Schützengarten St. Gallen – Schweizer Brautradition vom Feinsten

Schützengarten

Da die Kloster- und Schlösserverwaltung Baden Württemberg steif und fest behauptet im Kloster Bebenhausen bei Tübingen, also in meiner Heimat sozusagen , sei niemals Bier gebraut worden, habe ich mich auf Beweissuche nach St. Gallen auf den Weg gemacht. Denn das Kloster Bebenhausen ist nach dem karolingischen Klosterplan St. Gallen aus dem Jahre um 820 erbaut worden und dieser beinhaltet ja bekanntermaßen drei Brauereien.

Hierzu erfolgt ein Blog zum passenden Zeitpunkt…. Jedenfalls habe ich die Gelegenheit  beim Schopf gepackt und mir gleich die Schützengarten Brauerei in St. Gallen angeschaut.

Hier hat mich sogleich der 1. Braumeister Richard Reinart empfangen. Seine Lehre hat er bei Bitburger gemacht, dann ging es über Fischers Stiftungsbräu Erding, Guinness Dublin, Haller Löwenbräu, Bayern Brewing Montana über die Radeberger Dresden und die Locher Appenzell nach St. Gallen. Hier trägt er die Bierveranwortung seit 2017.

Super sehenswert ist das neu gestaltetete Bierflaschenmuseeum mit über 3000 Exponaten aus ehemals 260 Schweizer Brauereien. Die ältesten Flaschen sind aus den Jahren um 1850.

1779 gegründet, ist die Brauerei die älteste der Schweiz und hat mich vor allen Dingen durch ihre sehr moderne Einrichtung echt beeindruckt. Gegründet wurde die Brauerei im alten Schützenhaus und dem Scheibenstand. Einige Originalscheiben aus dieser Zeit sind noch zu bewundern. Hammer….

Mit dabei war auch mein Schweizer Bloggerfreund Reto. Zusammen ging es ins 300 hl Ziemann Sudhaus.

Hier werden die 170.000 hl leckeren Bierchen eingebraut. Somit zählt die Braustätte zu den größten in der Ostschweiz.

Vergoren wird noch zum Teil im alten Gärkeller mit Reinigungshauben, der leider stillgelegt werden soll. Das ist so schade, den was gibt es Schöneres als Gärkeller dieser Bauart von oben….

…. wie von unten zu bewundern.

Vergoren und gelagert werden die St. Gallener Bierspezialitäten auch in den neuen ZKG Kellern. Ein Traum. Super geplant und richtig gut gebaut. Ein Bild von einem Keller, überall bis in die letzten Ecken blitzeblank und außergewöhnlich schön anzusehen.

Vergoren werden hier die klassischen Biere vom naturtrüben untergärigen Klosterbier, Schwarzer Bär Dunkelbier, dem Panache (naturtrübes Radler mit echtem Edelweissextrakt)  bis zum….

Und seit 2015 wird in St. Gallen auch „ge-crafted“. Cooles Labeling und klasse Qualitäten. Sehr lecker ist das Swiss Stout und das old style Ale Gallus 612. Letzteres eine Hommage an  den St. Gallener Klostergründer, den Mönch Gallus. Hier schmeisst der Richard mal richtig Smaragdhopfen in die Sudpfanne. Zusätzlich gewürzt wird noch mit Wacholder. Ein Muss nach der Besichtigung ist der Einkehrschwung ins neue Bräustübel neben der Brauerei.

Mein Fazit: Schützengarten, Tradition trifft Moderne. Lecker.

Ich bin ein Berliner – Das Liechtensteiner Brauhaus

Lichtensteiner

Bei meiner Brauereitour mit Reto durch die Ostschweiz haben wir die Chance ergriffen und einen Abstecher nach Liechtenstein gemacht, um die einzige örtliche Brauerei aufzusuchen: Das Liechtensteiner Brauhaus. Die Brauerei wurde 2007  von Dr. Bruno Guntensperger gegründet, genau 90 Jahre nach der Schließung der letzten Liechtensteiner Braustätte. Ganz unscheinbar liegt sie im Industriegebiet von Schaan.

Empfangen und sofort mit köstlichem Gerstensaft erstversorgt wurden wir vom Chefbraumeister Stefan Lika. Und das auf berlinerisch mit  einer vollen „Berliner Schnauze Breitseite“ sozusagen. Stefan hat vor seiner Sesshaftwerdung in Liechtenstein eine spannende Bierodyssee hinter sich gebracht. Seinen Brauer und Mälzer hat er bei der Schultheiss Brauerei in Kreuzberg gemacht und dann den Berliner Dipl. Braumeister absolviert. Das Rixdorfer Brauhaus in Neukölln hat er auch schon mal angepachtet und als  Brauer und Geschäftsführer betrieben. 2008 war er bei der Vereinsbrauerei Apolda bevor es über die Schützengarten/Schweiz 2012 nach Liechtenstein ging.

