Craftzentrum Berlin – new home for gypsies

Craftzentrum

Die Jungs von BRLO haben mit ein paar Craftbeer Verbündeten mit dem Craftzentrum im Februar 2018 einen neuen Meilenstein in die bunte Welt des Berliner Craftbeerorbits gesetzt. Das kann ich mir nicht entgehen lassen. Und so hat mich meine Neugierde gleich nach meinem BRLO Besuch in Richtung Spandau getrieben.

Dort hat uns Mario Eschenberg, der seit Anfang an das neue Projekt X begleitet, in die Geheimnisse eingeweiht.

Mario hat eine Brauerlehre bei Jever gemacht, ist VLB Braumeister und hat schon jede Menge Craftbeer Erfahrung in Costa Rica gesammelt. Die „Rent a Brewery“ ist top ausgestattet. Vom Sudhaus bis zur Flaschenabfüllung ist hier alles möglich. Sogar eine Zentrifuge zur Einstellung gleichmäßiger Trübung steht zur Verfügung….

… sowie eine KZE (Kurzzeiterhitzung).

Dadurch haben Gypsies und Nichtgypsies alle Möglichkeiten vor Ort, moderne, hochwertige Craftbeers unter perfekten Bedingungen herzustellen und abzufüllen. Da könnte mancher Oldschoolbrauer neidisch werden. Die neue HopGun ist der Hammer – Flying to the moon….

BRLO braut und füllt den gesamten Bedarf an Flaschenbier in Spandau ab. Durch die neue Braustätte haben die Jungs nicht nur ihre Kapa erhöht, sondern ihren Kollegen die Möglichkeit gegeben, Tankkapazitäten zu mieten.

Mein Fazit: Craftzentrum Berlin – WOW, WOW, WOW.

Craft, Craft, Craft – Olly´s archaische Feuerbrauerei

Gestern haben Olly, mein Bierblutsbruder und ich, uns einen lang gehegten Traum verwirklicht. Ein ganz ganz besonderes Bier zu brauen. In vielen Belangen richtig besonders. An einem besonderen Ort, mit besonderem Grünhopfen aus meinem Hopfengarten, besonderer Hefe vom Rolf aus Flötzlingen und Olis besonderer selber gebauter Feuerbrauerei. Der besondere Ort, ein geheimer, verwunschenen Platz mitten im Schwarzwald….

Geschrotet hat der Olly die 5 kg Wiener Malz auf seiner eigenen Schrotmühle mit ganzem Herzblut und voller Konzentration….

Das Holz fürs Feuer haben wir gemeinsam angeschleppt und in Wallung gebracht…

Eingemaischt haben wir im Verhältnis 1 zu 3 mit extrem weichen Schwarzwaldwasser von 1,7 ° dH. Bei 50°C ging es sachte los, entspannt über die Rasten auf 76°C.

Now it´s ready for läutering…

Und dann ging es mit dem Kochen los. Die erste Hopfengabe wollte sich Olly nicht nehmen lassen und hat den guten Hopfen mit der Würze vermählt. Eric Toft, Braumeister von Schönramer, anerkannter Grünhopfenpabst, hat uns hierfür noch paar Tips gegeben….

Geerntet haben wir den Spalter Select am Tag des Geschehens in meinem Hopfengarten und somit quasi pflückfrisch verbraut. Verwendet haben wir hochgerechnet ca. 3 kg pro hl.

Wie´s schön köchelt. Gekocht haben wir die gute Würze eine Stunde…

… und haben sie danach über Olly´s Hopfenseiher liebevoll und heiß in den Gärtank geleitet…..

Abgekühlt haben wir old school mäßig im alten Holzfass. Gespindelt haben wir die 17 l liebevoll gebraute Würze mit 16%.

Dann ging es zur obergärigen Hefebeschaffung zu Rolf nach Flötzlingen in die Hirschbrauerei. Doch vor der Hefeübergabe gab es erstmal ein schönes Bier von Rolf zur Begrüßung…..

Und jetzt gärt unser gemeinsamer Stolz bei Olly im Keller erstmal in Ruhe vor sich hin…..

