Über Werner

Auf der Suche nach dem Aledorado Ich habe Bier im Blut, bin die 6. bierbrauende Generation Dinkelaker in Böblingen. Wie mein Vater, Großvater und Urgroßvater habe ich der Dinkelakerschen Tradition folgend in Weihenstephan das Studium zum Diplom Braumeister absolviert. 1991 ging es auf Expedition nach Venezuela zur Polarbrauerei, die damals “total quality like” rund 20 Mio hl produzierte. Nach Rückkehr noch kurz den Dipl.- Wirtschaftsingenieur draufgesetzt, erste Schritte im Außendienst bei der Eichbaumbrauerei Mannheim gemacht und dann für 1 Jahr zum Brauereiaufbau nach Nord Zypern (1996). Zurückgekehrt darf ich nun schon seit 1997 mit einer klasse Mannschaft unsere regionalen Biertrinker mit feinsten Leckereien aus der Schönbuch Braumanufaktur in Böblingen beglücken. Bier ist mein Leben, deswegen sind meine Tage auch durch Bier geprägt. Tagsüber in der Brauerei, zum Feierabend Bierverkostungen leckerer Kollegenbrauereien und sehr gerne und häufig auch internationaler Bierspezialitäten, die ihren Weg in meinen Kühlschrank gefunden haben. Bierreisen mit meiner Gattin und Besuche bei Brauerkollegen sind meine Inspiration und Motivation. Auf der Suche nach dem “Aledorado” der Brauer haben schon sehr viele schöne Brauereien meinen Weg gekreuzt. Und darüber blogge ich seit 2013. Mega Spass machen mir auch Vorträge über Bier, bei denen ich mit Bierenthusiasten meine Leidenschaft teilen darf. Kommt mit, ich lade Euch ein, ein Stück mit mir diesen Weg zu gehen. Viel Spass.

BRLO Berlin – Das Containerbierparadies

BRLO

War neulich zur Bundesehrenpreisverleihung mit unserem Braumeister Gustl in Berlin. Voll langweilig das Palavern mit Politikern und so, voll schön das Biertrinken mit Brauerkollegen und so. Jedenfalls hat der Gustl nicht bei seinem von mir aufgezwungenen Sommelierkurs den Michael Lembke von BRLO kennengelernt, sondern während seines Studiums zum Dipl. Braumeister in Berlin. Und den Michael haben wir dann auch in seiner Brauerei besucht.

Über die erst vier Jahre alte BRLO wurde in einschlägiger Literatur für Craftbeer schon viel berichtet, denn sie zählt mit Fug und Recht zu den erfolgreichsten Craftbeer Breweries in Berlin. Empfangen wurden Gustl und ich total nett von der brasilianischen Brauerin Veronica Menzel. Sie hat ihren Braumeisterlehrgang und die Biersommeliere Ausbildung gemeistert und hilft Michael Lemke (der übrigens weder verwandt noch verschwägert ist mit der gleichnamigen Berliner Brauerei) beim Brauen.

Gebraut wird auf einer 20 hl Braukon Anlage. Sieben all year long Biere, wie das Pale Ale, Porter, Helles und Co.. Und hier achtet der Michael immer auf die Drinkability. Die Biere sollen Spass machen und zum Weitertrinken anregen. Ein wohl sehr wichtiger Grundpfeiler des Erfolgs von BRLO. BRLO ist übrigens der alte slawische Name von Berlin. Heute wurde ein Hefeweizen eingebraut. Schaut mal wie schön es maischt…

Die Jungs und Mädels von BRLO kommen dieses Jahr auf sage und schreibe 8.000 hl. Respekt. Und das liegt neben der super Bierqualität mit Sicherheit auch am ebenso genialen Marketing. Gelagert wird in nagelneuen Edelstahltanks…..

…. und ab und an wird für Versuchszwecke auch craftig daraus mit der Hand unterm Arm in die Probefässer gefüllt….