Stefan braut seine Biere auf einem der ersten Sudhäuser der Firma Braukon und hat kräftig mitgeholfen, die Kinderkrankheiten aus der frühesten Jugend abzustellen.

Sein Sudhaus nennt er liebevoll „Emma“. Und wenn es Emma mal nachts nicht gut ist und sie auf Störung geht, kommt es auch vor, dass Stefan mit ihr spricht und ihr Trost spendet. Die Emma muss halt gepflegt werden. Der Braukon Hopfengeber mal vor dem Einsatz….

…. und mal im Einsatz.

Live on stage zu sehen bei Retos Kultmovie about the Lichtensteiner.

Stefan verwendet die klassischen Hopfensorten und setzt ganz auf „Tradition, Tettnanger und Perle“. Von 2007 bis 2012 wurde in Liechtenstein sehr traditionell gebraut, Helles, Dunkles und Weizen. Stefans erste Craftbeer Innovation war ein Coffee Stout, ein Guinness Style Stout, das nach Bier schmeckt. Und ganz klar, natürlich nach dem Reinheitsgebot gebraut. Vergoren und  gelagert wird im Eintankverfahren….

… kaltgehopft mit der Hopgun. Stefan ist in Liechtenstein ein absoluter Ausnahmefall, denn er hat ohne Zögern und Murren die Aufenthaltsgenehmigung und Arbeitserlaubnis erhalten. Warum? Weil vor ihm kein Brauer in ganz Liechtenstein zu finden war…. Auf die Frage von Reto, ob er denn immer noch jeden Tag gerne Bier trinkt hat Stefan wunderschön blumig geantwortet. „Der Bestatter ist doch auch froh, nach Feierabend sich mal mit Lebenden zu unterhalten…“. Schöööön.

Die Hauptsorte ist das Alpagold, ein klassisches Lager mit 20 IBU und 11,5% Stammwürze. Der saubere Gärverlauf lässt auf eine vitale Bierhefe schließen….

So gut wie der komplette Herstellungsbereich ist auch der Abfüllbereich  ausgestattet. Da fehlt es an nichts. Wirklich außergewöhnlich für eine younger age newstyle Brauerei.

Stefan hat verschiedene Bierlinien. Die Speziallinie repräsentiert die traditionellen Bierstile Helles, Weizen und Co., ein single oak aged Whiskybeer gibt es auch als Limited Edition und die craftigen Leckereien vom Pale Ale, IPA, hoppy Lager etc. laufen unter der Linie Club Bier.

Mein Fazit: Ganz nach Stefans Motto – „einer von vielen ist nicht meine Nummer“. Cheers.

Welde Plankstadt – Flasche krumm

Welde

Unverhofft kommt oft. Max Spielmann war bei uns drei Wochen zum Praktikum und so habe ich auf den Gegenbesuch nicht lange gewartet. Ab nach Plankstadt. Dort wurde ich von der eindrucksvollen Skulptur der einzigartigen Weldeflasche  im Kreisverkehr vor der Brauerei geziemend begrüßt.

Da bin ich schon etwas beeindruckt, denn in Böblingen wird meine Idee der Sudpfanne auf dem Postplatz vehement mit der Begründung abgelehnt, dass dies nicht den öffentlichen Statuten enstpricht. Ich werde jetzt auch einen Anlauf mit Kunst im Gepäck Richtung Stadtverwaltung BB starten. Die mega coole Individualflasche von Welde ist allgegenwärtig und ein echter USP.

Bei Welde hat jede Generation Bleibendes geschaffen. 1981 ist der Opa von Max, Wilhelm Welde, mit dem Sudhaus nach Plankstadt ausgesiedelt, dem Standort der heutigen super modernen Brauerei. Sein Sohn, Dr. Hans Spielmann, hat die krasse, für die Brauereigröße wohl einmalige Individualflasche, erschaffen. Respekt. Diese prägt die Braumanufaktur Welde in wohl bemerkenswerter Art.

Jährlich veranstaltet der Cheffe Dr. Spielmann einen art-Wettbewerb um das coolste Outfit, honoriert mit 5000 € für den Gewinner.

Max, der nun knapp ein Jahr mit an Bord des Welde Flagschiffs ist, hat mir seine Brauerei gezeigt. Vom erwähnten Sudhaus….

…über die beeindruckenden Gär- und Lagerkeller, von innen…

…. wie von außen, schöööön.

