder wachzuküssen. Eröffnet wurde am Festtag des hl. Benedikt, am 21. März 2006. Heute leben und arbeiten 15 Mönche im Kloster, geleitet wird die Brauerei von Pater Lukas, der die Brauerei top nachhaltig entwickelt.

 

Empfangen hat uns der erst 38 Jahre alte Braumeister Tobias Huber, der seit Wiederinbetriebnahme der Brauerei für die Bierqualitäten verantwortlich ist. Seinen Braumeister hat er bei Doemens gemacht.

Die ersten Jahre hat Tobias die Brauerei alleine gerockt. Geplant war eine Jahresproduktion von 2000 hl p.a., die er im zweiten Jahr schon überschritten hatte. Heute braut er mit einem Brauer und einem Lehrling ca. 7.500 hl im Jahr. Das vollautomatische 20 hl Sudhaus von der ehemaligen Firma Nerb, heute Esau & Huber, ist sehr schön in das alte Brauereigebäude Baujahr 1929 integriert.

Alle Biere werden mit dem Infusionsverfahren gebraut. Das Wasser stammt vom klostereigenen Brunnen und wird von 18 ° dH auf brautaugliche 3° dH durch Umkehrosmose enthärtet. Das meist Gebraute in Scheyern ist das Klosterbier Hell. Das liegt wohl an der geografischen Lage und daran, dass es das Lieblingsbier vom Braumeister Tobias ist. Hier seht ihr das alte Sudhaus des Klosters im Vergleich….

Neben dem klassischen Hellen und weiteren ober- und untergärigen Leckereien hat sich Tobias noch craftige Saisonbiere überlegt. Los gehts mit dem Frühlingsrauschen, ein Frühlings Ale mit Polaris feingehopft. Im Sommer gibt es die Sommerfrische, ein Schank-Ale mit easy 4,2 % Umdrehungen. Vergoren und gelagert wird im Eintankverfahren. Bei den Untergärigen geht es bei der Hauptgärung nicht über 10°C, gelagert wird mindestens zwei Wochen bei -1°C.

Auch hier hab ich für euch ein Vergleichsfoto neu vs. alt……

Im Herbst gibt es das super leckere Grünhopfen Pils Herbstwind. Hier würzt Tobias mit Opal, Hersbrucker und Hallertauer Tradition. Last but not least gibt es im Winter im Scheyernland einen hellen Weizenbock namens Winternacht. Klasse ist die Hefepropagation oder Hefereinzuchtanlage. Da freuen sich die Hefen vom Tobias…

Filtriert wird old school und doch sehr zeitgeistig mit dem Kieselgur Rahmenfilter. Tobias verzichtet ganz bewusst auf die Zugabe von PVPP und Eiweissstabilisierung. Ist auch nicht nötig, denn das leckere Gebräu gibt es nur im Umkreis von 20 km um das Kloster. Und das immer frisch, denn das Mindesthaltbarkeitsdatum mit 3 Monaten ist ein echtes Frischeversprechen.

Nebenbei wird in der Brauerei auch noch kräftig gebrannt. Hier wird “ alles gebrannt was kommt“. Das ist den großen Obstgärten des Klosters geschuldet. Von Mirabelle und Co bis zum Bierbrand aus dunklem Doppelbock. Lecker, lecker….

Auf der selbst gebastelten Versuchsbrauerei mit 40 Litern experimentiert Tobias gerade unter anderem mit Honig….

Und dann ging es noch zünftig zum Verkosten in die Klosterschenke…..

…. bevor wir die Parallelen zwischen der eigenen Klosterkirche und…..

… dem brauereieigenen Hopfengarten erkundet haben.

Mein Fazit: Klosterbrauerei Scheyern – dem Himmel so nah. Danke lieber Tobias.

