Auf den Spuren der Gose Teil 2 Gosenschenke „Ohne Bedenken“

Gosenschenke

Last but not least sind wir sind wir bei der „ältesten und jüngsten“ Brauereidestination in Leipzig eingeflogen. In die gute alte Gosenschenke „Ohne Bedenken“ etwas außerhalb des Zentrums der Buch- und Messestadt.

Ein absolutes Muss für jeden Beernerd. Nicht nur aus den USA, sondern aus vielen anderen Ländern pilgern die Bierinteressierten zu Jens Gröger in sein Gosenirvana. Der Biergarten mit seinen 300 Sitzplätzen zählt zu den 150 besten der Welt bzw. zu den 10 schönsten in Deutschland.

Jens Gröger war lange Jahre beim Vorbesitzer Dr. Hennebach Geschäftsführer und ist seit 2012 der neue Gosewirt. Seit Juli 2017 braut der Autodidakt auf der 3,5 hl Anlage seine herrlich erfrischende und sehr süffige Edelgose. Umgehauen hat mich sein Gosebock. Wie geil, erinnert an ein gut gebrautes belgisches Tripel.

Die obergärige Hefe bekommt er von Matthias Richter von der Gosebrauerei Bayerischer Bahnhof. Vergoren werden zwei Sude pro Gärtank. Da freut sich der Jens.

Die Gosenschenke wurde 1899 eröffnet, in der Zeit als die Gose und ihre Schenken die Blütezeit erleben durfte. Noch heute atmet die Schenke die Romantik der 1920er Jahre. Die umfangreiche Rekonstruktion und Sanierung im Jahr 1985 ist ein Traum. Die beste Uhrzeit für mich, diese Authenzität einzuatmen und mit der süffigen Edelgose zu genießen, ist zwischen 13.30 und 16.30 Uhr. Da macht das Gosetrinken richtig Spass. Es gibt einen Gosianer Stammtisch und auch Herr Putin war in seiner Lehrzeit beim KGB Stammgast in der Gosenschenke. Auf seinem Platz trinkt es sich richtig gut. Ihren Namen hat die Schenke übrigens von der Auskunft des ersten Kellners, der auf die Frage „Kann man das Zeug eigentlich saufen“? die Antwort gab: „Ohne Bedenken“.

Und nun zum Geheimnis der mystischen Flaschenform der Gose. Der lange Flaschenhals ist der Tatsache geschuldet, dass früher Jungbier aus den Gosebrauereien in die Schenken geliefert wurde. Dieses wurde von den Wirten zur Nachgärung in die Flaschen gefüllt. Die aufsteigende obergärige Hefe verschloss mit einem Pfropfen auf natürliche Weise die Flasche und wurde beim Ausschenken einfach abgeschüttelt. Je nach Lager- und Nachgärzeit konnte der Schankwirt so den Reifegrad der Gose für seine Kunden variieren. War die Gose übel sauer, wurde ein Allasch zur vorbeugenden Magenberuhigung dazu gereicht. Ein Kümmellikör, der seinen Weg aus dem Baltikum nach Leipzig fand. Links unten seht ihr ein original Allasch- und in der Mitte ein original Goseglas, jeweils aus der Gründerzeit

Und als Belohnung gab es zum Essen die Empfehlung vom Gosenwirt und Brauer Jens. Eine leckere Fettbemme. Mmmhhhh, ein absolutes Highlight.

Mein Fazit: „Was unter den Blumen die Rose, ist unter den Bieren die Gose“. Prost Jens.

Auf den Spuren der Gose Teil 1 Gosebrauerei Bayerischer Bahnhof Leipzig

Bayerischer Bahnhof Leipzig

Habe von einem Freund neulich eine Ritterguts Gose geschenkt bekommen. Gleich nach dem ersten Schluck hat mich das leicht säuerlich, trocken anmutende Bier, dass sich lt. Reinheitsgebot nicht Bier nennen darf, stark an eine belgische Geuze erinnert. Deshalb die Namensverwandschaft? Nein, nein. Der Name Gose stammt ursprünglich aus dem Stammland dieser Bierspezialität, aus dem Harz und hat ihren Namen von dem Fluss Gose. Dieser fließt knapp an Goslar vorbei. Wie die gute alte Gose gebraut wird, habe ich im Internet nicht wirklich finden können. Also auf nach Leipzig, wo heute die Gose noch gebraut wird. Und zwar in der….