Welde braut als Hauptsorte das No.1 Slow Beer Pils.  Will heißen, dass ganz old style mäßig, auf lange Lagerzeiten Wert gelegt wird. „Welde-like“ wurde schon früh in den craftigeren Orbit des Gerstensafts abgetaucht. Hier ist die Badisch Gose zu erwähnen. Menge wird mit dem Natur Radler gedreht, natürlich in der Weldeflasche.

Richtig gut machen die Jungs das Bourbon Barrel Bock. Ein Cuvee aus Bourbon-, Rum- und Tequila-Fässern. Der Hammer.

Abgefüllt in die Vichy 0,33l Flasche in der Füllerei.

Das neueste Welde Baby ist von Max himself. Das Kurpfalz Helle in der traditionellen Euro Flasche. Das läuft richtig gut. Nicht nur in der Badischen Heimat, sondern auch schon in der Metropole Berlin. Das hat der Max richtig gut hinbekommen. Lecker taste und cooles outfit.

Mein Fazit: Welde, to be continued. Max, vielen Dank.

 

Stadtbühl Gossau – Dem Biervana ganz nah

Stadtbühl

Auf meiner Tour durch die Ostschweiz hat es uns nach Gossau verschlagen. Bei der Stadtbühler werden bestimmt keine Gosen gebraut, aber dafür ziemlich super smoothe,  untergärige Leckereien. Das altehrwürdige Brauereigebäude aus den Mitten des 19. Jahrhunderts hat uns in seiner wohl ziemlich einzigartigen Schönheit begrüßt.

Die Gebäudeaußenansicht hat uns sehr neugierig gemacht und wir konnten es nicht erwarten, in die heiligen Hallen einzutreten.

Der totale Flash, eine wohl einmalige Zeitreise nach 1933. Das Edmund Mayer Sudhaus aus Ulm ist aus dieser fernen Zeit noch im Original erhalten und in Betrieb. Gott sei Dank wurde seit dieser Zeit hier nicht daran herumgeschraubt und rummodernisiert. Einmalig. Christian Krucker, Braumeister und Mitinhaber, hat seinen Meister 2007 in Doemens absolviert, ganz in der Tradition seines Vaters, der 1979 in Doemens geadelt wurde. Und 100 Jahre nach dem Abschluss seines Uropas 1907. WOW, das gefällt mir richtig gut. Echte  Schweizer Familien-Braukompetenz.

Der Christian hat sogar seine 4 Walzenschrotmühle und die Malzputze, ebenfalls Baujahr 1933, extra für uns angeschmissen. Gefilmt von meinem Blogger Freund Reto der hopfeNerd.

Malz bekommt er von Schwaben Malz und Best Malz aus Deutschland, gehopft wird mit Hopfenpellets Typ 45 und Typ 90.

Auf seiner Pilotanlage braut Christian alle Spezialsude wie z.B. Nubia Brew und den kaltgehopften untergärigen Hammersud in Kleinstmenge, bevor er im großen Stil in der wunderschönen 75 hl Maischepfanne einmaischt wird.

Es werden 60 hl ausgeschlagen. Gebraut wird alles manuell. Jeder Wechsel, jedes Rad wird von Hand bedient. So geil, ich möchte unbedingt nochmal zum Mitbrauen mit meinem Sohnemann vorbei kommen. In der Kombipfanne werden übrigens auch die Starkbier-Sude für seine Single Malt und Bourbon gebraut, die alle nach Dubai auswandern. Am besten haben mir die Stange mit 20 IBU und das mit dunklem Malz eingebraute Dunkle geschmeckt. Sooo lecker. Der einzige moderne Zusatz im Sudhaus ist die Überkochsicherung, die gab es damals noch nicht und dient der Betriebssicherheit.

Total schön anzusehen ist der Läutergrand für die Abläuterung. Ich kann unseren angehenden Braumeistern nur empfehlen, eine solche Seltenheit auch mal live on stage anzuschauen, zu bedienen und hoffentlich auch zu verstehen. So lernt man am besten das Mysterium Abläuterung kennen.

Als Beweis für die Originalität der unvergänglichen, unberührten Schönheit, habe ich Euch ein Foto von der Steuerung gemacht.

Der Grund, dass von den Kruckers nur untergärige Biere mit viel Handwerkskunst gebraut werden, liegt an den Geheimnissen des Gärkellers. Der Gärkeller aus dem Jahre 1932 ist……..

…..ein offener. Aus diesem Grund vergärt Christian auch nur untergärig, damit es nicht zu einem Hefe super GAU kommt, einem Hefefallout, die Vermischung von obergäriger- mit untergäriger Hefe. Ich stehe so unglaublich auf offene Gärbottiche, mega.