Krombacher- der größte Bierladen Deutschlands

Krombacher

Als Bierblogger musste ich natürlich selbstredend auch mal bei der größten Einzelbraustätte Deutschlands meine Aufwartung machen. Also auf nach Krombach bei Olpe ins sagenumwobene Seenland. Die Brauerei begrüßt seine 80.000 Besucher p.a. in einem Kinosaal in der Krombacher Erlebniswelt, der wohl in seinen Ausmaßen einem Kleinstadtkino in nichts nachsteht.

Die Erfolgsgeschichte der Brauerei ist mit Friedrich Schadeberg sen. untrennbar verbunden. Er hat die Brauerei von einer großen mittelständischen Regionalbrauerei zur größten Braufabrik Deutschlands entwickelt. Sein Geist weht durch die Brauerei und mit ihm die konsequente Ausrichtung auf Wachstum, Wachstum und Wachstum. Legendär ist die Loyalität der gesamten Krombacher-Mannschaft und der Spirit, der ihn zu Lebzeiten umgeben hat. Zweifelsfrei gehörte er zu den herausragenden Persönlichkeiten der deutschen Brauägide.

In Krombach wird seit 1892 Bier nach Pilsner Brauart produziert. Heute werden insgesamt 6.700.000 hl in Form von sechzehn verschiedenen Bierprodukten und Fassbrause hergestellt. Davon werden 4.800.000 hl Pils deutschlandweit unters Volk gebracht und mittlerweile auch stattliche 400.000 hl  alkoholfreie Biere. Diese unglaublichen Mengen bringen sagenhafte Kostenvorteile mit sich, die die Vertriebs-Krombachjaner auch zum Leidwesen vieler Klein- und Mittelstandsbrauereien gnadenlos in Form von Preisnachlässen an den Markt weitegeben. Ein schlagkräftiges Tool um die Mengensicherung im rückläufigen Biermarkt zu sichern. Auf dem Steinecker Sudhaus Baujahr 1986 werden auf vier 680 hl und einer 1200 hl Sudlinie die Krombacher Biere gebraut. Und zwar im Dekoktionsverfahren. Zwölf Malzlieferanten sichern die benötigten Malzmengen, gehopft wird ganz klassisch mit drei Gaben. Eine Bitter- und zwei Aromahopfengaben. Die Hopfenvorräte reichen für sechs Jahre, so dass die Versorgungssicherheit gewährleistet ist.

48 Quellen aus der Umgebung mit weichem 5 °dH Wasser versorgen die Braustätte mit ausreichend Brauwasser höchster Qualität. Die Würze wird unter Einsatz eines Brüdenverdichters mit 95 °C energiesparend gekocht. Der Läuterbottich von unten gesehen schenkt dem brautechnisch versierten Fachbesucher ein beeindruckendes Bild filigraner Technik.

Vergoren wird in 44 Ziemann Gärtanks im Eintankverfahren bei max. 15 °C. Nach der Diacetylrast wird über den Eski Kühler runtergekühlt und noch zwei Wochen gereift. Nach Filtration, dem Zentrifugieren und der KZE geht’s vor der Abfüllung in zehn    4.800 hl Drucktanks bevor der gute Gerstensaft seinen Weg in die Flasche und ins Fass findet.

Das Filtrationsheadquarter ist der ganze Stolz vom Filtrationsleiter Arthur Riedel, der uns durch die Brauerei geführt hat. Arthur hat 17 Jahre bei Königs Pilsner malocht. Von der Lehre bis zum Meister – und das durch alle Abteilungen. Ein Bierenthusiast wie aus dem Lehrbuch. Arthur kennt sich richtig aus in Sachen Bierherstellung, ist ausgebildeter Biersommelier und lebt und missioniert Bier auf seine unvergleichlich direkte und kompetente Art. Filtriert wird noch mit klassischen Rahmenfiltern unterstützt durch Kieselgur Kerzenspaltfilter.