… Bayerischer Bahnhof. Dieser wurde 1842 erbaut. Im Jahr 2000 wurde in den heiligen Hallen die heutige Gosebrauerei mit wunderschöner Gastronomie vom fränkischen Brauerspross Schneider aus Weißenburg eröffnet. Braumeister Matthias Richter hat mich herzlich empfangen, um mich in die Geheimnisse des Gosebrauens einzuweihen.

Matthias hat 1997 seine Brauerlehre bei Ur-Krostitzer begonnen und nach Abschluss von 2000 bis 2003 in Berlin seinen Dipl. Braumeister gemacht. Seit 2003 braut er eigenverantwortlich nicht nur die Gose sondern auch viele andere mega leckere Bierspezialitäten mit dem wunderschönen Kaspar Schulz 2- Geräte Sudwerk.

Die Ursprünge des Gosebrauens in Goslar gehen bis zu ca. 1000 Jahre zurück. Das Wasser im historischen Goslar war viel mineralhaltiger als das Brauwasser im heutigen Leipzig. Aus diesem Grund wird heute im Sudhaus Salz beim Brauen zugegeben. Vor 200 Jahren wurde die letzte Gose in Goslar eingemaischt und von den Gosen in der Gegend um Halle bis Leipzig beerbt.

Das Geheimnis ist, dass nicht die in deutschen Brauereien im Gär- und Lagerkellerbereich so gefürchteten Laktobazillen für den säuerlichen Geschmack verantwortlich sind, sondern der Säuregrad, bzw. der ph Wert um die 3,4, der im Sudhaus vor dem Würzekochen durch Zugabe derselbigen Laktobazillen eingestellt wird. Die Zugabe von Koriander im Sudhaus ist bei der Goseherstellung ebenso Pflicht wie bei den belgischen Witbieren. Die Koriandersamen sind für das schöne Zitrusaroma verantwortlich. Bemerkenswert für die ca. 2500 hl Brauerei ist die moderne 4 Walzenschrotmühle…..

….genauso wie der Pfaduko, der Pfannendunstkondensator, der für die Heiswasserrückgewinnung durch die Sudhausschwaden beim Würzekochen verantwortlich zeichnet. Eingemaischt wird mit 50% Weizen- und 50% Gerstenmalz. Gehopft wird die Gose auf rund 12 BE mit regionalem Hopfen aus dem zweitgrößten Hopfenanbaugebiet in Deutschland, der Elbe – Saale Region in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Vergoren wird mit einer eher introvertierten untergärigen Hefe, ähnlich der Kölschhefe.

Matthias hat seine Brauerei fest im Griff, alles tip top. Sehr modern eingerichtet ist auch der Gär- und Lagerkellerbereich mit Tanks aus dem Hause Schulz und Christian Gresser aus Regensburg.

Neben der Gose braut Matthias auch ganzjährig das Schaffner Pils, das Schwarzbier Heizer (mein Top Favorit) und ab und an rechts und links vom Mainstream. Z.B. eine Berliner Weiße mit Buchweizen, einen Gosebock (!) oder ein mit Hafer gebrautes Pale Ale. Was die berühmte Flaschenform  angeht, das verrate ich Euch später…

Die Gose mit allerlei vom Fisch, der Hammer!

Mein Fazit: Danke Matthias für die mega interessante Goseeinführung. Prost oder wie der Gosianer sagt: „Goseanna“!

Zur Dolly in die Rogg Brauerei – Määäh

braukollektiv

Wie angekündigt gibt es heute den versprochenen Blog von meinem Besuch bei den Jungs vom Braukollektiv im letzten Jahr. Mit dabei war mein Bierkumpel Olly von der Kraftbierwerkstatt links, in der Mitte Gil, der Fotograf aus dem Amiland und James, der gelernte Chemiker. 2014 wurde das Braukollektiv von ihnen mit drei weiteren Kumpels gegründet. Als Mietbrauerei haben sich die fünf Gypsies in der altehrwürdigen Brauerei Rogg, Gründungsjahr 1846, eingenistet.