Mein Fazit: Brauen macht so arg Spaß. To be continued. Prost.

BRLO Berlin – Das Containerbierparadies

BRLO

War neulich zur Bundesehrenpreisverleihung mit unserem Braumeister Gustl in Berlin. Voll langweilig das Palavern mit Politikern und so, voll schön das Biertrinken mit Brauerkollegen und so. Jedenfalls hat der Gustl nicht bei seinem von mir aufgezwungenen Sommelierkurs den Michael Lembke von BRLO kennengelernt, sondern während seines Studiums zum Dipl. Braumeister in Berlin. Und den Michael haben wir dann auch in seiner Brauerei besucht.

Über die erst vier Jahre alte BRLO wurde in einschlägiger Literatur für Craftbeer schon viel berichtet, denn sie zählt mit Fug und Recht zu den erfolgreichsten Craftbeer Breweries in Berlin. Empfangen wurden Gustl und ich total nett von der brasilianischen Brauerin Veronica Menzel. Sie hat ihren Braumeisterlehrgang und die Biersommeliere Ausbildung gemeistert und hilft Michael Lemke (der übrigens weder verwandt noch verschwägert ist mit der gleichnamigen Berliner Brauerei) beim Brauen.

Gebraut wird auf einer 20 hl Braukon Anlage. Sieben all year long Biere, wie das Pale Ale, Porter, Helles und Co.. Und hier achtet der Michael immer auf die Drinkability. Die Biere sollen Spass machen und zum Weitertrinken anregen. Ein wohl sehr wichtiger Grundpfeiler des Erfolgs von BRLO. BRLO ist übrigens der alte slawische Name von Berlin. Heute wurde ein Hefeweizen eingebraut. Schaut mal wie schön es maischt…

Die Jungs und Mädels von BRLO kommen dieses Jahr auf sage und schreibe 8.000 hl. Respekt. Und das liegt neben der super Bierqualität mit Sicherheit auch am ebenso genialen Marketing. Gelagert wird in nagelneuen Edelstahltanks…..

…. und ab und an wird für Versuchszwecke auch craftig daraus mit der Hand unterm Arm in die Probefässer gefüllt….

In der Containerbrauerei werden übrigens alle Biere ausschließlich in Fässer abgefüllt. Der Pachtvertrag des Grundstücks läuft leider nur noch wenige Jahre. Nach Ablauf muss dann leider umgezogen werden. Deswegen wurde die Brauerei gleich in transportfähige Container eingebaut. Das Flaschenbier wird seit Februar 2018 im nagelneuen Berliner Craftzentrum in Spandau hergestellt (Blog folgt). Eine wichtige Zutat für den Erfolg ist auch die eigene Gastro. Hier kann man richtig easy entspannen. Cool gemacht und richtig lecker.

Mein Fazit: World Craft. Echt cool.

 

 

Stadin Panimo Helsinki – Brauen was die Gulaschkanone hergibt

StadinPanimo

Bin Euch noch meinen zweiten Brauereibesuch in Helsinki schuldig. Außerhalb der wunderschönen Innenstadt liegt im Nirgendwo zwischen ehemaligen Gaskesseln und dem Food District die Stadin Panimo, oder auf Deutsch, die Brauerei Stadin.

1998 hat Timo Konttinen eine der ersten real craft breweries in Finnland gegründet. Ein finnischer Bier-Autodidakt erster Stunde. Ist wie einige seiner Kollegen über das Hobbybrauen zum Fulltime Brewer aufgestiegen und rockt mittlerweile recht erfolgreich seine Bude mit den 3 Mitstreitern seit 2012 am jetzigen Standort. Relativ schnell konnte, als der Kochtopf zu klein wurde, ein neues Sudhaus in Form einer ehemaligen Militärgulaschkanone, man sagt auch Poraschtank dazu,  angeschafft. Weltklasse.

Und hier braut er, was die Kanone her gibt. 500 l feinste finnische Würze pro Sud. Seine Spezialität ist das Experimentieren mit Hopfen, und das nicht zu knapp.

Das neueste Sudhaus ist übrigens gerade erst eingebracht worden und wird gerade eingefahren.

