Hopfenhacker oder – Kill Bill

Hopfenhacker

Gestern hat Münchens jüngstes Craftbeer Brauereile eröffnet – der Hopfenhacker. Da wollte ich natürlich dabei sein – und aufi, ab noch Minga – mitten ins Szeneviertel Haidhausen. Dort angekommen, erstmal klingeln…..

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…. und eintreten ins Institut zur….

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Die Hinterhofatmosphäre – sehr cool und absolut szenig. Dort hat sich mein Namensvetter und Braumeisterkollege Werner Schuegraf in einer ehemaligen Bäckerei seinen Traum vom Brauen erfüllt.

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Werner II hat nach seiner Lehre zum Brauer und Mälzer bei der Spatenbrauerei erfolgreich sein Brauerstudium in Weihenstephan absolviert. Brauerfahrung hat er unter anderem auch reichlich bei der Isarbräu und der Fliegerbräu gesammelt.

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Münchens neuester Craftbeer Hotspot ist sehr sehenswert und mega lässig eingerichtet. Werners künstlerisches Talent schlägt nicht nur bei der Bierqualität und der Etikettengestaltung voll durch….

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Das Sudhaus der Fa. JPD hat Werner aufgrund seiner Erfahrung im Brauereianlagenbau echt cool feingetuned. Denn nur mit und durch optimale technische Voraussetzungen lassen sich solche bemerkenswerten Beerflavours zaubern. Werner braut sechs verschiedene Bierspezialitäten, drei qualitativ echt bemerkenswerte craftige Vertreter sind auch dabei. Das West Coast Ale Roter Wuiderer, das Kill Bill, ein würdiger deutscher Wit Bier Vertreter, gebraut mit Kreuzkümmel und Koriander. Und noch das IPL, ein Imperial Pale Lager.  Besonders angeturned hat mich jedoch seine “klassische Biervertreterin” - die Hanf Weisse. Fly fly away…..

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Abgefüllt wird noch von Hand…..

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….aber dafür wird das Bier schon in die heimlich- unheimliche Craftbeermetropole Berlin exportiert und im Meisterstück ausgeschenkt.

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Mein Fazit: Hände hoch oder – Kill Bill. Gebraut mit frischer Bergamotte. LECKER!

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The smooth Operator – Schlossbrauerei Odelzhausen

www.schlossgut-odelzhausen.de

Auf dem Heimweg, gleich hinter München, bin ich auf dieses Schild gestoßen. Da habe ich sofort Jugenderinnerungen bekommen. Während des Studiums in Weihenstephan sind wir oft auf dem Weg nach Hause an diesem heiligen Ort der Brauereien eingekehrt, um den von uns gefeierten Operator zu verköstigen. Also – Blinker links – und – a la Queen: “Don´t stop me now”.

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Nach herzlicher Begrüßung ging´s gleich hinab in die tiefen ehrwürdigen Gewölbe der Schlossbrauerei, vorbei  am Fummel Bunker……..

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…. an gefährlich lauernden Tieren….

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…. zum tief unter der Erde gelegenen 20 hl Sudhaus. Das, soweit mir bekannt, tiefst gelegene seiner Art. Dort hat uns Roman Eidelsburger, seines Zeichens Brauer in der Schlossbrauerei, super kompetent die Feinheiten des Kaspar Schulz Sudhauses Baujahr 2002 erklärt. Roman hat seine Bierbraukunst bei der Kapplerbräu Altomünster erlernt und braut mit viel Herzblut und Sachverstand seit 2012 die drei Leckereien der Schlossbrauerei.

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Die Hauptsorte Helles mit 12% Stammwürze, das Dunkle mit 12,5% und den legendären dunklen Doppelbock Operator mit sportlichen 18,5%. Alle mit dem Infusionsverfahren und der guten Hallertauer Perle. Der Operator wurde 1963 als Festtrunk zur Eröffnung des Münchner Nationaltheaters gebraut.

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Dann stießen wir immer tiefer……

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….und tiefer…

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…bis zu den heiligen Hallen des Gär- und Lagerkellerbereichs vor. Fast kathedralenartig öffnet sich dieser mit top modernen Nerb Lagertanks. Genial!