Hier im Südschwarzwald in Lenzkirch, wo Hase und Igel sich gute Nacht sagen, trifft man in der Brauerei auf ein tolles Beispiel, das zeigt, dass alte und neue Braukunst sich nicht ausschließen müssen. Gleich neben der Bierfabrik in Rothaus und der aufstrebenden, prosperierenden Waldhaus Brauerei gelegen, wird hier in dieser wunderschönen ländlichen Gegend um jeden Hektoliter hart gefightet. Die Tradition und das Vergangene wird durch die Roggbiere verkörpert, die Moderne durch die Biere des Braukollektivs. Ebenso trifft in der Brauerei bei den technischen Anlagen Tradition auf Moderne.

Das Sudhaus von der Fa. Braukon mit einer Ausschlagmenge von 30 hl wurde 2009 eingebracht.

Die historische Variante aus dem Jahre 1920 wurde zum Glück erhalten und sehr schön hergerichtet.

Bei Rogg brauen aus Freiburg auch die Jungs von der Schwarzwald-Gold Braumanufaktur (Coco d´Or Tripel) und die Emma, das Bier ohne Bart. Soviel Gypsies in einer Brauerei, das ist sehr selten in good old Germany.

Mit dabei mein Kumpel AlloySius von Braukon. AlloySius ist der Vormaischer, der die Klumpenbildung des Malzes beim Einmaischen verhindert und nebenbei die Sudhausausbeute erhöht. Klasse Erfindung von den Jungs aus Seeon.

Nach dem Maischen und Kochen wird die gute Würze durch die Würzekühlung abgekühlt bevor sie in den Gärkeller zum Vergären geschlaucht wird.

Hier wartet schon voller Enthusiasmus crafty Gil, der Mann für schwierige Kalkulationen beim Braukollektiv (wieviel kg Gerstenmalz pro Sud und so….?).

Schon zu Lebzeiten zur Legende geworden und mein absoluter Favorit ist die Nr. 1 von Braukollektiv, das IPA Dolly. Ebenso lecker mundet frisch gezwickelt aus dem Lagertank der Horst, ein California Brown Ale. Jaque ein westcoast IPA mit fetten 80 IBU und das Pale Ale Ziggy sind echt was für Hopfenjunkies. Erhalten ist noch der alte Lagerkeller…..

… ein Kunstwerk und außer Betrieb, der ur- ur- alte Lagerkeller….

….und ganz modern, die heute im Betrieb genutzten Druck- und Lagertanks.

Mein Fazit: Rogg´n Roll in the black forest. Den Gypsies sei Dank. Cheers.

 

Eine Liebeserklärung – von Garrett Oliver

Bin beim Lesen des Vorworts des Atlas of Beer von National Geographic auf wohl eine der berührensten Liebeserklärungen für Bier gestoßen. Verfasst wurde diese von meinem geschätzten Kollegen Garrett Oliver von der Brooklyn Brewery, New York. Garrett hat mich 2012 durch seine Brauerei geführt und durch seine Leidenschaft und Fachwissen in Sachen Bier inspiriert. Eines meiner Lieblingsbierbücher ist übrigens „The Brewmaster´s Tabel“, auch vor vielen Jahren  von Garrett geschrieben. Ein Muss für jeden Bierliebhaber.

„Drei Jahrzehnte später, als Braumeister der Brooklyn Brewery habe ich Glückspilz die ganze Welt bereist, und das sitzend auf einem fliegenden Bierteppich. Ich habe Bier getrunken mit einem bayrischen Prinzen auf seinem Schloss; ich trank aus einem gemeinschaftlichen Bleicheimer in einem südafrikanischen Township; ich trank während dem Mittagessen inmitten blühender Hopfenfelder im Elsaß; ich trank in einem brasilianischen Zuckerrohrfeld; ich trank, als ich nackt im Schnee an einem gefrorenen See in Finnland stand; und ich trank direkt vor einem Kohlebrand in Derbyshire, während riesige Zugpferde vor der Tür auf ihrem Gras kauten. An all jenen Orten dankten die Menschen mir für das Brooklyn Bier ohne zu verstehen, dass diese Reisen mir das Bier schenkten.“