Gebraut werden 1.500 hl im Jahr. 90% wandern ins Fass für die Gastronomie. Seit 1998 hat Timo mehr als 600 verschiedene Biere eingebraut. Das Ginger Ale ist der Topseller. 2014 wurde sein Lager als das beste Finnlands gekrönt. Momentan hat er 20 verschiedene Leckereien am Start. Das Red Ale ist mein Geheimtipp. Ziemlich basic, drinkable, schreit nach mehr. Gelagert wird in kleinen, zylindrokonischen und auch in liegenden Tanks. Die Hopgun darf natürlich auch in Helsinki nicht fehlen. Schaut mal rechts unten, voll süß…

In Finnland galt von 1919 bis 1932 die Prohibition. Bis heute besteht das  staatliche Alkoholmonopol Alko (so heißt das wirklich) für Drinks über 4,7 %Vol.. Wobei seit diesem Jahr dieses speziell für Bier etwas gelockert wurde. Die Biersteuer ist mit 10€/Kiste echt strange, ein kranker Ausfluss und bestes Beispiel staatlicher Bevormundung. Kein Wunder, dass die Finninnen und Finnen umso mehr auf das leckerste Getränk der Menschheit scharf sind. Jedenfalls sehe ich einen klaren Zusammenhang zwischen prohibitionierten Ländern, in deren Folge die Brauereien geschlossen wurden, und Craftbeerverrücktheit im Hier und Jetzt. Monopole lösen den Wunsch nach Vielfalt beim gemein überreklementierten Bürger aus. Und das gilt gerade auch für Bier. Schaut mal mach USA, Norwegen, Island, Russland etc. was da in den letzten Jahren im Biermarkt abgeht. Genug der Politisierung. Zurück zum Spundapparat der PET-Klasse. Echt krass….

Timo hat aufgerüstet und sich eine neue Flaschenabfüllanlage gekauft. Nun wird hart kreativ am Design gebastelt…

Mein Fazit: Bierzwickeln in Finnland macht Spass. Kippes und Prost.

 

 

 

 

 

 

Trachennow – Das obergärige Helle aus Dresden

Trachennower

Bei meinem Visit in Dresden bin ich samt Sohnemann Luki auf ein Bierchen bei Anton, Thomas und Alex vorbei geschneit. Seit 2014 brauen die Jungs auf ihrer homemade Brauerei ihr obergärigen Spezialitäten.

Das Sudhaus ist 100% Eigenbau. Auch die komplette Elektrik und das Wassernetz der Minibrauer alles real craft selfmade. Anton, der Chefbrauer unter den drei sächsischen Beernerds ist gelernter Koch und Informatiker und hat bei dem Dresdner Brauerkollegen Schwingenheuer 2005 ein Brauseminar gemacht. Sein Wissen hat er sich learning by doing voll autodidaktisch angebraut.

Ausgeschlagen werden 165 l. Außer dem legendären Hellen wird noch Weihnachtsbier und ein Dark Whisky Bierchen mit 15% Stammwürze gebraut. Sehr cool, die Direktbefeuerung der Pfanne….

Echt geil ist auch die Eigenfertigung der Maischeteilautomatik. Wie cool ist das denn….

Für ihr legendäres Helles verwenden die 100% Nebenerwerbsbrauer Pilsner Malz und Cara hell. Vergoren wird nur obergärig, den fehlenden Kühlmöglichkeiten geschuldet. In die Lagertanks wird mit 3,5% Restextrakt geschlaucht. Das schnucklige Einraumbrauereile hat echt Charme.

Mein Fazit: Obergäriges Helles, ein Prost auf die sächsische Braukunst.