Angeboten werden neben den klassichen Brauereiführungen auch die Krombacher Sommeliertouren. Hier gibt es über die Infos zur Bierherstellung hinaus zum Abschluss noch ein Foodpairing. Das Dunkle in Kombi mit Schoki war richtig lecker, das Weizen mit Blauschimmelkäse nur mmmmhhhh.

Im Braustüberl des „Visitorcenters“ gab es zum Abschluss und zur Stärkung nach der sehr spannenden und informativen Sommelier +++ Führung noch den Krombacher Dreiklang. Leeeecker.

Mein Fazit: Danke lieber Arthur für die klasse Führung. Jetzt lass uns einen krombachern.

Pilsner Urquell – Vom Japaner und dem grolligen Groll

Pilsner Urquell 

Unsere Kumpels haben meiner lieben Frau eine Reise nach Pilsen geschenkt. Das hat mich natürlich besonders gefreut. Denn zu Pilsen fallen mir sofort so viele schöne Bierassoziationen ein. Josef Groll, Pilsner Brauart, helles Malz, weiches Wasser etc.. Doch dazu später mehr. In Pilsen angekommen, bin ich sofort in die Brauerei gestürmt.

Im sogenannten „Visitor Center“ werden über 100.000 bierinteressierte Touristen im Jahr empfangen. Sehr schön ist der Originalnachbau einer vor ca. 100 Jahren tätigen Brauerei mit Kühlschiff, Berieselungskühler und Sudhaus, die den Besucher im Eingangsportal begrüßt. Und das im ehemaligen Kühlschiffhaus der historischen Brauerei.

Vor 1842 haben ganz viele ganz klitzekleine Brauer in Pilsen fürchterlich schlechtes Bier gebraut und in der Not hat der Stadtrat den griesgrämigen Wanderbrauer Josef Groll aus Vilshofen in der Nähe von Passau engagiert, um den Pilsener Qualitätsnotstand zu lindern. Der Josef war nur kanpp 4 Jahre in Pilsen und hat das Problem nachhaltig gelöst. Und wie das? In seinem Reisegepäck hatte er untergärige Bierhefe dabei. In dieser Zeit, also die Zeit vor der Erfindung der Kühlmaschine durch Carl Linde 1876, war die untergärige Brauweise noch nicht en vogue in Pilsen, wie auch im gesamten dunklen Bierdeutschland. Untergärige Biere sind bekannterweise aufgrund der kälteren Gärtemperaturen wesentlich stabiler hinsichtlich mikrobiologischer Kollateralschäden als die obergärigen. Und so hat er das erste Bier Pilsner Brauart gebraut. Untergärig und….

… nicht nur das. Der grimmige Josef hat auch noch etwas mehr Hopfen beim Brauen verwendet, denn auch der Hopfen trägt zur Haltbarmachung des guten Gerstensaftes durch seine antiseptischen Eigenschaften bei. Dann noch helles Malz anstatt dunkles  in Verbindung mit dem natürlich samtweichen Quellwasser. Und fertig war Josefs Zauberbier. Das erste Bier Pilsner Brauart. Eine eiserne Sudpfanne aus dem späten 19. Jahrhundert hat mich in die Grollsche Zeit zurück gebeamt.

Die Pilsner Urquell gehört mittlerweile seit 2 Jahren zu Asahi, einem großen Japanischen Braukonzern, der den renditeorientierten Haien von AB Imbev die Brauerei und mit ihr viele Andere hinsichtlich kartellrechtlicher Vorgaben abgenommen hat. Denn ansonsten hätten die Ami-Belgier fast soviel Weltbiermarktanteil wie das Bier Pilsner Brauart. Nämlich fast 70%! Das ist schon bemerkenswert mit den Japanern, aber wen wundert es. Mittlerweile haben sich die Chinesen sogar schon auf dem württembergischen und bayrischen Biermarkt eingekauft. Und besonders bemerkenswert ist der „Japaner“ wirklich,….

