Im Reich des fränkischen Sauerbiers – Brauerei Bayer Theinheim

www.bayer-heinheim.de

Knapp 30 km östlich von Bamberg, mitten im Steigerwald, bin auf einen ganz speziellen Vertreter fränkischer Braukunst gestoßen. Und zwar auf Helmut Bayer, bekennender Craftbeer Brewer und Biersommelier. Dieser braut heute in einer der mit 1200 hl p.a.  kleinsten Brauereien Frankens, seine kuriosen Bierspezialitäten. Im Brauereigasthof zum Grünen Baum werden übrigens schon seit fast 300 Jahren Biere gebraut.

Nach herzlicher Begrüßung ging es gleich los mit dem 40 hl Edelstahlsudwerk von Kaspar Schulz aus Bamberg. Hier im letzten Sudhaus vor „Wein – Franken“ tobt sich Helmut so richtig aus.

Von der klassischen Hauptsorte, dem unfiltrierten Landbier, bis zum Knörzla, einem bernsteinfarbenen ebenfalls unfiltrierten roten Lagerbier, wird hier einiges eingemaischt. Nach dem Sieden = Brauen wird die abgekühlte Bierwürze in die Gärtanks gepumpt und vergoren.

Helmut steht voll auf Dreifachgärung. Die erste in den Gärtanks,….

…die zweite in den Lagertanks und zu guter letzt die dritte in der Flasche. Bemerkenswert ist sein Dreifachbock, der nach Helmuts Dreifachgärung noch mindestens für 10 Monate im Congnac-Holzfass reifen darf.

Nach der Brauereichallenge ging es direkt in den Gasthof Grüner Baum, wo uns Helmut auf seine Expedition ins Bierreich mitnahm.

Als Einstieg haben wir sein flüssiges „Dörrobst“ verkostet. Ein mit 21% Stammwürze recht knackiges Sauerbier. Weiter ging es mit dem etwas weniger saurem, dieses Mal im Portweinfass ausgebautem Dreifachbock. Leeeecker. Die Krönung für mich war jedoch….

…das Cervinum. Das bierige Ergebnis  einer vergorenen Vereinigung von 50% Silvanermost und 50% Doppelbockwürze. Der volle Weinhybrid.

Mein Fazit: Sauer macht lustig 🙂

Auf den Keller fertig los – Die Oberhaider Kellergasse

In einer der wohl bierträchtigsten Gegenden der Welt, im Landkreis Bamberg, wurde, man höre und staune, bis ins 16. Jahrhundert hauptsächlich Wein angebaut. So richtig los ging es mit dem guten fränkischen Bier erst Ende des 17. Jahrhunderts. Zuerst hauptsächlich obergärig und erst etwas später auch untergärig. Wie wir wissen lieben die untergärigen Hefen kalte Gärungs- und Reifungstemperaturen. Und das ganzjährig. Aus diesem Grunde wurden die berühmte Oberhaider Kellergasse mit ihren zahlreichen tiefen Bierkellern angelegt.

Und diese wollte ich unbedingt erforschen. 2009 war Sanierungsstart, um diese auch der interessierten Bierenthusiastennachwelt zu erhalten. Auf der Karte sind alle 30 Keller akribisch eingezeichnet und kartografiert.

Der erste Keller wurde bereits 1796 urkundlich erwähnt. Hans Klamann war der erste Brauer, der seinen Keller dort anlegte. Weitere sollten ihm bald folgen. Die 29 Kellerbesitzer ließen ihr Bier allesamt beim Brauer vor Ort zu günstigen Konditionen brauen. Um das Bier aber in den Kellern zu vergären und zu lagern war ein Hausbraurecht erforderlich.

Um dies zu erlangen musste man ein Haus in Unterhaid besitzen und dem Gerstenanbau nachgehen. Dieses Braurecht gilt im übrigen noch heute.

Die Elektrifizierung Oberhaids nach 1924 war die Voraussetzung für den Einzug des modernen Kühlschranks. Dieser Epochensprung nahm den tiefen Bierkellern ihren Sinn und so endete 1950 die Bierlagerung in den selbigen.