Im Gärkeller wird endvergoren und dann mit 10%-15% Kräusen für die CO2 Bildung aufgekräust. Geil, so wie früher. An der 2 wöchigen Nachgärung und den mindestens 6 Wochen Kaltreifung führt in Gossau kein Weg aus dem Lagerkeller vorbei.

Das Bier wird nach alter Väter Sitte am Fenster der Buchhaltung bezahlt. Bruder Krucker macht die Buchhaltung, Mama Krucker die Finanzen. Mit seinem Team von zwölf Leuten beglückt Christian seine Beerlover mit 7000 hl p.a..

Unterstützt wird der Verkauf in der Brauerei bei Engpässen durch…..

…..Christians Liebling. Christian ist die wandelnde Bierkompetenz. So sehen heute echte (Craft) Brauer aus. It´s cool man.

Mein Fazit: Christian und seine Stadtbühler–ein funktionierendes Museum, that´s real craft. Respekt!

Albquell Trochtelfingen – der Lampert kann´s

Albquell

Ab und an treibt es mich in eine meiner Lieblingsregionen, auf die  Schwäbische Alb. Diesmal ging es nach Trochtelfingen zum Albquell Bräuhaus. Den Tipp habe ich von dem Brauereimuseumsbegründer Lechner vom Pott´schen Museum in Oelde bekommen. Der, der im Bierholzfass schläft. Lechner Also gleich mal hin.

Hier braut Lampert Schmid schon seit Urzeiten seine rein untergärigen Spezialitäten. In der elterlichen Brauerei hat er seine Brauerlehre absolviert, in Ulm den Meistertitel erworben.

Neben der Brauerei im Gästehaus hat er sein Bierkrugmuseum  eingerichtet. Seit vierzig Jahren sammelt Lampert Steinkrüge aus der erweiterten Region. Mega geile Unikate, wie zum Beispiel der Dinkelacker Krug aus der Zeit um 1880 aus Böblingen. Hier finde ich zu meiner Familiengeschichte – krass. Das Alter erkennt man übrigens an der Lage des Eichstrichs. Je näher am Henkel, desto jünger.

Das Museum ist wirklich sehenswert. Unglaubliche Brauereischätze haben ihren Weg nach Trochtelfingen gefunden. Wie z.B. die Ulmer Keramik. An der Rundungsform erkennbar.

1840 wurde aus der bayrischen Maß mit 1,2 Liter und der württembergischen Maß mit 0,8 Liter die Maß mit 1l. Nach dem Bierkrugmuseum, das ich auf alle Fälle nochmal besuchen werde, ging es ins wunderschöne Sudhaus der Brauerei. In der Pfanne von Ziemann mit einer Ausschlagmenge von 48 hl braut Lampert seine Sude aus Überzeugung nur mit dem Einmaischverfahren.

Schön anzusehen, der alte Läutergrand, mit dem man die Abläuterungsgeschwindigkeit reguliert…

…und der Läuterbottich von der ehemaligen Firma Jakob Carl aus Göppingen.

Das Wasser mit seinen 15 ° d.H. kommt aus einer Quelle ca. 1 km von der Brauerei entfernt und wird ohne Aufbereitung ganz natürlich eingemaischt. Die vier untergärigen Sude pro Woche werden im Gärkeller vergoren….

…bevor sie mit Restextrakt zur Nachgärung in die Lagertanks geschlaucht werden.

Dann ging es noch in die Brauereigastätte zur Bierverkostung und hausgemachte Sülze mit Bratkartoffeln essen. Mit dunklem Bier – ein Hochgenuss.

Lampert schafft an der Kapazitätsgrenze, deswegen „brauch ich auch nett nach Stuttgart. Bin auch so ausgelastet“. Soooo schön. Ganz nach dem Leitsatz des Bierpapstes Kretschmers (Bremer Bierkoryphäe des vergangenen Jahrtausends) folgend: „Höchste Qualität und Wirtschaftlichkeit sind keine Gegensätze sondern müssen Hand in Hand gehen“ haben wir den Tag bei exzellenten Bieren ausklingen lassen.

Mein Fazit: „Hochdeutsch und Schwäbisch isch wie die NRW- und die Euro Flasche.“

Sternburg Leipzig – the lady in red

Sternburg

Auf der Spurensuche der Gose bin ich in Leipzig auf die zur Radeberger Gruppe gehörende Sternburg Brauerei gestoßen. Lohnenswertes Kontrastprogramm pur. Radeberger ist die  Biersparte des Dr. Oetker Imperiums mit ca. 15% Marktanteil in Deutschland. Sternburg, im sächsischen Volksmund auch liebevoll Sterni genannt, ist die fünftgrößte Marke im schönen Osten von Deutschland und auch nur dort zu haben. Im Billigpreissegment beheimatet hat mich interessiert, wie es die Brauer aus Leipzig geschafft haben, fast ohne Werbebudget Kultstatus im Osten zu erlangen.