…denn früher vor 100 Jahren hat er in Form eines Grünmalzkarrens (auch „Japaner“ genannt) den Mälzern bei der Verteilung des Grünmalzes auf der Darre geholfen.

So, genug gelästert. Das alte Sudhaus Baujahr 1931 ist echt eine Pracht…..

…und das Neue noch viel mehr. Hier werden 630 hl auf etlichen Sudstraßen im Einmaischverfahren gebraut und von den 2 Mio. hl Urquell wandern knapp 30% in den Export.

Dann ging es in die berühmten Keller der Brauerei. Hier haben sich in den Hochzeiten vor Einführung der Eisen- und späteren Edelstahl- Gär- und Lagertanks auf den 9 km langen Kellergewölben  6000 Holzfässer verteilt. Und das in 5-10m Tiefe.

Heute haben die Jungs und Mädels von Urquell für die Touris wieder einen historischen Holz – Gär- und Lagerkeller „in Betrieb“. Das ist toll gemacht und so ziemlich einzigartig, denn hier…

… können die Besucher dem Bier beim Gären in historischem Ambiente zuschauen.

Und solche Holzfässer sind heute richtig teuer. Ein Fässle kostet handmade schlappe 11.000€.

Verkostet werden darf direkt vom Eichenholzfass. Für viele Besucher der beste Stoff in Pilsen. Ich bin mir da nicht so sicher, denn das bierige Tröpfle hat eine gewisse organoleptische Ähnlichkeit mit dem unfiltrierten Pilsner Urquell aus dem Edelstahl Keg in den tschechischen Schänken….

Mein Fazit: Bierhistorie trifft Walt Disney. Ein Prost auf den Josef.

Humbser – Jugendstil macht Spass

Humbser

Bei meiner Stipvisite in Nürnberg haben wir auch einen kleinen Abstecher ins benachbarte Fürth gemacht. Ziel war das historische Sudhaus der ehemaligen Humbser Brauerei. Seit 1888 wurde hier in der Schwabacher Strasse gebraut. 1911 wurde vom Brauereicheffe Martin Humbser das wunderschöne Jugendstil Gebäude errichtet und ab 1912 wurde in dem Selbigen fleißig eingemaischt.

Gebraut wurde in dieser wunderschönen Ambiente bis 2009.  Schaut Euch den historischen Originalfilm an, der lohnt sich. Humbserfilm Nach langen Jahren des Leerstandes wurde diese Schönheit nun wieder wachgeküsst.

Und hier wurde mal richtig gebraut. In diesem stolzen Sudhaus wurden in den besten Zeiten über 1 Mio. Hektoliter Bierwürzen p.a. hergestellt….

… auf den Wandkacheln haben wir historische Artefakte entdeckt. Sudanzahl mal Ausschlagmenge…

Seit Oktober 2018 beherbergt der Jugendstilbau eine bierige Gastro. Nach fast drei Jahren aufwändigsten Umbauarbeiten wurde durch den Gastrobetrieb den wunderschönen Kupferhauben eine neu Aufgabe übertragen. Früher Bier machen, heute Bier ausschenken. Aus zwölf Zapfhähnen fließt das bei Tucher gebraute Humbser und Grüner Bier, Schanzenbräu, Boeheim und mehr.

Schöner geht nicht…

Das ist wohl der größte kupferne Läutergrant, der mir seither begegnet ist.

Mein Fazit: Humbser – Bier mit (Jugend-) Stil. Cheers!

 

Tucher, die 2- Städtebrauerei

www.tucher.de

Im Rahmen unserer Nürnberger Rotbierchallenge haben wir dann auch mit Helmut Ell die heutige Tucher Brauerei mit ihrem 2- Städte- Sudhaus besucht. Die Stadtgrenze Nürnberg – Fürth durchzieht genau das Sudhaus. Und das aus gutem Grunde.