1850 wurde über den Kellern der erste Biergarten angelegt. So entstand der heute noch gerne und oft benutze Ausspruch: „Lass uns auf den Keller gehen“. Natürlich wird dieser auch heute noch bewirtschaftet.

Um 1900 kam eine noch heute funktionsfähige Kegelbahn dazu, um die trinkfreudigen Gäste länger auf dem Keller zu halten.

Mein Fazit: Erst im Keller, dann auf dem Keller, da wird es dem Dinki immer heller.

 

 

wow wow – Auf ein Hop Hound nach Stockholm

www.stockholmbrewing.com

Auf meinem Streifzug durch den Szenestadtteil Södermalm in Stockholm hat mich meine Biernase direkt in die Höhle der Stockholmer Brewing Company gelockt.

2012 haben Nilas Jakobson und Thomas Hallgren in einer ehemaligen Papiertüten-fabrik ihren Jugendtraum in Form der Brauerei verwirklicht.

Die zwei sind echte organic freaks. Für ihre lecker belgian style beeinflussten Bierspezialitäten verwenden sie Holunderblüten aus Södermalm und Trauben aus Rosendal. Seit 2013 EU – biozertifiziert.

Gebraut und abgefüllt werden ca. 1000 hl p.a. auf engstem Raum – Tendenz stark steigend. Puh, da ist echtes Platzmanagement gefragt.

Das hop hound session IPA mit 4,7% Vol. und das Saison d´etre, vergoren mit belgischer Hefe, meine absoluten shooting stars. Und wer auf Sauerbier steht, der kommt am …..

… mit seinen easy 1,9% Vol. nicht vorbei. Seit 2015 dürfen die Jungs aus der Beercompany als erste schwedische Brauerei sogar ihre Leckereien vor Ort ausschenken. Nach jahrelangem gesetzlichen Hickelhackel war dies ein Novum in Schweden. Der Taproom extrem kultig….

… die Jungs und Mädels hinter dem Tap ganz schwedisch locker.

Mein Fazit: Sauerabendbier in Stockholm – lecker.

Sauber – sauberer – Brauerei Sonne Bischberg

www.sonnenbier.de

War mit ein paar Kumpels auf Brauereitour durch das schöne Frankenland. Bei trübseligem Wetter trafen wir auf die Sonne in Bischberg unverhofft. Auf die Bremse und rein ins sonnige Biervergnügen.

Christian Schuhmann, der Brauer der Familie Schuhmann, hat uns herzlich in seinem 36 hl Sudhaus empfangen. Die Familie braut seit 1856 in 6. Generation die sonnigen Bierspezialitäten in Bischberg. Christian hat seine Lehrzeit bei der Brauerei Spezial in Bamberg absolviert.

Die Brauerei zählt mit ihren 6.000 hl p.a. zu den modernst eingerichteten ihrer Größe in Bierfranken. Auf nur 400 m2 haben hier die super saubere Brauerei und der vom Bruder geführte Brauereigasthof ihr Zuhause. Der Gasthof hat 18 Zimmer, die sich bestens zum Übernachten nach einer ausführlichen Bierverkostung anbieten. Mega cool positioniert ist der Hopfengeber an der Edelstahlsudpfanne.

Bei jährlichem Wachstum von 5% wird hier jeder wertvolle Quadratmeter optimal ausgenutzt. Die Brauerei ist bis zum Gärkeller vollautomatisiert, ausgetrebert wird noch craftig von Hand.

Der Gär- und Lagerkeller wurde 2000 komplett modernisiert. Vergoren werden die untergärigen Bischberger Biere ganz klassisch bei 7-9°C. Auf lange Lagerzeiten, zwischen 6 und 8 Wochen, legt Christian besonderes Augenmerk.

Voll süß ist der Filter. Hier wird nicht nur filtriert sondern auch die Handschuhe vorgewärmt……

Dann ging es durch den Geheimgang direkt in die…..