Um dies zu ergründen hat mich der Brauereicheffe Martin Zapf auf die Reise in sein Sterniversum mitgenommen.

Seit acht Jahren ist der Düsseldorfer Geschäftsführer Marketing und hat hier mal richtig fett Gas gegeben. Empfangen wurde ich im Fan Treff mit einem eiskalten, sehr reinen und ohne große Ecken und Kanten gebrauten Sterni Export…

…mit dem es in das kathedralenhafte Sudhaus ging. Das Export ist mit 85% Anteil die Hauptsorte der Brauerei und bei den Sternitrinkern mega angesagt. Schon beeindruckend ist der Steinecker Läuterbottich mit dem „Pegasus“ Abläutersystem. Da geht richtig was durch. Ca. 1 Mio. hl Sternburg Biere werden hier p.a. in Rekordgeschwindigkeit abgeläutert.

Das Export ist auch deshalb so beliebt, weil es zu DDR Zeiten schon ins Ausland exportiert wurde. Und damals wurden nur die besten Produkte außer Landes geschafft. Seit 1990 wurden ca. 100 Mio. € in die Produktion investiert.

50% der Kunden sind Ü50, der Rest teilt sich in Punks, Studenten und sonstige Bierdurstige auf. Lt. GF Zapf, der sehr nah an seinen Kunden ist, ist Sterni eben eine Marke, wo „jeder Kunde was zu sagen hat“. Dann ging es die Wendeltreppe zu den 36 Gär- und Lagertanks in 36 m Höhe hinauf. Auch für mich als nicht schwindelfreien Bierliebhaber kein Problem mit paar kräftigen Schluck Sterni…

Ein wunderschöner Blick über Leipzig hat den beschwerlichen Aufstieg mehr als belohnt.

Und der Herr Zapf hat echt mega gute Ideen. Zum 500 jährigen Jubiläum des Reinheitsgebotes aus dem Jahre 1516 wurde jedem der über 20 Neugeborenen in Leipzig, die 2016 das Licht der Welt erblickten, und mit dem Namen des Gebotsbegründers Herzog Wilhelm geadelt wurden, 1516 € überwiesen. Auch zieren viele coole Sprüche rund um sein Bier die Werbeplakate der Brauerei. Hand auf mein Herz: Mit soviel Kreativität habe ich hier wirklich nicht gerechnet…

Mein Fazit: Sterniversum – echt cool.

 

Die strahlende Sonne der Ostschweiz – Claudias Sonnenbräu

Sonnenbräu

Mein Schweizer Bloggerfreund Reto, www.hopfenerd.ch, hat mich auf eine mega spannende Brauereitour durch die Ostschweiz eingeladen. Ziel der Veranstaltung ist der erste Collaboration Blog der Welt, an dem ihr jetzt und heute teilhaben dürft. Die erste Destination war die Sonnenbräu in Rebstein nahe St. Gallen.

Claudia Graf, ihres Zeichens einzige weibliche Brauereichefin der Schweiz, hat uns, die  Masters of Blogging, standesgemäß empfangen. Und der Reto hat auch gleich wacker losgelegt.

Claudia ist gelernte Bankkauffrau und hat ihren Braumeister bei Doemens absolviert. Danach ging es los auf Wanderschaft. Zur Falkenbräu, Brauerei Müller Baden (CH), Brauerei Rosengarten, Appenzeller Brauerei Locher und zum Untersuchungsinstitut Labor Veritas nach Zürich. Nun leitet sie schon seit zwölf Jahren die Geschicke der Familienbrauerei. Auch bei uns ging es gleich los auf Sonnenbräu Erkundungstour in das wunderschöne Sudhaus. „Spieglein, Spieglein an der Wand, wer hat das schönste Sudhaus im ganzen Land?“

Bei Sonnenbräu wird mit SchoKo gebraut. Nein, nicht mit Schweizer Schoki, sondern mit dem Schonkochungsverfahren der Würze, das  von dem Bamberger Anlagenbauer Kaspar Schulz entwickelt und patentiert wurde. Gekocht wird unter Vakuum bei 80°C. Ziel war, den Heizölverbrauch beim Würzekochen unter 1 Liter pro hl Würze zu drücken und die thermische Belastung der Würze zu minimieren. Dies kann zu besseren Schaumeigenschaften und verbesserter Geschmacksstabilität im fertigen Bier führen. Beide Ziiele sind erreicht, mittlerweile köchelt das moderne Kochsystem die Bierwürzen in über 60 Brauereien.