In der Containerbrauerei werden übrigens alle Biere ausschließlich in Fässer abgefüllt. Der Pachtvertrag des Grundstücks läuft leider nur noch wenige Jahre. Nach Ablauf muss dann leider umgezogen werden. Deswegen wurde die Brauerei gleich in transportfähige Container eingebaut. Das Flaschenbier wird seit Februar 2018 im nagelneuen Berliner Craftzentrum in Spandau hergestellt (Blog folgt). Eine wichtige Zutat für den Erfolg ist auch die eigene Gastro. Hier kann man richtig easy entspannen. Cool gemacht und richtig lecker.

Mein Fazit: World Craft. Echt cool.

 

 

Stadin Panimo Helsinki – Brauen was die Gulaschkanone hergibt

StadinPanimo

Bin Euch noch meinen zweiten Brauereibesuch in Helsinki schuldig. Außerhalb der wunderschönen Innenstadt liegt im Nirgendwo zwischen ehemaligen Gaskesseln und dem Food District die Stadin Panimo, oder auf Deutsch, die Brauerei Stadin.

1998 hat Timo Konttinen eine der ersten real craft breweries in Finnland gegründet. Ein finnischer Bier-Autodidakt erster Stunde. Ist wie einige seiner Kollegen über das Hobbybrauen zum Fulltime Brewer aufgestiegen und rockt mittlerweile recht erfolgreich seine Bude mit den 3 Mitstreitern seit 2012 am jetzigen Standort. Relativ schnell konnte, als der Kochtopf zu klein wurde, ein neues Sudhaus in Form einer ehemaligen Militärgulaschkanone, man sagt auch Poraschtank dazu,  angeschafft. Weltklasse.

Und hier braut er, was die Kanone her gibt. 500 l feinste finnische Würze pro Sud. Seine Spezialität ist das Experimentieren mit Hopfen, und das nicht zu knapp.

Das neueste Sudhaus ist übrigens gerade erst eingebracht worden und wird gerade eingefahren.

Gebraut werden 1.500 hl im Jahr. 90% wandern ins Fass für die Gastronomie. Seit 1998 hat Timo mehr als 600 verschiedene Biere eingebraut. Das Ginger Ale ist der Topseller. 2014 wurde sein Lager als das beste Finnlands gekrönt. Momentan hat er 20 verschiedene Leckereien am Start. Das Red Ale ist mein Geheimtipp. Ziemlich basic, drinkable, schreit nach mehr. Gelagert wird in kleinen, zylindrokonischen und auch in liegenden Tanks. Die Hopgun darf natürlich auch in Helsinki nicht fehlen. Schaut mal rechts unten, voll süß…

In Finnland galt von 1919 bis 1932 die Prohibition. Bis heute besteht das  staatliche Alkoholmonopol Alko (so heißt das wirklich) für Drinks über 4,7 %Vol.. Wobei seit diesem Jahr dieses speziell für Bier etwas gelockert wurde. Die Biersteuer ist mit 10€/Kiste echt strange, ein kranker Ausfluss und bestes Beispiel staatlicher Bevormundung. Kein Wunder, dass die Finninnen und Finnen umso mehr auf das leckerste Getränk der Menschheit scharf sind. Jedenfalls sehe ich einen klaren Zusammenhang zwischen prohibitionierten Ländern, in deren Folge die Brauereien geschlossen wurden, und Craftbeerverrücktheit im Hier und Jetzt. Monopole lösen den Wunsch nach Vielfalt beim gemein überreklementierten Bürger aus. Und das gilt gerade auch für Bier. Schaut mal mach USA, Norwegen, Island, Russland etc. was da in den letzten Jahren im Biermarkt abgeht. Genug der Politisierung. Zurück zum Spundapparat der PET-Klasse. Echt krass….

Timo hat aufgerüstet und sich eine neue Flaschenabfüllanlage gekauft. Nun wird hart kreativ am Design gebastelt…

Mein Fazit: Bierzwickeln in Finnland macht Spass. Kippes und Prost.

 

 

 

 

 

 

Big in Japan oder Japanverkostung total

Craftbeerjapan

Letzte Woche gab es in unserem Labor eine ganz besondere und in Deutschland wohl einmalige Bierverkostung der anderen Art. Christof, der Angetraute unserer Braumanufaktur GF-Assistentin Tina, hat uns aus dem fernen Japan sage und schreibe 46 Dosen und 2 Flaschen lecker Bierchen im Koffer mitgebracht. Und genau diese haben wir verkostet und bewertet.