Doch erst einmal tauchen wir in die turbulente Geschichte dieser Traditionsbrauerei ein. 1855 ging es durch den Kauf des Königlichen Bräuhauses in der Altstadt in Nürnberg durch die alte Patrizier Familie Freiherren Tucher von Simmelsdorf los. Dort wurde bis zum Brauereiumzug 1906 gebraut. Von 1890 wurde parallel ebenfalls in der neu gebauten Brauerei im Tucher’sche Gartenanwesen Langen Gasse 20 gebraut. Habe eine historische Fotografie vom Bräuhaus gefunden. Vergleich früher….

….zu heute. Wir haben extra eine kleine Schleife an diesen historische Ort in der Nürnberger Altstadt gemacht.

Zurück im 300 hl Gea Sudhaus im 2- Städte- Sudhaus. Dort werden 26 verschiedene Biersorten eingebraut. Über die 19 verschiedenen Tucher Biere , das Lederer Pils als die älteste Nürnberger Biermarke aus dem Jahre 1468, das von Helmut Ell 2011 wieder wachgeküsste Grüner Bier bis zu den guten Humbser Bieren aus der ehemaligen Brauerei in Fürth. Eingemaischt und gekocht wird auf dem Nürnberger Satdgebiet, abgeläutert und im Whirlpool der Heisstrub ausgeschieden auf dem Fürther. Genial.

Seit 2004 gehört nach vielen Fusionen und Eigentümerwechseln die Tucher Bräu GmbH & Co KG mit ihren Marken zu der Radeberger Gruppe und somit der Familie Oetker. Zum Glück, denn die Spekulanten der Reemtsma-, Schickedanz mit seinem Quelle Konzern-, die März- und Inselkammer Fraktionen haben es durch ihre Gier geschafft, komplett alle Nürnberger (Brauhaus Nürnberg J.G. Reif, Lederer und Tucher) und Fürther (Geismann, Berg Bräu, Humbser und Grüner) Traditionsbraustätten platt zu machen. Die Familie Oetker hat dann durch die Grundsteinlegung 2007 endgültig Fakten geschaffen und mit ihrer 55 Millionen Euro Investition alleine in das Sudhaus der neuen Brauerei den Fortbestand der Marken, der Brautraditionen und der Arbeitsplätze gesichert. Chapeau!

Die Brauerei gehört zu den Modernsten in Europa. Was den Energieverbrauch, Umweltfreundlichkeit und letztendlich Produktivität betriff ist sie ganz weit vorne. Und im Übrigen auch was die Qualität angeht. Das Sebaldus Weizen mit seinen + 6%. Vol. Alk. hat mich echt begeistert. Mega feine Banane, super harmonisch.

Hier hat jeder Tank seine Bestimmung…

Bei den Radebergers stehen die Filtrationsentscheider voll hinter der wohl modernsten Technik der Bierfiltration. Der sogenannten Crossflowfiltration. Diese habe ich neulich auch bei der Einbecker Brauerei entdeckt.

Die Liebe zum Detail hat mich begeistert. Auf dem Weg zur Filtration ging es an einem alten Massefilter vorbei. Diese Technik wurde seit der Erfindung der Bierfiltration und ihrer Patentierung durch die Firma Ensinger im Jahre 1845 bis nach dem 2. Weltkrieg angewandt und dann durch die Schichten- und Kieselgurfiltration abgelöst.

Mein Fazit: Brückenbauen macht Spass. Cheers.