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Nach der Hauptgärung wird das gute Bier mit Restextrakt aus den Gärtanks in die Lagertanks geschlaucht. Nach ca. 6 Wochen, der perfekten Reifezeit der Odelzhausener Biere, wird dieses glanzfein über den altehrwürdigen Kieselgurschichtenfilter filtriert….

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…. bevor sich das Bier mit dem Schlossbrauerei-Truck auf den Weg zu den Operatorfans macht. Schöööön.

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Mein Fazit: Operator – the best of the best - mit Sülze im Bräustüble - I love it.

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Kommunbräu Kulmbach – the black death

www.kommunbraeu.de

Solltet ihr mal in Kulmbach verweilen, habe ich Euch einen echten Tipp. Auf dem Weg zur Plassenburg, dem historischen Wahrzeichen von Kulmbach, lädt das Kommunbräu zum Umtrunk mit Stärkung ein. Genau richtig gelegen, um sich auf den beschwerlichen, aber lohnenswerten Aufstieg optimal vorzubereiten.

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Das Kommunbräu wurde 1994 geöffnet, nachdem einige der wackeren Bierbürger Kulmbachs sich der Marktmacht der Kulmbacher Brauerei überdrüssig wurden. Ziel war der Erhalt der Biervielfalt und des Kulmbacher kollektiven Bierwissens. So gründeten sie das Kommunbräu, angelehnt an die Tradition der Kommunbrauhäuser der fränkischen Schweiz. Diese wurden von den Kommunen betrieben, um Bürgern mit Braurecht das Brauen auch ohne eigene Brauerei zu ermöglichen.

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So gilt das Kommunbräu als einer der Vorreiter der Hausbrauereibewegung in Deutschland. Auch heute können übrigens immer noch Anteile erworben werden – will heißen – wenn ihr Euch mal als Brauereibesitzer fühlen wollt, oder einen Anteil an dem schönen Kupfersudhaus besitzen wollt - legt los.

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Damals sehr gemütlich eingerichtet, trifft genau dieser Stil den heutigen Zeitgeist.

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Jedes Kommunenmitglied besitzt im Übrigen neben seinem Anteil einen eigenen Bierkrugparkplatz.

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Dann ging´s los mit der Stärkung. Das Dunkle – der absolute Wahnsinn in Kombi mit dem leckeren Scheufele. Ein echter Heilsbringer….

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…. und nach dem zweiten Dunklen war ich mega satt und immer noch durstig. Das Tiefschwarze hat mich mitten ins Herz getroffen….

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…. und beschwingt fröhlich auf die Plassenburg getragen.

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Mein Fazit: Werner, der schwarze Ritter auf der Plassenburg – PROST!

 

 

Waldhaus – Der Naturhopfer aus dem Schwarzwald

www.waldhaus-bier.de

Ich war im Rahmen eines Familienausfluges im wunderschönen Südschwarzwald. Natürlich geht das nicht ohne eine der momentan wohl angesagtesten Brauereien in Deutschland zu besuchen. Angereist bin ich mit dem hauseigenen Helikopter, um den Mythos Waldhaus zu erforschen :-)….

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Los ging es im wunderschönen Kupfersudhaus. Auf die Kupfergefässe wollen und werden die Waldhaus Bierzauberer auch in Zukunft nicht verzichten. Kupfer im Sudhaus ist in Waldhaus alternativlos. Genauso wie der kompromisslose Einsatz von Naturhopfen - in dieser Konsequenz wohl einmalig. Da haben sogar meine Kids gestaunt….

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Um diesen Mythos Waldhaus zu ergründen, hat mich der Chef persönlich durch seine Okkultbrauerei geführt: Dieter Schmid, Dipl. Braumeister Weihenstephan und Betriebswirt, seit 1997 am Ruder des rein familiengeführten Mittelständlers. Im Sudhaus sind wir auch auf einen magischen Kupferspiegel gestoßen…

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Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist der erfolgreichste Brauer im ganzen Land :-)?

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Und dann hat er mir eines seiner Geheimnisse gelüftet. Naturhopfen pur in Reinstformat – und von diesem – nur der Beste.