…..Flaschenfüllerei. Hier füllt Christian auf sagenumwobenen 85 m2 alleine 180 Kisten köstlichsten Frankentrunk pro Stunde in die bottle.

Mit 70% vom Ausstoß ist das helle Lagerbier der Topseller, mega lecker ist der helle Sonnenbock und ein Muss im Brauereigasthof der Zunfttrunk dunkel mit Schäufele. Leeeecker.

Mein Fazit: Bischberger Bier – von der Sonne verwöhnt.

 

One Beernightstand in Riga

Bin mal kurz nach Riga, um dort die Craftbeerscene der lettischen Metropole zu erkunden. Wo geht das besser als auf dem dortigen Craftbeerfestival……

Und gleich rein ins Getümmel. Echt krass geil, was hier biermässig geboten ist. Die baltische Craftbeerscene hat sich extrem schnell entwickelt. Um Riga rum haben sich in den letzten Jahren ca. 20 beernerds ihren Traum vom eigenen Gerstensaft erfüllt.

Die Location, der Stadtpark von Riga, wie auch die ca. 40 Brauereien, echt super.

Mit dabei und mittendrin ist auch ein ganz großer Vertreter der hippen Braukunst. Die Delirium Tremens aus Brüssel mit ihrem pinken Elefant. Immer wieder lecker der bockige Langrüssler.   

Auch kulinarisch ist auf dem Festival was geboten. Was passt besser zu den stärkeren Biervertretern als…….

Im ganzen Craftbeertrubel tut ein kurzes Ruhepäuschen richtig gut… 🙂

Nach vielen guten Gesprächen und reichlich Verkostung der baltischen Leckereien habe ich ihn endlich gefunden. Meinen Top – Favoriten….

Die Brauerei wollte ich mir natürlich nicht entgehen lassen. Zu Fuss ca 30 min von der Innenstadt gelegen, haben die Jungs eine sehr coole Location in einem alten Backsteinensamble realisiert. Hier brauen sie ihre 40 verschiedenen Biere.

Der Taproom ist richtig kultig gemacht. Hier kann man sich gemütlich durch die 12 Fassbiere verkosten. Die Biere sind in 5 Farbgruppen eingeteilt. Grau – gelb – rot – schwarz und pink. Je nach Alkoholgehalt. Echt witzig.

Die Brauanlage wie das Bier – alles home made. Die Biere sind zum Teil im Infusionsverfahren, wie auch im Teilmaischekochverfahren gebraut.

Das ist die erste Sudpfanne mit Segelohren, die mir bei meinen Challenges begegnet ist. Voll strange.

Für Klein- und Versuchssude wird von den Jungs der Grainfather aktiviert.

Dann haben wir uns durch die Lagertanks gezwickelt….

… bis ich mich dann mit einem lecker Lielais Kristaps ( „der legendäre Fährmann von Riga“) verabschiedet habe.

Mein Fazit: Auf nach Riga.

 

Birra Carru – The liquid pizza

www.birracarru.it

Auf der Reise durch das wunderschöne Piemont in Italien bin ich auf der Suche nach ganz besonderen Brauereien fündig geworden. Mitten in einer nicht ganz unbekannten Weingegend in der Nähe von Alba, in der mancher Weinnerd sich dem Rebensaft hingeben soll, hat sich mir in einem unscheinbaren Hinterhof in  Carru unverhofft mein Bierherz geöffnet.

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Am diesem frühen Abend im Oktober wurde mir in der Birreria  Carru vom Cheffe Lelio Bottero persönlich Einlass gewährt. Zuerst ging es vorbei am brauereieigenen Flipper….