Olarin Panimo Helsinki – Craftbeer, Trash und Underground

olarinpanimo

Die erste Station auf meiner Weltbierreise, die mir meine Kumpels zum 50. Burtseltag geschenkt haben, war Helsinki. Anlass war der Besuch beim Craftbeerfestival Helsinki, den wir natürlich mit verschiedenen Brauereibesuchen verbunden haben. Perfekt organisiert von meiner lieben Frau Kessi. In Finnland gibt insgesamt ca. 100 Brauereien, davon 60 Craftbeer Breweries und 3 große Player. Die Craftbeer Brewer sind im Verband Pienpanimoliitto zusammen geschlossen und haben sich seit 2012 eine beachtliche Präsenz in Gastro und Handel erarbeitet. Ein Vertreter ist der Ville, der 2015 seine Brauerei gegründet und 2017 an den jetzigen Standort verlegt hat. Der volle Quality Freak. Als ehemaliger Zivilmitarbeiter bei der finnischen Army ist er über das Bier zum Beernerd geworden. Ville hat sich autodidaktisch seine Bierkompetenz erarbeitet und braut verrückte Biere, was das Zeug hält. Interessant ist, dass es in ganz Finnland, bei 5 Mio Einwohnern, keinen richtig gelernten Braumeister gibt. Mal von den 3 großen Brauereien abgesehen.

Nach dem Festival sind wir dann auch als Erstes in Villes Olarin Panimo aufgeschlagen. Die Brauerei ist genial gelegen mitten im Univiertel von Helsinki.

Dort hat uns Hanna mit ihrem Brauereischlüssel begrüsst. Hanna hat seit Januar 2018 den Bereich Design, PR und Sales zu ihrem eigenen gemacht.

Momentan braut Ville noch auf der alten 5 hl Braumeister Anlage aus Ofterdingen. Seit Gründung hat er schon über 50 verschiedene fancy types eingemaischt.

Hierbei greift er auf gefühlte 100 verschiedene Malzsorten zurück, besonders gerne auf die von seiner Lieblingsmälzerei Viking Malt.

Vergoren wird noch in den dazu passenden Miniatur Gär- und Lagertanks, ebendalls von Speidel.

Momentan wird in derselben Halle parallel dazu die neue 30 hl Anlage aus dem Hause Ant System installiert. Zur Kontrolle und Abnahme ist Ville erst neulich in China gewesen.

Die neuen Gär- und Lagertanks sind auch schon da, so dass bald die erste Würze aus dem neuen Sudhaus in denselben vergoren werden kann.

Bekannt sind die Olarinen durch ihre IPAs Rap-Trio-Underground. Die gibt’s in 2 Varianten. Eine mit 6,5% Alk. und 70 IBU, die andere mit 4,5% Alk.. Vergoren wird unter Zugabe von 3 kg pro hl Ananas und Mango. Cool ist auch die Linie Smash. Verschiedene Varianten single malt und single hopped. Crazy. Bisher wird der finnische Gerstensaft nur in Fässer abgefüllt. Die Flaschenabfüllung passiert im Brauzentrum der United Gypsies Brewery. Beliefert werden 100 Pubs und viele Getränkemärkte. Die eigene Flaschenabfüllung folgt noch in diesem Jahr. Da geht was. Mein Liebling ist das „Not for Jokinen“. Ein double IPA mit 8,5% Alk., doppelt „gedryhopped“ mit den Hopfensorten Nelson Sauvin und Mosaic. Bockstark und super fruity.

Mein Fazit: Ville und Hanna, auf nach Böblingen zum Collaboration Brew. Da maischen wir gemeinsam „Nicht für Hans“ – finnish style ein. Freu mich.

 

Brauerei Häberlen – Der Brau- und Bügelspezialist

Häberlen

Bin neulich auf eine Bügelflasche aus Gaildorf gestoßen. Das Spezial hat mir so gut geschmeckt, das Etikett und die besondere Flaschenform so gut gefallen, dass ich mich entschlossen habe, auf meiner nächsten Ostalbrunde in Gaildorf bei Steffen Manske und seiner Brauerei Häberlen vorbei zu schauen und ihm die Geheimnisse seines Zaubertrunks nebst Bügel zu entlocken.

Steffen hat uns herzlich begrüßt. 1994 ist er zum Dipl. Braumeister Weihenstephan geadelt worden und entwickelt seither seine Brauerei  sehr erfolgreich gegen den allgemeinen Biertrend sauber nach vorne. Und das ohne Außendienstmitarbeiter.