„Bier ist nicht nur Gerste, Hopfen, Hefe und Wasser. Bier bedeutet Liebe und Freundschaft, vereint Technologie und Magie, Bier stiftet Identitäten und prägt Sprachen, Bier kann Streitereien und Debatten auslösen, aus Bier entstehen Musik und Mode, es ist konservativ als auch revolutionär, Bier ist sowohl Vergangenheit als auch Zukunft. Im Bier lässt sich der Aufstieg der Zivilisation erkennen, durch Bier werden Nationen erlebbar, durch Bier erfahren wir die Wiedergeburt unserer Esskultur. Denn: Bier ist nicht nur eine Flüssigkeit. Bier ist die Menschheit selbst.“ (Die Übersetzung stammt aus der Feder meiner lieben Tochter Nina.)

Mein Fazit: „Folgen Sie den Pfaden und Sie werden mit Sicherheit mit Ihren eigenen großartigen Geschichten biergetränkter Reisen im Gepäck und einzigartigen neuen Freundschaften im Herzen nach Hause zurückkehren.“ Thank´s Garrett.

 

Brauerei Hönig Tiefenellern – zum Alfons in die fränkische Toskana

brauerei-hoenig

Auf meinem road trip durch das schöne Frankenland bin ich ca. 30 Fahrminuten östlich von Bamberg in Litzendorf – Tiefenellern spät am Abend auf Alfons Hönig und seine Brauerei gestoßen.

Seit 1478 besteht in Tiefenellern das Braurecht, seit 1778 wird die Brauerei, wie der dazugehörige Gasthof zur Post, von der Familie Hönig betrieben. Alfons, der zu Hause das Bierbrauerhandwerk erlernt hat, leitet heute die Brauerei, sein Bruder den Gasthof.

In dem wunderschönen 2-Geräte-Sudhaus, Baujahr 2004 mit einer Ausschlagmenge von 35 hl pro Sud, braut Alfons ganzjährig im Einmaischverfahren seine Hauptsorte Pils, Lagerbier „ungespundet“,….

…die Postillion Weiße mit Flaschengärung, sowie das legendäre Posthörnla „mit leichtem Rauchgeschmack“. Eingemaischt werden die fränkischen Leckereien mit 58°C, dann wird die Maische langsam auf 70°C erwärmt, die Teilmaische gezogen, gekocht und auf 78°C aufgebrüht.

Vergoren werden die Biere klassisch in modernen Edelstahlgärbottichen….

…und dann in die Lagertanks geschlaucht und vom jungfräulichen Jungbier zum fertigen Lagerbier ausgereift. Das Pils ist mit seinen dezenten 26 Bittereinheiten wunderschön zu trinken. Das Rauchbier Posthörnla hat 13,5% Stammwürze und wird, man staune, mit mehr Hopfen als das Pils beglückt.

Am Schluss wir noch filtriert bevor es ab in die Flasche geht. Gebraut und abgefüllt werden von Alfons und seinen 2 Brauern ca. 7.500 hl im Jahr. Die Abfüllanlage konnte vom Kloster Ettal erworben werden. Dann ging es in die Post zum lecker Posthörnla vom Fässla trinken. Lecker!

Mein Fazit: Posthörnla – I like it.

Zur Growler Besichtigung ins Lager Lager

lagerlager

What?

Das dachte ich, als mir mein Freund Janusch, Architekt und Vater der schönsten Szenebar Paul & Georg in Stuttgart, paulandgeorg, den hippsten Craftbeer Laden und Verkostungsraum Lager Lager in Berlin zeigte.

Neben dem gängigen Craftbeersortiment….

… werden auch bis zu acht Fassbiere zum Verkosten vor Ort oder zum Mitnehmen angeboten.

Und hier kommt der Growler ins Spiel. Craftbeer aus dem Fass – to take away. Der Growler, mega angesagt in USA, befördert den guten Gerstensaft aus dem Fass schaum- und sauerstofffrei in die bottle.

Und so funktioniert der Growler

 

MEIN Fazit: The Growler – oder besser. Bier für die Gass. Cheers.