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Im Lagerkeller, einem der modernsten seiner Art in der Betriebsgröße bis 100.000 hl p.a., bin ich aus dem Staunen nicht mehr herausgekommen. Hier wurde mir einiges klar. Dieters Vater hat schon früh konsequent in beste Technik investiert und somit Dieter und seinen Brauermannen die Voraussetzung für den heutigen Erfolg gegeben. Beste technische Voraussetzung ist Grundlage für beste Bierqualität.

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Diese haben wir natürlich auch gleich vor Ort im Lagerkeller überprüft. Das Haupt- und Hausbier, Waldhaus Diplom Pils frisch gezwickelt und unfiltriert. Unschlagbarer Hopfentraum. Super lecker! Kein Wunder räumt Dieter mit seinem langjährigen Braumeister Herrn Vötter alle relevanten Bierpreise der Welt ab. Vom ITQI in Brüssel, European Beerstar bis zum Bundesehrenpreis der DLG und entwickelt sich deshalb wohl auch seit Jahren gegen den Wettbewerb zweistellig pro Jahr….

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Danach wird der lecker Stoff noch mit sauberster Technik schonend kieselgurfiltriert…

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…bevor wir dann den Abschluss im Brauereigasthof feierten. Ein kulinarisches Highlight, bis in die Schweiz beliebt.

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Aber nicht, ohne Dieters neuste Craftbeerinnovation, den Hopfensturm zu verkosten. Ganz nach dem Motto vom Cheffe persönlich: “Craftbeer ist Bier, bei dem man nicht weiss, was hinten rauskommt”. Dieter, nicht nur dieser Sud ist mega lecker – ein echter Hopfensturm.

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Mein Fazit: Mythos Waldhaus – Die Qualitätsfanatiker aus dem Schwarzwald - oder – dem Naturhopfen sei Dank. Und Dir, lieber Dieter ebenso.

Günther Bräu – wie ich mich freu

www.guenther-braeu.de

Oh du wunderschönes Franken. Habe im Rahmen des Biersommeliertreffens in Bayreuth und Kulmbach das Programm durch einen Besuch bei meinem Weihenstephaner Studienkollegen Peter Günther in Burgkunstadt erweitert. Ziel des Besuchs war die Besichtigung seiner neuen Braustätte außerhalb des alten Stadtkerns im neuen Industriegebiet und der historischen Braustätte innerhalb desselben.

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Herzlich war das Wiedersehen am Brauereieingang. Bräuer, wie wir Peter seit dem Studium nennen, hat die Brauerei inklusive Flaschenabfüllung und Verwaltung 2004 verlegt.

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Die Generalplanung hat das Ingenieurbüro Gaissmaier zu Bräuers vollster Zufriedenheit übernommen. Dieser historische Schritt der Brauereiverlegung wurde technisch wie betriebswirtschaftlich detailliert vorgearbeitet und optimal realisiert.

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Das neue Sudhaus arbeitet energieoptimiert, d.h. die Sude werden vollautomatisch unter allen Gesichtspunkten neuester technologischer Aspekte im Infusionsverfahren gebraut, also ohne Teilmaischekochung. Die Spezialmalze, die Bräuer gerne bei den meisten seiner Bierspezialitäten einsetzt, bezieht er von der Mälzerei Ireks gleich um die Ecke aus Kulmbach.

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Vergoren werden die Leckereien in den bewährten Edelstahlgärtanks, die schon in der alten Brauerei seit 1990 ihren Dienst getan haben. Die Hauptsorte ist sein Pils, seit 1999 wird auch obergäriges Weissbier vergoren.

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Frisch aus dem Lagertank gezwickelt und ambulant verkostet haben wir mein Lieblingsbier aus dem Hause Günther, das untergärige 1998 erstmals eingebraute Bernsteinbier. Super süffig und mega lecker entwickelt sich das Gebräu immer stärker auch außerhalb seines Kernabsatzgebiets um Kulmbach.

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Bemerkenswert ist die Ausstattung des Flaschenkellers für die Brauereigröße von ca. 10.000hl p.a.. Hochmodern und sehr effizient.

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Dann ging es in die ein paar hundert Meter entfernte ehemalige Brauerei im historischen Stadtkern von Burgkunstadt. Seit 1840 wurden hier die Bierwürzen vergoren, die ehemals im Kommunbrauhaus gebraut wurden. Vor Ort wurde seit Erstellung des Sudhauses 1952 gebraut.