Los ging es in der Schroterei, die mich total begeistert hat. So übersichtlich ist diese in kaum einer Brauerei zu finden. In anderen Betrieben meist über Stockwerke in verschiedenen Räumen verteilt, hat Steffen seine Schroterei kompakt zentral neu aufgestellt.

Das Jakob Carl Sudhaus wurde mit seinen 80 hl Ausschlagmenge am 1.1.2000 in Betrieb genommen.

Das Sudhaus ist mit einem Brüdenverdichter ausgestattet. Durch diesen wird die Energiemenge bei der Würzekochung erheblich reduziert. Steffen ist nicht nur aus diesem Grund einer der wenigen deutschen Brauer mit Solarbierzertifizierung. Er achtet konsequent in allen Herstellungsbereichen auf Energieffizienz.

Seine Hauptsorte mit 93% Ausstoßanteil ist das Spezial mit 12,9% Stammwürze. Das super leckere Dunkle und das Pils werden ebenfalls ganzjährig gebraut. 95% der bierigen Leckereien werden in die Flasche abgefüllt. Dann haben wir uns seinen Gärkeller……

… und den Lagerkeller angeschaut. Sehr, sehr schön. Nur leider muss Steffen schon wieder in einen weiteren Lagerkellerbau investieren. Wachstum kostet Geld oder ganz nach Schwester Doris aus dem Kloster Mallersdorf: “ Viel Hektoliter, viel Arbeit“.

http://www.bierblog.eu/beispielrubrik-no-3/kloster-mallersdorf-dem-bierhimmel-so-nah/

Dann hat er mir auch noch sein altes Sudhaus gezeigt, das sich seit Neuinbetriebnahme des Jakob Carl Sudhauses im Dornröschenschlaf befindet.

Und dann wurde es richtig spannend. In Gaildorf wurden schon immer Bügelflaschen abgefüllt. Und zwar mit einer einzigartigen Form, die auch nur von einem Flaschenhersteller produziert wird. Diese Form hat nur Steffen und die besagte Schwester Doris in Gebrauch. Die Flaschenwaschmaschine hat Steffen extra länger bauen lassen, damit die Laugeeinweichzeit der Flaschen verlängert wird. Das ist echt genial, ziemlich einzigartig und bei den Bügelflaschen unglaublich wichtig, der Sauberkeit wegen.

Abgefüllt und verschlossen werden die Bügelflaschen im Bügelfüller. Das solltet ihr Euch unbedingt vor Ort im laufenden Betrieb ansehen.  Hier liegt der Teufel echt im Detail. Steffen hat die Abfüllanlage bis ins Detail optimiert.

Nach der Besichtigung hat uns Steffen noch zu sich auf seine Terasse zum Bierverkosten eingeladen. Dort haben wir die eindrucksvolle Brauerei meditativ verinnerlichen können. Schön wars.

Mein Fazit: Dunkel in Gaildorf. Plopp. Danke lieber Steffen.

Perle der Ostalb – Die Rotochsen Brauerei

Rotochsenbrauerei

Vor ein paar Wochen war ich mal wieder in einer meiner liebsten Bierregionen, der Ostalb, unterwegs. Und zwar ging´s nach Ellwangen zur Rotochsen Brauerei.

Idyllisch in der wunderschönen Landschaft eingebettet, wurde die Brauerei 1960 aus der sehenswerten Altstadt vor die Tore verlegt. Ein damals für die 1680 gegründete Brauerei historischer Schritt.

Seit 1798 wird die Brauerei und der Gasthof von der Familie Veit geführt. Alexander Veit kenne ich von den Sitzungen des Baden- Württembergischen Brauerbunds. Und Alexander hat uns auch dementsprechend in seinem wunderschönen Sudhaus begrüßt.

Das Sudhaus der Firma Ziemann ist für mich eines der schönsten, die ich bei meinen Brauereibesuchen gesehen habe.

Nicht das älteste, das modernste oder das ungewöhnlichste Sudhaus, sondern wirklich eines der schönsten Herzen einer Brauerei. Denn seit 1960 im Originalzustand erhalten und mit viel Liebe und Traditionsbewusstsein gepflegt. Die Spindel zur Messung des Stammwürzegehalts und das Jod für die Jodprobe, alles am Platz.