 

 

Ulmer Renchen – Verliebt in die Schwarzwaldmarie

Ulmer Bier

Wenn auch verspätet, wünsche ich all meinen Lesern ein bieriges 2018. Ich bin Euch noch den einen oder anderen Brauereibesuch aus dem alten Jahr schuldig geblieben. Einen jedoch möchte ich Euch nicht vorenthalten. Denn dieser Besuch war ein sehr romantischer. In Ulm, in der badischen Ortenau gelegen, habe ich mein Herz verloren. Doch ich fange erst einmal von Anfang an….

Im Spätsommer bin ich mit meinem Bierfreund Olly von der Kraftbierwerkstatt Richtung Schwarzwald aufgebrochen, um die Gipsys vom Braukollektiv in ihrer Leihbrauerei, der Brauerei Rogg, zu besuchen (auf dem Bild links, der Olly – rechts die Zigeuner – Blog folgt).

Olly meinte, dass wir ja dann, wenn wir eh schon im tiefsten Schwarzwald unterwegs sind, gleich noch eine zweite Brauerei dranhängen könnten. Gesagt, getan. Habe meinen geschätzten Kollegen und langjährigen Geschäftsführer der Ulmer Brauerei, Siegbert Meier, angerufen, um zum Einen seine untergärige Schönheit, die Schwarzwaldmarie kennenzulernen, und zum Anderen ihren Mythos zu ergründen.

Im wunderschönen Ulm, an den Hängen des Scharzwalds gelegen, hat uns die Brauerei von ihrer schönsten Seite begrüßt.

Nach einer sehr herzlichen Begrüßung ging es gleich mit Braumeister Alexander Schneider und Siegbert los ins Sudhaus.

Im fernen Böblingen trug mir der Wind letztes Jahr die sagenumworbene Geschichte der Schwarzwaldmarie, eines kaltgehopften Lagerbieres, zu. Bei der Expedition durch die Bauhöfersche Brauerei erfuhr ich nun, dass die Wettbewerbszentrale in München der Familienbrauerei untersagen wollte, das helle Lagerbier unter dem Namen „Schwarzwaldmarie“ zu vertreiben. Die fadenscheinige Begründung war, dass Renchen-Ulm nicht im Schwarzwald liege, sondern zur Rheinebene gehöre. Die Klage wurde in letzter Instanz durch das Landgericht Mannheim abgewiesen. Die Resonanz auf den neuen Gerstensaft erwies sich im Anschluss an den Medienrummel um den Prozess nicht nur bei den Ulmer Bierliebhabern als sehr groß. Immerhin wurden schon im ersten Jahr 1500 Hektoliter von der Schwarzwaldmarie verkauft. Ob nun Mythos oder nicht, das Gerücht, dass hinter dieser infamen geopolitischen Anschuldigung eine namhafte Schwarzwaldbauerei dahinterstecke, hält sich in den vielen wunderschönen Schwarzwaldtälern hartnäckig. Das andere, dass im Schwarzwald, im Orbit des Gerstensaftes, die Vielweiberei nicht en vogue wäre, ebenso.

However, weiter ging die Erkundungstour durch die schöne Brauerei. Vorbei an den offen Gärbottichen…..

…. in den Lagerkeller und die top Bierfiltration.

Bei der Verkostung hat es mich dann echt erwischt. Liebe auf den ersten Schluck. Die Schwarzwaldmarie – super lecker!!! Wie übrigens auch das Pils und der süffige Maibock. Beide Weltmeister-Biere. Gekrönt in London beim World Beer Award. Der Braumeister Alex Schneider, der kann´s!

Mein Fazit: Freunde des gut gebrauten Gerstensafts, folgt dem Lockruf der Schwarzwaldmarie. Prost.

 

Holy Alkfreies by Andechs

http://andechs.de/die-klosterbrauerei/

Ab und zu, ob ihr es glaubt oder nicht, verkoste ich mich neben unzähligen Craftbeers und leckeren „traditionellen“ Bierspezialitäten auch durch die Welt der alkoholfreien Weizen. Immer in der Hoffnung, neben den durch gestoppte Gärung oder durch Vakuumverdampfung erzeugten Bieren auch mal ein mit etwas mehr drinkability ausgestatteten Vertreter zu finden.  Wie es der Zufall will, bin ich neben dem durchaus respektablen Krombacher alkfreien Weizen auf das außergewöhnlich leckere Andechser alkoholfreie Weizen gestoßen. Also – gleich los mit meinem Braumeister Gustl nach Andechs, um das Geheimnis dieses Bieres zu lüften.