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Bräuer braut seit 1991 im elterlichen Betrieb, nachdem er die Brauerlehre 1982 als bester Deutscher Brauerlehrling abgeschlossen hat und sich 1991 mit seinem Abschluss zum Dipl. Braumeister Weihenstephan die Brauerkrone aufgesetzt hat.

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Nostalgisch und in die gute alte Bierzeit zurückversetzt habe ich mich im Innenhof gefühlt. Der Blick auf die  Brauerei mit Malzboden und Sudhaus, klassisch und nur noch sehr selten zu finden.

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Beeindruckend die Direktbefeuerung des alten Sudhauses. Hier haben wir uns richtig vorstellen können, wie mühsam es Bräuer beim Anfeuern der Maischepfanne mit Holzscheiten gehabt hat. Insbesondere nach intensiven Bierverkostungen an Abenden davor…

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Durch das Brauen mit historischer Anlagentechnik aus altehrwürdigen Zeiten hat sich Bräuer ein unglaubliches Wissen und Erfahrung angebraut. Diese  Erfahrung schlägt spätestens beim Trinken seiner Bierspezialitäten als bemerkenswerte Qualität wieder am Gaumen auf.

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Sehr schön und absolut sehenswert der alte Läuterbottich mit Läutergrand, mit dem die Abläuterungsgeschwindigkeit und somit auch die Glanzfeinheit der Würzen beeinflusst wurde.

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Ein Highlight für jeden Bierlover und Genussmenschen ist der Besuch der historischen Brauereigaststätte neben der alten Brauerei, die noch heute von Bräuers Mutter geführt wird. Bekannt für die Bierraritäten aus dem Hause Günther und die leckeren Göckele…..

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Mein Fazit: Bräuer sei Dank – Burgkunstadt gleich Bierkunstadt. Schön wars!

Beer meets Whisky – im Getreidehimmel

Beer & Whisky? Das hört sich für mich als Bier-Ultra fast so an wie Fremdgehen. Habe mich auf die neue Romanze trotzdem eingelassen, nachdem mich der ausgewiesene Stuttgarter Whiskykenner und Cheffe vom Jazzclub Bix, Jens Ölkrug, dazu bei unserem gemeinsamen Pretasting in der Imme überredet hatte. Dort haben wir fünf verschiedene Biere mit fünf ausgesuchten Whiskys gepaart und diese gestern live on stage im Bix vor vielen interessierten Bier- und Whiskylovern präsentiert.

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Als erstes Herrengedeck haben wir Schönbuch Jäger Spezial, ein altväterliches Exportbier mit 5,7 Vol.%, mit Glenrothes sherry cask reserve gereicht. Zuerst das lecker Bier auf die Zunge gelegt und dann den edlen Schotten drüber laufen lassen. Ein WOW ging durch den Saal. Malt – the same heart of the thing – war hier ganz deutlich zu schmecken.

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Weiter ging es mit Torpedo IPA und Auchentoshan three Wood. Der Whisky hat sofort die geile Hopfenbittere des IPA wegezaubert. Mega Kombi war die zwischen dem Schönbuch Weizenbock oak aged, will heißen neun Monate im Bourbon Fass gereifter Weizenbock, und dem Knob Creek rye. Die Potenzierung der Potenzierung zwischen Vanille und Bananenaromen. Supergeil!

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Danach haben wir Fullers London Porter mit Ardmore traditional cask vereint und als Hammer Abschluss mein Lieblingsbier Trappistes Rochefort 8 mit Laphroaig quarter cask. In diesem letzten Akt ging das Spiel anders herum. Hier haben wir zuerst den Whisky auf die Zunge gelegt und dann das Rochefort drüber gelassen. Unglaublich. Der Schweigemönch hat den intensiven Torfcharakter des Whiskys weggeblasen bevor nach einem kurzen Glücksgefühl der Torf klammheimlich mit voller Wucht wieder um die Ecke kam.

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Mein Fazit: Beer & Whisky – Fremdgehen leicht gemacht.