 

Altes Sudhaus – Das Kupfer- und Rotbierparadies

Altes Sudhaus

Als dritte Station auf unserer historischen Nürnberger Rotbier Expedition ging es zur ältesten erhaltenen Nürnberger Braustätte an den Schillerplatz. Und somit zu einem, was die Nürnberger Brauereigeschichte betrifft, einzigartigen Ort. In dem wunderschönen denkmalgeschützten Backsteingebäude aus dem Jahre 1899 brauten zuerst die fusionierten Nürnberger Altstadtbrauereien Bernreuther und Liebel. Umgebaut wurde das Sudhaus dann 1939/40 als die Reifbräu sich dazu gesellte. Die Brauereien waren eigenständige Firmen und teilten sich das Sudhaus. 1960 kam es durch Fusion zur Brauhaus Nürnberg J.G. Reif AG. Die Reif AG brachte den Markennamen Siechen mit. 1966 fusionierte dann die „Reifen-Jungs“ mit der damals Freiherrlich von Tucher’schen Brauerei AG zur Brau AG.  Die „Tucher-Jungs“ hingegen verlegten in diesem Zug ihre Braustätte von der Langen Gasse (heutige Friedrich Alexander Uni) an den Schillerplatz.  Fortan wurden die Biere unter Tucher –  Siechen den durstigen Kehlen feil geboten.

Die Vielzahl der Rechtsform der AG bei Brauereien sind by the way dem enormen Kapitalbedarf der Brauereien in der Zeit der Industrialisierung geschuldet. Damals haben die Brauer einfach viel Kohle für die Anschaffung von Dampf- und Kältemaschinen benötigt, um mit der wirtschaftlichen Entwicklung standzuhalten. Empfangen wurden wir von Helmut Ell, dem ultimativen Bier- und Biergeschichts- wandelnden Kollektivwissen der Tucher Brauerei. Helmut ist verantwortlich für die Führungen im Alten Sudhaus und in der neuen Tucher 2- Städte Brauerei. In Helmuts Fragestunde beantwortete er alle Fragen rund um die Tucher Brauerei in aller Perfektion. Mein Gastgeschenk hat er sofort begeistert empfangen und als ausgebildeter Biersommelier gleich in diesem historischen Kontext verkostet und für gut befunden. Helmut ist eine wohl ziemlich einzigartige Energie- und Wissensquelle in allen Belangen rund um den köstlichen Gerstensaft.

Die Tucher Jungs haben nach aufwändigen Renovierungsarbeiten dieses Bierparadies zum Tag des deutschen Bieres am 23. April letzten Jahres wieder eröffnet, um ihrer Brauerei-DNA den passenden Rahmen zu schenken. Das kathedralenhafte 400 hl Kupfersudwerk aus dem Jahre 1960 ist eine Schönheit die ihresgleichen im bayrischen Bierorbit sucht.

An dieser kupfernen Schönheit sieht sich der Bierlover nicht satt….

…nicht satt….

…und nicht satt. Der Hopfenentlauger der Firma Steinecker ist eine echte Rarität und wohl in dieser Ausführung einmalig. Diese Technik ist längst in Vergessenheit geraten, bei der die durchfließenden Heisswürzen vom Läuterbottich Richtung Pfanne den vorgelegten Hopfen ausgelaugt haben. Oder einfach erklärt, eine Hopgun für die Heisswürzen.

Und genau hier wurde nach fünfjähriger intensiver biergeschichtlicher Recherche und unzähligen Brauversuchen der Tucherschen Rotbiertradition wieder Leben eingehaucht. Und zwar in Form einer Kaspar Schulz 15 hl Bräuhausanlage Baujahr 1996. Und in derselbigen findet das Tucher Rotbier seinen Ursprung.

Für das Rotbier werden zwei Biergattungen gebraut und später nach der Lagerung vor dem Abfüllen vermählt. Zum Einen wird ein Vollbier im Infusionsverfahren mit 12% Stammwürze eingebraut. Verwendet werden Cara Red, wenig Röstmalz und klassisches Pilsner Malz. Gehopft wird mit Spalter Select, Hallertau Tradition und Herkules. Der Doppelbock wird mit 19% und den gleichen Zutaten eingebraut. Vergoren wird ganz nach Nürnberger Art klassisch kalt und somit untergärig….

…gereift jeweils 6 Wochen in den Lagertanks.