Das dürfte wohl die bisher größte je durchgeführte Japanbierverkostung in Deutschland  gewesen sein. Teilgenommen haben Götz, Tina und Christof, unser Braumeister Simon, Kessi unsere Biersommeliere, sowie meine Bierigkeit ☺️.

Das einhellige Resümee: WOW! Extrem spannende, vielfältige und  bemerkenswerte Biere 🍻. Gewonnen hat das Yebisu, ein dem Kristallweizen ähnlicher Göttertank.

Der japanische Biermarkt hat einen sehr hohen Dosenanteil, Mehrweg gibt es gar nicht, in Flaschen wird nur sehr wenig abgefüllt. Im Supermarkt kostet die Dose 1,50-2€, in der Gastro zwischen 7-8€. Craftbeer ist in Japan mega hipster und stark am wachsen. Die Auswahl ist fast unendlich und für Nicht-Japaner nur durch kaufen und verkosten zu verstehen.

Tina und Christof, 1000 Dank🍻🍻🍻

Trachennow – Das obergärige Helle aus Dresden

Trachennower

Bei meinem Visit in Dresden bin ich samt Sohnemann Luki auf ein Bierchen bei Anton, Thomas und Alex vorbei geschneit. Seit 2014 brauen die Jungs auf ihrer homemade Brauerei ihr obergärigen Spezialitäten.

Das Sudhaus ist 100% Eigenbau. Auch die komplette Elektrik und das Wassernetz der Minibrauer alles real craft selfmade. Anton, der Chefbrauer unter den drei sächsischen Beernerds ist gelernter Koch und Informatiker und hat bei dem Dresdner Brauerkollegen Schwingenheuer 2005 ein Brauseminar gemacht. Sein Wissen hat er sich learning by doing voll autodidaktisch angebraut.

Ausgeschlagen werden 165 l. Außer dem legendären Hellen wird noch Weihnachtsbier und ein Dark Whisky Bierchen mit 15% Stammwürze gebraut. Sehr cool, die Direktbefeuerung der Pfanne….

Echt geil ist auch die Eigenfertigung der Maischeteilautomatik. Wie cool ist das denn….

Für ihr legendäres Helles verwenden die 100% Nebenerwerbsbrauer Pilsner Malz und Cara hell. Vergoren wird nur obergärig, den fehlenden Kühlmöglichkeiten geschuldet. In die Lagertanks wird mit 3,5% Restextrakt geschlaucht. Das schnucklige Einraumbrauereile hat echt Charme.

Mein Fazit: Obergäriges Helles, ein Prost auf die sächsische Braukunst.

T.E.A. Time Brewery Krakau

T.E.A Time

War mit der Family in Krakau und durfte zum Glück wenigstens eine Brauerei anschauen. Den T.E.A Time Brew Pub. Oder ausgeschrieben: Traditional English Ale Time Brewpub.

Dort braut der Michael Cuszczek seit Eröffnung 2014 seine very british Ales. Davor hat er 3 Jahre in der Brauerei Twieg gelernt.

Michael braut auf seinem Dave Porter Sudhaus von der Firma PBC ganz straight. Es wird 80°C heißes Wasser vorgelegt und mit geschrotetem Malz vermischt. Nach dem sogenannten Einmaischen landet er dann punktgenau bei 68°C. Und so bleibt es auch bis zum Abmaischen. Also ohne jegliche Maischerasten. Geheizt wird übrigens elektrisch. Ausgeschlagen werden 6 hl, die Ales haben „Läuterbottich bedingt“ zwischen 10% und max. 16% Stammwürze. Es werden ausschließlich nur reine english Ales gebraut.

Das Malz kommt von Viking, Weyermann und Fawcett & Sons. Seine Lieblingssorten sind Cara hell, Amber- und Oat Malz. Sein Lieblingshopfen ist der amerikanische Cascade.

Vergoren wird natürlich sortentypisch rein obergärig. Und das mit der SO4 Hefe. Gerade ist eine dringend nötige Verdoppelung der Gärkellerkapazitäten umgesetzt worden.