Claudia lässt Teile ihrer Braugerste von fünf Landwirten aus der Region anbauen. Vermälzt werden diese in Deutschland, da es in der Schweiz keine größeren Mälzereien gibt. In der Ostschweiz gibt es 12 gewerbliche Brauereien, in der Gesamtschweiz inkl. der neuen hippster Craftbeer Breweries schon fast 800. Die Hauptsorte, das Helle mit 11% Stammwürze, wegen der Glasform in der Schweiz „Stange“ genannt, vergärt unter kirchlichem Beistand in den Outdoortanks.

Das zweitmeist gebraute Bier ist das klassische, etwas stärker gehopfte Spezial mit 5,2 Vol%, seit 1979 wird das untergärige Light als erstes seiner Gattung in der Schweiz gebraut und hat mit rund 10% einen beachtlichen Anteil an den 30.000hl Jahresproduktion. Das gute Tröpflein wird übrigens nach wie vor in die 0,58 Liter Bierflasche abgefüllt. Papa Graf war seiner Zeit damals voraus. Schon 2010 braute er mit als Erster Weizenbier in der Schweiz und vor 10 Jahren obergäriges Ale. Dies wird momentan gerade nicht mehr angeboten, aber Claudia wird Euch bald mit einer neuen Ale-Innovation überraschen…..

Bis zum 1. Weltkrieg war die Schweiz ein vom Wein dominiertes Land, das sich durch die Rohstoffknappheit glücklicherweise zu Gunsten des guten Gerstensafts verschob. In dem Brauereirundgang ist ein schönes kleines Museum integriert. Es sind viele Gerätschaften aus der Zeit des Eismachens zu bewundern, wie auch eine alte Bierpumpe….

Der alte Isobarometer, oder einfacher der Fassfüller, hat bei mir gleich Erinnerungen geweckt. Auf so einem Teil durfte ich bis Anfang der 1990er zu Hause Fässle füllen. Bierdusche inklusive…

Am Ende der Tour ging es noch in den Whisky Keller. Dort lagern seit 2001 die Destillate. Und das mindestens acht Jahre pro Fass. Eingebraut wird im Sudhaus ein Bockbier ohne Hopfen. Denn nur dann wird aus der gebrannten Maische nach drei Jahren im Holzfass per Gesetz ein Whisky. Pro Jahrgang gibt es nur 600-800 Flaschen. Nach den acht Jahren Lagerung und 20% angels share wird der gute Stoff rückverdünnt. Zu haben als Single Malt oder Riebel, benannt nach dem Mais aus dem Rheintal.

Sensationell und ziemlich einzigartig ist auch die Geschichte hinter dem Sonnenbräu Fanclub. Dieser wurde nicht wie üblich von der Brauerei gegründet, sondern von echten Sonnenbräu Fans. Diese hatten das Ziel, nach 5 Jahren 300 Mitglieder zu haben. Das wurde mit inzwischen 5000 Mitgliedern leicht verfehlt. Genial. Für 40 Fränkli gibt es 1 Kiste lecker Bier und eine Einladung zur jährlichen Hauptversammlung inkl. Freibier. Und das in Tracht.

Mein Fazit: Collaboration blog bei Claudia – genial. Danke Reto.

Auf den Spuren der Gose Teil 2 Gosenschenke „Ohne Bedenken“

Gosenschenke

Last but not least sind wir sind wir bei der „ältesten und jüngsten“ Brauereidestination in Leipzig eingeflogen. In die gute alte Gosenschenke „Ohne Bedenken“ etwas außerhalb des Zentrums der Buch- und Messestadt.

Ein absolutes Muss für jeden Beernerd. Nicht nur aus den USA, sondern aus vielen anderen Ländern pilgern die Bierinteressierten zu Jens Gröger in sein Gosenirvana. Der Biergarten mit seinen 300 Sitzplätzen zählt zu den 150 besten der Welt bzw. zu den 10 schönsten in Deutschland.

Jens Gröger war lange Jahre beim Vorbesitzer Dr. Hennebach Geschäftsführer und ist seit 2012 der neue Gosewirt. Seit Juli 2017 braut der Autodidakt auf der 3,5 hl Anlage seine herrlich erfrischende und sehr süffige Edelgose. Umgehauen hat mich sein Gosebock. Wie geil, erinnert an ein gut gebrautes belgisches Tripel.

Die obergärige Hefe bekommt er von Matthias Richter von der Gosebrauerei Bayerischer Bahnhof. Vergoren werden zwei Sude pro Gärtank. Da freut sich der Jens.

