Einbeck – Auf den Spuren des Bocks

Einbecker

Kurz vor Weihnachten haben Olly und ich uns auf den Weg nach Hamburg gemacht, um dort die neue Reeperbahn Brauerei von Astra anzuschauen. Jedenfalls kommt man auf dem Weg Richtung Waterkant als Brauereisuchender nicht an Einbeck vorbei, ohne den Blinker rechts zu setzen. Einbeck ist seit vielen Jahren aufgrund seiner wohl einmaligen Biergeschichte ein Biersehnsuchtsort für mich. Dort angekommen, lohnt sich neben der Brauerei  auch ein Kurztrip durch das wunderschöne Fachwerkstädtchen, gerade auch in der Zeit, in der der kleine schnuckelige Weihnachtsmarkt zuckersüß seine Waren feil bietet.

Im Städtle lohnt sich auf alle Fälle ein kulinarischer Besuch des Brothauses am Marktplatz im Rahmen des  Einbecker Bierpfades. Das Brothaus beherbergt die Brauereigaststätte. Im historischen Altstadtkern wurde im 14. Jahrhundert in fast jedem Haus Bier gebraut, denn jeder Bürger hatte das Recht hierzu. Der Stadtrat kaufte in dieser Zeit von den fast 700 Brauherren die Überproduktionen auf und sorgte für den Vertrieb der damaligen Starkbiere quer durch Europa, von Amsterdam bis Reval. Aus dieser Zeit rührt der legendäre Ruf des Ainpöckischen Gerstensaftes her. Im krassen Gegensatz zum authentischen Fachwerkflair hat uns dann der  Prunkbau der Brauerei aus den 1980ern feudal empfangen. Hier trifft historisches Altstadtflair auf produktive Bierherstellung.

Wir wurden sehr nett vom 1. Braumeister Christoph Benseler empfangen, der seit August 2018 die Verantwortung für die wohl berühmtesten Bockbiere der Welt in seinen Händen trägt. Vor Einbeck war er drei Jahre bei Eric Toft in Schönram, davor bei Paulaner. Die Brauerlehre hat er bei den Bierspezialisten von Riegele in Augsburg absolviert

Dann ging es gleich ins Sudhaus. Auf dem Huppmann Sudwerk werden 12 verschiedene Biere eingebraut. Allesamt im Infusionsverfahren und unter Zugabe von nicht zu knapp Hopfen. Die Hopfenliebhaber kommen in Einbeck durch alle Biersorten hinweg auf ihre Kosten. Die Hauptsorte ist das lecker feingehopfte Brauherrenpils. Ausgeschlagen werden je nach Sorte zwischen 500 hl und 800 hl pro Sud.

Die Einbecker Brauhaus AG wurde erst 1967 gegründet. 1972 wurde aus der Einbecker Brauhaus AG, der Schultheiss-Brauerei AG Berlin und der Dortmunder Union-Brauerei die erste große Deutsche Brauereigruppe Brau & Brunnen.  1997 wurde die Aktienmehrheit der Einbecker Brauhaus AG von einer privaten Investorengruppe übernommen. 2004 wurden die restlichen verbliebenen Brauereien der B&B Gruppe übrigens durch den Kauf der Oetker Gruppe in den Radeberger Verband integriert.

Die 1980 gebaute Brauerei war zu dieser Zeit wohl eine der modernsten und produktivsten Brauereien in Europa mit einer Kapazität von ca. 1.000.000 hl. Heute werden einschließlich der Marken Martini, Kasseler, Nörten-Hardenberger und Härke noch ca. 550.000 hl gebraut. Die Bockbiere mit einem Stammwürzegehalt von + 16°P gibt es als helle wie auch als dunkle Variante in Form von Winter-Bock und Ur-Bock dunkel. Die Vermählung der dezenten dunklen Röstaromen des Münchner Malzes mit der ausgeprägt schönen Hopfung machen diese zu einem besonderen Genuss. Übrigens ist für mich die dunkle Jahreszeit, die Zeit der dunklen Bockbiere – lecker, lecker, lecker (Anmerkung des Autors). Die ZGK´s des Lagerkellers von der Fa. Munk & Schmitz aus Köln sind noch aus Stahl gefertigt und haben eine Innenbeschichtung. Diese werden nach und nach durch neue Edelstahltanks ersetzt.

Die ehemalige ZHF Kieselgurfiltration (Zentrifugal Hochleistungs Filter)…

… wird gerade durch eine umweltschonende kieselgurfreie Crossflow Filtration ersetzt. Dieser neuen Art der Filtration könnte die Zukunft gehören. In Einbeck bleibt man am technischen Puls der Zeit.

Ebenso sind die zwei Abfülllinien der Brauerei technisch state of the art und sehr sehenswert. Von diesen Wirkungsgraden träumt der kleine Brauer.

Und warum das Bockbier eigentlich Bockbier heisst und ohne Einbeck nur schwerlich seinen Siegeszug durch ganz Deutschland angetreten hätte, verrate ich Euch in meinem Blog aus dem Jahre 2014. Bockbier

Mein Fazit: Frei nach Martin Luther: „Der beste Trank, den einer kennt, der wird Ainpöckisch Bier genennt“. Cheers

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