Die Brauerei wurde in den Achtzigern des letzten Jahrtausends direkt vor den berühmten Andechser Berg auf die grüne Wiese verlegt. Im Sudhaus werden die Biere ganz traditionell im Mehrmaischverfahren gebraut. Heute im Zweimaischverfahren, früher sogar noch im Dreimaischverfahren. Die Rezepte werden so gut wie kaum verändert und wenn, dann nur mit dem Segen der äbtlichen Obrigkeit.

Bei der gestoppten Gärung übrigens wird die Gärung durch abruptes Herunterkühlen der Würze gestoppt. Diese Biere haben einen sehr hohen Restzuckeranteil und schmecken deswegen sehr süßlich. Nach dem Abfüllen müssen die Flaschen pasteurisiert werden, um eine unerwünschte Nachgärung zu vermeiden (der größte Vertreter ist Erdinger).

Unten seht ihr die Nassschrotung der Fa. Gea, bei der das Schrot unter Zusprühen von Wasser kurz vor dem Einmaischen geschrotet wird. Dieses System hat den Vorteil, höhere Sudhausausbeuten zu erzielen.

Die klösterliche Schaltzentrale des Sudhauses, sehr modern und immer unter strenger Bewachung….

Bei dem zweiten Verfahren, der Vakuumverdampfung, wird dem fertigen Bier unter Vakuum und Erhitzen auf ca. 40°C der Alkohol entzogen. Diese Biere sind im Trunk eher säuerlicher (ein bekannter Vertreter ist die Arcobräu Moos).

Im Gär- und Lagerkellerbereich arbeiten die Andechser Brauer im klassischen Zweitank – Verfahren. Das bedeutet, dass die Biere nach der Hauptgärung in einen zweiten Tank umgepumpt werden und unter Zugabe von Kräusen die Nachgärung erfahren. Im Gegensatz zum moderneren Eintankverfahren, bei denen die Haupt- und Nachgärung in einem Tank stattfindet.

Natürlich wird der Brauprozess auch bei Andechser kontinuierlich durch Labor- und Gaumenprüfungen begleitet….

Nun zum Geheimnis des Andechser Wundersaftes. Das Bier wird mit eigenem Maischprogramm im Sudhaus eingebraut, um im fertigen alkoholfreien Weizen die gewünschte Vollmundigkeit zu erzielen. Danach wird normal vergoren und das Bier über die Umkehrosmoseanlage gefahren. Hier wird bei 10°C durch Membranfiltration und Umkehrosmose dem Bier der Alkohol schonend entzogen. Also unter Verzicht von thermischer Belastung. Die Anlage wurde von der Fa. Gea entwickelt und erstmalig 2016 in Andechs in Betrieb genommen.

Mehr unter: http://andechs.de/die-klosterbrauerei/brauverfahren/entalkoholisierung/

Sehr schön und kompakt organisiert, präsentiert sich die Filtration bei Andechser. Nach der Kieselgurfiltration werden die Biere mit dem Schichtenfilter glanzfein getrimmt.

Nach Besichtigung derselbigen Anlage ging es zur Verköstigung mit den Mannen von Gea auf den Berg….

…ins Bräustüberl zu alkoholfreiem Weizen und lecker Mittagessen. Unserem Braumeister Gustl hat es geschmeckt. Vielleicht schenkt ihm ja der Weihnachtsmann dieses Jahr eine Entalkoholisierung à la Andechs.

Mein Fazit: „Ora et labora“ – Auf geht´s – Nicht nur zum Lernen auf den Berg.

Im Reich des fränkischen Sauerbiers – Brauerei Bayer Theinheim

www.bayer-heinheim.de

Knapp 30 km östlich von Bamberg, mitten im Steigerwald, bin auf einen ganz speziellen Vertreter fränkischer Braukunst gestoßen. Und zwar auf Helmut Bayer, bekennender Craftbeer Brewer und Biersommelier. Dieser braut heute in einer der mit 1200 hl p.a.  kleinsten Brauereien Frankens, seine kuriosen Bierspezialitäten. Im Brauereigasthof zum Grünen Baum werden übrigens schon seit fast 300 Jahren Biere gebraut.