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… ins Sudhaus. Die Brauerei wurde erst dieses Jahr im Juli eröffnet. Lelio ist ein unglaublicher Beerfreak. Ursprünglich war er in einer Käserei Marketingleiter, als ihn plötzlich das Biervirus befallen hat. Nach 10 Jahren Partnerschaft mit dem italienischen Craftbeerguru und Mitbegründer der Szene, Teo Musso, hat er sich seinen Traum einer eigenen Brauerei verwirklicht. Das Startkapital hat er durch den Verkauf seiner selbstgeschriebenen Craftbeer – Bibel „Guida all apertura di un microbirrificio“ verdient. www.leliobottero.it  – oder grob ins Schwäbische übersetzt: „Anleitung zur Eröffnung einer Mikrobrauerei“.

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Das halbautomatische Sudhaus, gefertigt in Alba, hat eine Ausschlagmenge von 12 hl. Halbautomatisch, weil bis auf die Temperaturführung beim Maischen alles händisch gemacht wird. Real craft. Im rotweingeschwängerten Piemont gibt es zum Glück mittlerweile fast 50 Brauereien. Nach der Schrotmühle….

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… konnte ich mir im Hopfenkühlschrank auch andere Gewürze anschauen, die Lelio beim Brauen seiner herrlichen Bierspezialitäten verwendet. Alles biologisch, vom Kardamom bis zu den Orangenschalen für das Wheat Beer.

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Lelio vergärt nur obergärig mit verschiedensten Hefen zwischen 19°C und max. 25°C. Nach der Hauptgärung bleibt das Bier nach der Abkühlung noch ein paar Tage in den Tanks, dann wird filtriert und mit frischer Hefe unter Zusatz von Speise* in der Flasche nachgegoren. Wie übrigens auch meine Kumpels von der Brooklyn Brewery. Flaschengärung – lecker. (* Zusatz von Speise kurz mit Wernersprache erklärt – Zugabe von unvergorener Bierwürze).

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Die kleine feine Flaschenabfüllung made in Italy.

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Und dann haben wir verkostet. Die Biere sind allesamt unfassbar lecker. Bemerkenswert ist die drinkability der Biere. Hierauf legt Lelio großen Wert. Die meisten der Biere werden unter Zusatz von verschiedenen Mengen Muskatellermost vergoren. Zwischen 10% und 30% je nach Biersorte. Seine 4 Hauptsorten hat er passend zu den empfohlenen Speisen benannt. Für – Käse – Fleisch – Fisch und Pizza. Genial.

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Für Weihnachten hat er ein lecker Stöffchen mit 17% Stammwürze, Yule ist sein Name, unter Zugabe von 15 Kg bester Schokolade gebraut.

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Mein Fazit: Das beste am Wein ist das Bier danach. Lelio, 1000 Dank an Dich und deine Familie für die tollen Biere und die einzigartige Gastfreundschaft.

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Lehner – die Ruhe vor dem Sudhaussturm

www.lehner-bier.de

Eine sehr traurige Nachricht hat mich dazu veranlasst zu einer der für mich schönsten Brauereien im Zollern Albkreis zu fahren. Andi Klaussmann, Cheffe und Braumeister der Lehner Brauerei, hat mir so beiläufig am Telefon erzählt, dass er im Oktober ein neues Sudhaus bekommt… Whaaat the ….. Och nee….. Also schnell zum Andi nach Rosenfeld.

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Der Abschied tut mir sooo arg weh, denn ich bin total in das wunderschöne Ziemann Sudhaus verliebt. Ist auch noch derselbe Jahrgang wie ich, Baujahr 1967.

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Jetzetle müsst ihr halt einige Fotos von meiner scheidenden Liebe ertragen, ich bin soooo traurig… 🙁

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Ausgeschlagen wurden 80 hl….

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da bekomme ich meinen Mund nicht mehr zu….

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Andi Klaussmann hat bei der Brauerei Ketterer Hornberg Brauer gelernt und dann in der Brauerei Mellert im Kinzigtal gearbeitet, bevor er bei Lehner angeheuert hat.

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Ende Oktober wird das alte Sudhaus ausgebaut…..

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… und in 6 Wochen das neue Kaspar Schulz Sudhaus mit einer Kapa von 40 hl eingebracht.