Michaels aktuelle Verehrerinnen bekommen auf dem Gärtank eine entsprechende Würdigung….

Sylvia, die Mitbegründerin von T.E.A. Time ist studierte Chemie- und Prozessingenieurin und mit viel Sachverstand und Leidenschaft für die Ales immer präsent.

Auf die Nachgärung wird verzichtet, da die Ales nur ein Hauch von CO2 haben, und die kommt aus der Hauptgärung im Gärtank. Gelagert wird in der Kühlzelle, von Hand  werden die beers in den Brewpub ein Stockwerk höher gepumpt.

Und wie kommt man nun darauf, ausgerechnet in Krakau traditional english Ales zu brauen? Der Papa von Mitbegründer James hat viele Jahre einen Brewpub mitten in England betrieben. Dieser wurde von der Brauerei an ihn verkauft und somit hatte er dann die Möglichkeit, viele verschiedene Ales zu verkaufen. Nach ein paar Jahren war dann die Liebe zu denselbigen so groß, dass er den Brewpub verkaufte und sich seinen Traum einer eigenen Ale Brauerei verwirklichte. Seine eigenen Ales wurden dann auch recht schnell hoch prämiert. James verschlug es nach Krakau, der Liebe wegen. Auf die Ales wollte er deswegen aber nicht verzichten, und braute dann mit Sylvia fleißig in der Garage, bis sie sich dann gemeinsam 2014, an den Anfängen der polnischen Craftbeer Bewegung, ihren eigenen Traum verwirklichten.

Von Papa sind noch 2 Rezepte im Einsatz: Black Prince, ein English Porter und der Topseller Englands Glory.

Mein Fazit: English Ales are Englands Glory. Cheers.

 

 

 

Schwingenheuer Dresden – ein Jungbier auf Reisen

Schwingenheuer

Mein Sohnemann Luki, Schöpfer des legendären kaltgehopften Lagerbieres Lucky Experience, hat während seines 2 monatigen Praktikums bei der Radeberger Brauerei Dresden einen Collaboration Brew gebraut. Und zwar mit dem Lehrling Jakob von der Schwingenheuer (links) und dem Brauer Philip von der Radeberger. Anlass des Sudes war die Hochzeit der Schwester von Philip. Gebraut wurde in der Versuchsbrauerei  bei Schwingenheuer in der Louisenstrasse in der Dresdner Neustadt. Christian Schwingenheuer braut seit einigen Jahren fancy Bierkreationen. Die Hauptbrauerei steht im Industriegebiet von Dresden und hat einen Ausstoß von ca. 1500 hl p.a.. Gebraut haben die Jungs ein APA, ein American Pale Ale. Abgeläutert wurde ganz klassisch, full metal Craft…

Kaum ein anderer Bierstil wurde so verschiedentlich interpretiert wie das APA. Die Jungs haben das malzbetonte Bierchen mit verschiedenen Spezialmalzen eingemaischt. Mit Münchner, Cara hell und Wiener. Vor dem Kochen wurde nochmal fleißig die Würze per Hand in die Würzepfanne umgepumpt…..

… und dann 5 min nach Kochbeginn unter Zugabe von Hopfen richtig schön geköchelt. Gehopft wurde mit Mandarina Bavaria und Hüll Melon. Die 2. Hopfengabe gab es beim Ausschlagen oben drauf…

Megageil wurde die Heißtrubausscheidung gelöst. Und zwar haben die Jungs mit einem Paddel die gekochte Würze in der Sudpfanne im Uhrzeigersinn in Drehung gebracht und kurz vor dem Beenden des Ausschlagens ihr selbstgebasteltes Sieb in die Pfanne gelegt. So verbleibt der Heißtrub schön brav in der Pfanne und stört später die gute Hefe beim Vergären nicht…

Gekühlt wurde nach dem Befüllen der heißen Würze in die Bierfässer bei Zimmertemperatur…

Für die obergärige Bierspezialität APA wurde die gute S04 Hefe verwendet, direkt aus der hauseigenen Hefereinzuchtanlage….

Nach der Vergärung musste das Jungbier in Ermangelung ausreichender Kühlkapazität in der Versuchsbrauerei auf Reisen gehen. Und zwar per pedes….