Der herrliche Blick auf das Ellwanger Schloss macht das Erlebnis vollkommen. Das Wasser bezieht die Brauerei aus der eigenen 48 Meter tiefen Quelle.

Dann ging es weiter in den Gärkeller. 1996 wurden die offenen Gärbottiche durch moderne Edelstahlgärtanks ersetzt („schade“, Anmerkung des Autors und bekennenden „offene Gärbottiche Liebhabers“ WD aus BB).

Ein Blick auf die neuen Lagertanks….

… und einen zweiten auf die 1960 iger Lagertanks. Die Hauptsorte der Region, wie auch der Rotochsen Brauerei, ist das Edel Export, ein klassisches Spezial mit 12,7% Stammwürze. Gefolgt vom Stiftsherren Pils. Das Weizen wird noch richtig echt in der Flasche vergoren. Solltet ihr unbedingt verkosten. Auf das Craftbeer Gedöns verzichtet Alexander, auch der etwas ländlicheren Region geschuldet. In seinem Vertriebsradius von 30 km um den Schornstein fehlen ihm die geeigneten Kneipen hierfür.

Und dann wurde es richtig klasse. Die Brauerei wurde nämlich 1960 an die damaligen Eiskeller der Brauerei verlegt. Und diese sind heute noch begehbar und auch mit Gruppen zu besichtigen. Ich steh total auf Keller und Katakomben. Vor allem, wenn dort auch in früheren Zeiten das Bier vergoren und gelagert wurde. Die acht historischen Keller umfassen eine Länge von 276 Metern.

Die riesigen Keller haben ihren Ursprung in dem Stubensandstein. Dieser wurde hier abgebaut und zur Speisherstellung beim Bauen und zur Glasherstellung verwendet. Dieser kommt hier in der Region um Ellwangen vor und ist eine echte Besonderheit.

Auch die alten Kühlmaschinen sind erhalten, aber außer Betrieb.

Bevor diese von Herrn Linde in den 1870 igern erfunden wurde, haben die Brauer noch richtig aufwändig das Eis in den Eisweihern schlagen müssen. Mit diesem wurde dann die alten Holzlagerfässer über den Sommer gekühlt. Schaut mal was für ein seltenes Foto der Alexander gefunden hat…..

Wieder ans Tageslicht zurückgekehrt, hat uns dann der Alexander noch in den Bauereigasthof eingeladen. Dieser wird von seiner Schwester geführt. Mein Geheimtipp: Altstadtrundgang,  Brauereiführung und dann als Abschluss ausgiebiges Schlemmen mit gutem Bier im Gasthof. Und übernachten könnt ihr auch noch. Lohnenswert.

Mein Fazit: Sudhaus, Keller und Edel Export in Ellwangen. Was gibt es Schöneres? Vielen Dank Alexander.

Hirschbrauerei Flözlingen – Gefangen im Turmsudhaus

Hirschbrauerei

Über einen tollen SWR Beitrag bin ich auf Rolf Schittenhelm und seine Flözlinger Hirschbräu aufmerksam geworden. Also hab ich meinen Lieblings-Brauereichallengebegleiter Olly von der Karftbierwerkstatt ins Auto gepackt  und ab ging es Richtung Bierhimmel.  Flözlingen liegt auf dem Weg von Böblingen nach Singen linksseitig der Autobahn, Ausfahrt Rottweil. Leute, der Thyssen-Krupp-Turm mag ganz interessant sein, die Hirschbräu toppt diesen bei Weitem. Ein unbedingtes Brauerei musthave.

Doch erst einmal der Reihe nach. Rolf Schittenhelm hat uns sogleich ganz arg nett empfangen. Er führt seine 1793 gegründete, heute 225 Jahre alte (!) Brauerei seit 1991. Vorher hat er seine Brauerlehre bei der leider 1996 geschlossenen Brauerei Wehle in Dunningen absolviert. Seinen Meister hat Rolf in Ulm mit 21 Jahren gemacht, als damals jüngster Braumeister Deutschlands. Und dann ging es los auf echte adventure challenge ins Sudhaus.