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Die Brauerei Lehner ist seit 1999 eine Stiftung.

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Welch ein Stilleben….

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Bei diesem schweren Abschiedsbesuch hat mich die Crew der Kraftbierwerkstatt begleitet. Links – der Andi.

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Ein letzter Blick in den Läuterbottich zum wunderschönen Messingsenkboden…

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…danach der Blick zur Schaltzentrale des Raumschiffs Lehner.

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Wenn das der Spocki sehen könnte….

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Unter dem Sudhaus hat uns dann der Andi seinen Hopfenseiher erklärt. Dieser wird beim Einsatz von Naturhopfen benötig.

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Und der Blick ins Innere des Seihers.

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Danach ging es weiter in den wunderschönen offenen Gärkeller. Einer der letzten in Betrieb in Baden-Württemberg. Es ist schon sehr schade, dass selbst kleinere Brauereien auf geschlossene Gärung umgestellt haben. Was gibt es erotischeres als offene Gärung….?

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Ein Blick in einen leeren Gärbottich. Zu sehen ist die Kühlschlang, mit der das Jungbier währender der Gärung auf Temperatur gehalten wird.

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Meiner Meinung nach sind die Biere bei kaltem Gärverlauf und offener Gärung einfach einen Tick reiner als Biere, die in geschlossenen Gärtanks unter Druck vergoren werden. Aber auch hier scheiden sich natürlich die Geister die ich rief…

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Eines meiner Lieblingsmotive – hocherotisch…

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Der Andi vergärt seine untergärigen Spezialitäten bei max 12°C. Das Export mit 12,8 % Stammwürze ist die Hauptsorte. Das Landbier ist ein Cuvee aus Pilsner und Export, das Pils wird mit Naturhopfen auf 32 Bittereinheiten feingehopft.

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Und genau so sieht eine gesunde Gärdecke aus. Wunderschön.

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Unter den Gärbottichen ist der Versorgungsschacht. Von dort aus wird befüllt und entleert.

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Gereinigt wird nach alter Sitte von Hand mit dem Schrubber. That`s real Craft.

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Dann ging es tief hinab in den Lagerkeller. Andi schlaucht seine Jungbiere mit Restextrakt…..

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…dieser wird zur Nachgärung benötigt, um das gute CO2 im Bier zu binden.

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Dann wird das Bier filtriert…

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… bevor es in der Flaschenabfüllung in die bottle kommt.

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Ein ehemaliger Mitarbeiter hat im Keller ein kleines Museum eingerichtet.

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Sehr nett gemacht. Und dann ging es zur…..

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Verkostung.

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Direkt aus dem Lagertank gezwickelt, hat uns der Dunkle Winterbock mit 17% Stammwürze und 7,2% Alk. super lecker gemundet.

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Mein Fazit: Andi, ich komme wieder zur Besichtigung des neuen Sudhauses. Vielleicht verlieb ich mich ja wieder. Bitte lass noch ein bisserl Winterbock im Tank. Thanks für die super Gastfreundschaft.

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Störtebeker – Die Ostseepiraten

www.stoertebeker.com

Als alter Piratenfan hat mich der Wind auf meiner Reise nach Brauereischätzen in den letzten Winkel des hohen Norden getrieben. Nach Stralsund zur legendären Störtebeker. Im kalten Norden wurde ich herzlich von meinem geschätzten Studienkollegen aus Weihenstephaner Zeiten, Arnd-Henning Böttrich, empfangen.

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Nach dem ersten zünftigen Begrüßungsschluck ging es gleich los auf die Expedition „Bierschatzhebung“. Die 1827 gegründete Stralsunder Vereinsbrauerei wurde 1991 von der Nordmanngruppe erworben und Schritt für Schritt erst technisch und dann auch „marketingtechnisch“ modernisiert.