…zur Tramstation. Und von da, per Tram…..

…direkt in das Kühlhaus der Brauerei. Coole Logistik Jungs.

Christian Schwingenheuer, Gründer und kreativer Kopf der gleichnamigen Brauerei, ist echt eine Marke. Von Lenins Hanf bis Pegida Alkoholfrei entspringt alles seinem Geist. Er macht nicht lari fari, sondern bezieht Position. So wie sein jüngster Clou, der es sogar in die Bild geschafft hat. Respekt.

Mein Fazit: Ob großer oder kleiner Brauer: Bier verbindet. Danke Jungs. Ihr steht für Toleranz.

 

 

Olarin Panimo Helsinki – Craftbeer, Trash und Underground

olarinpanimo

Die erste Station auf meiner Weltbierreise, die mir meine Kumpels zum 50. Burtseltag geschenkt haben, war Helsinki. Anlass war der Besuch beim Craftbeerfestival Helsinki, den wir natürlich mit verschiedenen Brauereibesuchen verbunden haben. Perfekt organisiert von meiner lieben Frau Kessi. In Finnland gibt insgesamt ca. 100 Brauereien, davon 60 Craftbeer Breweries und 3 große Player. Die Craftbeer Brewer sind im Verband Pienpanimoliitto zusammen geschlossen und haben sich seit 2012 eine beachtliche Präsenz in Gastro und Handel erarbeitet. Ein Vertreter ist der Ville, der 2015 seine Brauerei gegründet und 2017 an den jetzigen Standort verlegt hat. Der volle Quality Freak. Als ehemaliger Zivilmitarbeiter bei der finnischen Army ist er über das Bier zum Beernerd geworden. Ville hat sich autodidaktisch seine Bierkompetenz erarbeitet und braut verrückte Biere, was das Zeug hält. Interessant ist, dass es in ganz Finnland, bei 5 Mio Einwohnern, keinen richtig gelernten Braumeister gibt. Mal von den 3 großen Brauereien abgesehen.

Nach dem Festival sind wir dann auch als Erstes in Villes Olarin Panimo aufgeschlagen. Die Brauerei ist genial gelegen mitten im Univiertel von Helsinki.

Dort hat uns Hanna mit ihrem Brauereischlüssel begrüsst. Hanna hat seit Januar 2018 den Bereich Design, PR und Sales zu ihrem eigenen gemacht.

Momentan braut Ville noch auf der alten 5 hl Braumeister Anlage aus Ofterdingen. Seit Gründung hat er schon über 50 verschiedene fancy types eingemaischt.

Hierbei greift er auf gefühlte 100 verschiedene Malzsorten zurück, besonders gerne auf die von seiner Lieblingsmälzerei Viking Malt.

Vergoren wird noch in den dazu passenden Miniatur Gär- und Lagertanks, ebendalls von Speidel.

Momentan wird in derselben Halle parallel dazu die neue 30 hl Anlage aus dem Hause Ant System installiert. Zur Kontrolle und Abnahme ist Ville erst neulich in China gewesen.

Die neuen Gär- und Lagertanks sind auch schon da, so dass bald die erste Würze aus dem neuen Sudhaus in denselben vergoren werden kann.

Bekannt sind die Olarinen durch ihre IPAs Rap-Trio-Underground. Die gibt’s in 2 Varianten. Eine mit 6,5% Alk. und 70 IBU, die andere mit 4,5% Alk.. Vergoren wird unter Zugabe von 3 kg pro hl Ananas und Mango. Cool ist auch die Linie Smash. Verschiedene Varianten single malt und single hopped. Crazy. Bisher wird der finnische Gerstensaft nur in Fässer abgefüllt. Die Flaschenabfüllung passiert im Brauzentrum der United Gypsies Brewery. Beliefert werden 100 Pubs und viele Getränkemärkte. Die eigene Flaschenabfüllung folgt noch in diesem Jahr. Da geht was. Mein Liebling ist das „Not for Jokinen“. Ein double IPA mit 8,5% Alk., doppelt „gedryhopped“ mit den Hopfensorten Nelson Sauvin und Mosaic. Bockstark und super fruity.