Die Gosenschenke wurde 1899 eröffnet, in der Zeit als die Gose und ihre Schenken die Blütezeit erleben durfte. Noch heute atmet die Schenke die Romantik der 1920er Jahre. Die umfangreiche Rekonstruktion und Sanierung im Jahr 1985 ist ein Traum. Die beste Uhrzeit für mich, diese Authenzität einzuatmen und mit der süffigen Edelgose zu genießen, ist zwischen 13.30 und 16.30 Uhr. Da macht das Gosetrinken richtig Spass. Es gibt einen Gosianer Stammtisch und auch Herr Putin war in seiner Lehrzeit beim KGB Stammgast in der Gosenschenke. Auf seinem Platz trinkt es sich richtig gut. Ihren Namen hat die Schenke übrigens von der Auskunft des ersten Kellners, der auf die Frage „Kann man das Zeug eigentlich saufen“? die Antwort gab: „Ohne Bedenken“.

Und nun zum Geheimnis der mystischen Flaschenform der Gose. Der lange Flaschenhals ist der Tatsache geschuldet, dass früher Jungbier aus den Gosebrauereien in die Schenken geliefert wurde. Dieses wurde von den Wirten zur Nachgärung in die Flaschen gefüllt. Die aufsteigende obergärige Hefe verschloss mit einem Pfropfen auf natürliche Weise die Flasche und wurde beim Ausschenken einfach abgeschüttelt. Je nach Lager- und Nachgärzeit konnte der Schankwirt so den Reifegrad der Gose für seine Kunden variieren. War die Gose übel sauer, wurde ein Allasch zur vorbeugenden Magenberuhigung dazu gereicht. Ein Kümmellikör, der seinen Weg aus dem Baltikum nach Leipzig fand. Links unten seht ihr ein original Allasch- und in der Mitte ein original Goseglas, jeweils aus der Gründerzeit

Und als Belohnung gab es zum Essen die Empfehlung vom Gosenwirt und Brauer Jens. Eine leckere Fettbemme. Mmmhhhh, ein absolutes Highlight.

Mein Fazit: „Was unter den Blumen die Rose, ist unter den Bieren die Gose“. Prost Jens.

Auf den Spuren der Gose Teil 1 Gosebrauerei Bayerischer Bahnhof Leipzig

Bayerischer Bahnhof Leipzig

Habe von einem Freund neulich eine Ritterguts Gose geschenkt bekommen. Gleich nach dem ersten Schluck hat mich das leicht säuerlich, trocken anmutende Bier, dass sich lt. Reinheitsgebot nicht Bier nennen darf, stark an eine belgische Geuze erinnert. Deshalb die Namensverwandschaft? Nein, nein. Der Name Gose stammt ursprünglich aus dem Stammland dieser Bierspezialität, aus dem Harz und hat ihren Namen von dem Fluss Gose. Dieser fließt knapp an Goslar vorbei. Wie die gute alte Gose gebraut wird, habe ich im Internet nicht wirklich finden können. Also auf nach Leipzig, wo heute die Gose noch gebraut wird. Und zwar in der….

… Bayerischer Bahnhof. Dieser wurde 1842 erbaut. Im Jahr 2000 wurde in den heiligen Hallen die heutige Gosebrauerei mit wunderschöner Gastronomie vom fränkischen Brauerspross Schneider aus Weißenburg eröffnet. Braumeister Matthias Richter hat mich herzlich empfangen, um mich in die Geheimnisse des Gosebrauens einzuweihen.

Matthias hat 1997 seine Brauerlehre bei Ur-Krostitzer begonnen und nach Abschluss von 2000 bis 2003 in Berlin seinen Dipl. Braumeister gemacht. Seit 2003 braut er eigenverantwortlich nicht nur die Gose sondern auch viele andere mega leckere Bierspezialitäten mit dem wunderschönen Kaspar Schulz 2- Geräte Sudwerk.

Die Ursprünge des Gosebrauens in Goslar gehen bis zu ca. 1000 Jahre zurück. Das Wasser im historischen Goslar war viel mineralhaltiger als das Brauwasser im heutigen Leipzig. Aus diesem Grund wird heute im Sudhaus Salz beim Brauen zugegeben. Vor 200 Jahren wurde die letzte Gose in Goslar eingemaischt und von den Gosen in der Gegend um Halle bis Leipzig beerbt.

Das Geheimnis ist, dass nicht die in deutschen Brauereien im Gär- und Lagerkellerbereich so gefürchteten Laktobazillen für den säuerlichen Geschmack verantwortlich sind, sondern der Säuregrad, bzw. der ph Wert um die 3,4, der im Sudhaus vor dem Würzekochen durch Zugabe derselbigen Laktobazillen eingestellt wird. Die Zugabe von Koriander im Sudhaus ist bei der Goseherstellung ebenso Pflicht wie bei den belgischen Witbieren. Die Koriandersamen sind für das schöne Zitrusaroma verantwortlich. Bemerkenswert für die ca. 2500 hl Brauerei ist die moderne 4 Walzenschrotmühle…..