Big Al´s Meantime Brewery – Greenwich 0° 2´12´´

www.meantimebrewing.com

Wofür ist Greenwich bekannt? Natürlich für die Meantime Brewing Company und deren legendären Tourguide Big Al. Dort angekommen, wurde mir jedoch auch erzählt, dass durch Greenwich der Nullmeridian laufen soll und die Zeitzone  Greenwich Mean Time nach der selbigen Brauerei benannt wurde :-)

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Gegründet wurde die Meantime als eine der ersten modern style Craftbeer Breweries in Great Britain durch Alastair Hook im Jahre 2000. Alastair, Dipl. Braumeister Weihenstephan und Brewer of the year 2015, zählt wohl zu den bekanntesten Bierikonen Englands. 2015 hat er die Brauerei an SAB Miller verkauft, die über AB- Imbev nun durch deren Megadeal mit SAB Miller bei Asahi Group Holdings gelandet ist.

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Von Big Al in Empfang genommen ging´s gleich ins Herz der Brauerei. Im Sudhaus werden im Jahr um die 150.000 hl eingebraut. Zwölf all year beers und ca.30 limited brews, wie seasonal und collaboration brews. 40% des Ausstoßes sind Pale Ale, am besten genossen mit Calamaris (Tip von Big Al). Das Pale Ale hat 35 IBU´s und wird mit 5% Crystal Malt, bitte nicht verwechseln mit Crystel Meth, verfeinert.

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Dann haben wir es uns erstmal gemütlich gemacht und über das Thema Rohstoffe philosophiert. Die meisten Biere bei der Meantime werden nach dem Reinheitsgebot gebraut, hierzu gehört z.B. nicht das IPA, bei dem interessanterweise auch Kandiszucker mit verwendet wird. Das London Lager wird mit hellem Gerstenmalz aus der Region Suffolk gebraut, sonst werden gerne auch verschiedene Spezialmalze aus dem Hause Weyermann verwendet. Nur beim dunklen Malz waren wir nicht einer Meinung. Zitat Big Al: “This tastes like shit”.

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Big Al ist ein echter Fan von deutschem Hopfen. Der Spalter und der deutsche Cascade in seinem Meridian Lager haben es ihm besonders angetan. Das Coffee Porter ist übrigens das erste Fairtrade Beer auf der Insel, gebraut mit Maraba Kaffeebohnen aus Ruanda. Dann ging´s weiter zu dem Gär- und Lagerkellerbereich.

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Toll inszeniert ist der Lagerkeller. Die Tanks wurden teilweise mit in den Shop integriert. Gelagert werden die Biere bei der Meantime mindestens 6 Wochen. Hierauf legen die Brauer besonderen Wert. Auf diese “six weeks maturation” wird deswegen auch überall werblich besonders hingewiesen.

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Danach ging es zum Verkosten in den Tasting Room. Dieser ist ganztägig geöffnet und einen Besuch wert.

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Big Al hat uns dann mit einer bemerkenswerten Leidenschaft und seinem uniquem Enthusiasmus die Biere vorgestellt und verkosten lassen. Der Absolute Wahnsinn.

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Besonders angetan hat es mir das Yakima Red. Gewürzt wird das Bier mit dem gleichnamigen Hopfen aus dem Yakima-Tal in den USA, aus dem 77% der amerikanischen Hopfenernte stammt. Lecker - lecker Karamellnoten,  zum Reinlegen. Ganz nach dem Motto von meinem neuen Bierfreund Big Al “Might the best of your past be the worst of your future” haben wir dann die für mich wohl energiegeladenste Bauerei Challenge ever durch einen Hotspot der englischen Craftbeerbewegung bei gutem Bier und lecker Food gemütlich ausklingen lassen.

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Mein Fazit: Frei nach Big Al: “I want to bring the beerworld together” My big friend – I love you.

Bräuhaus Ummendorf – dem Blauen auf der Spur.

www.braeuhaus.de

Bin neulich durch eine Empfehlung von Thomi vom Craftbeer-Laden in Reutlingen www.bierladen-reutlingen.de auf ´s Blaue vom Bräuhaus Ummendorf aufmerksam gemacht geworden. Die Verkostung des Selbigen hat mich sofort dazu motiviert, mich auf die Spuren dieses leckeren Gebräus zu begeben. Ummendorf, in der Nähe von Biberach gelegen, ist ein schönes Dorf, die örtliche Brauerei noch viel schöner. Voll idyllisch und alles blitzsauber.