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Und das mit richtig viel Erfolg. Die Ostseepiraten machen locker 200.000hl leckerste Bierspezialitäten. Und das mit starken Zuwachsraten. Woher kommts? Das hat mich natürlich mega interessiert. Zweifelsohne liegt das auch mit an dem Modernisierungsgrad der Brauerei. Nicht nur optisch wunderschön gemacht, auch technisch optimal gelöst, hat mich das….

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… Sudhaus total begeistert. Hier werden die wilden Piratensude eingebraut. Vom legendären und weit über die Neun – Meilen – Zone hinaus bekannten Störtebeker Schwarzbier über das Nordic Porter bis zum Eis – Lager. Insgesamt um die 20 Raritäten, mittlerweile deutschlandweit im Fachhandel zu haben.

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Super automatisiert und klasse umgesetzt sind die Rohrzäune….

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… genial gemacht, die Doppelsitzventile an den Tankausläufen. Erwähnenswert sind die durchgängig sortentypischen Aromen der Bierspezialitäten sowie deren geschmackliche Reinheiten. Bei der Sortenvielfalt nur mit modernster Anlagentechnik und außergewöhnlichem technischen Know How von Arnd – Hennig und seiner Piratencrew möglich.

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Noch bemerkenswerter ist die markentechnische Umsetzung. In dem brauereieigenen Biershop habe ich mir ein Bild hiervon machen könne, wie die Piraten ihre lecker Bierchen den interessierten Biertrinkern schmackhaft machen. Klasse. Und das ist der Schlüssel zum Erfolg bei den Freibeutern aus Stralsund.

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Mein Fazit: Störtebeker, erfolgreiches Kapern durch höchste Qualitäten in Technik und Marketing. Das Säbelrasseln geht weiter.

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Brauerei Schlössle – 400 Jahre Craft

schloessle-bier.de

Mein bieriger Instinkt hat mich intuitiv zu einem echten Geheimtip für real beerlover geführt. Zur Brauerei Schlössle in Neu-Ulm. Herzlich vom Braumeister Volker Tillmann und Juniorchef Moritz Kaltenbacher empfangen, haben wir uns erst einmal den gastronomischen Teil meiner neuer Lieblingsbrauerei angeschaut.

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Die Brauerei, 1690 erstmals urkundlich erwähnt, wird in der 4. Generation von Christa und Werner Zoller geführt.

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Der Biergarten mit 400 Sitzplätzen und wunderschönem alten Kastanienbesatz wurde 2000, 2004, 2006 und 2012 zu einem der schönsten Biergärten Deutschlands gekürt.

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Dann ging es zur gegenüber liegenden Brauerei, die von Braumeister Volker und seinen 2 Lehrlingen geschmissen wird.

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Bis 2004 wurde noch im alten 20 hl Sudwerk mit direkter Holzbefeuerung gebraut, das 2005…..

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… vom neuen Nerb Sudhaus mit Maischautomatik abgelöst und in Rente geschickt wurde. Gebraut wird die leckere Hauptsorte Märzen mit 13% Stammwürze im Dekoktionsverfahren. Das wegen der höheren Energiekosten aufwendige Teilmaischekochen macht die Biere der Brauerei zu kernigen Raritäten.

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Dann ging es weiter mit Christa Zoller, die die Brauerei seit 1988 führt, in den Gärkeller mit seinen blitzeblanken Edelstahlgärtanks….

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… und hinunter in den modernisierten historischen Lagerkeller. Braumeister Volker, mit dem ich 1990 in der ehemaligen Staufen Brauerei in Göppingen gebraut habe, hat uns voller Leidenschaft die Geheimnisse seiner Biere aufgezeigt. Seit 1995 braut er die exzellenten Schlössle Biere.  Ein weiterer guter Brauerfreund und Bierexperte, Eric Toft von der Schönramer Brauerei, hat hier während seiner Berufsschulzeit in Ulm nebenher fleißig Flüssiges gebraut. Die Bierwelt ist sooo schön fein und  klein.