Mein Fazit: Ville und Hanna, auf nach Böblingen zum Collaboration Brew. Da maischen wir gemeinsam „Nicht für Hans“ – finnish style ein. Freu mich.

 

Ale für ALS – Der Ralphator aus der Kraftbierwerkstatt

Zwei meiner Lieblingsbrauer Kumpel, Olly von der Kraftbierwerkstatt und Ingo vom Brauhaus Rössle, haben ein ganz besonders Bier gezaubert. Gebraut bei Ingo in Neubulach……

… mit jeder Menge Hopfen und sauberen Umdrehungen.

Für den Ralph, der an ALS erkrankt ist. Mein Dank geht an das Team von Olly. Ich wünsche Euch von Herzen mega Erfolg. Ihr seid echt super!

Anbei noch der offizielle Pressetext für Euch.

PRESSEMITTEILUNG 11.06.2018 Kraftbierwerkstatt braut Ale für ALS-Kranke – Ausschanktermin
Am Freitag, den 15.06. ab 18Uhr, findet im Brauhaus Rössle in Neubulach, Landkreis Calw, der Erstausschank des Ales for ALS Bier „Ralphator – Imperial (IπA)²“ statt. Ein sehr geschmacksintensives IPA mit über 10% Alkohol wird an diesem Abend für den guten Zweck ausgeschenkt. Alle Einnahmen aus diesem Ausschank gehen als Spende an das ALS Therapy Development Institute in Cambridge, Massachusetts/USA, zur Erforschung und Bekämpfung der Krankheit ALS (Amyotrophe Lateralsklerose).
Die Kraftbierwerkstatt nimmt als erste und bisher einzige deutsche Brauerei an „Ales for ALS“ teil. Einem Spendenprogramm des ALS Therapy Development Institute in Cambridge, Massachusetts/USA (www.alesforals.com). Seit dem Start der Aktion im Jahr 2012 hat diese über 1,25 Millionen US-Dollar an Spendengeldern zur Bekämpfung und Erforschung der Nervenkrankheit Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) gesammelt. Dafür stellen die Hopfenanbauer Loftus Ranches und Hopunion jedes Jahr unentgeltlich eine Hopfenmischung zur Verfügung. Die teilnehmenden Brauereien brauen damit Biere ihrer Wahl und von jedem verkauften Glas geht mindestens 1 Dollar in die ALS-Forschung.
Die 2014 gegründete Kraftbierwerkstatt ist eine Gypsy-Brauerei mit Sitz in Böblingen, Baden-Württemberg. Zum Brauen mietet man sich bei kleinen mittelständischen Brauereien ein. Hinter den fünf Biersorten stehen der Gründer und Geschäftsführer Olly Koblenzer, Rasmus Muttscheller und Vathana Thorn. Alle drei sind keine gelernten Brauer und Mälzer, aber leben in der Kraftbierwerkstatt ihre jeweiligen Träume, Werte und Ansprüche aus.
Der Stein des Anstoßes für die Teilnahme an dieser Aktion war, dass ein guter Freund, der Stuttgarter Ralph Hermann, Mitte 2017 seine Diagnose über ALS erhalten hatte und noch ein letztes Mal in die USA aufbrach. Beim Roadtrip an der Westküste stieß er bei einer kleinen Craft Beer Brauerei auf die Aktion „Ales for ALS“ und machte die Kraftbierwerkstatt darauf aufmerksam. Schnell war entschieden, dass man daran teilnehmen muss. Gutes trinken und dabei Gutes tun passt eindeutig in die Philosophie der kleinen Firma.
Im Zuge dessen wurde die Blogseite „signALS“ (www.facebook.com/summerislesignals) auf Facebook von Ralph Hermann gegründet. Hier wird auf die Krankheit ALS und deren Verlauf aufmerksam gemacht. Betroffene und Angehörige können hier von ihren Erfahrungen berichten und miteinander in Verbindung treten.
Im März 2018 kam der Hopfen nach Deutschland und die Kraftbierwerkstatt braute damit ein spezielles ALS-Ale. Diese wird bei Bierfestivals und ausgewählten Gastronomen ausgeschenkt. Mit der Spendenaktion will die Kraftbierwerkstatt auch auf die Nervenkrankheit ALS und die Folgen, die sich aus dieser Krankheit für Betroffene und Angehörige und der daraus folgenden Pflegeintensität aufmerksam machen.
Kraftbierwerkstatt UG, Otto-Lilienthal-Str. 24, 71034 Böblingen
prost@kraftbierwerkstatt.de Ansprechpartner: Vathana Thorn