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Wir wurden von Stefan Dobler, der die elterliche Braustätte in 5. Generation seit anno 2000 leitet, herzlich vor dem Brauerei - Kontor/Braumarkt empfangen.

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Stefan hat von 1993 bis 1996 in Weihenstephan studiert und danach noch BWL in Pforzheim draufgesetzt. Ohne viel Umschweife ging es gleich ins Herz des Ummendorfer Bräuhauses. Dort braut Stefan alle seine Leckereien mit Infusionsverfahren, viel Leidenschaft und bemerkenswerter Fachkompetenz ein.

´S Blaue, ein astreines Spezial mit 12,5% Stammwürze und Hauptbiersorte der Brauerei, hat seinen Namen vom Vorgängeretikett, das ganz in Blau gehalten war. So hat ein Liebhaber dieses Bieres nach dem Zapfenstreich vom Kreismusikfestival beim Nachhausegehen Stefan gefragt: Host mir no a Blaues?

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Die Brauerei ist umringt von 3 Kirchen und so kann man behaupten, dass Stefan hier mit göttlichem Beistand braut. Das kann ich persönlich bestätigen, den nach dem Verkosten der Biere meine ich: Hier handelt es sich fast schon um Göttertrank.

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Die Sudpfanne ist ein echtes Unikat, denn sie wurde als Gesellenstück von Hand vom ehemaligen Betriebsleiter der Fa. Jakob Carl, Herrn Dietrich, gebaut.

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Wunderschön integriert und mit fast schon kaskadenartiger Anmutung, der Läutergrant zum Abläutern der Ummendorfer Bierwürzen.

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Mein persönliches Highlight, wie kann es anders sein als bekennender “offener Gärbottich – Fetischist”, die Hochkräusen im Gärkeller. Für mich Biererotik pur, wie geil.

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Bemerkenswert ist die Optik der abgeschliffenen Lagertanks. Hundertwasser wäre total ausgeflippt. Hier lagern Stefan´s Bierraritäten. Leider nur saisonal: ´s Goldene- sein märzenstyle Weihnachtsbier, ´s Rote- ein helles Bockbier mit 16% Stammwürze und sein kölschstyle Sommerbier – das einzige obergärige Bier im Hause.

Ganzjährig reift  ´s Angele- sein lecker Pils und Placidus Cobaldus dunkel. Benannt nach dem Abt Placidus Kobolt, Erbauer des Brauhauses des Klosters Ochsenhausen im Jahre 1681.

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Seine heimliche Liebe gilt dem Brennen. WOW und super hippster ist sein Spunder. Gebrannt aus feinem Bockbier lagert Stefan diese whiskystyle Geistlichkeit bis zu 3 Jahre im Holzfass. Der Name Spunder kommt von Spund, das ist die Öffnung am Holzfass, durch die das Fass befüllt und gereinigt wird.

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Nach der Brauereichallenge ging´s ins Bräustübel, das Stefan auch selber betreibt.

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Mein Geheimtipp, Placidus Cobaldus dunkel mit Rinderzunge auf Kapernsauce. Soooo arg lecker.

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Mein Fazit: Bräuhaus Ummendorf, ein himmlisches oberschwäbisches Biervergnügen.

Ale, Ale, Ale – Beerfestivalhopping in London

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Wenn im August an einem Wochenende in London gleich zwei angesagte Beerfestivals anstehen, dann kann ich nicht anders. Hotel buchen und ab Richtung Ales. Das Great British Beerfestival in der ehrwürdigen Olympia – Halle in Kensington war mein first Stop.

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Als erste Anlaufstelle habe ich mir meine liebste Londoner Brauerei in der Kategorie Traditionsbrauereien, die Fuller´s ausgesucht.

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Mit ihrem lecker Black Cap Stout bewaffnet ging´s ab in die Menge und auf Beerscouting Tour.

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Zweiter Stop, Real Ales antesten. Harter Job, denn der Weg durch trinkfreudige Engländer in Volksfeststimmung zum The Swan Stand “wird kein leichter sein”.