Der Doppelbock findet dann nach der Reifung nochmal acht Wochen seine Ruhe in verschiedentlich getosteten Eichenholzfässern. Das ist der Wahnsinn, wieviel Mühe, Leidenschaft und Können die Tucher Braumeister sich für diesen Göttertrunk geben.

Abgefüllt wird mein Nürnberger Rotbierfavorit seit 3 Monaten in Flaschen, der 5 l Dose und für ausgesuchte Gastronomieobjekte in eigens angeschaffte Holzfässer. Zum Doppelbock und vor dem finalen Rotbier haben wir eine leckere Gerstenbrezel als kulinarische Grundlage gefuttert. Super Idee. Food- und Bierpairing mal ganz basic.

Mein Fazit: Tucher Rotbier = Vollbier + eichenholzgereifter Doppelbock = Lecker, lecker! Helmut 1000 Dank.

Schanzenbräu – vom Rotbier auf moderne Art

Schanzenbräu

Station Nr. 2 auf unserer Rotbierchallenge war die Schanzenbräu, in einem neuen Industriegebiet in Sichtnähe zur Stadtgrenze Fürth auf Nürnberger Gemarkung gelegen.

Die ersten Sude braute Brauereigründer und Schanzencheffe Stefan Stretz  schon 2004 ganz klassisch, wie es sich gehört, in einem Waschkessel in der Bärenschanzenstrasse. Daher auch der Name und das Logo. Als die Mengen die Waschzubergrenze überschritten, mietete er sich, gypsy-like, bei der Brauerei Sauer Rossdorf ein. Seit 2016 braut er nun in Eigenregie in der nagelneuen Braustätte am Rande von Nürnberg. Stefan hat seine Brauerlehre bei der Brauerei Tucher gemacht und dann den Dipl. Ing. Braumeister in Berlin draufgesattelt. Seit 2017 wird er unterstützt vom angehenden Ulmer Braumeister Domenic Steger, der seine Lehre bei der Brauerei Rittmayer in Hallendorf absolvierte.

Wunderschön anzusehen ist das kathedralenhafte 20 hl Sudwerk von Schulz,…

…pro Sud werden 355 kg Braumalz eingemaischt. Vom klassischen Pilsner Malz, Cara hell und dunkel bis zum Melanoidinmalz für das leckere Rotbier. Nix da Dekoktionsverfahren, hier wird mit dem Infusionsverfahren gearbeitet. Das Läutermanagement von Schulz jagt die Würzen bei der Abläuterung in fantastischen zwei Stunden durch den Läuterbottich. Das spart richtig Zeit, denn die Abläuterzeiten können sich bis zu 4-4,5 Stunden bei älteren klassischen Systemen ziehen.

Das Rotbier wird mit feinstem Hallertauer Tradition und Spalter Select gehopft. Ganz old-school am Anfang und Ende der Würzekochung. Vorgelegt wird dieser im Hopfengeber…..

Die guten Würzen werden im Eintankverfahren vergoren und gereift.

Die Jungs von der Schanze lieben unfiltrierte Biere, deswegen wird auf die Filtration verzichtet und es wird nur untergärig vergoren. Die Hefe kommt aus Kulmbach.

Dann gab es zum Relaxen erstmal eine leckere Verkostung vom Rotbier direkt aus dem Lagertank…..

Im Gär- und Lagerkellerbereich sieht man, dass in dieser Braustätte Zucht und Ordnung herrscht….

Den größten Absatz erzielen die Jungs mit ihrem Hellen. Mein Favorit ist jedoch das mengenmäßig zweitstärkste Gebräu: Das Rotbier mit seinen smoothen 24 Bittereinheiten. Meine liebe Frau hat das Märzen „Kehlengold“ gefeiert. Mit Cascade, Tradition und Select auf stattliche 36  Bittereinheiten getrimmt.

In der Brauerei werden nur die Fässer gefüllt. Die Flaschenabfüllung ist an die Kaiserbräu in Neuhaus vergeben.