Brauerei Häberlen – Der Brau- und Bügelspezialist

Häberlen

Bin neulich auf eine Bügelflasche aus Gaildorf gestoßen. Das Spezial hat mir so gut geschmeckt, das Etikett und die besondere Flaschenform so gut gefallen, dass ich mich entschlossen habe, auf meiner nächsten Ostalbrunde in Gaildorf bei Steffen Manske und seiner Brauerei Häberlen vorbei zu schauen und ihm die Geheimnisse seines Zaubertrunks nebst Bügel zu entlocken.

Steffen hat uns herzlich begrüßt. 1994 ist er zum Dipl. Braumeister Weihenstephan geadelt worden und entwickelt seither seine Brauerei  sehr erfolgreich gegen den allgemeinen Biertrend sauber nach vorne. Und das ohne Außendienstmitarbeiter.

Los ging es in der Schroterei, die mich total begeistert hat. So übersichtlich ist diese in kaum einer Brauerei zu finden. In anderen Betrieben meist über Stockwerke in verschiedenen Räumen verteilt, hat Steffen seine Schroterei kompakt zentral neu aufgestellt.

Das Jakob Carl Sudhaus wurde mit seinen 80 hl Ausschlagmenge am 1.1.2000 in Betrieb genommen.

Das Sudhaus ist mit einem Brüdenverdichter ausgestattet. Durch diesen wird die Energiemenge bei der Würzekochung erheblich reduziert. Steffen ist nicht nur aus diesem Grund einer der wenigen deutschen Brauer mit Solarbierzertifizierung. Er achtet konsequent in allen Herstellungsbereichen auf Energieffizienz.

Seine Hauptsorte mit 93% Ausstoßanteil ist das Spezial mit 12,9% Stammwürze. Das super leckere Dunkle und das Pils werden ebenfalls ganzjährig gebraut. 95% der bierigen Leckereien werden in die Flasche abgefüllt. Dann haben wir uns seinen Gärkeller……

… und den Lagerkeller angeschaut. Sehr, sehr schön. Nur leider muss Steffen schon wieder in einen weiteren Lagerkellerbau investieren. Wachstum kostet Geld oder ganz nach Schwester Doris aus dem Kloster Mallersdorf: “ Viel Hektoliter, viel Arbeit“.

http://www.bierblog.eu/beispielrubrik-no-3/kloster-mallersdorf-dem-bierhimmel-so-nah/

Dann hat er mir auch noch sein altes Sudhaus gezeigt, das sich seit Neuinbetriebnahme des Jakob Carl Sudhauses im Dornröschenschlaf befindet.

Und dann wurde es richtig spannend. In Gaildorf wurden schon immer Bügelflaschen abgefüllt. Und zwar mit einer einzigartigen Form, die auch nur von einem Flaschenhersteller produziert wird. Diese Form hat nur Steffen und die besagte Schwester Doris in Gebrauch. Die Flaschenwaschmaschine hat Steffen extra länger bauen lassen, damit die Laugeeinweichzeit der Flaschen verlängert wird. Das ist echt genial, ziemlich einzigartig und bei den Bügelflaschen unglaublich wichtig, der Sauberkeit wegen.

Abgefüllt und verschlossen werden die Bügelflaschen im Bügelfüller. Das solltet ihr Euch unbedingt vor Ort im laufenden Betrieb ansehen.  Hier liegt der Teufel echt im Detail. Steffen hat die Abfüllanlage bis ins Detail optimiert.

Nach der Besichtigung hat uns Steffen noch zu sich auf seine Terasse zum Bierverkosten eingeladen. Dort haben wir die eindrucksvolle Brauerei meditativ verinnerlichen können. Schön wars.

Mein Fazit: Dunkel in Gaildorf. Plopp. Danke lieber Steffen.