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Belohnt wird der beernerd visuell durch den coolen Zapfhahn-Highway und organoleptisch durch das mega leckere Oracle aus der Salopian Brewery, ein fresh sparkling vibrant sunflower gold citrusy Ale. Hammer.

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Genial, die Fassbierorga hinter den Kulissen. Da benötigt der Zapfer echt Draftkompetenz. Die Jungs und Mädels hinter den goldenen Hähnen des Bierolymp waren allesamt recht gut in Sachen Bier geschult.

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Für die Auszeit, for smoking or something else, waren extra Tische im Roulette-Style aufgebaut. Sein eigenes Glas wieder finden – ein Royal Flash.

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Gesehen – gelacht – und weiter ging es zum Real Craftbeer Festival mit der Tube zu der Station Bethnal Green am Ostrand der Millionenmetropole. Bei dieser Industriebrachenkulisse waren wir echt gespannt auf das, was uns innen erwartet.

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Über 30 geniale Craftbeer Brewer, die meisten aus UK, haben uns empfangen. Ein Vertreter aus good old Germany, Tilmans, war ebenfalls mit am Start.  Doch vorher war über die spannende Frage zu meditieren…..

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Innen total cooles Ambiente, der DJ mitten drin und jede Menge super nette hipster craftbeerfreaks .

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Nicht nur die Biere waren durch die Bank bemerkenswert, sondern auch der Style von manchen Craftbeer-Schänken.

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Jedenfalls kann ich Euch dieses Festival wärmstens an Euer Craftbeerheart legen, denn die Besucher wie die Brauer waren super geil drauf….

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…. und so habe ich manches interessante Gespräch führen und dazu lecker Ale trinken können.

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Mein Fazit: Ein Cheers auf das Craftbeer Festival London – I like it!

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Am Anfang war das Korn – Braugerstenernte im Schönbuchland

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Es ist Erntezeit im Schönbuchland. Da habe ich mich doch gleich aufgemacht, um Euch hierüber zu berichten. Auf meinem Weg nach Altdorf bin ich an einem frisch abgeernteten Braugerstenfeld im Nirgendwo zwischen Hildrizhausen und Steinenbronn vorbeigedüst. In dieser Gegend wird der Bedarf an Braugerste von ca. 20 Landwirten für die Schönbuch Braumanufaktur auf ca. 100 ha (1.000.000 m2) angebaut. Bei einem Ertrag von ca. 6 Tonnen/ha entspricht dies ca. 600 Tonnen.

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Die Altdorfer Mühle wird von den Brüdern Ruthardt geleitet und wurde 1487 (!) erstmalig urkundlich erwähnt. Direkt nach dem Einbringen der Ernte fahren die Landwirte zur Mühle. Dort wird als Erstes eine Probe entnommen….

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… und von den Chefs persönlich genau untersucht. Und zwar auf Wassergehalt, Eiweißgehalt und hl- Gewicht. Das Hektolitergewicht wird zur Festsetzung des Getreidepreises ermittelt und entspricht dem Gewicht von 100l Getreide.

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Die Altdorfer Mühle ist ein rein familiengeführter Betrieb und erfasst ca 3.000 Tonnen Getreide p.a. Karl Ruthardt ist übrigens der geistige Vater des regionalen Braugerstenkonzepts der Böblinger Brauerei. Vor ein paar Jahren wurde kräftig investiert und so gilt sie als Musterbetrieb in ihrer Branche. Neueste Steuertechnik, von der Annahme bis zur Verladung, vom Allerfeinsten.

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Wenn die Proben die Qualitätsvorgaben erreichen und keine Auffälligkeiten zeigen, darf abgeladen werden. Natürlich auch hier Handbonitierung, will heißen – das Auge analysiert mit.

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Bevor die Braugerste ins Silo darf, wird sie gereinigt, also von Fremdkörpern befreit.

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Danach ging es auf Klettertour auf das Silodach. Schwindelfreiheit vorausgesetzt.

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Echt beeindruckend der Blick ins Silo….

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… und auf die Mühle hinab. So schöööön. Und von der Mühle fährt die Gerste zur Mälzerei, wo sie verzaubert wird zu Braumalz, der Seele unserer guten Biere. To be continued……

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Mein Fazit: Charly, danke für den Einblick in dein Braugerstenuniversum.

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