Da war ich gleich mal richtig sprachlos. Und das kommt an meinen Lieblingsorten selten vor. Rolf betreibt ein echtes TURMSUDHAUS. Das habe ich so im Original noch nie gesehen. Dieses System findet man heute ähnlich nur noch bei Hobbybrauanlagen. Und der Hammer: Beheizt mit Holzfeuerung!!!

Hier ist noch echtes Handwerk gefragt. Die exakte Temperaturführung beim Maischen  würde den einen oder anderen „Craftbrewer“ mit Sicherheit an seine Grenzen bringen. Rolf hat das aufgrund seiner langjährigen Erfahrungen voll im Griff. Für 10 hl Ausschlagwürze benötigt er einen dreiviertel Meter Holz und der kostet ca. 60 € auf dem freien Markt. Zum Glück hat Rolf einen eigenen Wald und bezieht von dort das meiste Brenngut.

Die Maische- und Sudpfanne sitzt ganz unten im Turm, darüber ist der Läuterbottich aufgesetzt. Da haben sich die alten Brauer hinsichtlich der Energieoptimierung die richtigen Gedanken gemacht. Effizienter geht es fast nicht. Denn Wärme steigt ja bekannter maßen von unten nach oben. Schön wie die Vorderwürze in die Pfanne rinnt,…..

… nachdem sie über den kleinsten aber feinsten mir bekannten Läutergrand gelaufen ist.

Und Rolf hat die Würze gleich verkostet und für gut befunden. In Farbe, Glanz und Reinheit.  Rolf plant übrigens seit 20 Jahren auch Brauereien im Ausland. In China, Shanghai und Co. Das ist sein Urlaub, sein Wellness. Denn da „schaff ich nur 12 Stunden am Tag anstatt 18 Stunden daheim“. Das bringt ihm jede Menge Inspiration und Erfahrung. IPAs hat er z.B. schon vor vielen, vielen kalten Wintern im Ausland gebraut. Bevor die große Welle bei uns aufgeschlagen ist. Und das ganz nach seinem Motto: „Das Gute nehm ich mit, das Schlechte lass ich da.“ Und deswegen braut er bei sich real old school aber um so hipper am Liebsten sein Spezial ganz klassisch. 2018 übrigens das erste Mal Pils. Wie geil.

Der Läuterbottich wird noch mit einem Transponder angetrieben. Der schnurrt wie eine Katze, das ist voll meditativ. Wäre ich nicht wach gewesen, hätte ich wohl einen meiner schönsten Träume geträumt.

Ein kleiner Blick in den Läuterbottich, schön der Treberkuchen, ….und weiter geht es in den….

… Kaltbereich. Zuerst vorbei an den zwei offenen Gärbottichen. Diese sind gerade leer, da Rolf normalerweise 1 Sud pro Woche macht. Hierbei helfen ihm übrigens seine 2 supernetten Brauer. Der Tim aus Australien, der gerade seine Lehre macht, und sein Oberbrauer aus Brasilien. Internationales Flair in traditioneller Kleinstbrauerei. So wohl ziemlich einzigartig.

Voll schön das original Überdruckventil am Alutank aus den 50ern.

Dann geht es die Treppe hinauf in den neuen Lagerkeller, Schwindelfreiheit vorausgesetzt.

Rolf lagert sein Spezial, das ist die Hauptsorte, mindestens 6-8 Wochen in den Velo Edelstahl Tanks. Die herrlichen Böcke zwischen 10-12 Wochen. Und das zahlt sich aus. Wir haben gleich mal einen Maibock gezwickelt, sooo köstlich und weich, ein Bocktraum.

Und da seht ihr einen modernen Spundapparat. „Kellermeister“ genannt, der dafür sorgt, dass immer der richtige Druck auf dem Tank ist. Und der ist ja bekanntermaßen verantwortlich für die moussierende Kohlensäure im Bier.

Abgefüllt werden in diesem Raritätenfüller von anno dazumal 800 Flaschen pro Stunde. Das macht Rolf zu dritt. Befüllt wird der gute Gerstensaft nur in die gute alte Bügelflasche 0,5l. Und das ist hier echt authentisch.