Perle der Ostalb – Die Rotochsen Brauerei

Rotochsenbrauerei

Vor ein paar Wochen war ich mal wieder in einer meiner liebsten Bierregionen, der Ostalb, unterwegs. Und zwar ging´s nach Ellwangen zur Rotochsen Brauerei.

Idyllisch in der wunderschönen Landschaft eingebettet, wurde die Brauerei 1960 aus der sehenswerten Altstadt vor die Tore verlegt. Ein damals für die 1680 gegründete Brauerei historischer Schritt.

Seit 1798 wird die Brauerei und der Gasthof von der Familie Veit geführt. Alexander Veit kenne ich von den Sitzungen des Baden- Württembergischen Brauerbunds. Und Alexander hat uns auch dementsprechend in seinem wunderschönen Sudhaus begrüßt.

Das Sudhaus der Firma Ziemann ist für mich eines der schönsten, die ich bei meinen Brauereibesuchen gesehen habe.

Nicht das älteste, das modernste oder das ungewöhnlichste Sudhaus, sondern wirklich eines der schönsten Herzen einer Brauerei. Denn seit 1960 im Originalzustand erhalten und mit viel Liebe und Traditionsbewusstsein gepflegt. Die Spindel zur Messung des Stammwürzegehalts und das Jod für die Jodprobe, alles am Platz.

Der herrliche Blick auf das Ellwanger Schloss macht das Erlebnis vollkommen. Das Wasser bezieht die Brauerei aus der eigenen 48 Meter tiefen Quelle.

Dann ging es weiter in den Gärkeller. 1996 wurden die offenen Gärbottiche durch moderne Edelstahlgärtanks ersetzt („schade“, Anmerkung des Autors und bekennenden „offene Gärbottiche Liebhabers“ WD aus BB).

Ein Blick auf die neuen Lagertanks….

… und einen zweiten auf die 1960 iger Lagertanks. Die Hauptsorte der Region, wie auch der Rotochsen Brauerei, ist das Edel Export, ein klassisches Spezial mit 12,7% Stammwürze. Gefolgt vom Stiftsherren Pils. Das Weizen wird noch richtig echt in der Flasche vergoren. Solltet ihr unbedingt verkosten. Auf das Craftbeer Gedöns verzichtet Alexander, auch der etwas ländlicheren Region geschuldet. In seinem Vertriebsradius von 30 km um den Schornstein fehlen ihm die geeigneten Kneipen hierfür.

Und dann wurde es richtig klasse. Die Brauerei wurde nämlich 1960 an die damaligen Eiskeller der Brauerei verlegt. Und diese sind heute noch begehbar und auch mit Gruppen zu besichtigen. Ich steh total auf Keller und Katakomben. Vor allem, wenn dort auch in früheren Zeiten das Bier vergoren und gelagert wurde. Die acht historischen Keller umfassen eine Länge von 276 Metern.

Die riesigen Keller haben ihren Ursprung in dem Stubensandstein. Dieser wurde hier abgebaut und zur Speisherstellung beim Bauen und zur Glasherstellung verwendet. Dieser kommt hier in der Region um Ellwangen vor und ist eine echte Besonderheit.

Auch die alten Kühlmaschinen sind erhalten, aber außer Betrieb.

Bevor diese von Herrn Linde in den 1870 igern erfunden wurde, haben die Brauer noch richtig aufwändig das Eis in den Eisweihern schlagen müssen. Mit diesem wurde dann die alten Holzlagerfässer über den Sommer gekühlt. Schaut mal was für ein seltenes Foto der Alexander gefunden hat…..

Wieder ans Tageslicht zurückgekehrt, hat uns dann der Alexander noch in den Bauereigasthof eingeladen. Dieser wird von seiner Schwester geführt. Mein Geheimtipp: Altstadtrundgang,  Brauereiführung und dann als Abschluss ausgiebiges Schlemmen mit gutem Bier im Gasthof. Und übernachten könnt ihr auch noch. Lohnenswert.

Mein Fazit: Sudhaus, Keller und Edel Export in Ellwangen. Was gibt es Schöneres? Vielen Dank Alexander.