Nach herzlicher Begrüßung ging es gleich los mit dem 40 hl Edelstahlsudwerk von Kaspar Schulz aus Bamberg. Hier im letzten Sudhaus vor „Wein – Franken“ tobt sich Helmut so richtig aus.

Von der klassischen Hauptsorte, dem unfiltrierten Landbier, bis zum Knörzla, einem bernsteinfarbenen ebenfalls unfiltrierten roten Lagerbier, wird hier einiges eingemaischt. Nach dem Sieden = Brauen wird die abgekühlte Bierwürze in die Gärtanks gepumpt und vergoren.

Helmut steht voll auf Dreifachgärung. Die erste in den Gärtanks,….

…die zweite in den Lagertanks und zu guter letzt die dritte in der Flasche. Bemerkenswert ist sein Dreifachbock, der nach Helmuts Dreifachgärung noch mindestens für 10 Monate im Congnac-Holzfass reifen darf.

Nach der Brauereichallenge ging es direkt in den Gasthof Grüner Baum, wo uns Helmut auf seine Expedition ins Bierreich mitnahm.

Als Einstieg haben wir sein flüssiges „Dörrobst“ verkostet. Ein mit 21% Stammwürze recht knackiges Sauerbier. Weiter ging es mit dem etwas weniger saurem, dieses Mal im Portweinfass ausgebautem Dreifachbock. Leeeecker. Die Krönung für mich war jedoch….

…das Cervinum. Das bierige Ergebnis  einer vergorenen Vereinigung von 50% Silvanermost und 50% Doppelbockwürze. Der volle Weinhybrid.

Mein Fazit: Sauer macht lustig 🙂

Auf den Keller fertig los – Die Oberhaider Kellergasse

In einer der wohl bierträchtigsten Gegenden der Welt, im Landkreis Bamberg, wurde, man höre und staune, bis ins 16. Jahrhundert hauptsächlich Wein angebaut. So richtig los ging es mit dem guten fränkischen Bier erst Ende des 17. Jahrhunderts. Zuerst hauptsächlich obergärig und erst etwas später auch untergärig. Wie wir wissen lieben die untergärigen Hefen kalte Gärungs- und Reifungstemperaturen. Und das ganzjährig. Aus diesem Grunde wurden die berühmte Oberhaider Kellergasse mit ihren zahlreichen tiefen Bierkellern angelegt.

Und diese wollte ich unbedingt erforschen. 2009 war Sanierungsstart, um diese auch der interessierten Bierenthusiastennachwelt zu erhalten. Auf der Karte sind alle 30 Keller akribisch eingezeichnet und kartografiert.

Der erste Keller wurde bereits 1796 urkundlich erwähnt. Hans Klamann war der erste Brauer, der seinen Keller dort anlegte. Weitere sollten ihm bald folgen. Die 29 Kellerbesitzer ließen ihr Bier allesamt beim Brauer vor Ort zu günstigen Konditionen brauen. Um das Bier aber in den Kellern zu vergären und zu lagern war ein Hausbraurecht erforderlich.

Um dies zu erlangen musste man ein Haus in Unterhaid besitzen und dem Gerstenanbau nachgehen. Dieses Braurecht gilt im übrigen noch heute.

Die Elektrifizierung Oberhaids nach 1924 war die Voraussetzung für den Einzug des modernen Kühlschranks. Dieser Epochensprung nahm den tiefen Bierkellern ihren Sinn und so endete 1950 die Bierlagerung in den selbigen.

1850 wurde über den Kellern der erste Biergarten angelegt. So entstand der heute noch gerne und oft benutze Ausspruch: „Lass uns auf den Keller gehen“. Natürlich wird dieser auch heute noch bewirtschaftet.

Um 1900 kam eine noch heute funktionsfähige Kegelbahn dazu, um die trinkfreudigen Gäste länger auf dem Keller zu halten.

Mein Fazit: Erst im Keller, dann auf dem Keller, da wird es dem Dinki immer heller.