….genauso wie der Pfaduko, der Pfannendunstkondensator, der für die Heiswasserrückgewinnung durch die Sudhausschwaden beim Würzekochen verantwortlich zeichnet. Eingemaischt wird mit 50% Weizen- und 50% Gerstenmalz. Gehopft wird die Gose auf rund 12 BE mit regionalem Hopfen aus dem zweitgrößten Hopfenanbaugebiet in Deutschland, der Elbe – Saale Region in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Vergoren wird mit einer eher introvertierten untergärigen Hefe, ähnlich der Kölschhefe.

Matthias hat seine Brauerei fest im Griff, alles tip top. Sehr modern eingerichtet ist auch der Gär- und Lagerkellerbereich mit Tanks aus dem Hause Schulz und Christian Gresser aus Regensburg.

Neben der Gose braut Matthias auch ganzjährig das Schaffner Pils, das Schwarzbier Heizer (mein Top Favorit) und ab und an rechts und links vom Mainstream. Z.B. eine Berliner Weiße mit Buchweizen, einen Gosebock (!) oder ein mit Hafer gebrautes Pale Ale. Was die berühmte Flaschenform  angeht, das verrate ich Euch später…

Die Gose mit allerlei vom Fisch, der Hammer!

Mein Fazit: Danke Matthias für die mega interessante Goseeinführung. Prost oder wie der Gosianer sagt: „Goseanna“!

Zur Dolly in die Rogg Brauerei – Määäh

braukollektiv

Wie angekündigt gibt es heute den versprochenen Blog von meinem Besuch bei den Jungs vom Braukollektiv im letzten Jahr. Mit dabei war mein Bierkumpel Olly von der Kraftbierwerkstatt links, in der Mitte Gil, der Fotograf aus dem Amiland und James, der gelernte Chemiker. 2014 wurde das Braukollektiv von ihnen mit drei weiteren Kumpels gegründet. Als Mietbrauerei haben sich die fünf Gypsies in der altehrwürdigen Brauerei Rogg, Gründungsjahr 1846, eingenistet.

Hier im Südschwarzwald in Lenzkirch, wo Hase und Igel sich gute Nacht sagen, trifft man in der Brauerei auf ein tolles Beispiel, das zeigt, dass alte und neue Braukunst sich nicht ausschließen müssen. Gleich neben der Bierfabrik in Rothaus und der aufstrebenden, prosperierenden Waldhaus Brauerei gelegen, wird hier in dieser wunderschönen ländlichen Gegend um jeden Hektoliter hart gefightet. Die Tradition und das Vergangene wird durch die Roggbiere verkörpert, die Moderne durch die Biere des Braukollektivs. Ebenso trifft in der Brauerei bei den technischen Anlagen Tradition auf Moderne.

Das Sudhaus von der Fa. Braukon mit einer Ausschlagmenge von 30 hl wurde 2009 eingebracht.

Die historische Variante aus dem Jahre 1920 wurde zum Glück erhalten und sehr schön hergerichtet.

Bei Rogg brauen aus Freiburg auch die Jungs von der Schwarzwald-Gold Braumanufaktur (Coco d´Or Tripel) und die Emma, das Bier ohne Bart. Soviel Gypsies in einer Brauerei, das ist sehr selten in good old Germany.

Mit dabei mein Kumpel AlloySius von Braukon. AlloySius ist der Vormaischer, der die Klumpenbildung des Malzes beim Einmaischen verhindert und nebenbei die Sudhausausbeute erhöht. Klasse Erfindung von den Jungs aus Seeon.

Nach dem Maischen und Kochen wird die gute Würze durch die Würzekühlung abgekühlt bevor sie in den Gärkeller zum Vergären geschlaucht wird.

Hier wartet schon voller Enthusiasmus crafty Gil, der Mann für schwierige Kalkulationen beim Braukollektiv (wieviel kg Gerstenmalz pro Sud und so….?).

Schon zu Lebzeiten zur Legende geworden und mein absoluter Favorit ist die Nr. 1 von Braukollektiv, das IPA Dolly. Ebenso lecker mundet frisch gezwickelt aus dem Lagertank der Horst, ein California Brown Ale. Jaque ein westcoast IPA mit fetten 80 IBU und das Pale Ale Ziggy sind echt was für Hopfenjunkies. Erhalten ist noch der alte Lagerkeller…..

… ein Kunstwerk und außer Betrieb, der ur- ur- alte Lagerkeller….

….und ganz modern, die heute im Betrieb genutzten Druck- und Lagertanks.

Mein Fazit: Rogg´n Roll in the black forest. Den Gypsies sei Dank. Cheers.