Mein Fazit: Schanzenbräu – Schmeckt immer! Cheers.

Steinacher Hausbräu – Mitten im Kristallweizenland

Steinacher Hausbräu

Habe meinem Brauereikollegen Olly von der Kraftbierwerkstatt geholfen, sein neues Sudhaus in Bad Waldsee abzuholen. Das hat er von Armin Sauter bekommen, seines Zeichens Bräu vom Steinacher Hausbräu. Bei dieser Gelegenheit hat uns Armin spontan in seine wunderschöne Brauerei eingeladen.

Armin hat die Brauerei 2004 gegründet und anfangs im Nebenerwerb betrieben. Armin hat echte Bierkompetenz.  Gestartet ist er mit der Brauerlehre 1991 im Bürgerlichen Brauhaus Ravensburg, das Ende 2000 leider die Brauereipforten für immer geschlossen hat. 1997 ging es auf die Ulmer Meisterschule. Von 1998 bis 2012 hat Armin als Braumeister vom Sudhaus bis in den Lagerkeller bei der Schussenrieder Brauerei sein Können gezeigt.

Die Brauerei ist der absolute Hammer. Armin hat 2004 das Sudhaus in das 1890 errichtete ehemalige Waldburgbräu Sudhausgebäude eingebaut. Die Waldburgbräu wurde vom Allgäuer Brauhaus, das zur Radeberger Gruppe gehört, gekauft und hatte bis zur Schließung 1974 einen jährlichen Ausstoß von ca. 40.000 hl Bier. Armins Vater hat in dieser Brauerei schon Brauer gelernt und 10 Jahre gearbeitet. Ein geschichtsträchtigerer Brauereiort ist im Farnyland wohl schwer zu finden. Bitte beachtet die wunderschönen grünen Originalfliesen, die Armin zum Glück erhalten hat.

Die Schulzanlage ist der echte Traum. Das Maischprogramm läuft sauber automatisiert  durch. So kann Armin, während die Enzyme ihre Arbeit verrichten, sich um andere Belange in der Brauerei kümmern. Ausgeschlagen werden 5 hl, gemaischt wird im Infusionsverfahren. Seine verschiedenen Malze bekommt er von der Memminger Mälzerei Bilgram gleich um die Ecke. Hier schätzt er die Qualitäten und den direkten Draht zur Mälzerei. Genial ist das „vollautomatische“ Austrebern mittels Schubkarre gelöst…. 🙂

Sehr bemerkenswert ist die durchgängig hochwertige Anlagen- und Tankausstattung der Kleinstbrauerei mit einem Jahresausstoß von ca. 450 hl p.a.. Alles tipi-topi und so sauber, da kann man echt vom Boden essen.

Neu angeschafft hat sich Armin den Flaschenfüller. Das erspart die Gurkerei zum nächstgelegenen Abfüllungsbetrieb. Außerdem hat er nun alle Herstellungsschritte selber in der Hand. Armin macht die Brauerei alleine, zum Abfüllen von 200 Flaschen in der Stunde holt er sich allerdings Verstärkung dazu.

Die Hauptsorte ist die Steinacher Halbe, bernsteinfarben mit einem Alkoholgehalt von 5,2 Vol.%. Das Dunkle kommt mit 5,6 Vol.% etwas stärker um die Ecke, das Weizen gibt es nur über den Sommer. Eins verbindet die Biere. Alle mega sauber, super süffig und sooo arg lecker. Da können sich einige bekannte und unbekannte Klein-, Craft- und sonstige Brauer und Nichtbrauer eine richtig starke Scheibe abschneiden. Wenn ihr die Biere verkosten wollt, und das solltet ihr unbedingt, dann ab ins Kristallweizenland. Die Biere gibt es nur in ein paar ausgesuchten Gaststätten und auf Festen in Bad Waldsee.

Mein Fazit: Steinacher Hausbräu, sehr sehenswert. Meinen Dank an den Arminator.