Rolf betreibt seine Braugaststätte übrigens selber. Und das nach jedem Brautag. Respekt. Leute, da müsst ihr unbedingt hin. Da gibt es leckere schwäbische Hausmannskost mit leckerem Bier direkt aus meiner nun schönsten und kleinsten besuchten Brauerei nördlich des Äquators.

Mein Fazit: Rolf, „der Optimist mit Erfahrung“. Vielen herzlichen Dank für deine Bierleidenschaft. Du bist echt klasse! Cheers.

Schützengarten St. Gallen – Schweizer Brautradition vom Feinsten

Schützengarten

Da die Kloster- und Schlösserverwaltung Baden Württemberg steif und fest behauptet im Kloster Bebenhausen bei Tübingen, also in meiner Heimat sozusagen , sei niemals Bier gebraut worden, habe ich mich auf Beweissuche nach St. Gallen auf den Weg gemacht. Denn das Kloster Bebenhausen ist nach dem karolingischen Klosterplan St. Gallen aus dem Jahre um 820 erbaut worden und dieser beinhaltet ja bekanntermaßen drei Brauereien.

Hierzu erfolgt ein Blog zum passenden Zeitpunkt…. Jedenfalls habe ich die Gelegenheit  beim Schopf gepackt und mir gleich die Schützengarten Brauerei in St. Gallen angeschaut.

Hier hat mich sogleich der 1. Braumeister Richard Reinart empfangen. Seine Lehre hat er bei Bitburger gemacht, dann ging es über Fischers Stiftungsbräu Erding, Guinness Dublin, Haller Löwenbräu, Bayern Brewing Montana über die Radeberger Dresden und die Locher Appenzell nach St. Gallen. Hier trägt er die Bierveranwortung seit 2017.

Super sehenswert ist das neu gestaltetete Bierflaschenmuseeum mit über 3000 Exponaten aus ehemals 260 Schweizer Brauereien. Die ältesten Flaschen sind aus den Jahren um 1850.

1779 gegründet, ist die Brauerei die älteste der Schweiz und hat mich vor allen Dingen durch ihre sehr moderne Einrichtung echt beeindruckt. Gegründet wurde die Brauerei im alten Schützenhaus und dem Scheibenstand. Einige Originalscheiben aus dieser Zeit sind noch zu bewundern. Hammer….

Mit dabei war auch mein Schweizer Bloggerfreund Reto. Zusammen ging es ins 300 hl Ziemann Sudhaus.

Hier werden die 170.000 hl leckeren Bierchen eingebraut. Somit zählt die Braustätte zu den größten in der Ostschweiz.

Vergoren wird noch zum Teil im alten Gärkeller mit Reinigungshauben, der leider stillgelegt werden soll. Das ist so schade, den was gibt es Schöneres als Gärkeller dieser Bauart von oben….

…. wie von unten zu bewundern.

Vergoren und gelagert werden die St. Gallener Bierspezialitäten auch in den neuen ZKG Kellern. Ein Traum. Super geplant und richtig gut gebaut. Ein Bild von einem Keller, überall bis in die letzten Ecken blitzeblank und außergewöhnlich schön anzusehen.

Vergoren werden hier die klassischen Biere vom naturtrüben untergärigen Klosterbier, Schwarzer Bär Dunkelbier, dem Panache (naturtrübes Radler mit echtem Edelweissextrakt)  bis zum….

Und seit 2015 wird in St. Gallen auch „ge-crafted“. Cooles Labeling und klasse Qualitäten. Sehr lecker ist das Swiss Stout und das old style Ale Gallus 612. Letzteres eine Hommage an  den St. Gallener Klostergründer, den Mönch Gallus. Hier schmeisst der Richard mal richtig Smaragdhopfen in die Sudpfanne. Zusätzlich gewürzt wird noch mit Wacholder. Ein Muss nach der Besichtigung ist der Einkehrschwung ins neue Bräustübel neben der Brauerei.

Mein Fazit: Schützengarten, Tradition trifft Moderne. Lecker.