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Schon sehr früh, nämlich seit 2010, begann man im Schlössle auch moderne, international geprägte Bierstile zu brauen. Lange, bevor in Ulm und um Ulm und um Ulm herum beheimatete Brauer wussten, wie man Craftbeer ausspricht. Los ging es mit Schock – einem untergärigen Bockbier mit herrlicher Schokoladennote, bereichert und ergänzt durch die aktuellen Spezialitäten. Die Bierentwicklungen sind reine Familienangelegenheit.

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Verkostet und intensiv diskutiert haben wir die Biere im wunderschönen Biergarten. Mein Ranking: Bernsteinfarbenes Märzen, Georgsbier (dunkles Kellerbier und European Beerstargewinner 2014 und 2015) gefolgt von Chocolate Porter und High Five Hop.

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Mein Fazit: Brauerei Schlössle – da müsst ihr hin!

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Schönheit der Vergänglichkeit – Kosterbrauerei bad Herrenalb

Heute mache ich eine Reise in die Vergangenheit. Zur Klosterbrauerei nach Bad Herrenalb, zu der meine Familie eine ganz besondere Bindung hat. Begonnen hat diese durch die enge Freundschaft von Hermann Mönch und meinem Großvater Wilfried Dinkelaker. Fortgesetzt wurde diese durch die Ausbildung meines Vaters in Bad Herrenalb vor seinem Studium in Weihenstephan im Jahr 1956. Die Brauerei wurde 1863 durch Andreas Mönch gegründet und bis 1999 durch Hermann Lörcher betrieben. Die Bilder habe ich von Herrn Sebastian Graubner zur Verfügung gestellt bekommen, der kurz vor dem Abriss der Brauerei 2007, diese fotografisch verewigte. Sein Buch „Schönheit der Vergänglichkeit“ ist eines der beeindruckendsten seiner Art. Die Reise beginnt mit der Außenansicht der Brauerei und des Wohn- und Verwaltungsgebäudes…….

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….. und setzt sich fort mit der wunderschönen Rückansicht der Brauerei.

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Die Brauereianlagen waren allesamt Baujahr 1908 und bis zuletzt in Betrieb. Die Hauben des Sudhauses und des Läuterbottichs konnte ich erhalten und sind heute in den Brauhäusern der Schönbuch Braumanufaktur in Stuttgart und in Calw zu besichtigen. Ebenso war es mir möglich, die Holzgärbottiche, den Fassfüller und den Berieslungskühler bei mir in Böblingen einzulagern. Hierfür meinen herzlichsten Dank an Hermann Lörcher, Urenkel des Brauereigründers Hermann Mönch.

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Das Ziemann Sudhaus wurde schon damals mit Dampf beheizt. Ausgeschlagen wurden 43 hl, die Brauerei stellte bis zu 6000hl p.a. her. Das Sudhaus war wohl eines der schönsten seiner Art, das ich bei meinen zahlreichen Brauereibesuchen gesehen habe.

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Abgekühlt wurden die Würzen auf dem Kühlschiff….

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… vergoren in den hölzernen Gärbottichen. Meine Besuche in der Brauerei sind mir immer noch sehr gut in Erinnerung und so kann ich diese unserem heutigen Brauernachwuchs weitergeben. Dadurch erhalten unsere Jungbrauer einen Einblick in die damalige Bierproduktion und eine vage Vorstellung wie aufwendig diese war.

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Gelagert wurden die untergärigen Mönchschen Bierspezialitäten in Aluminium Lagertanks, gekühlt wurde, wie damals üblich, durch Raumkühlung.

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Der Dampfkessel wurde mit Kohle beheizt und mit 8 bar Betriebsdruck betrieben.

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Der Ammoniak Kältekompressor wurde über Transmissionsriemen angetrieben und war für die komplette Kälteversorgung der Brauerei verantwortlich.

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Hermann Lörcher kämpfte viele Jahre für den Erhalt der wunderschönen Gebäude und der einmaligen Brauereiausstattung aus dem Jahre 1908. Hierfür zolle ich ihm meinen größten Respekt.

Mein Fazit: Den Wert der Dinge erkennt man erst bei ihrem Verlust.

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